Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 7 (15.2.1906)
- Date
- 1906-02-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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47. Zahrganst.;JrrnuUlurt n. M, Den 2l). L^cheliaU) 51י1י1י Der Israelit cridKint jede» Donnerstag. Abonnement««: Gewöhnliche A»«gabe Rlk l '>׳» vierteljährlich, Heslausgabe ans Dünndruckpapier Rik. :!. vierieliahrlich. lAuslank-: preise für die gew. Ausgabe: Lesterreich i Kr., Nunland 1 Rub., England r! sh, Ainenka ',«> cts, ^iiederlande I,A> tt.i Abvnnenient» bei allen Postannalten. Buchhandlungen, sonn« direkt bei der t^vetiüon. Hestausgabe nur direkt. Inserate:!t>> Psennige f in: die fadisgeip ilien« Colonel Ic<!«: Nabalt nach rarif. zstiicritriiannah ne imr au »eh Haasenstein 4 Bögler A <*. in Frankfurt a M. und deren Filialen. Bieifertigen Wünschen nachkommend, haben wir hübsch audgestatLste iamitulma^tKH;um Aufbewahrcn der Jsraelit--!ummern anferttgen lassen und stellen dieselben gegen Einsendung von Ult. l —,;»;»»glich Porto, unseren Lesern;»» Verfügung. va; Zchichsal der ruTTireben ]uden. Man schreibt uns: Die Brüsseler Konferenz ist vorüber. Ihr Ergebnis bat, wie an Vieser Stelle bereits au-gesühri. iorvrr den hochgespannten Erwartungen ihrer Urheber, noch den bescheideneren Anforderungen der nicht;ionistischen Welt entsprochen. Der Ziveck der Konferenz war, wie dies Wolffsohn in seiner Programmrede ausführte: ״Mittel zu suchen, um die akute Gefahr von heute und die drohende Gefahr von morgen abzuwenden." Ist dieses Ziel erreicht worden? Antwort darauf gibt der ״zur Kenntnis genommene" An trag III: .,Die Konferenz hat die Erklärung der jüdischen Hilfsorganisationen zur Kenntnis genommen, wonach eine Emigration Mittelloser gegenwärtig von ihnen nicht gefördert werden kann, weil 1. die erforderlichen materiellen Miiirl fehlen. 2. zur Zeit für diese Kategorien von Aus Wanderern Emigrationslünder nickt zu Ge bote stehen." Halten wir damit zusammen, was Dr. Ko Han Kischinew über die zu erwartende Emi׳ gration ausführt und worin ihm alle Sachkenner beipflichten. Er sagt, das», ein ungeheueres An. schwellen der Emigration in Aussicht stehe. Die Zahl der jährlich Auswandernden hat schon vor dem Aus bruch der Revolution 100,000 überschritten: sie ist jetzt, trotz der Schrcarn des russischen W.nters, im Steigen, sie wird, meint Kohan, im Frühjahr in's Riesenhafte sich vergrössern und sicher das Fünffache, vielleicht das Zehnfache des heutigen Standes be tragen. Man stelle sich das einmal vor. r>o0,o<>0, v!e!׳ leicht eine Million Menschen, alt und jung. Gesund« und Kranke. Männer. Frauen und Kinder auf der Wanderschaft begriffen, gezwungen, viele Tausende von Kilometern zurückzulcgen, allen Ebikanen der Behörden, allen Unbilden der Witterung ausgesetzt und — als Schlimmstes — nicht zu wissen, wann und wo die Wanderung enden wird. Kann und darf man sich dieser Perspektive gegenüber damit begnügen zu sagen: Die Emigration M i t t e!! o f r r kann gegenwärtig nickt gefördert wer den? Gleich der Redaktion des ״Isra'lit" wacen und sind wir der Ansicht, die Frage nach der Zutuiisl der . ..fr ׳v w . . * 1»\ . . f. < . ״ w f . r t. fi :t.-״ lUff. ^\UUUl tUktll JUU Ul Jl U 15 l U II U ׳ C UMI UIU Lösung finden. An dieser lieberzeugung macht uns auch der tlmstano nickt irre, dass die russische Revo lution zunächst vielleicht keine Vessetung der Lage herbeisühren wird. Aber das Festhalten an dieser Ueberzeugung bindeti uns nicht zu >aacn0 ׳'* ist heute die eiste und wichtigste Pflicht der jüdischen Gesamtljeit, ihr gan;es Wollen und können si'.r diese russischen Emigranten cinzusetzen, die ״akute Not von heute" abzuivenden. Ja, sagt aber der zur o.enntnis aenoinmcne An trag I I I. es fehlen uns die Mittel, es fehlen uns die Länder. Ehe wir au» diese Einwände eingehen. sei es uns gestartet, noch einen Augenblick z» der Brüsseler Konferenz zurückzutehren. Ihr positives Ergebnis mussten wir reckt niedrig einschätzen. um so mehr freuen wir uns, unserer Aner kennung dafür Ausdruck geben zu können, dass es der zionistischen Initiative gelungen ist, eine Bersamm lang zustande zu bringen, die mit einigem guten Willen