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Der Israelit · 1906-02-15 · 7 (15.2.1906) · p. Seite 8

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
7 (15.2.1906)
Date
1906-02-15
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Sir 7 ■stirr י׳. Ter Israelit. Februar l!«»»; noch einen bittreren Hohn, eine giftigere Ironie geben?! Beide Herren lieben die Vertreter der jüdischen Gemeinde kommen und ermahnten sie aus die jüdische Jugend zu wirken und die Waffen der ״Selbstwehr" auszulieferu. widrigenfalls die Gemeinde ernste Strafen zu erwarten habe. Al? ob noch schrecklichere Strcnen, denn die. welche sie soeben erfahren hat. möglich waren! In seiner Proklamation an die Bevölkerung schiebt General Drlow die ganze Schuld auf dic Juden, welche Bomben auf das Militär getchleudert hätten, unterlief; aber dabei nicht zu erwäbnen. daß. vom Militär niemand gelitten hat. Fügt man noch hinzu, das; auch von der christlichen Bevölkerung niemand beschädigt wurde und alle Opfer ausschließlich aus Seiten der Juden sind so muß man zugeben, daß die neue technische Bervoslkowm nuiig der Iudenkrawall-Praris stch in Homel ganz vorzüglich bewährt hat und demnach uns Juden nichts anderes übrig bleibt, als die Flucht! .... Petersburg, H. Febr. Dem Ministerrate liegen vier Entwürfe für ein Grundgesetz vor. In zweien La» Leüsrlbcii in der Urei Seiosiyerrscher bei bellten, und Gottes Gnadentum hervorgeboben. Gesetzgebende Gewalt gehört dem Kaiser und wird verwirklich, durch die Duma. Bürgerrechte werden nach europäischem Muster sormuliert, aber mit be sonderen Gigentumlichkeiten. Alle Gesetze, die Bürgerrechte betreffend, werden aufgehoben, sobald ein (Me b:et in Ausnahmezustand erklärt wird. lieber die Bedingungen und Erklärungen des Ausnabmezu siandes schweigen aber die Projekte. Ferner wird die r״!sische rechtgläubige Bevölkerung als herrschender Boltsteil proklamiert, und kür Juden und andere l!.'at!onalität?n werden Beschräntungen bestimmt, nia>t nur »Tu de» Stualsdienst, fonbern srlbsi bei in ttftrtiff.41# 0#f»r rtnftnitMl England. Kondor. 0. Tf-tbr. Zu einer erhebeuden Feier gestaltete sich das am letzten Montag startgebabte Festessen der Jüdilchen Historischen Geiell'ckmst aus Anlaß der 2'»<p Wiederkehr des Tages, an dem die Wiederansiedlung de! Juden in England begann. Nahezu '< x :־ Damen und Herren nahmen an dem Feste teil, dar»,,irr der wari or Erewe nnv James Brvee, al° Äertreter der Regierung. Die Detailnder die Handhabung der Alienbill lauten immer aufregender. Sc ist N?*» Tage ein russischer Soldat zurückgewirKn worden, der tatsächlich dem Tote ent rönnen war. Eltern, dic ibrc Kinder vor Schlimmerem als vor dem Tore bewahren wollen,!׳erden ans Grund der Getehesparagrapben von der Landung znrückgehalten' st-s in dringend zu ivünschen das; die Bemühungen der englischen Presse, dab neue Ministerium zur Milderung der Alienbill;׳.! veranlaüeu. Enolg haben. Amerika. amKa«, ,ff ... \ *• . t A vit u>s v-ju1׳n*F iwiiiuiuuti.!Von unteremllorretpondentent. N e w n o r k 2l Jan. Mit Recht ist in einer der letzten Korrespondenzen r- ״Isrcu'.it" aus Baltimore darauf hingewiesen worden, welch bedeutenden Einfluß der starke Zu ׳tust von rnssiscvrn Einwanderern aut die Intensität des religiösen Redens der amerikanischen Iudenheit ausgeübt Hai. Größer aber noch, wenn auch in den Ursachen nickt ganz so erfreulich, ist di? starke Gr oobung des moralischen BerantwortlichkeitSbewußt sein:- und desozialen Empfindens, das durch die allmähliche Entstehung eines ungeheueren Ghettos inmitten ■־«,r ז^זסייט׳זלל Großstadt bei den omeri konischen Juden hervorgerusen worden ist. Man hat kaum eine BorstrNii^A arof!e gab! von Problemen und Aufgaben der Newvorker jü discken Woblsabrlspslege gestellt sind. Da 'gilt er Kinder einem vernünftigen Unterricht zuzuführen. iür Bcrkrii welte und Idioten zu sorgen, verwaiste o--er haldverwai'ie russische Kinder in geeigneter Weisr in Familien oder Pensionen unter zubringen, ko״ per Polizei bestrafte jüdische Kinder zu nützlichen