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Der Israelit · 1906-02-15 · 7 (15.2.1906) · p. Seite 6

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
7 (15.2.1906)
Date
1906-02-15
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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91 r. ל 3«tu יי bewies durch ihren äußerst schwachen Besuch, wie berechtst die c>ben geäußerte Befürchtung ist. Der Jndifferentismus des!veitaus größten Teils der jüdischen Gemeinbemitglieder Breslaus, welcher allein die heiitigen. für die konservative Minderheit unhaltbaren Zustände verschuldet hat, zeigt sich wieder in gewohnter?geile, und man wird die gegenwärtigen Machthaber in der Gemeinde auch weiter nach Be lieben schalten und walten lassen, bis — nun bis sie sich wiederum durch irgend eine neue Anordnung über die konservative Minderheit mit Mißachtung hin׳ wezsetzen und diese damit zum. Kampfe reizen iverdeu. Aeiuahe mochte man wünschen, daß es wieder dahin kommen möge. loiißte man nicht, daß die Er׳ reguug in solchen Fällen meist leider eine sich nur allzuschnell verflüchtigende ist, und daß dann alles wieder in die alten Bahnen zurüctkehrt, während die kleine Schar Gesehestreuer von dem, was ibr beilig ist, Stück für Stück schwinden sehen müßte. Und doch! wie viel Ursache hätten die Käufer vativen auch jetzt, nach den Wahlen, den Kamps kortzusetzen'. Sind denn all die Herausforderungen, die sie sich in der lebten Zeit von den Machthabern in dec Gemeinde gefallen lassen mußten, schon vergessen? Amtiert nicht der viel umstrittene Kantor F. noch immer in der neuen Shnagogr, trotz des Protestes de. Rabbiner, obwohl er es zugelaffen hat, daß lein Kind dem Judentum den Rücken gekehrt? Ist die Einfübrung des Harmoniums auf dem Friedhofe, bei der man weder die Rabbiner um ihre Meinung be fragt, noch auf den Protest der Konservativen ackled, schon ganz vergessen? Erinnert man sich denn gar nickt mehr daran, daß nicht einmal beim Umbau der sogenannten konservativen ״Storch-Svnagoae" im letzten Sommer die Arbeit am ־. ״:r ruhte? Was würde man wohl i» einer anderen Kebilla, wo noch so viel jüdischer Geist wie hier in Breslau vorhanden ist, zu einer solchen Handlungsweise der Gemeinde leitung sagen? Würde man nicht mit allen Mitteln kämvlen. bis man solche Zustände beseitigt bat»? Hier in Breslau aber beruhigt man sich nach kurzen Ausdrücken der Empörung sehr bald wieder und läßt alledenselben Gang weiter geben, obwohl die ^crn?!nbflt!tür!3 ^£ז bnt ,lampt in leicht macht. Hat sie es doch bisher nicht vermocht, auch nur einen einzigen Entschulbigungs arund für ibr unverantwortliches Boraeben vorzu bringen! Sie ionnre sich nickt einmal auf die liberale Mebrbeit der Gemeinde berufen, dir sie sonst zweifellos hinter sich hat. denn die Majorität der Gemeindemitgliedrr Härte sich gewiß auch mit anderen dw Konservativen mehr berücksichtigenden Maßregeln zufrieden gegeben. So wurde z. B. das Harmonium auf dem Friedhof, wie es ausdrücklich in jener Borläge beißt .aus Anregung des Organisten" ringeführt, während aus der Mitte der Gemeindemitglieder heraus niemals der Wunsch nach einem solchen Instrument laut geworden war, was ja auch die äußert: seltene Inanspruchnahme desselben bestä'igt. Wie leicht wäre es also :־.׳; diesem Falle gewesen, den Wünschen der lonscrvcrtiven Minderheit Rechnung zu tragen! Das geschah aber keineswegs es beißt ein sack: wir leben in einer Zeit, wo man Uber solche Dinge gar leine Worte mebr verlieren bars, sondern über sie einfach zur Tagesordnung übergehen muß. Das ist die einzige Verteidigung, tvelcke die Herren tür ihr willlürl'chks Borgehen vorzubringen baden. Wozu denn auch mrkr? Wißen sie doch sehr wohl, daß sich die erhitzten Gemüter der Konservativen iebr bald wieder beruhigen. So fügen sich denn schließlich die Konservativen in das ihrer Meinung nach Ilnvermridliche. Sehen wir uns dagegen die Liberalen an. Sie baden teit langer Zeit das Heft in Händen; noch haden iie te׳nk Ursache, zu befürchten sie könnten die Herrschaft verlieren, und dock arbeiten sie »nermiid l׳ch weiter, um ihren Anhang noch zu vergrößern dis׳ rndilch, wie ße Vossen, das kleine Häuflein Gesetzes treuer in Breslau, das ihnen dock noch manchmal unbeguem wird, ganz zusamwengeschrumptt sein und es nur noch ,׳ineinzige liberale ״Richtung" geben wirb. Zu diesem Zwecke beschloß der »Liberale Ber ein" in einer vor wenigen Twen abgebalirnen Ber fammlung, rin eigenes liberales Organ in VreSlau zu bkgründ.m welches sich z:veisellos der wärmsten Iln Der Israelit_ terstiitzunz vonseiien der Gemeindeleitung erfreuen wird. