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Der Israelit · 1906-02-15 · 7 (15.2.1906) · p. Seite 2

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
7 (15.2.1906)
Date
1906-02-15
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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f*r 7 Sott t. Brr Isreelit. 15. Februar l-SL. «U diese Anschauung! Wer di» Ereigniff« in Xus»- land mit Aufmerksamkeit verfolgt hat, der weist es: »al unsere ruffisthen Brüder auS ihren Wohnsitzen vertreibt, sie hinausjogt in die Fremd«, in ein Wanderleben von ungewiffer Dauer, aber gewiß voll von den härtesten Entbehrungen, das ist ein Trieb von elementarer Wucht, dem Bergbach vergleichbar, der im Frühling von den Höhen herniederstürzt. Die Pogrome, die seit Erlast des Freiheitsmanifestes, in fast allen Städten mit jüdischer Bevölkerung, stattgefunden haben, die Verschlechterung der geschäftlichen Verhältnisse, die gänzliche Unsicherheit der politischen Zukunft Rußlands, das sind die Faktoren, die die Emigration anschwellen lasten, und daran wird und kann unser Verhalten nichts ändern. Wohl aber kommt unser Verhalten in Betracht für das Schicksal, dem diese Emigranten entgegengehen. Ob wir für sie nichts haben als Beileid. Mitgefühl, Teilnahme und wie all die schönen Worte noch heißen, oder ob wir uns, und zwar wir Juden in' unserer Gesamtheit, zu Taten aufraffen wollen. Ob das Blut der Märtyrer von Homel und Kischinew umsonst geflossen sein soll, oder ob aus seiner Saar oen Ueberlrbenoen Rettung und Hilfe erstehen soll, das ist die Frage. Die Einzelheiten unseres Vorschlages geben wir unbedenklich preis: wer etwas Besieres weist, möge es sagen. Nur beruhigen lasten wollen wir uns nicht mit papiernen Resolutionen, mit der Niedersehung von Kommistionen und all den parlamentarischen Auslunftsmittelchen und Dekorationskünsten. Mehr als je gilt für die Laar der ruff. Juden der Spruch: .Der Worte sind genug gewechselt. So laßt »ns endlich Taten sehen!" Anmerkung der Redaktion. Wir eracyren uns verpflichtet, den im Vorsteyenvcn skizzierten Vorschlag zur DiSkuffion zu stellen, ohne uns den Prämissen des geschätzten Verfastcrs ganz anschliesten zu können. Wir stehen auf dem Standpunkt, vast die 'Bedeutung und die Möglichkeit eines Hilssrverkes in Nu'.land selbst leinen Augen blick aus dem Auge ge.affen!verden darf und daß die Lösung der inner!üdischen Fragen in Rustland die ganze geistige Kraft der gesetzestreuen Iudenl>eit erfordert. Grausam wäre es nichtsdestoweniger, den auswandernden russischen Juden ihr Los nicht nach Möglichkeit zu rrleichteln, und in diesei» Sinne — als Palliativmittcl, nicht als Heilsaktor - scheint uns der Vorschlag des Herrn Verfassers besonders beachtenswert. In der Lösung jener innerjüdischen Fragen können um freilich mit unseren neologen Brüdern nicht Zusammenarbeiten, vielmehr must auch >m Hinblick aus dieses drängende Problem gefordert werden, was uns heute am dringendsten nottut °. ein Zusammenschluß der G e s e tz e s t r e u e n ülierLander! יל * Msc!krm!v׳LMÄsc!k>L1u1. Der Bericht unseres Petersburger Korrespondenten über die letzten Schreckenstage in Homel. den wir an anderer Stelle veröffentlichen, gibt ein anschauliches Bild von der grauenvollen Präzision, möchte man fast sagen, mit der man in Rußland jetzt unsere Brüder durch Mord und Brand zugrunde richtet. Es ist auffallend, daß unser Gewährsmann von dem Eingreifen der S e l