Mitgliedern der menschlichen Gesellschaft zu erziehen (es sind das leider etwa 2000 jährlich). Für alle diese schwierigen Aufgaben haben sich besondere Bereine und Komitees gebildet, die ihre Pflicht, wie man sagen muß, durchaus ernst nehmen. Das beweist z. B. ein jetzt erstatteter genauer Bericht über die Tätigkeit des Komitees zur Unterbringung von Kindern. Detaillierte Fragebogen werden denjenigen vorgelegt, die sich bereit erklären, aus moralischen oder finanziellen Gründen Kinder zu übernehmen. Der Bewerber muß nicht nur über die Motive seines Schrittes genaue Auskunft geben, sondern wird hinsichtlich seines Eharakters, desjenigen seiner Frau, seines Borlebene etc. genau geprüft und muß mind-stens drei Referenzen aufgeben. Sind die Aus׳ lünfte befriedigend, so wird das Kind zunächst provisorisch in der Familie untergebracht. Vorher findet eine genaue ärztliche Untersuchung der Kinder start und deren (Ergebnis wird in zwei Akte niedergclcgt, von denen die eine der Pflegevater, die andere das Komitee erhält. Bon Zeit zu Zeit besucht ein Beaus tragier des Komitees die Familie, um event. die Unterbringung an anderer Stelle zu verfügen. Die schwerwiegend»« religiösen Fragei.. dir 1UÜ der Erziehung verbunden sind, sind der Behandlung eines besonderen Koinitees überlasten, dessen Vorsitzender Dr. Mendes ist, und dem u. a. auch der ge setzeslreue Rabbiner Dr. Drachmann und der offizielte Möbel P. Martin angehören. Am 13. Januar wurde in feierlichem Akte wiederum der Moles und Elaro Schilf Preis verteilt, ln wird einem Kinde zugesvrochen, das di; beste El-aralter Darstellung einer biblischen Persönlichkeit ohne besondere Vorbereitung zu geben vermag. Der Preis wird jedes Jahr am Iahrzeitstag der Ehe leute Schiss aus Frankfurt verteilt. Augenblicklich bat Amerika die Ehre, mit P r of e s s o r T e l i tz s ch's Theorien beglückt zu werden. Telitztch hält sich bereits seit einigen Wochen hier aus und hält seine bekannten Porträge in den ver schiedenen wissenschaftlichen Zentren des Landes. Entgegen all-v Erwartungen ist die r u s s i s ch e Einwanderung im Augenblick durchaus nicht stärker als gewöhnlich und die Dualität der Einwanderer namentlich, läßt nichts zu wünschen übrig. Es sind zumeist Familien relativ höherer Kultur und guter Erziehung, viele auch mit aus׳ reichenden Mitteln versehen. Einen Sturm im Glas Wasser hat die immer noch nicht gelungene Neubesetzung der Reform- Kanzel im hiesigen Tempel E in a n u e l her aufbeschworen. Dr. Weiß in Portland sollte b« rufen werden, war aber mit der Bedingung nicht einverstanden, daß ״die Kanzel fortgesetzt der Kontrolle des Sbnagogenvorstandes zu unterstehen habe". Die mannlzaste Ablehnung Dr Weiß', zu der bei der hohen Dotierung der Stelle in der Tat einiger Mut gehört, veran'.aßte in Gemeinde und Presse lebhafte Diskussion. Es ist ein trauriges Zeichen für die Kerheerung. die einige Jahrzehnte Reform in dem moralischen Empfinden der Iudenheit angerichtet haben, daß die Würde des rabbinischen Standes solckxn Diskussionen überhaupt ausgeseht ist. Bei der Dualität zahlreicher Rekormrabbiner ist das allerding? nicht weiter zu verwundern. Schweiz. Basel, 1. Febr. Einen intereisan - t e n Disput finden wir in dem in Zürich er sch-eii.knden ״Israelitischen Wochenblatt". Ein Für sprech (Rechtsanwalt) in Zurzach. Dr. Arnold Bollez, hatte zum hundertjährigen Geburtstage Augustin Kellers, des mannhaften Vorkämpfers der jüdisclxn Emanzipation, eine Reihe von Artikeln veröffentlicht, an deren Schluß er folgendes ausführte: Keller hatte in der entscheidenden Rede, in der er dic Gleichberechtigung der Juden in der Juden in der Schweiz forderte., ausgesührt, daß, der Wucher unter oen Juden nach der Emanzipation aus köre und daß diese ihre religio senBesonderbeiten völlig aufgeben würden. Haben denn, so (ragt elegisch der Artikelschreiber, die Juden die Naturalisationsgebühr bezahlt, die Augustin Keller von ihnen forderte? Er glaubt hieraus mit ״Nein" antworten zu müssen. Noch immer gibt es jüdische Wucherer