Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 8 (22.2.1906)
- Date
- 1906-02-22
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr K L«ile 2 Ter F-raelit »«»י! 1 22 ,Februar bildeten Töchtern geben muffen, sollen sie unsere Töchter bleiben. Die schriftliche Lehre im Sinne der mündlichen ersofft, als ein modernes Buch gelesen, befragt in treuer Zuversicht um die Lösung der fragen, die den modernen Menschen bewegen, wird auch heute die Antwort nicht schuldig bleiben. Und ans einem genügend groffen Schatze von Wissen, das am Born der Propheten und Psalmisten, des Spruchdichters und der Männer des רזח הקדש geschöpft ist, iverden sich der deutenden jüdischen Frau, wenn eine kundige Hand sie geleitet hat, die geistigen Mittel ergeben, mitten itn Strome einer selbsigewiffe» Knktnr Urteil und Neigung auf den festen Ankerboden der jüdischen Lebensansckauung gründen. Auch dem jüdischen Mädchen muff die eine unteilbare Thora, die aus schriftlicher und mündlicher Lehre besteht, als ein lebendiges Ganzcs erscheinen, und ein möglichst tiefer Einblick in den (steift der Halacha — Reinheits- und Opferlehre, Staatsrecht und Ackergesetzgebung nicht ausgeschlossen — ist die Blüte des PentateuchUnterrichts für da( g r (> i 1 h p t e jüdische Mädchen. Zwei Emivänden sei gleich begegnet. Wenn hier als Ziel des positiven jüdischen Wissens eine Art abgerundeter jüdischer Lebens anschauung gefordert ivird, so darf hieraus keinesivegs die trügerische These abgeleitet werden, es genüge nun, unter Verzicht auf das Ouellenstudiuin, der weiblichen Jugend, einen philosophischen Crrtrafl von Lehrers Gnaden vvrzusetzen! Denn das ist ja gerade das Charakteristische der neu heranfsiebenden Zeit, daff stk dem Weibe die Ouellen des allgemeinen Wissens crschüeffen und bis zu einem gewissen (strabc die Freude am Forschen der Freude am Wissen binzugksrllen will. Werden wir auch!!׳!fern Töchtern die Pforten der talmudischen Wissen schalsten nicht össnen. au? das B i b e l w o r t mit den tausend (stedantenassoziationen. die ein anregender Unterricht damit verknüpst bot, müssen sse sich ׳,׳.!rück ziehen können, wenn es gilt, die geistigen Einflüsse der aufferjüdiscben Kultur zu umfassen, zu bewältigen und womöglich zur tieferen Erkenntnis der eigenen judiichen Wahrheit zu vrrivrrten. Und ein zlveites. Fürchten wir nickt, die ringe brochene, gleichsam naturbafte (stemütsfrömmigtcit unserer Töchter zu zerstören, wenn wir ihre Ver nie stellen! Die Sabbailichtcr verlieren für das empfängliche (stemüt der jüdischen Frau nichts von ihrer desrligrnden Wärme, wenn sie zugleich die <57 innerung an mancherlei Jlientäden wecken, die aus dem jüdische» Kreise hinüberrcicken in die Geschichte der Natur und der Menschheit. Litte adcr selbst jene alte, naive, allem Frage» und Suchen abholde weiblich« Gotte-:surcht da und dort Not unter der erhöhten jüdischen Bildung wir batten auch dann keine Wahl, hätten nur umso mehr die Pflicht׳, durch Lehr Methoden und Lehr k r ä f t c die Gefahren zu überwinden, die schließlich auf jedem Wege lauern. Persönlichkeiten, jüdische Personlichkeiten, gehören freilich dazu, um unsere gebildeten Töchter zu gebildeten Jüdinnen zu erziehen, denn Anfang und