Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 6 (8.2.1906)
- Date
- 1906-02-08
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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8. fttbritüt 180«;. Ter Jsrtelu ««ile 5. 31t t> g<rfd>t, bafj man zwei Sekten, die voneinander Verschiedenheit der Dogmen trennt, zu einer Kirche, einer Korporation vereinige. Es ist ein natürliches Resultat der Glaubensfreiheit. daß diejenigen, deren Dogmen voneinander verschieden sind, auch v e r - schieden.e G l a u b e n s g e n o s s r n s ch a f t e n bilden könne!1." Hiermit war das Schicksal des unglücklichen Kongresses besiegelt. Der ungarisch« Reichstag hat in der Tat eine separate, unabhängige orthodoxe Konfession anerkannt, die später auch eine königlich sanktioniene autonome Verfassung erhielt. Im Sinne dieses Reichstagäbeschlusses wird sogar die auf Grund der Kongreß st atuten sich organisierende Glaubenskirche, als eine von der alten isr. GlaubcnLkircbe wesentlich verschiedene Korporation bezeichnet. Das war auch immer der Standpunkt aller maßgebenden Faktoren. Den Orthodoxen ist es niemals eingefallen, sich als abgerissene Fraktion des Judentums zu betrachten. Sie behaupteten vielmehr immer, daß sic die wahren Vertreter des einzigen wahren Judentums sind. In den Gutachten der rabbinischen Autoritäten war es auch ausgesprochen, daß die Vertreter und Anhänger des Kongrepstatutes den Boden des positiven historischen Judentums verlassen haben und der ungarische Reichstag Hot dieser Ueberzeugung beigepflichtet. Die mächtigen aber verstockten Kongreßler waren durch diesen denkwürdigen Reichstagsbeschluß, ganz außer Rand und Band geraten. Das waren die -Klügeren, auch die Aufrichtigeren. Sie saben ein. daß jeder gezwungene Einigungsversuch ein Attentat auf das Judentum sei. gleichviel, ob man die Ortho׳ dorie oder die Reform als das echte Judentum an-- erkennt. Die Orthodoxen wollen das alte Gottesgesetz??bc.!i?n, bi? ^??0!c3?n?in n?n?^, t*?rn on?T Zeilen und Verhältnisse unterliegendes Judentum schaffen. Die enttäuschten Führer der gewaltigen Kongreßpartei wollten aber ihre Hoffnung nicht autgeben; üe wollten den Frieden um jeden Preis. ״Und gehst du nickst willig, so brauch ich Gewalt." Die Friedensstiirmer verwickelten sich in einen Unheilbaren Konflikt mit sich selbst, in dem ste einerseits den Reichstagsbeschluß vom 18. März perhorreszierten und anderseits mit der Dogmenlosigk e i t des Judentums operierten. Einer der vornehmsten Theologen des Reformjudeniums. Leopold L ö w , hat es sich nicht nehmen lassen, diese Friedensschwindler mit logischer Schärte obznfertigen. ״Um der Motivierung jenes Reichstagsbeschlusses ave und Zede Berechtigung absvrechen zu dürsen" — schrieb damals dieser große und ehrliche _ .nciui iiuuüjiiiu V» /י *״• a 1t f f1tnVn»tf0n «)•,IC ItlUM VUtVtM! v»)«•• können, daß. zwischen der Kongreßmajorität und der Orthodoxie durchaus keine dogmatische Divergenz skattfindet. Betonen aber die Kongreßler selbst ihre eigene Dogmenlosigkeit, so haben sie kein Recht, gegen die Beschlußmoiivierung vom 1k. März zu pro testieren. Dogmentreue und dogmenfreie Bekenner einer Religion sind nicht 1 o n o e r l i v! geeignet, eine intime kirchliche Einheit zu bilden." Die neologe Landeskanzlei hat aber nicht aufgehört, in allen möglichen Variationen zu demonstrieren: Es gibt nur eine jüdische Konfession rn Ungarn! Orthodox, Reolog — das sind nichtssagende Schlagworte. Der Reichstag hat unter dem Eindrücke nebelhafter Vorstellungen von der freien Kirche im freien Scaate und von der allgemeinen Gewissensfreiheit, der von dem israelitischen Kongresse ausgearbeiteten einheitlichen Organisation die geset,geberi1ch« Sanktion versagt, ״einer Minouräl zuliebe, deren Anhänger an der vaterländischen Kultur (sic!