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Der Israelit · 1906-02-22 · 8 (22.2.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
8 (22.2.1906)
Date
1906-02-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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er israe Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet non Dr. Lehmann in fflaini •17. Iliyra,ina. f 1 a 111, lu 11 a. ID.. 0111־ .Eblllkn 100b. -z. /sfiijcumij?1י1י1י. .H ״«. Der Israeli! ericdcinl jeden Dluinerstag• 4lvonnemeute>: «Gewöhnliche Ausgabe Pik. iHcneliabrltrii, Henausgave auf Aiuiuvriilkpapier Ptr. :1. i'icuoliatjrlict).!'Auslands greife für die gew. Ausgabe: Leflerreich 2 Kr., Nuülaud l Kuh., England 2 «l>, ׳Amerika •'>" ein, lliiederlande 1,2" >1.1 2lbo»ue»1e»ls bei alle» Pefianflatlen, Buchhiuidluiigeu. sowie direkt bei der Expedition,, HeslauSgale nur direkl. Inserate: ^i״ Pfennige »iir die fechsgefvaliene Colonel Zeile; Radau nach Tarif, IujerUenannadme nur durch Haasenitein k Vogler A. E. ״, Frankfurt a. M. und deren Filialen Zur silbernen hocbreit untere; ssaiterpaarer. Am 27. JeDtuar begeh! .Uaifcr Wilhelm! i. mit seiner hohen Gemahlin das TVrft der silbernen yiorfneil. und in allen deutschen (Hauen rüstet man sich, an dem Freudentag der kaiserlichen Familie feiernd teilzu nehmen, fünfundzwanzig Jahre find es, feit der damals22-jährige Prinz Wilhelm mit der Prinzessin Auguste Victoria von Schleswig Holstein in den Bund der Ehe trat. In reichem Maße ist diese! Blmd von Gottes Hano gesegnet worden. Hat es auch i!> dieser,Seit dem Siaiferpaare nicht an ernsten Stunden gefehlt, so war dafür voller Ersah die schone Harinonie, die sein Familienleben zierte und zum nach ohmenswerien Beispiel n!achte. Eine praanige .Kinderschar, war ihm beschieden, und erst vor kurzem erlebte es das Oiliicf, den ältesten Sohn, den Krön Prinzen, eine junge Gattin heimfübren zu seben. Das deutsche Volk hat immer lebhaften Anteil an dem Wohlergehen der kaiserlichen Familie genommen! in ׳hm sah es und sieht es den Quell, aus dem Kaiser Wilhelm die Kraft schöpft für seine fruchtbringende Arbeit an einer gedeihlichen Entwiälung de» deutschen Reiches. Was alles der hohe Herr an Segensreichem geschaffen hat, werden wir wohl auch seiner erlauch ken Gemahlin, die ihm in der Erfüllung seiner schweren Pflichten eine Stütze ist. zu einem Teile zu danken haben. Seitdem Kaiser Wilhelm I I. vor bald achtzehn fahren den Thron feinte Väter bestieg, ist er rastlos, wie wohl kein anderer Fürst der Gegenwart, für seines Landes und seines Volkes Glück tätig gewesen. Mit weitausschauendem Blick fand er die Mittel, um die Wohlfahrt aller Volkskreise in segensreicher Weise zu fördern: mit starker Hand hat er für die Sicherheit des Reiches zu sorgen gewußt, die Srg nungcn ungestörter Volksaröeit höher schätzend als kriegerische Lorbeeren, ist er stets ein fester Hort des Friedens gewesen. Was uns al» Juden aber den Kaiser besonders verehren läßt, das ist die warme Regeisterung, mit der er immer für die höchsten Güter der Menschheit, für die religiösen Ideale eingetreten ist. Mit dem lebhaftesten Interesse für Kunst und Wissenschaft verbindet er gleich seiner hohen Gemahlm tiefe Frömmiglril und festes Gottdertrauen und die klare Erkenntnis, daß die Bewahrung des religiösen Geistes in ollen Schichten des Volkes in unserer Zeit mehr denn je dringendes Bedürfnis ist. Wie vom König David, so gilt auch von ihm das Wort: ״Gott, Deiner Macht freut sich der König, wre;ubelt er ob Deines Sieges 1“ Mit dieser Gesinnung ist er wahrhaft ein Köniz von Gottes Gnaden. Und darum wird, wen.״ am 27. Februar aus Millionen Herzen für den allverehrieu Hr! 1 iJ>ct Gebele zum König der Könige aufsteigen, jedes jüdische Gemüt mit doppelter Innig׳ keit die Viite an den Allgütiaen richten, daß er über dem Kaiser und der Kaiserin und ihrem hohen Hans,׳ auch fürder seine schützende Hand halten und ih!e Werke segnen möge, zum Heile ihres Volkes uns der gesamten Menschheit und zur Ehre Seines heiligen Rainens. vle stekorm der Madcdenbildung und die jüditebe krriebuug. In aller Stille breite! sich aus dem Gebiete der M ä d ch e n b i l d u n g in Preußen, und vami! u״ widerruflich in Deutschland überhaupt eine Eni Wicklung vor, die auch von! Standpunkte des gesetzes treuen Judentums aufmerksanier Veachrung werr in.?»ach langen Kämpfen scheint das bureaukralische >׳is nun endlich zu schmelzen, das dem mit geschivellten Segeln dinaussieuerndcn Scbisflcin