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung dieser Versammlung war ein Protest gegen die neue Schul gesetzvorlage «m Abgeordnetenhaus«. Wäre der Gegenstand nicht so tief ernst, wahrlich, man müßte über diesen Protest aus dem Munde der Liberalen in ein Hohngelächter ausbrechen. Dieselben Herren, welche bei Gründung ihres »Liberalen Vereins" die Erstrebung. der Simultanschule auf ihre Fahne geschrie« den batten, sie empören sich jetzt darüber, daß es keine jüdischen Volksschulen mehr geben soll, daß man dir Juden mit dem Religionsunterricht in dem Gesetzentwürfe so ganz vernachlässigt. Die Geister, die sie riesen, die werden sie nun nicht los. Sind das nichr dieselben Herren, die vor wenigen Wo,Heu zur Abwehr der Borwürfe der Konservativen in ihrem Wahlaufruf die unglaubliche Behauptung aufstellten, das Judentum st e h e, wie es oft de wiesen, auf so festem Grunde, daß es selbst ohne Religionsunterricht auch nicht untergehen würde? Sie wagen es jetzt gegen die Schulgesetzvorlage zu protestieren! Mit vollem Recht wurden sie von einem Redner des Avenvs, einem Dozenten des Rabbinerseminars, darüber aufgeklärt, daß diese Angelegen beit von eminenter Bedeutung die ganze Judeuheit angehe, und daß es daher nicht angebracht sei. einen Protest gerade vom »Liberalen Verein" ausgehen zu lassen, zumal sie gar lein Recht hätten, sich als Berireter der Breslauer Juden aufzuspielen. — Noch mehr aber sprach jener Redner jedem jüdisch Fühlenden und Denkenden aus der Seele, als er dem »Liberalen Verein", der bei jeder Gelegenheit betont, daß er ein »warmes Herz" für das Judentum habe, ein jüngst erschienenes Werl: ״Judentaufen im 10. Jahrhundert" zur besonderen Beachtung empfahl und den Lorstano ersuch», für dieses Werk üiilci seinen Mitgliedern Propaganda zu machen, damit der besonders in der letzten Zeit erschreckend überhand nehmende Abfall vom Judentum eingedämmt und die Liebe zu dem angestammten Glauben besonders unter den liberalen Juden gefördert werde. Ick möchte sehr bezweifeln, ob diese überaus lobenswerte Anregung auf fruchtbaren Boden gefallen ist. Ist cs doch nur allzu bekannt, welch? Gefühle diese liberalen Herren in Wahrheit dem Judentum entgegenbrinaen, woraus ihr Zielen und Trachten in Wirklichkeit gerichtet ist. wo crnc groge Anzahl von ihnen in ihren e'genen Familien dem Abfall ruhig zusieht, ja ihn oft selbst begünstigt. Wenn nun diese Liberalen ihre Sacke mit solchem Eifer zu betreiben verstehen, sollten da d׳e Konservativen für ihre heilige, gereckte Sacke nicht mit mehr Nachdruck kämpfen? Hoffen wir. daß die Zeit sie endlich eines Besseren belehrt und daß sie sich dann aber auch mit vereinten Kräften für ihre Reckte und Pflichten einsehen werden. Bremen, 6. Febr. Das Bremer Komitee für bilssvrdürfiige durchreisende Juden hat im übgelaufenen Jahre eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. Die Ausgaben des genannten Komitees beliefen sich aus 23,2i0.68 Mt. Die Summe verteilt sich im einzelnen auf folgende Posten: Reisezuschüsse 10,158.20 Mk.. Beköstigung und Logis 7454.55 Ml.. Bekleidungs- und diverse Unkosten 046.22 Mk., ärzt!!che Behandlung und Krankenhaus 1014.07 Mk., diverse Barunterstützungen 3637.64 Mi., zusammen 23.210.68 Mk. Die Zahl der Personen, welche das Komitee um Rat und Unterstützung aagingen, betrug 5571. eie Zahl der Eingelleideten 1148. Bei dieser Zahl kommen nickt nur Auswanderer in Frage, sondern in nicht unerheblichem Maße auch Rück Wanderer und sonstige Durchreisende. Ein großes Kontingent stellten die infolge der russischen Exzesse mittellos gewordenen Flüchtlinge, welchen die Hilfele'stung des Komitees besonders zustatten kam. For bach i. L.. 21. Jan. Die »kleine Garnison" scheint ohne Sensation nicht leben zu können. In der dies,gen jüdischen Gemeinde ereigne!