Ende in der Seele des Weibes ist die Per sönlrchkert. Resiiinieren wir: Vielseitigkeit, Dauer und Gründlichkeit der allgemeinen geistigen Ausbildung bedingen auch für das weibliche Geschlecht eine vielseitige, über das Kindesalter hinaus fortgesetzte und in die Tiefe dringende Ausrüstung mit jüdischem Wissen. Jüdische Töchterschulen zu gründen, wo sie noch fehlen, sie zu kräftigen und — vor allem ,11 ן besuchen, wo sie existieren, ist heilige jüdische Pflicht! Vor allem aber müssen diese Schulen durch die A n g l 1 e d e r u n g von Selekten lind Fortbildli'ngskursen in den allgemeinen und jüdischen Disziplinen zu Stätten ausaeitaltet werden, die dem jüdischen Mädchen bis zum a ch t z e b n t e n und neunzehnten Jabre gesunde, geistige Nährnng zu bieten vermögen. Nickt minder nachdrüctlich muff die Errichtung von jüdischen Fortbildungskursen für solche m»׳y Mädchen gefordert werden, die sich dem Lehrerinnen denn oder höheren wissen schaftlichen Studien zntoenden. Selbst wenn in einer Seminarbezw. Uninecsitätsstadt keine indische böbere Töchterschule besteht, werden tick bei hingebendem Zusammenwirken des Rabbiners und der Ne!ic!!ons>ehrer solche Lehrturie siir Seminaristinnen und Studentinnen sehr wohl znstandebringcn lassen. Dabei muff natürlich von vornherein betont werden, daff, die Ausgabe der Kurie nicht zunächst in der Ausbildung von Religon-^lebrerinnen besteht -- obgleich sse diesem Ztoecke ja dienen können sondern in der 'Gewinnung gebildeter Jüdinnen überhaupt. Sy möchten wir denn niit diesen den Gegenstand nur in knappen llmrissen umschreibenden -keilen die Aufmerksamkeit der berufenen Kreise auf die Fragen der Mädckenbildung lenken, solange die neue Gntwicklung. die mit der Konierenz i!n Kultus- Ministerium einhb.t, noch in den ersten Anfängen begriffen und solange es noch Zeit ist, zur Stegen webr zu rüsten. Möge sie lrästig und zielbewustt kinskb.en! WSLbLIMffMÄSLdAlUI. m׳m W Link neue Anklage gegen öie öeutschen Dampfschiffsgesellschaften. Vor einigen Wochen haben wir an dieser Stelle über die nach mehr als einer Richtung hin interessanten Vorgänge Bericht erstattet, die sich bei dem Empfang der Auswanderer an der Registrier Station in Bingen abzuspielen pflegen. Schon die Betrachtung dieser Vorgänge in Verbindung mit frül)eren Rachrichten, die üver die Behandlung der Auswanderer an den Eingangs Stationen der Ost grenze in die Oessentlichkeit drangen. legten di; Ver inutung nahe, daß das geschäftliche Interesse der deutschen Dampfer Gesellschaften mehr als gebührlich bei den polizeilichen Ein und Auswanderungsniaff nahmen in den Vordtrgrunb tritt. Nun ha: neuer dings der Newhorker Arzt. Dr. Maurice Fish b e r g , im Auftrag der Regierung der Ver einigten Staaten die europäischen Auswanderungsländ-er besucht, »m Material über die Gesundheits-Verhältnisse der Auswanderer und ihre Behandlung in den Verschiffungshäfen zu beschaffen. Aus dem offiziellen Bericht Dr. Fishvrrg's ieiu Dl. Arthur Ruppin, der Leiter des ״Bureaus für Statistik der Juden" in Berlin, längere Auszüge mit, durch die die oben erwähnte Wahrnehmung in über rasckcnder Weise bestätigt wird. Es ffeiffi in dem Bericht u. a.: .AM״: große llnzinräglichkkit inbezug