Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 6 (8.2.1906)
- Date
- 1906-02-08
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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Rr «. Seite 8. Ter Israeli!. 8. jyebn.at UH>6. Kultusvorstand als diskutabel bezeichnet werden sollen: R. Josef Engel aus Tanivw, Verfasser mehrerer bedeutender talmudischer Werke: R. Mendel Steinberg aus Sniatyn, d. A. Rabbiner in Brody: R. Löbel Horowitz aus Stanislaus, aus einer der ältesten Rabbinerfamilien: R. Jsak Leib Schreiber aus Drohobycz; R. Moses den Amram, Rosch Jeschiwob in Husst in Ungarn, berühmter Gelehrter. Tie Kandidatur des R. S. Lilienfeld aus Podhajce wurde abgelehnt, ebenso die des jugendlichen Rabbiners A. Levin aus Sambor, obwohl, oder richtiger gerade iveil dessen Schwiegervater die Zu- Wendung einer Summe von 40—60,000 fl. an dic Kultusgemeinde für dessen Wahl versprochen baben soll. — Tie hiesige ״Reforma" brachte am 20. Januar die Nachricht von dem Verschwinden der 12 jährigen Tochter des Podgorzer Privat׳ beamten Ignaz Pelilant. Am 20. erschien d'e Mitteilung in demselben Blatte, das: die Permisste bei einer Tante in Kralau gesunden worden sei, zu welcher sie aus Furcht vor häuslicher Straf: ivegen schlechten Schulzeugnisses geflohen wäre. In Wirklichkeit war es den verzweifelten Anstrengungen des Vaters gelungen, den Aufenthalt derselben im Sinolenslakloster zu ermitteln. Wenn der Mann nur eine Stunde später gekommen wäre, so wäre das K.ina berüts auf dem Wege nach Russisch Polen in ein anderes Kloster dem Arme der Justiz entrück! und für di׳ Ellern auf ewig verloren gewesen. An eine Ahndung dieser Gesetzesübertretung ist natürlich in einem Lande nicht zu denken, in welchem, wie der Lanosmannminister Pientek seiner Zeit dem Pater der Aratcn versicherte, an den Mauern des Klosters die '?»!acht des Staates aufhört. Die Mohammedaner in Bosnien sind freilich keine solche gnantitö noLÜi- >ט;; Sjj Inj» Xi# OUiertf# hnn £;0Q beweist, welche wegen einer ähnlichen Gesetzesüberschreitung über den Erzbischof Stadler von Sara iew-o zu derselben Zeii verhängt wurde, Bor dein (besetze sind nämlicb Alle gleich, wenn ihre Mackstverhälinisse gleich sind. Weniger glücklich war ein zweiter Podgorzer Bürger, Herman Goldberger, dessen 1 t jährige Tochter von einem Babnbeamten verführt und ins Kloster gelockt wurde. Das wunderbare moderne Recht erklärt 14 jährige Mädchen für münoig in svimen Fallen und hebt das natürliche und göttliche E'.ternrecht auf. Ter Mann wurde »och daru wegen Berleumdung des von ihm als Verführer Bezeichneien zu einer 14 tägigen Arreststrase oerurteilt, sistat justitia! Wenn sich einmal das pereat mumlns für dieses unsterblich scheinende Mirielalier einncllen sollte, so wird ibm keine Träne nachgeweint tverden. R u s; l a n V. Petersburg, 2. Febr. Tie jüdische Ackerva » schule in Nowoplotawka musste wegen der grossen Erregung, die unter den Bauern im Gouvernement Eherson herrscht, geschlossen werden. Petersburg. 4. Febr. Ter ״Nuss" wider spricht der Nieldung. die jüngst durch die Blätter ging, der Ilnterrichtsminister Akimow stabe ange ordnet, es würden künftighin keine Inden mehr unter die Zahl der vereidigten Anwälte aufaenommen werden. Ter Verein der Rcchtsanivälte in Petersbürg habe keinerlei derartige Mitteilung erhalten. Min st, ',.Febr. Aus den Gouverneur in Minsk wurde jüngst ׳in Attentat verflicht, Man verdächtigte natürlich sofort Juden der Tat. Nun d,׳.t sich herausgestelli. dass die Tater leine Juden sind. Trotzdem bat der Gouverneur jüngst dem Ge meindevorstand eröffnet, dass wenn die llederfälle auf Beamten nicht bald aufhören würden, die jüdische Gemeinde die Folgen zu tragen haben werde. Riga. Jvcbr Zahlreichen Juden in Riga drobt die Ausweisung aus der Stadt. Während des Krieges batten die Ausweisungen aufgebärt. Infolgedessen batte sich die Znlst der hier wohnenden Juden bedeutend vermehrt. Eine jüdische Tcputativn begab sich zum Gouverneur. England. London, 1. Febr. Zangwill erhielt folgendes Schreiben von Kolonialminister Lord Elgin: Dawning Road, Jan. 26. 