und die Juden halten noch immer zähe an ihren religiösen Besonderheiten fest, die eine Scheidewand zwischen ihnen und ihren christ lichen Mitbürgern aufrichten! — Auf diesen Artikel antwortet Herr Avolr Gugoenheim. einer der Vorsteher der Gemeinde Baden, mit folgenden bemerkenswerten Aussühr ungen: ״Sind wir schweizerischen Juden vielleicht weniger gute Bürger geworden, als die Juden anderer Länder, die die Gleichberechtigung lange vor uns rrwirkten? Wir haben, wie sie, unsere Pflichten gegen Staat und Gemeinden allezeit getreulich er füllt: für unsere Armen haben wir reichlich Fürsorge getragen, und es hat sich die heutige Generation der schweizerischen Juden wahrlich vor dem Geiste ihres Befreiers nicht zu scheuen. Den Vorwurf des Schacher- und Wuchcrtums weisen wir zurück, er kann uns nicht betreffen. Wo ist das Volk, wo die Familie, die aus einer Engelschar besteht' Augustin Keller sind wir Dank schuldig, jawohl, wir haben diese Dankespslicht noch bei jeder Gelegenheit an erkannt und dokumentiert — aber daß wir pflichtig seien, uns auch in unseren innersten, speziell religiösen E'rpslvgenheiten nach den Forderungen .Kellers, die damals j>a!• 1־ait!on tl’eta.t gestellt wurden, einzu richten, davon kann keine Rede sein. ׳Das wäre ja gar nicht im Sinne der überaus duldsamen, echt demokratischen Anschauungsweise Augustin Kellers. Lassen wir doch jeden nach seiner eigenen Facon »elig werden!Ich bin einer von denjenigen, welcher ,,die Eigenheiten und Eigentümlichkeiten", um mit Keller zu svrechen. abgelegt hat und Herr Dr. Bollez in Zurzach ist auch einer von denen, ja. noch mehr als das, er hatte sie nie angelegt. Sind wir deshalb in der Achtung unterer christlichen Mitbürger g e st i e g en ' Keineswegs! Herr Dr. Bollez, dem doch sicherlich die Befähigung zum- Denken in jeder Beziehung zuerkannt werden muß und der ausschließlich in christ licher Gesellschaft verkehrt, hat es noch nicht einmal zum ״Großrat" (etwa soviel wie Stadtverordneter. Tie Red.) gebracht, obgleich sonst dem aargauischen Fürsprecher Patent das Großrals-Mandot mit in die Wiege gelegt wird. Die aargauischen Mitbürger jüdischer Konfestion können daran nicht schuld sein, denn in Z.!.׳obnt neben .Herrn Tr. B. nur ein ein ziger Jude. Die Ursache muß also anderswo zu suchen sein, und wird es den verebrten Leiern leicht sein sie zu finden." Dieses Selbstbekenntnis enthält auch für die Juden ande׳er Länder viel Beherzigenswertes! O Es iit eine viclbemerkte Erscheinung, daß das erilc der zehn (Gebote, die Grundlage der gesaniien Thora, nicht »1 Form eines Befehls, einer Ermadnnng. ausgesprochen ist, sondern durch de» poütive» und einem Widerspruch gar keinen Raum gehende!! Lag אגב־ ה׳ אלהיך■ Tics mag uns wob! lehren, daß die Ileberzeugung, daß Gott uns au» Aeghpleu geführt und zu allen Zeiten unser Schicksal leitet, nie durch die Stimme des gegen jede sittliche W i l l e n S beläligung sich auflchnenden יצר הרע erschüttert werden kann. Nicht nur in unserem modernen Zeitalter bat »1an durch philosophische oder naturwissenschaftliche Spekulation de», auf dem Boden der אנגינה siebenden Jude» diese Wahrheit streitig zu machen gesucht, sondern zu allen Zeilen bemühte man sich ans die pertchiedensie Weite ihm dieses kostbarste .Kleinod zu entreißen Aber, sagt uns der Mtdraick: כשאמר הלא.יה אנכי השחיק ״ ■אח כל העילם כיליIndem uns Gott die Ileberzeugung des Wortes אנכי ר׳ einpsianzte. bat er alle Stimmen, die sich dagegen rrkcdrn wollten, für immer z׳.!rückgrw:rsrn." Ter unerichiitlerlicke Glaube an die gönliche Weltrcgieruug kan» llns nicht geraubt werden und wird uns allezeit Kraft pcrlcike». die Basis aller Wahrbeiten gegen jedwede Angriffe zu verteidigen. So sagt auch der Midrasch im Anschluß hieran - ״ •יכן היא איטר אנכי אנכי היא מנחמכםTie unan lasibarr Tatsache, spricht Gott, daß ich es bin. der Euch di« Ilederzcugttng von meiuem Wallen eingegeben hat, wird auch in den trüb st e n Zeilen Euch T rost und Hoffnung spenden."

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