b st w e h r in Homel nichts zu berichten weiß. Den Schlüssel hierzu gewährt vielleicht eine Mitteilung, die der ebenfalls gut unterrichtete Korrespondent des ״Jetvish Ehronicle" seinem Blatte macht und die etwa wie folgt lautet: .Es ist bemerkt worden, daß bei den letzten Erzessen fast überall, wo tk jüdische Selb,lve»lr>d>^u»g »» Spiel war, di« ,-Zahl der jüdischen Opfer schließlich bedeutender und das Wü»e» ein wilderes war, als an jenen Orten, wo die Selbstverteidigung nicht eingriff. In Homel ist nach neuen Berichten von Augenzeugen die Zahl der während der Erzesse Ermordeten, trotz des unmenschlichen Wütens der Kosaken und Dragoner, und trotz der großen Ausdehnung, welche die Revolte annahm. nicht so groß, nur weil die Selbstwehr gleich nach dem Ausbruch der Revolution über« wäliigt morden ist. Tie Kosaken und Dragoner gossen Petroleum über alles was nach der Plünderung noch übrig war, und übergaben jüdische Läden und Häuser den Flamm:.!, aber sie gestatteten den Juden zu stieben, sofern sie keinen Widerstand leisteten und nicht den Bersuch machten, ihr Eigentum zu retten. Wenn tausend Familien ihren Besitz im Werte von einigen Millionen Rubeln verloren und zu VV»IHUHV|ill VVUkVlII iVl'H'VH H*4V, |C MUVUI |1i doch wenigstens ihr Leben gerettet Deshalb gewinnt in jüdischen Kreisen die Meinung inimer mehr die Oberhand, daß die Selbstwehr nick! zu billigen sei uns es wird geraten, sie in künftigen Fällen nicht in Kraft treten zu lassen. Es ist iiei zu bedauern, daß im Auslände, insbesondere i» Amerika, der Selbstwebrdewegung und besonders dem Bunde Svmpathien ausgedrückt worden sind. Daß die« der Fall war, ist eigentlich leicht zu verstehen. Ter Entschluß, einen ausvpsernngsvollen Kamps gegen eine» so mächtigen Gegner zu führen, ossenbarl ein großes Maß von Tapferkeit, und legt tiefe Acklu >g selbst denen gegenüber aus, die ihr Blut schließlich vergeblich vergossen haben. Aber wenn eine inachtlosc Minor»״,, wie die Juden, den Kampf gegen ein l:Z<> miüionensam starkes Bott und gegen eine inächtige Regierung ausnimmt. so täuschen sie sich selbst, selbst wenn sie die entfernieste Möglichkeit eines augenblicklichen Er solges sehe». Abgesehen von allen Fehlern und Berirrungen des Bundes, involviert sein anspruchsvolles Auslrelcn und die naive falsche Schatzung der Kräfte eine ungeheuere Ee> fahr für die russischen Juden." Abgesehen von der Schlußbemertung. die Selbstwehr und Bund merkwürdigerweise identifiziert, können wir diesen Ausführungen, denen man jedenfalls keine Voreingenommenheit nacbsagen wird, nur vollkommen beipflichten. So sehr man das Aufklammen der bewaffneten Gegenwehr gegenüber eine« Regime der Gewalt und des Mordes menschlich be greiflich finden und je schmerzlicher man den Tob der jüdischen Jünglinge beweinen muß. die im Glauden an ein hohes Martyrium mit klarem Bewußtsein in den Tod gingen — ein Experiment, das Nachahmung verdient, ist die organisierte jüdische Selbstwehr weder vom praktischen, noch vom jüdischen Standpunkt. Hat sie — wie hier bezeugt wird — praktisch nicht Leben gerettet, sondern der «lichtet, so kann die Freud« an jüdischem Heldenrühm und an soldatischen Lorbeeren die schweren Be denken nicht wettmachen, die wir von Anfang an gegenüber dieser neuen Erscheinung in der Geschichte des jüdischen GoluS und vor allem gegenüber ihrer Verherrlichung in Volksversammlungen, gehegt haben. Erkenntniß und Offenbarung. Bon