auf das Bei halt:» d:r Tampndiisss Agenten zeigt fick in Folgende»!: Tie ielien in jedem ottcuvovandn’n Ankömmling einen Mann, der nach den Bereinigten Staaten geben mutz, mag er woben oder nicht. Viele vd» den Ankömmlinge». die durch die Polizei in die .stoutrollilation gebracht iverden. antworten ani die Frage, wobi» sie geben wolle», das; sie England znin Reife ziel baden. Ter Agent jedoch, der bei dem 'Verkauf eines Billels nach England nur wenig Verdien« bat, argwöhnt immer, daf; der 'Auswanderer die Absicht bat. nach seiner Ankunft in England »nt einer engtiichen oder ameriianücheii Tampsschissslinie nach Amerika zu fabren. Wie scbr der 'Auswanderer, der Teutfchland paniert. als die legitim: Beute der dentscheii Ta»1!׳iichi׳iia!!l1s Geiellschafrcii und ihrer Agenten betrachtet wird, zeigt folgendes Gespräch. das man in den »ionlrollstationen öfters bören kann: Agent: Wohin wollen Tic: Auswanderer: Nach Amerika: Agent: Wie viel Geld haben Tie: Auswanderer: Habe» Tie ei» Recht, da nach zu fragen ' Gendarm: Widersprechen Tie nichtFeigen Tie alles Geld, das Tie baden. Wen» Tie es nicht tu» bringe ich Tie sofort nach Rußland zurück und übergebe Tie den russischen Beamten." Ter arme cingcsdiüditertc Aus Wrmrr» f&Mftküom. Aberglaube». Von Vro'e'ior Tr. V. ׳Berliner NI Berlin. Lsas Herr an Z!olle!!׳!-׳.g!t über den 'Aber glauben ,g bat. gib! mir Veranlassung.' auf das siebente Uapilel m meinen» Buche ״Aus dem Leben der dculichen Inden im Mmeialler >" zu v:rw:>i:n, wo ich nieinrr inneren llebei-renaiing!>0״ der ickädlidien und irriae» Anschauung ani diesem and, »och beule im iippigcn Wüchse siebenden webiel: o'iencn 'Ausdruck verlieben liade. Es sei mir ge nanet. i->> cMnteilung zu diesem Aapilct hier wörtlich iolgen z» lasse» : . Fiir das Ibema. welches wir letzt zur näheren Belrachliing bringen, wollen wir unsere» Bild nicht allein uni das gianc Altertum und das dunkle jL>1iU:'u״U'1. senken! auch o.ii! das crleuchretc :',:!!alter der Gegenwart lenken, dcuu zu alle» Feilen hat. mehr oder minder, die Tünde des Aborgtaudens gebcrridil und der Wabn desselben 0>e Mcnichcn gefangen gebaltcn. Noch beule wuchert der Aber glaube als ein Giitbauni und unter dem dunklen Tchatien desselben berge» sich Inden und Edrislen. Gedilkeie und ,Anmerkung der Redaktion. Gern nehmen wir Veranlassung, aut dieses doch» tedrreiche und inrerefkanle Buch, das durch >edc Buchbandlunz zu dezieben iß. beson der« binzuweii'en Es eignet!ich vorzüglich als ein t»e slhenk iür die reiiere Fugend, und sollte m kruirm!üdiichea gedtldeten Hanse sedten. Ungebildete. Gläubige und Ungläubige. Mn Recht sagt Lazarus 1T. :K'1 in der Tdirtil ״Treu und frei"!, Nichts nebmen dle Menschen leichter von einander, als den 'Aber glauben, welcher am mibcüeii auch die komcsswncllcu Türen iprrngi. ' Vor dieser Tiinde tonnte man, soiiir man sprechen aut der »tanzet nnd ans dem »tatKoder, in der Tnnagoge wie in der »tircke. in der Tchule wie im Hause. Und doch in vieles Tbema ein io wenig beliebtes, ein so selten bciprodienes. Warum . Weil man fürchtet, Anstoß zu errege», und als ungläubig ausgcfchrieen zu werden: denn viele wollen den Aberglauben für religiöten Glaube» halten, aus Uiikeiiniiiis