1006. Tmr Sir! Lord Elgin wünscht Ihnen folgendes aus Ihren Brief vom 23. ds. zu erwidern. Er fühlt tiefe Sympathie mit dem Volke Ihrer Rasse und dessen jüngst erlebten Leiden, und begreift wohl seinen Wunsch, ein Land zu bewohnen, welches ihm Sicherheit und Freiheit bietet, und würde gerne sehen, dass es möglich wäre, einen noch nicht besetzten oder noch linentN'ickelten Teil des britischen Reiches zu finden. >vo. wie Sie wünschen, eine jüdische Kolonie mit Aussicht ans Erfolg angelegt werden könnte. Lord Elgin erkennt die praktischen Schwierigkeiten, welche der Realisation dieser schönen Bestrebungen im Wege stehen. Er ist jedoch bereit, seine sorgfältigste und teilnahmsvollste Aufmerksamkeit irgend einem Vorschlage, der ihm vorgelegt wird, zuzuwenden. Ihr ergebenster Bernhard Holland. — In den letzten Versammlungen der Jto ist die Frage behandelt worden, wie sich in einer zukünftigen jüdischen Kolonie Staatswesen und Religion zu einander zu verhalten hätten. Es wurde dabei von den territorialistischen Führern der Gedanke ausgesprochen, dass es zwar wünschenswer! sei. wenn die grosse Masse der Ansiedler einen religiösen Siandpuntt einnehme, dass aber die Gebiete von Staat und Kirche vollkommen getrennt zu bleiben hätten und ersterer allen Einflüssen religiöser Natur abiveisend gegenüber stehen müsste — Wir werden darauf demnächst zuriickkommen. Schweiz. Basel, 20. Jan. Ter hiesige Schomre Thora-Verein, der die Stellen-Vermittlung im letzten Jahre mit günstigem Erfolge betrieben, Hai in seiner heutigen Generalversammlung den Anschluss an den Berlin-Frankfurter Schomre Schabbos Verein bcschlossen. Lausanne, 22. Jan. Hier und in anderen Städten der französischen Schweiz wimmelt es von reichen Russen, die aus Fuicht vor der Revolution ihr Baierland verlassen haben. Mit ganz verschwindenden Ausnahmen essen diese russischen Inden, deren Zahl in die Tausende geht. -״z. Man sollte solch schmähliches Treiben kaum für möglich halten. Wegen ihres Glaubens verlassen sie Rnssland, und ihr erstes ist es. dic fundamentalsten Gesetze ihrer Religion mit Füssen zu treten! Holland. Iuüknlieit n, Iuöenium in HoÜanö. cVvn unserem Korrespondenten.) A m st e r b a m , 30. Jan. Selten hat wohl ein Volk schönere Traditionen als das Niederländische. Tie Begriffe von Freiheit und Unabhängigkeit sind keine Früchte der neueren Zeit. Bereits die Union von Utrecht <1570), die erste Verfassung der Niederlande, enthält die Bestimmung, dass niemand seiner religiösen Ueberzeugnng wegen nnterdriiekt werden darf und vom Begründer der niederländischen Freiheit, Wilhelm, Prinz von Oranien (geboren IM, gestorben 15311, stammt das schöne Wort, dass niemand um seine? Glaubens willen verletzt werden darf. Die Nieder lande sind dieser edlen Tradition treu geblieben und Israel konnte im vollsten Masse an sich erfahren, welch ein unschätzbarer Segen es war. sich in den St-ahlcn von Toleranz und Religionsfreiheit zu sonnen. Frei und stolz tonnte es sich entfalten zum Heile von Staat und Stadt, aber auch, und zwar in erster Linie, zum Heile des Judentums selbst. Mit der nach aussen hin glücklichen Stellung hielt das Streben nach innerer Entwicklung gleickxr. Schritt. Das Judentum blühte. Studien und Praxis kamen beide zu ihrem Recht und das Bild, das Israel in verschiedenen niederländischen Gemeinden, doch vor allem im Amsterdam, der Hauptstadt und meist bevölkerten Kehillo darbot, erregte die Begeisterung und Bewunderung jedes Fremden, der mit dem rege» jridischen Leben in Berührung