Dr. M. Ascher—Neuch»tel. Der Endzweck des Menschen ist, das Göttliche in sich zur möglichst vollkommenen Geltung und Aus bildung zu bringen. Wie ist nun dieser Endzweck zu erreichen? Diese Frage deckt sich wohl mit der Frage, wie können die Menschen zu wahrhaft vernünftigen Wesen werden? Wahrhaft vernünftig handeln muß wohl schließlich das letzte Ziel sein, denn alle anderen Ziele sind darin enthalten. Wie tann man also wahrhaft oer nünftig handeln? Insofern, als ja jeder normale Mensch denlt, will und handelt und allgemeine Verhällniffe und Gesetze erkennen kann, ist ja jeder Mensch vernünftig zu nennen. Wir finden aber, daß vieses Deuten, Wollen und Handeln des Menschen häufig voller Irrtum und Dummheit ist ״Er nennt's Vernunft und braucht's allein, Nur tierischer als jedes Tier zu sein." (Faust.) Wir sehen also, daß Denken, Wollen und Handeln nicht immer nach den Regeln wahrer Ver nünftigleit vor sich geht. Der Mensch ist voller Vor urteile, die eine klare und sichere Erkenntnis hindern. Die Schranke unseres Jchs tritt uns überall hemmend entgehn. Wir messen alle Vorgänge mit dem Maßstabe unserer Individualität und nur sehr schwer fällt es uns, uns in fremde Verhältnisse zu versetzen. Es gibt Vorurteile der Erziehung kFamilie und Schule), Vorurteile der Nationalität. Vorurteile des sozialen Kreises, Standes oder Berufes, Vorurteile der politischen Partei und Vorur teile der Konfession, und alle diese Idole hindern uns, die Wahrheit zu erkennen. Das Bedenkliche ist, daß wir uns nicht unseres Selbst entäußern können, wodurch jedes Urteil getrübt wird. Erst wer sich von (1 *«י T^vn s s> ll ll cEortletzung). 'Bo» ganz and«,er Natur als diese Zeitungen var ״Ha Pirastei . ,reicher vv» Mendeliobn s Anhängern im Fabrc WM gegründet wurde. Als das erfolgreiche monat liche L^rgan der ..Maskilim". cröniicle es ivirklich die Hebiäisiu, Prrür. 1'er schic» IN siede» Banden und IN iemcin grosien 4' rfola l»g auch der Keim seines Unterganges: denn »mehr die Teilnahme ihrer Leier an der Kultur der sie »»»gebenden Außriuvcll wuchs, »in io größer ward ihre Abncigiiiig gegen glleS jüdische »nd besonders gegen die bebranche Sprache Das IN Fadrdnnderl begann vdne die Erinenz irgend einer isidiichrn Zeitschrift nno als wieder An sirciigiiiigrn geingch» »v»rde». dieie Ar» der Beröstentlichnna zu benuk,״. ui» die Rcivri» »1 der inneren und äußere» öage der Fudenkeil zu »ordern. wurde die Notwendigkeit?es «'»edrauches der Landessprache gnerkgnnl. Bon de» 17 ׳der l" Bersilche». Wochenichriite» in dem i-rftoii Picrtel es neuen Fahrbundrrt» zu gründen, wgre» I l »> ,»»derer gis »» lxd»asich«r Sprache: de» »veilen» der größte Teil der »n Teutsch. Fn Böhmen »vurdc die rette »udlschc Femchri'l.dic .Jüdische Monatsschrift". deulsch inU drdrglsche״ Buch׳,ade». von einer iuergri'chcn ('Mfllidw״ n» Fahre W!2;־!r nur w.iiigr Monate verössentlicht 1MI erschienen die ״Jahrbücher für Israeliten und Israelitinnen", die den jährlichen ״Taschendüchern", die in der nichtjüdische» Welt erschienen, und literarischen und belletristische» Stoff ent dielte», nachgeabmt waren. In Holland erschien eine holländische Zeitung ״Lulainitb" von 1!