als eine Vertretung der jübiichen Gesamtheit gelten kann. Dass diese unter sich so verschiedenen Gruppen und Parteien zusammen getagt, eine wich tige jüdische Frage ldie zunächst keinen religiösen Eharakter trägtl gemeinsam beraten haben, daran sehen wir das vorläufig einziae. dafür auch um so erfreulichere Ergebnis der Konferenz. -Gelingt es der eingesetzten Kommission, eine Form zu schassen, in der sämklickte jüdische Organisationen dauernd ihren Platz finden, dann ist unseres Eracktens die Frage nass: den Emiarationsländern schnell gelöst. Wenn einmal nickt mehr einzelne Philanthropen, nicht mehr eine einzelne Partei, sondern die jüdische (Gesamtheit sich für unsere russischen Brüder verwendet, dann wird Englanv, wird Amerika sichdiesem Rufe nicht verschlressen. Als selbstverständtich sehen wir dabei voraus, dass eine entsprechende Auf klärung der ösKntlichcn Meinung jener Länder vor auszugehen hat. Rechnen wir die Staaten hinzu. nach denen beute noch die Einwanderung offen steht, wie Kanada, Argentinien, Brasilien, der Oricut, so dürste ssck ergeben, dass selbst für eine Million von Emigrunlen Unterkunft geschaffen werden kann. Ja. aber die Kosten? Sagt uns doch der zweite Teil der angezogenen Resolution, dass den jüdischen Hilfsorganisationen die erforderlichen Mittet fehlen. Auch hierfür kann unseres Erachtens Rat geschasst werden. Wenn es möglich war. zur Linderung der Not unter den russischen Juden in wenigen Monaten, ohne umfassend« Organisation, die Summe von zehn Millionen Mart aufzubringen, sc» können be! richtiger Organisation tveit ködere Beträge dauernd zur Brr fiigung gestellt!verden. Die vorhandenen Organi sationen, die Alliance, Ica, Hilssvereim lässt man hierbei am besten ganz aus dem Spiel. Aiissclgeivöhnliche Vcrl!iHinisse cr'orvrrii anssr! gewöhnliche Mittel. Wir schlagen vor. dass die u! schassende Organisation ein ״Masser" erheben lässt, dessen Abgabe ssck niemand entziehen sott und darf, der noch aus den Ramen Jude Anspruch macht. Wir!-- durch die Zusammensetzung des auskührevdm Komitees Garantie dafür gegeben, dass bei der Be sörderung der Emigranten auch die religiösen Vorschriften in peinlichster Weise V-achtnna finden, so wird dieses ״Master" sscker in asten ׳i: bischen Kreisen auf dem ganzen Erdenrund als beiliae Pflicht übernommen werden. Wir denken uns die Äussssbrrma ungefähr solgcndermassen: In der Hauptstadt jeden Laroes bildet sich ein Zentralausschuss, der für die einzelnen Provinzen Hauptausschiisse einsetzt, die ihrerseits in allen jüdijckcn Gemeinden Unterausschüsse als die eigentlichen Träger des Sammelwert,s bestellen. Eine möglichst iveitgebende Dezentralisation ist nir Vermeidung von Verwaltung- und Portokosten unerlässlich. Tie Ss-ende selbst sollte, in Woche;1 beiträge 11 von lO Pfg., Heller. Eentinie etc p r o Kopf entrichtet werden, so dass Familienväter so vicl mal 10 Pfg., Heller etc. zu entrichten hätten, als ihre Familie Köpfe zählt. <u1tm u»»|t1t i^c|unut lOUm unsere Rabbiner, Vorsteher us.v. für diesen Vorschlag eintrcten, so dürfte in ganz kurzer Zeit seine Durch sührung sich ermöglichen lassen. Ter zisfermässige Erfolg ist natürlich schiver vorauszüschen. Lassen wir die russischen Juden aus unserer Berechnung ganz heraus, so bleiben ungetäh: sieben Millionen Juden übrig. Nehmen wir an. vast es gelingt, das geplante Master von der Hälfte ein׳,׳.: ziehen, nehmen wir ferner an^ dass der Minimals a tz von 10 Pfg. per Kopf nrckt weseniiich über schritten wird, so würde das immer noch ein wöckentliches Ergebnis von IssO.OOO Mt. bedeuten. Die somit auf das Jahr entfallende Summe von über 17 Millionen würde einen ansehnliicken Zuschuss zu den Kosten des Emiqrationswerkes bilden. Da der Hilfsverein, die Jrg, die Nsssgnre ufw. sribstrrdend auch aus allen Kräften beisteuern werden, so dürften dir von der Brüsseler Konferenz vermissten Mittel aus dem von uns skizzierten Wege wohl zu finden sein. Selbstverständlich wird gegen unseren Vorschlag der Einwand erhoben werdrn, dass er die Emigration in's Unermesslich« steigern, dass er Hoffnungen erwecken werde, die auch bei seiner vollen Durchführung zu verwirklichen unmöglich seien. Nichts unnchi'ger