Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 6 (8.2.1906)
- Date
- 1906-02-08
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2446951-9543451-9886705--0120-7374632- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr •>. Leit« 6 Der Israelit. א. Februar I9cr, Sine נאולה לועלה rcoc in der oben erörterten Weise haben wir auch in unserem dieswöchentlichen Abschnitt vor uns. Unmittelbar an dir Erzählung von den Wundern der Erlösung schließt das Gotteswort die Erzählung von den Wundern der Ernährung. ״Ich lasse euch Brot vom Himmel regnen, für jeden Tag das Tägliche." Daß wir so selten zu friedenen Menschen begegnen und das erquickliche Bild eines in sich selbst begnügten, freudigen, frohen Herzens zu sehen bekommen, daß wir den Mißmut und die Sorge, dir kränkelnd« Bläffe einer rastlosen Arbeit statt der wohltuenden Frische eines durch und durch gesunden und ruhigen Wesens so gewöhnlich wahrnehmen, was ist es anderes, als daß man nicht mehr das Brot für eine Gabe Gottes, nicht mehr für Bedingung und Mittel des leiblichen Lebens hält, sondern seinen Besitz als Zweck und Ziel, als den ausgcsiecllcn Pcris ansieht, der errungen und erläinpft 'ncrden muß, und koste es auch der Seele Frieden und des Leibes Elesundheit, koste es auch des Geistes Adel und des Herzens Unschuld und die reinsten, edelsten Empfindungen und Bedürsniffe. Die Dichtung der Zeit ist zwar eine solche, aber weil die Zeit, das Jahrhundert einer verkehrten Richtung folgt. n>eil sie all» heiligen Empfindungen und Regungen in dem Schlamme cines niederen Maicrialismus förmlich erträntt, müffen wir dasselbe tun? Als das Manna fiel, da erhielt Israel nicht auf einmal sein Brot, sondern Tag für Tag mußte das Volt zu Gott emporblicken, es mußte lernen, daß Goit astein es ist. der es ernährt, es mußte lernen, zu Gott Vertrauen zu fasten, es mußte lernen in dem Vrsitz nu»-Vas Mittel für die gottgeheiligten Z-vccke zu seben, denn sowohl das Vertrauen, als aucb d!e richtige Einschätzung des Besitzes sind dir unerläß lichen Vorbedingungen für die Erfüllung der דצית Das Poll durste von dein einen Tage auf den anderen nccdts übrig bebakten, leine Guter auftpeichern, ton d»rn mußte täglich auf: Reue sammeln — יינע: א:נ:י בת—.־ אב י*«. damit es zeige, ob es wirklich würdig »st, Träg-׳: Lehre zu sein. Wo einmal da:- sündige Gelüst nach dem Besitze die vorherrschende Ma-br geworden, da gilt kein Gesetz und kein Gebot Gottes, da bleibt lein Ausspruch heilig und fest. Wo das Vertrauen fehlt, da kann von einer fteuoigen Erfüllung der Gebote keine Rede sein. An die Ge wäbruna des Brote? vom Himmel ist daS Gebot des שבת angrschlosten. Wäre bei uns die richtige Anscvauung vom täglichen Brot wirksam, so stände es bester um שבת .—:r Es soll nicht geleugnet werd,n daß gerade dies» Gebot an unser Vertrauen große :lntordernngen stellt. Der Kamps u ns Dasein ist ein so mannigsaltiger, daß er die ganze pbvstfche und geistig.׳ Kraft des Menschcn in Anspruch nimmt. l'Ct XFKIlliU kttUst ftlli Hutters .uviuuu. r.im. »ייו«י!\ן Persönlichkeit einsetzen. daß er sich in diesem Kamvse behaupte, und da soll t>er Mensch einen ganzen Taa anSseßcn müffen, da soll er einen ganzen Tag hindurch leine Hand rühren dürfen, um seinen Vorteil wahr zunehmen? Die ganze übrige Well schreitet rastlos weiter, vrojektiert. arbeitet und nur er soll ruhen, nur er soll nichts beginnen dürfen, um stch weiter zu bringen, um fortzuschrritrn? Wie die gewaltigen Wellen des Meeres drängt und stürmt Alles vor ׳värt-. und nur er muß stillsthen! Muß er da nicht bcsürchlen, daß er von den Wellcn unbarmberzig kort aespült wird, wenn er nicht einmal eine Bewegung der Abwehr und i-es Widerstandes machen dort' Gewiß, es ist ein Opfer. das uns zugemutet wird, aber nur dann ein Opfer, wenn wir meinen, daß. w i r es stnd die crwerben. wenn wir alauben, d<E wir Alles, was wir haben, uns. unserer Fädigkeit und Tüchtigkeit oerdanken. wenn wir nicht willen, daß -rrc der א־ל־: gleich uns nur von Gott geschenkt »orrden kann. ,Ich bin es," sagt Gott, ,der euch Tag für Tag Brot gibt," Tag für Tag müffet ib׳ zu mir emporblicken. und wer euch sechs Tage «veist und näbrt. der hat toohl auch die Kraft, euch das zu ersetzen, was in dem einen Tage könnte ver lvren gehen. Darum sagt בשה zu dem Volke- אביה.