־»*» dis 1*08 und ein ״Iaardoek" wurde in spätere» Jahren herausgcgeden. In Deutschland wurde» folgende Wochenschriften in deutscher Sprache gegründet: eine erfolgreiche monatliche ״Reform", welche edensalls ״Sulainith" hieß, erschien sehr regelmäßig, ungefähr von 1 mo«; ab ti* Jahre: ״Icdidja" < 1 22 17 י־י>, ein religiöses moralisches, pädagogisches, halbjährliches Blatt: die ״Zeitschrift für die reifere Jugend" ,״Keren Tnicisijad״, Fürth 1*17): ״Taschenbücher zur Belehrung der Jugend" , IM* 20: jährlich>. beachtenswert als die erste Zeitschrift nir die Jugend: der ״Biblische Orient" <1*21,, ein erfolg loser Bersnch. eine kaddalistijche Zeitschrift zu gründen: ״Zeilschrist für die Wissenschaft des Fndenlums״ <l*22>. die erüe deutsch literarisch wissenschaftliche Zeitung, der cs trotz ihres Berdienües an leiendei» P»l>lik»1» inangeltc: und Eein der Pharisäischen Lehre" l*2:> 2 t. das erste rabbiniiche Biagazm. Im Jahre!?22 wurden die ,»sie» jüdischen Zeitungen in englischer Sprache verössentlicht: der 8״«b1v» Intellizeeneee" eine anonviiie Monat»ichr!st in London, und ״The «lew*, eiue I» New Bork erscheinenve Monatsschrift «die letztere »vurdc zwei Jahre »veilcrgessihrl,. In Polen erschien ״Der Beodachier an der Weichsel״, in jüdisch deutsch, gedruckt in Warschau IM:i 21. UHier den verschiedenen hebräische» Zeitschriften, die i»! Laute dieser Periode verössentlicht wurden, war ein deutscher Berinch. de» ״Ha '״י<«ו,<»יי unter de»! Titel ״Ha Meassef de Edadasch" «l*osi Ilf sorlzusubren: die zweite war die ähnliche Berössentlichung der holländischen ״Toelet >^e ,ellichast" und ״Bikkurc To elet" genannt (18201; die dritte, der österreichische ..Bikkure da Il'rim ,1*2׳» tlf. war eine der beiden Zeilickristen. die nur das erste Bienel des Jahr Hunderts überlebte, obwohl innerhalb der folgenden 10 Jahre der vergebliche Bersuch gemacht wurde, die beiden erfolg reichste» jüdischen Zeitungen in deutscher Sprache neu zu belebe». Der ״Bikkure da 'Iltim" kennzeichne» den Anfang der neuen Phase der jüdische» (beschichte. WaS ״Ha Meassef" für Deutschland gewesen war, wurde ״Bikkure ha Ittim" für Oesterreich, nio die Haskalah Bewegung nun erst leben big wurde. Sei» hauptsächlichster Bvrzug bestand in der weiten Berbreiiung: und obgleich c« ihm nur bestimmt war, kaum länger als zehn Jahre zu leben, so traten nichtsdestoweniger, nach einer kurzen Unterbrechung. eine Reihe von wert volle» Nachfolgern an ,eine Stelle. Zwischen den Jahren l*2ö :il war er »vahrscheinlich die einzige, regelmäßig erscheinende Zeitschrift der ganzen jüdischen Welt. ,Fortsetzung folgt.» >Ei« Helveustück i» Ver Küche.I I» der״ Küche", der Wochenschrist des ״Berbandes deutscher Köche", leistet sich ein Herr Heinrich W. folgendes hübsche Stückchen: ״Wir hatten", schreibt er, ״damals bei Kommerzienrat K. in S. b. Ai. eine koschere Hochzeit zu kochen, welche unter strenger 'Aufsicht zweier jüdischer Frauen hergestellt wurde. Da die Fcstteilncdmcr streng an ihreiu ttzlaube» hielte», wurde ׳ins anbesohlen, alles nach den 'Angaben der Frauen zu machen. Als die (tzänsc tüchtig ausgewässert waren und die Zungen gelöscht «d. d. von allen Blutadern befreit» und die koschere Rindsbouillon lustig kochte, kam der Glanzpunkt der Tafel: die Fasanenpasiele. ti« Tiere dazu kamen lebendig aus der Fasanerie Burg b. Magdeburg und wurden in unserer Küche geschächtet. Trotz des strengen BerbotS hatte sich unser Edes, um die Pastete recht saftig zu machen, ein schönes Stück Schweinesteisch in der Nähe der Fleischmühle verborgen, und meinem Lehrkollegen siel der verantwortungS volle Posten zu, das Schweinefleisch nach und nach mit durch

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