> mit keinem einzigen Namen beteiligt sind" und ein Schisma konstatiert, wie es sonst nirgends auf der weiten Welt bekannt ist. Einige Jahre später »st August T r e f s r t Kultusminister geworden. Dieser Mann, sonst auf allen Gebieten eine Kapazität ersten Ranges, war ein prinzipieller, leidenschaftlicher Gegner der Orthodoxen, die ihm von den leitenden Männern der Kongreßpartei als antinationale, kulturfeindliche Elemente geschildert wurden. Trefort Yak den Paradejuden alle Verleumdungen aufs Work geglaubt und er mochte geglaubt haben, daß er vom Standpunkte des Staate» eine patriotische Tat vollbringe, wenn er die ungarländiscde Orthodoxie vernichte. Die Orthodoxen hatten aber schon eine töuigtich sanltionierte Verfassung, die man mit eins und zw'ki nicht mehr ignorieren tonnte. Von einer Vcrnichtung der Orthodoxie konnte vor der Hand keine Rede sein, aber ein svstematisches Untergraben des orthodoxen Fundamentes könnte mit der Zeit viel leicht doch zum Ziele führen. Trefort hat alles mög liche unternommen, um die Privilegien des orthodoxen Judentums zu konfiszieren, aber sein Hauptziel tonnte er doch nicht erreichen. Dieser neologen sreundlickre Kultusminister hat sich einmal einem Obergespan gegenüber folgendermaßen geäußert: Ich bin als ungarischer Kultusminister mit meinen Erfolgen auf allen Kultnrgebieten sehr zufrieden. Ich wäre auch der glücklichste Minister. Nur ein Mensch ist da. der mir mein Leben verbittert und das ist: Ignatz. Reich. Dieser orthodore Jude und Präsident d-r fanatischen Juden hört nicht aus. gegen alle meine Verfügungen in jüdischen Angelegenheiten zu vrotestieren. In allen meinen Erlassen, die auf die Herstellung eines einheitlichen Judernums hin zielen, findet er eine Gefährdung der jüdischen Religion. Er pratestieis und bittet und bettelt. Er wird abgewiesen, er wird von mir nicht empfangen. Er vrotestiert und bittet noch einmal und noch zebn mal. ich soll die jüdische Religion gegen die Angriffe der liberalen Juden in Schutz nehmen. Unter Trerort gelang es der neologen Landes kanzle! zwei Punkte zu schaffen, welche die in Ziveitel gezogene Einheit der jüdischen Konfession vcröürgen sollten. Es war dies das Rabbinen feminar, das 1k?? aus den gemeinsamen Miitelu de» Judentums errichtet wurde und die israelitische Lehrerbildungsanstalt, welche beide von einem späte ren Neichsiage für gemeinsam? Institute der unqacländischen Judenfchaft erklärt wurden, und es war dies das von demselben Minister im Jahre 1885, er lasscne israelitische Malrileistatut. das den festen Kitt für die zwei jüdischen Kc׳usessic׳nen bilden f-ollie. Ueber diesen zweiten Beschluß des ungarischen Reichstages wollen wir bei anderer Gelegenheit referieren. Im Jahre 1882 ist aus der jüngeren Generation der israelitischen Mitbürger eine Bewegung in Fluß geraten, die sich die gesetzliche Rezeption der jüdischen Religion zum Ziele gesetzt. Die nec-toa« Landeskanzlei war mit dieser Bewegung anfangs sehr unzufrieden. Seitdem die Orthodorie ihre eigene Verfassung hat, ist es nämtich Taktik der Neologie, die jüdischen Angelegenheiten in unge regelteni Zustande zu erhalten, um so mir Rücksicht auf die zerrütteten Verhältnisse eine staatlich« De kretierung der einheitlichen jüdischen Organisation von der Regierung zu erschleichen. Auch die Ortho Voten waren gegen die Rezeptionsbewegung. Tie orihvdoxen Rabbiner Ungarns haben mit Recht den Wert der Rezeption nicht hoch angeschlagen und wollten lieber zuwarten, bis der Staat aus eigenem Antriebe, ohne jüdische Agitation, die jüdische Religion in die Reihe der gesetzlich rezipierten Religionen aufnebmen werde. Ueberdies haben aber dir orthodoxen Rabbiner befürchtet, daß durch das RezeptionSgesetz die orthodore Autonomie ihre Bedeutung verliere. Erst nachdem der damalige Kultusminister dir stierliche Erklärung abgegeben, daß die Erlangung der gesetzlichen Rechte für das israelitische Glaubensbekenntnis nicht die Erwirkung oder zwangsweise Durchführung einer einheitlichen nach sich ziehen werde." haben sich die Gemüter beruhigt. Es wurde das Rezevtionsgesetz geschaffen. In diesem erscheint d i e israelitische Religion reziviert. Das Gesetz kennt also tatsächlich nur eine israelitische Religion. Aber die Verschiedenheit der Organisationen wurde durch dieses Gesetz nicht tangiert. Würde nun der Minister in seiner Sanktion des neuen erweiterten Organisationsstatutes von einer orthodoxen Konfession schlechtweg gesprochen haben, so könnte eine spätere Regierung dieses Statut mit Berufung auf das Rezevtionsgesetz. das nur eine israelitische Konfession