׳ —V- ב• שבת ה״ב יי- ה״ב 8א -.:*איי r—. ,Genießet " be.ite. denn Ruhetag ist heute dem Ewigen, heute findet ihr nichts ans dem Felde." Lastet euch den Genuß der Güter, die euch Gott geschenkt, nicht durch den Gedanken verkümmern, baß ihr deute nichts erwerbet, denn ibr würdet deute nichts finden aus dem Felde. Die Entweihung de! Sabbat bat noch keinem Menschen genützt, und die strenge Einhaltung der Sabbatgedote noch Niemanden geschadet. sיהי 2׳ העם ללנם רלא מצאי ps w השביעי. Und es gingen vom Bolle einige sammeln und sie fanden nichts. Diejenigen, die den Sabbat entweihen, stnd durch ihren חלוי שגת nickt glücklich und nicht r»ich geworden. Die unersättliche Gier nach Besitz, die sie immer weiter und weiter treibt, die ihnen keinen Augenblick Rübe gönni, läßt bei ihnen keine Freud« an dem Besitze auftommen. Diejenigen, die mutwillig das Bündnis, das Gott mit seinem Volke geschloffen, brccken, die leichtsinnig das Band zerreißen, das sie an ihren «Mott und an ibr Volk knüpft, sind nicht glücklich und können es auch nicht sein. Sie streben immer weiter, sie streben über den Standpunkt hinaus, auf den sie Gott aestellt und in diesem fortwährenden Streben verlieren sie sich selbst, bringen sich dein Besitze zuin Opfer, geben seinetwegen ihres Lebens Freudigkeit und Mur auf, gefährden ihre sittliche Reinheit und laden die Schmach der Sünde auf ihre Seelen. שנו איש ת־תיו א יצא א ש כסקעל ביים השבתה Bleibe daher jeder rubig an seiner Stelle und strebe nicht über seinen Ort hinaus wegen des siebenten Tages. Ein ivenig Vertrauen und ein wenig Genügsamtcit, das sind die Opfer, die Gott von uns forden. Und für diese Opfer ist wahrlich die Seligleii deS Sabbat allein reichlicher Entgelt: der Sabbat ist die Pforte der Glückseligkeit und diese Pforte öffnet sich jevem, der sich ihr gläubigen Gemütes nähert. IMÄ Hadmd5t«ira. Deutsches R c i^ch Berlin. 2. Febr. Der Zentralverein deutschcr Staatsbürger jüdischen Glaubens beschäftigte sich g״stern AbeiG in einer öffentlichen Versammlung mit dem Schulgesetzentwurf. Nach einem Referat des Justizrat Dr. M. Lövinsohn wurde eine sich der Denkschrift des Verbandes der deutschen Juden an schließende Resolution angenommen. Berlin, t. Febr. In der heutigen Reprci sent-antensitzung der jüdischen Gemeinde begrüßte, ans Anlaß, seines am 17. Januar stattgefundenen 25jährigen Amtsjubiläums als Repräsentant, der Vorsitzende, Herr Louis Sachs, den allverebrten Herrn Moritz Manheimer mit herzlichen Worten. Wenigen Mensäwn sei cs vergönnt, in so hohem Alter ein geistig frisches und arbcitsfreudiges Leben zu führen. ,Für All.'s, was Sie der Gemeinde geleistet, danken wir Ihnen herzlich. Ihren 70. Geburtstag, das Feit ihrer goldenen Hochzeit hat unsere Gemeinde als »in Familienfest gefeiert. Trotz Ihres praktischen Blictes war Ihr segensreiches Wirken stets darauf gerichtet, der Ausfluß eines gütigen Herzens zu ׳rin, oahrr Ihre besondere Fürsorge für das Kranken Haus und die Altersversorgungsanstalt. So Gott »vill, hoffen wir Ihnen in nächster Zeit (am 1. Mai iit der 80. Geburtstags noch einmal herzlich die Hand zu d-cüclen." Tief gerührt sprach Herr Manheimer seinen Dank aus. Er habe nur seine Pflicht getan, im Ainte habe er trübe und freudige Stunden erlebt, die freudigen seien überwiegend ge ivesen, daempfände er init Genugtuung: seiner keider erkrankten Frau werde er von der auch ihr gewordenen Ehrung Kunde geben. — Nachdem man in die Tagesordnung eingcirrten, iverden zunächst sämtliche Rechnungsabschlüffe dechargiert. Hierzu liegt ein Antrag des Herrn Proleffor Blaschkr vor, sämtlichen unter Aussicht des Rabbinats unterstehenden Fleischern den Beitrag zum Pensums und Unterstützungsfonds zu erlassen, worüber später ausführlich zu berichten sein wird. Dem Berein Maldisch Arumim wird rin Zuschuß bewilligt. Als