der geistigen Frauenemanzipation in Preußen jeden?lugenblit den Garaus zu machen drohte, und unter der Führung des Kultusministers soll den preußischen höheren Töchtern durch wokleingerichtete ״Qberlnceen" hin׳ durch der Weg zur Universität geebnet werden. Qb es in der Tat möglich ist, auf dcm Grund« de«- beute bestehenden stebentlassigen höheren Mädchenschule in drei Jahren ein llntcilichisziel zu erreichen, dem Realgymnasium und Gymnasium in planmäßigem organischem Aufbau neun Jahre laug zustreben, das mögen die pädagogischen Fachleute entscheiden. Für uns ist vor allem die Tatsache bedeukungeooss, daß wir zweifellos einer Aera stark gesteigerten iveiv lichen Bildungssireoens riitgegcngehcn, in der echtes Dildungsbedürsnis und salonmäßig-modische Bildungsheuchelei sich die Hand zum Bunde reichen wer den. Bei der Empsänglichkezt der weiblichen Psychc überhaupt und der jüdischen insbesondere für alle neu sich eröffnenden Wege zum geistigen Fortschritt, wird und muß ein scharfer Wettbewerb um die Ehre entstehen, in der sozial abgcstempelten Bildungs Rangordnung höhere Stufen erklommen zu habe», und auch für diejenigen, denen der Weg zum Uni versitätssludium zu dornenvoll erscheint, werden die unzähligen Mädchenpensionate. Privaten Erziebungs Lnsialieii, Lehrkurse neuen Bikd'.'.nasstnfs die Menge heranfchlevpen. Diese Entwicklung zu beeinflußen, liegt nicht in unserer Macht: wir haben mit ihr zu rechnen und uns in Ruhe zu fragen: sind unsere Töchter gerüstet, die neue Flut von Lickt zu ertragen, ohne daß ihre Sehkraft gesckwäckt wird für die stille Leuckte des jüdischen Heiligtums? So lange das Weib, das werdende so gut wie das gewordene, sein Denken und Sorgen im Umkreis der ihre Ausrüstung keineswegs treffe. häu licke!: PKicht erschöpfte, so lange hie!1114 Vctfiie und Be:kehr einstiömeuven geistigen i»?uriüfTe sich inevc an das llinerholtungsbedürfniS wandten, als ein iieieres Inkercsie für die verwirrenden k-rov leme des modernen Lebens loeckien so lange genügte das jüdische P s I i ck t l e b e 11 selbst, mi» einfach׳! Hingebung gele t, um jeine!reue!! Trägerinnen du»ch» Iah! üiiiducch, durch dir Jahre h:ndr:׳ch zu geleiten und sie als Frauen und Mütter zu hör monisctren, Lickt und Liede ausströmenden Persön lichkeitcn zu erzielen. Das Bild anderlc sich schon, al? mit V! ailge meinen Schulpflicht auch für die Mädchen eine starte Verbreiterung der geistigen Interessen einirat. Samson Raphael Hirsch hat zu jener °(\[ in über zeugender Weise den Rachioeis geführt, daß die Ab Neigung der jüdischen Ueberlieserung gegen «ine g e lehrte, t a l m 11 v i s ch e Ausbildung der Frauen mit reichem ,i;hisck<״n 'Wissen und er führte diesen Vachmei» ׳n dem tiefen Bewußtsein, daß von dessen Anerkennung die Erhaltung des jüdischen Weibes nir das Juden tum abhänge — und damir die Zukunft de? Jakobs Hauses. Die?'Momente, die damals zuerst in die Erscheinung traten, werden jetzt ihre Wirksam!,׳!: in erhöhtem, Maße geltend machen. Entwi-kelter noch und rascherer Steigerung!ä'aig als beim heranreifenden Jüngling sind in der Mäd chenseele die Gefühle der Liebe und der Verehrung gegenübe״ alter geistigen Größe, die aus den Sckövf ungcn der Weltliteratur, aus jeder ivissenschastlickcn Tat, aus jedem künstlerischen Qrganismus ihnen entgeaenleuchtet. Geüngt esnicht, die Seele unserer Töchter bei solchem geistigen Erleben mit dem lebendigen Bewußtsein zu erfüllen, daß ihnen das G o 11?? :0 ח r t der untrügliche, in alle Tiefen menschlicher Geistesarbeit hineinleuchtende Leiisiern der Erkenntnis sein könne, in dessen Licht alles erst Sinn und Verstand gewinnt -- dann wird unmertsich, aber sicher das ganze (stebäude jüdischer Lebensführung, das wir auf lstewöhnung und Zucht nnerschütterkich gegründet wähnten, van der als fremde Geistesgröße anaestaunten wissenschaftlich künstlerischen Kultur unterwaschen und vernicktet werden. Die erste Vorbedingung aber für die Entwict lung eines wir möchten sagen, aktiven, das Fremde assimilierenden, nicht vergötternden jüdischen Bewufzrseins in ein genügendes Maß jüdisck*n Wissens,?,'icht hebräische Sprache und nicht jüdische Geschichte, so populär diese beiden Diszivlinen heutzutage auch geworden sind, können den Grundstock dieses Leben zeugenden Wissens bilden — denn die Sprache ist im üblichen Betrieb etwas rein Formales, und die ׳Äeschichte tötet, sargt ein und begräbt. Thora Wissen ist's, was wir unseren ae-

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