kam. Amsterdam war es oft vergönnt das Lob zu hören ירושייס הבדיה מדר שחב־ד. לה יהרו und dieses Lob war wohlverdient. Wie ist es nun? Es braucht kaum gesagt zu werden, dass die auch anderswo sich bahnbrechenden Emanzipationsbegrifse im Laufe der Zeit die Stellung der Niederländischen Juden noch glänzender gemacht haben und in unserem teueren Vaterlande in Wirklichkeit die recht vollkommene bürgerliche Gleichheit herrscht. Auch das vorige klerikale Ministerium — es kann nicht geleugnet werden — hat bei Ernennungen oder Anempfehlungen zu hoben Staatsämtern und Ritterorden keinen Unterschied gemacht und auch Juden nach Verdienst geehrt. Daß der jetzige Justizminister I. R aalte ein Jude ist. dass unter den Abgeordneten zur 'Volksvertretung auch Juden zu zählen sind, viele unserer Glaubensgenossen, hohe Aemter bekleiden, legt ein unzweideutiges Zeugnis ab vom Geist der Toleranz, der das Niederländische Volk charakterisiert. Zu bedauern ist jedoch, dass auch in den Niederlanden der Zeitgeist sich geltend macht und das Bild, welches das heutige Israel von Innen darbietet, nicht mehr ungetrübt heißen kann. Selbst der grösste Optimist kann nicht leugnen, dass in den letzten Dezennien grosser Rückschritt auf religiösem Gebiet sich offenbart und die Beziehungen derer, welche schon vor Jahren nicht mehr ganz auf dem Boden des traditionellen Judentums standen, zum Judentum unendlich loser geworden sind. Es hat unzweifelhaft seinen Nutzen, die llrfadwtt aufzuspüren, die dielen Rückgang veranlasst haben. Natürlich gibt es viele, hauptsächlich jedoch der 11-t,_i _ SnS II I. Ul l III Ul lll|Vll}l IVII IJIUI'UI UIIU wohlbeiannte ־־•! יבעטc•־ :er־־ — und ferner, wie es ,jus vorkommt, in hohem Masse die seit 1348 20t herrschende politische Richtung. Die Ersaiütlcrung, welche in 1313 ganz Europa in At'lrnhr brachte, wurde auch in den Niederlanden gefühlt und brachte eine Veränderung ׳n der Richtung der Regierung. Die Liberalen kamen ans Ruder mit T h o r b e d e als Führer und Leiter. Jahr1 ׳>ny Jahre hat die liberale Partei das Schiss des Staates gelenkt, ohne auf starke Oppositon zu stoßen. Nichts macht übermütiger, als ununterbrochenes Glück. Tie Grundsätze und Prinzipien der liberalen Partei galten bei Tausenden als eine Offenbarung, der zu gehorchen höchste Pflicht war. Jeder, der ihre Dogmen nicht anerkannte, wurde als Finsterling betrachtet, war ein Feind von Bildung, Aufklärung und Fortschritt. Die Religion wurde allerdings nicht prinzipiell durch sie bestritten, dennoch als Faktor, der mitzusvrecken habe bei der Beurieilung und Behandlung von gewissen Angelegenheiten, nicht in Betracht gezogen, vollständig ignoriert. Zu ibren arössten Triumphen gehörte die Regelung der Schnlsrage, welche in 1857 Holland die ״neutrale Schule" brachte. Tie Neutralität mochte auf der 'Schule streng gehanohaoi werben. In lSö7 wurve das Gesetz, den Dolksschnlunterricht betretend, in der Volksvertretung angenommen und jetzt, ungefähr ein halbes Jahrhundert später, können wir die Nelultate übersehen. Welche Früchte hat die neutrale Schule gebracht? Die Beantwortung dieser Frage, im allgemeinen von grossrin Interesse, wird hier nur von dem Gesichtspunkt des orthodoren Judentums aus betrachtet. Welchen Einfluss hat die neutrale Schule ans das traditionelle Judentum ausgeübt? Darüber ein ander Mal. Belgien. Brüssel, 15. Jan. Für die Reisenden nach London ist mit Rücksicht auf das neue englische Fremdengesetz und dir Abschaffung der direkten Karten dritter Klasse von der belgischen Bahitverwalkung beschlossen worden, dass dieselben, falls sie mit Billets dritter Klasse versehen sind und erklären, sich nach England begeben zu wollen, auf alle Fälle benachrichtigt werden, dass sie sich mit einer Fahrkarte erster Klasse von Dover nach London zu versehen haben.