Mitglied ftir die Waiserrkommistion ivird Herr Dirertor Dr. S t r e l i tz gewählt. Samt lichen Beamten der Gemeinde werden Teuerungs Zulagen gewährt. Zur Aufstellung einer Eledenktaftl für den verewigten Vorsteher in deffen Erbbegräbnis, wird die Summe von 286 Mk. ausgrworfen. Zur Beschäftigung einer Schreibkraft in der Gemeinde bibliothek werden 40 Mk. pro Monat bewilligt. Der Tiergarten-Svnagogen-Gesellschaft wird vorläufig eine Jahressuboention von 2000 Mk. gewährt und 800 Mk. außerordentlicher Zuschuß an den Reliaions verein Westen. Zur Errichtung einer Stiftung aus Anlaß der silbernen Hochzeit des Kaiservaares werden 10(',000 Mk. einstimmig bewilligt, die zur Errichtung einer Entbindungsanstalt dienen sollen. Es folgt eine geheime Sitzung, in welcher Dr. Emil Eohn. Sobn des verstorbenen Sanitätsrats Dr. Eobn Steglitz, ein Hörer der Lehranstalt für di? Wissenschaft des Judentums (Hochschule), zum Prediger der Gemeinde gewählt wurde. 10• ft. Ehdtluhnen, ä. Febr. Am vorigen Mitt woch wurde der bekannte 60-jähriae Eisendändllr Benjamin Rabinowitsch in Kowno. der Bruder des dortigen Rabbiners und Sohn von Rabbi Ji'.chak Elchanon s. A., von Revolutionären, ociieu e» nicht sofort das abverlaiigte Geld geben wollte, crschosten. Nun sind glücklicherweise in zwischen die Mörder bereits ermittelt und verhaftet worden. Es sind dies der Stiessobn der Wäscherin des Getöteten und lin Komplize desselben. Lesterreich - Ungar « Nuhtstörkr im Wiener Gemeruök-Idyll. lDon umercin Korrespondenten.) Ä)!? H , 14. TOC!f)(*ליf(י י*י!?1 י so jählings über Oesterreich hereingebrochen ist. hat nunmehr auch die Wiener jüdische Gemeinde in ihren Sprudel hincingeriffen. Der Anstoß dazu ging dies mal, wie aus unten folgendein Rundschreiben er sichtlich ist, von orthodoxer Seite aus. und zwar von dem Obwanne des Bereines Machsike hadath, Herrn Salomon Meisels, dem würdigen Sohne seines großen Valcrs Rabbi Bensch Meisels, weiland Oberrabbincr zu Krakau und später zu Warschau. »Ftz . i i co v. ... 1 . . . v. ♦ ... . r t. < er» oOii 11'tiutii -oiucüiuiii» uic vocgriciMigcnc ^ccugr staltung sein wird, — daß es dahin kommen niuß, steht wool außer Zweifel — das vermag nur der jenige zu erweisen, welcher die gegenwärtigen Zu stände dcs Wiener Vorstandes damit vergleicht. Ja. selbst die Bezeichnung ״Wiener Vorstand" kann nur im uneigentlichen Sinne verstanden werden, denn in der Tat baßen wir nur ein sogenannte« Knnventit.'l das die Gemeinde, wenn man so sagen darf, leite:, eigentlich ״fortwursteln" läßt. Diese Zustände stnd für Wien, tvpisch. Bis vor 100 Jahren harte man hier überhauvt keine Juden. Zu Anfang des vorigen Jahrhunderts wurde eine Anzahl jüdischer Familien, die vermöge ihres finanziellen Einflusses der Regierung nah« standen, die sogen. ״Tolerierten" und darunter eine Auslese von ״Privilegierten". »11: gelaffen, die mit ihrem Anhänge im Jahre 1826 sich zu einer Gemeinde konstituierten. Alle übrigen Juden dursten hier nicht einmal über Nacht weilen. Diese Zustände fanden mit dem Jahre 48 ihr plöt: liches Ende, seit welcher Zeit ein starker Zustrom aus allen Teilen des Reiches nach Wien erfolgte. Die Gemeindevcrsastung jedoch behielt nach wie vor ihren spießbürgerlichen Eharalter. nur der allerengste Kreis fand in die Verwaltung Eintritt. Daran änderte auch die Tatsache nichts, daß die ehemaligen ״Privilegierten" samt und sonders in das Lager der Taufe sich begaben. So kann man beispielsweise heutigen Tages das sonderbar anmutend« Schau spiel beobachten, daß die Nachkommen sämtlicher Präsid-nten der hiesigen Gemeind«, wie sie zur Zierde ihres Sitzungssaales an deffen Wänden prangen, längst das ״große Master" hinter sich haben. Nur der letzte Präsident, der vor einem Jabre etwa beim gegangene Heinrich Klinger, bildet hiervon vor der Hand eine rühmliche Ausnahme. Es ist dies wohl in erster Linie darauf zurüclzuführen. — in religiöser Hinsicht glich er ganz und gar seinen Vorgängern — daß er ein Preßburger von Geburt, in seiner sriihesten Kindheit noch eine Gestalt, die dm Ehatam