der knliurdistorischen Enlwidelnng. weiche die verschiedenen Arten des Aberglaubens im Laufe der Fabrbunkrrlc genommen baden, obne mit dem eigentlich Religiösen irgendwie etwas gemein zu baden. Ferner weil man sich iebnl. gegen diesen oder jenen 'Aberglauben, mit dein scheinbar irgend ein religiöser Gedanke, den man später aus weiter zu erörternden Gründen binenigetegl bat, verbunden ist. auszutreten, aus Furcht, dadurch auch de» religiösen Tin» zu verletzen. Endlich, weil mau es nickt iür ratsam ball, gegen gewisse 'Arten des Aberglaudens, bei denen dem krostloten Gemme Beruhigung nnd dem sorgenvolle» Heizen Erleichteiung gewählt wirk, anzukämpsen. Fm allerichltmmstrn Falle ist es doch nur ein zu belächeln der, denkwidriger Wahn, der weiter nichts schabet, wird man von mancher Teile einwenden. Tcm ist aber nicht ko: Tic jüdische Lebrc verbietet ,eken Aberglaube», da er immer die Leugnung euicr nllltch freien göttlichen Wellordnung und Wallung involviert. und aus die sittlich freie Tätigkeit des Menschen eine» schädlich bcmmenden Einstuß übt, die Gott euischlleßtich ihrer F,icle, ihrer Zulässigkeit oder sittlichen Notwendigkeit lediglich aui sei» Gesetz so wie binstchtlich der 'Anstüdrbarken am die von Fdn, verliebene. vernüisstige Einücht biiigewiesen dar Tader auch im Pentaleuch und bei den Provbeten io oft die Mahnung, den Weg der Völker nicht zu wandeln'" Hieraus folgt eine Tarstellung von Ein׳,elbeiten, die zum Teil.auch i» das Aapitel der falschen, oft sehr sünd hafte» Tdilagwörter gehören. Zm Sntnicfluna k5 jüöiidirn Mn««!cns. cEortsebung). Waren nun die ersten Fabrzebule des »eunzehulei! Fahr Hunderts für das jüdiidze Feilu»gswe»'en Teutschlands von nnlergeordiieler Bedeutung, so eiitividclte sich dafür das Fahr zebnl von ls:t! tu z» größter sruchtbringender Tätigkeit aus dem «Gebiete des Fournaltsmus, und zwar ebensowohl in polt lischer wie in literarisch wisselischastlichcr Hinsicht: nicht weniger als I-'׳ Feilsdiriilen. in Tcntschland gedruckt, wurden während dieser ,-seit gegründet, inner ihnen uichrere, welche von dem 2landpunkte der Langlebigkeit aus betrachtet, ungeheuer erfolg reich waren: i» der Tal wird eine von ihnen jetzt noch vervsscni lickt. Tic erste Zeitschrift dieses Fabrzedntes. ..TerFude". war fast nur politisch: trotzdem er sich am einem so hervorragende» «Gebiete betätigte, war seine Lebensdauer nur vier Fahre t!8:!2 bis Fm Fahre IS;!:; wurke eine neue Folge des ״Fedidja" veröffentlicht und ״Fion". eine religiöse Zeitung, begann eine zweijährige Lausbahn. Fm Fahre 1s:!l erschien Philippion s ״Israelitisches Predigt und Tchul Magazin". F»1 folgenden Fahre erschien das ״Füllhorn" 11SAiS :«;! mit dem Fwed. edem'owodl ein belebrendes und unterdaltendes Blatt zu sein, wie auch interessante, jüdische Ereignisse zu dringen: cs führte eine neue Form der Feilungen ein und wurde von der ״Tunagoge" abgelöst. Von größerer Bedeutung war die im Fahre ISA", von Geiger gegründete ״Wissenschaftliche Femchrtn für jüdische Theologie", in welcher dir namhaftesten Gelehrten sich vereinigten, die ״Füdischen Wissenschaften" dem Volke zugänglich zu machen Ter Erfolg dieser durch aus im Tinne der »JieoCojiie gehaltenen Zeitschrift war