anerkennt, außer Krass setzen wollen. Der Minister erachtete es daher für angezeigt, bei diese: Gelegenheit das Rezrptionsgesetz gleichsam zu interpretieren. Unsere Gesetze kennen tatsächlich nur eine israelitische Konfession, durch die Verschiedenheit der Organi sationen sind es in letzter Lösung doch zwei von ein ander ganz unabhängige Nekigionsqenossenschasten. In dieser Konsequenz hat denn auch die ungarische Kultusregierung das neue Organisations slatut der ״u ngarländischen aut. orth. israelitischen Konfession," wie der offizielle Titel lautet, mit dem Rezeptionsgesetze in Eintlang gebracht. Ueber die weiteren Vorbehalte des Ministers!1, einem nächsten Artikel. Die Mannablpeiute. Botrachtuni; }!פ׳ ב?דיז ן Aon 'Wabb. Tr. Hermann Klein—«t ro»»ak>i Gegen den Schluß des dieswöchentlichen Thoraabschnittes. nachdem Alles, was bei dem Auszug: aus Mizrajim sich Wundervolles ereignet Hai. erzähii. nachdem das herrliche Lied, mit dem das erlöste Volk seinem Gotte für die wunderbare Errettung aus dem Joche der Sklaverei oaiikie, wirdergegrben worden, meldet die Thora uns von dem M a n n a. oer Himmelssxeise, womit Gott sein Volk in der Wiiste versorgte. Wo kein Halm und kein Gras keimte, wo dem kargen Boden kein Lebenstrieb sich entringen konnte, da fand Israel durch die Gnade Gottes sein Brot. Es darbte nichr uno hungerre nictti in de-- m•«, denn sein Gott führt ^nd versorgt: ec. ...... ... .״,s, ״• ---- י:- י-- - ----- ..צא- »Eiehe. ich lasse euch Brot vom Hiinmei regnen und das Voll wird hinausgehen und täglich das Täglich« sammeln." Mit diesen Worten beginnt die Er »aMm« י tt»1K ^f א (D«. . .t... —_ לא ck א;ב;• ל-לך ב־די־ד, damit ich es erprobe, ob es in meiner Lehre gehen wird oder nicht. toftffn ^rhn*r t!nf#r#r *1«a , - ן » * » % ✓ V 4» » 4* 4 V4 | | « I» Mltv unsere ־־t; .־:;•er unmittelbar an die Geschichte der 7!אל: anscqließen. Unsere Weisen in r.;~z lehren: י־ לביסך נא־לי. »*•‘ה א•:•;•די בל דד-ב:. Wer die rf?cr an die .א-לד; anschließt, der wird den ganzen Tag bin׳- durch nicht beschädigt. Der Gedanke, der dieser An ordnuna unserer Weisen zu Grunde liegt, dürfte folgender sein. Wir Menschen, deren Sinne durch das Einerlei der Gewohnheit, durch die Hast der Wechsels, d!:rck die!oikde Jagd des Erwerbslebens abgestumpft sind, deren Augen nicht klar sehen und deren Obren nicht deutlich hören, haben längst das Gefühl für die stillen Wunder um uns herum der loren, wir haben keinen Blick für das stille lautlose ויה «I < St* >1*. •1•.. P OTT»♦•! <VM ’ « «uuuen utc csviiari! III uiiicici x׳uuc. Lvir «kirniitn die Gottcshand nur, wenn sie machtvoll in das Naturges,Heden »inareitt, wenn sie den Naturlauf unterbricht, wenn sie um eines sichtbaren Zweite« willen in dir Speichen des 'Weltenrades greift und es in seinem Laufe ent:v«d«r hemmt oder aber beschleunigt. Und doch ist unser ganzes Leben nichts als ein fortlausendes Wunder. Daß wir täglich unsere Nahrung finden, wie überhaupt unser ganzes Sein, ist nichts anderes, als eine lange Kette übernatürlicher Wunder, nur ist die Kette zu lang, als daß wir ihren Anfang sehen könnten. Wenn wir daher täglich unseren himmliichen Vater um Gewährung unfern kleinen und großen Anliegen bitten, so sollen wir uns vorher die Geschichte unserer :אי*!־; vergegenwärtigen, damit wir dem Gedanken Ausdruck geben, daß genau so wie die "איל; nur durch eine Reihe offenkundiger Wunder möglich war. so auch die פ^8ל ein göttliches Wunder ist. c^c nere סל נא-יד, ש־א•: אף. Wer sich daher den Gedanken dergraen׳»׳äriigi, daß da» tag» liche Brot ein Geschenk Gottes ist. rin täglich neues Geschenk, der wird in senem Erwerbsleben nicht diejenigen Grenzen überschreiten, die Gott dem Mensehen gesetzt, der wird nicht an seiner Seele Schaden nehmen wollen, um seinen Leib zu erhalten, 1m בל ביל! n 8, ז^החף ,.״.׳‘י 8־.פיזד א־ני ניזק pz, י6ל־ unmittelbar an die אייל: anschließt, bei dem es Ueberzeugilng, fester, unverrückbarer Glaube ist, daß da- Brot eine HimmelSgabr ist, der wird nicht beschädigt, der wird sich nicht vergessen und die Befriedigung seiner Wünsch« in einer Weise erzwingen wollen, die von best unheilvollsten Folgen für die Reinheit seines Seelenleben werden könnte.