« sich unlängst ein Vorfall, der vor der Vergessenheit bewahrt zu werden verdient. Ein Mitglied geriet mit dem Vorstand in Konflikt, weil eS sich weigerte, den vom Vorstände erhöhten Steuersatz zu entrichten. _1י־■ Februar 190C. Solches kommt auch anderwärts vor. Der Vorstand verbot dem brtr. Mtglied, das אבי geworden war. bas Kaddischgebet in der Synagoge vorzusagen. Auch das läßt sich zur Not vielleicht rechtfertigen. Aber der Vorstand schrieb dem Herrn noch weiter: ״Ferner wird Ihnen untersagt, den L e r n k a d - bisch, der nur für zahlende Gemeindemiiglieder bestimmt ist. mitzusagen, auch in leisem Tone nicht." Die Herren שדנסיס müssen scharfe Oh een haben, wenn sie kontrollieren wollten, ob ein Syna zogenbesucher den Lernkaddisch leise mitfagt. Oder gemachten sie Vielleicht, am etwaigen Geher, des Mannes den Beweis zu finden, daß er leise Kad disch mitgesagt habe? Wir meinen, daß der Vorstand hierbei kein Verbrechen, aber eine riesig« Lächerlichkeit begangen hat. Doch das war sein gutes Recht, lieber dieses sein gute» Recht ging er aber, und das geht die jüdische Oeffentlichkeit mehr an, weit hinaus. Der אבי sorgte nämlich für PL im Betsaale des Ge meindehauses, der im Winter für die Abhaltung des Wochcngottesdienstes benutzt wird, und sagte dort Kaddisch. Der Vorstand erließ nun — offenbar nm das Mitglied um jeden Preis am Kaddisch-Sagen zu verhindern — ein Macktaebot daß worhentogs, m» Ausnahme von Montag und Donnerstag morgens, kein Gottesdienst abgehalten werden dürfe: auch sei es untersagt. Minjan in Privat- Häusern zu veranstalten. Das war nun freilich ein verblüffend einfaches Mittel, um das widerspenstige Gemeindemitglied gefügig zu machen; ein wahres Radikalmittel. Der Vater des אבי hatte jedoch den Mut, dennoch in seinem Hause Minjan zu machen. Das soll ihm schlecht bekommen, dachte der Vorstand, und erstattete Anzeige bei der Polizei, wegen unbefugter Abhaltung ״religiöser Vcrsammlungen". Die Polizei schritt jedoch nicht ein, da ׳.hr die Aufklärung gegeben wurde, baß es sich nicht um ״religiöse Versammlungen", sondern nur um Gebet Verrichtungen handle. Auf eine Beschwerde gegen den Erlaß des Vorstandes entschied alsdann das Jsrael'tische Konsistorium von Lothringen: ״Daß es nicht angängig ist, daß der Gottesdienst ausfällt, oder das Lernen am Samstag durch den Vorsänger unter bleibt, weil ein Nichtzahler beiwohnt. Wir haben den dortigen Vorstand mit entsprechender Weisung versehen." Tie K״c!stä!!ßer,1ng des Forbacher Ge!,:eindevorsiandes »>ar dem Konsistorium offenbar doch etwas zu »rsprüngsich. Wenig zutraulich klingt es freilich für jüdisch« Ohren, wenn dieses schreibt, es miiffe den betreffenden Herrn bei der Staatsanwaltschaft zur Anzeige bringen, wenn er laut Kaddisch sage. ohne die Kultusbriträge gezahlt zu haben. Die Absicht des Konsistoriums, jemanden bei der Staatsanwaltschaft anznzeigen, ber das ungeheuerliche Verbrechen, ohne Befugnis laut .Kaddisch zu sagen, begeht, ist auch nicht gerade ein Zug. der jüdische Zentralbehörden sympathischer zu machen geeignet wäre. Fulda, 16. Jan. Die am 21. Dezember v. I. in Wächtersbach abgehaltene Generalversammlung des ״Jeschiirun" war ziemlich gut besucht. Außer dem Ehrenvorsitzenden. Herrn Prov.-Rabbiner Dr. Eahn-Fulda, hatten 18 Mitglieder der Einladung des Vorstandes Folge geleistet und sich außerdem 3 Kollegen als Gäste eingefunden. Ter?Vorsitzende, Herr Schwarzfchild, begrüßte die Anwesenden mit warmen Worten und forderte die Mitglieder aus, zur Kräftigung und Hebung unseres Vereins stets ihr Möglichstes beizutragen. Der Ehrenvorsitzende, Herr Prov.-Rabbiner Dr. Eahn, schließt eine längere Begrüßung daran an und ermahnt ebenfalls dir?/Mitglieder zu treuem und festem Zusammenhalten. Herr Lirkenruth-Fulda gibt den Kassenbericht, wonach sich die Kaffe, trotz der hoben Anforderungen, die schon jetzt an dieselbe gestellt werden, stetig ent wickelt. Anschließend an den Kassenbericht hielt Herr Spiro-Fulda einen Vortrag über das Thema: ״Die Ehukkim. als Förderungsmittrl der Eharakterbildung für die jüdische Ingen d." — Nachdem er über Eharakterbildung im allgemeinen gesprochen und nachgewiesen hatte, wie des Lehrers Persönlichkeit vorbildlich, Wort und Dal des Er'.iehers in ungetrübtem Einklang sein müssen, wenn er veredelnd auf Charakter z?nd Gemüt

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