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Der Israelit · 1906-02-08 · 6 (8.2.1906) · p. Seite 4

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
6 (8.2.1906)
Date
1906-02-08
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Nr ti. 2fitt i Ter Israelit. ־, ■יי)•fbiuar 11XH>. hieß. So begann auch in Rußland der Abfall immer größere Dimensionen anzunehmen, und daruffischt gesetzestreue Judentum ist — so traurig eS ist, es muß doch gesagt werden auf dem Wege, dieselben (Erfahrungen zu machen, wie das deutsche. Roch ist es hier nickt so weit getommen, wie in dem Deutsch land der ersten Jahrzehnte des 1 f*. Jahrhunderts, tfodj hält die große Masse an dem Vätererbe nach wie vor mit standhafter Treue fest. Allein, noch einige Jahrzehnte und es ist anders geworden, menn nicht Vorsorge getroffen wird, der furclit baren Gefahr entgegenzutreten. (?8 ist nötig, daß alle jüdischen Gesetzestrenen dieser Angelegenheit ihre Aufmerktamkeit widmen. Gibt es doch keine wichtigere!frage, als die. wie es möglich ist. den Grundstock des jüdischen Volke-, alwelcher das russische Judentum anzuseken ist, der Tbora nt er halten! Da heißt cs nun das nackholen, was bisher versäumt wurde: nämlich auder Geschickte zu lernen, die Vergangenheit für die Gegenwart nutzbar zu machen. Was war es, das die zu Boden getretene Schar der Treuen in Deutschland wieder aukgerichtch hat ’ Damals, als die Reform ihre wildesten Triumphlieder anstimmte. trat der Mann auf den Plan, der mit sicherer Hand das ׳Schifflein des gesetzestreuen Judentumdurch die Brandung des Tageskampfes zu steuern verstand, der die Gegner in den Staub warf, der daverachtete HälG lein der Alten mehrte und ihm die Achtung der Welt erwarb. S. R. Hirsch erkannte die Krankheit und fand auch mit einer Sicherheit ohne Gleichen die Heilmittel. Gr sab. was die Dildungsfeindlichkeit der Getktzesrreuen verschuldet, er. der mit dem Wißen dcr -Zeit vertraut war wie wenige erkannte, wie an begründet diele Feindschaft war, er verkündete laut vor aller Welt, daß Judentum und Wiffenschast mit nickten ein Widerspruch lei. daß vielmehr das Jud»n tum jede neu gefundene Wahrheit der Wiffensckafi als einen ,Fortschritt der Menschdrit ihrem Ziele entgegen begriiße und zum eigenen Ruhen verwenden könne. Gr wies nach, daß die Tbora mit Nichten das Licht der Kultur zu scheuen habe und nur richtig verstanden werden müßte, um in ihrer Grhabenheit erkannt ,u werden. Das letztere war es. woraus er vor allem den Don legte. Der Geist des Gesetzes war dem Bewußtsein der Masse verloren aeganaen. Rur tvenige gab es, die aus dem einfach uno an spruckslos ausgesprochenen Din des Schulchan Aruch etwas von d*1n inneren Gebalte des Gesetzes herauszuabnen verstonden. Ta setzte nun die gewaltige schriOstellerssche Dätigteit Hirsch'- ein. Gr forschte in zrzzv ודיה u. ידיה שבעי, »ל nach dem Zusammenhang der einzelnen Bestimmungen eines Gesetzes, und aus der Gesamtheit vesfetven gewann er die Idee, oie demselben zu Grund! liegt. Was viele abgestoßen batte, das war der scheinbare Mangel eines Ideen gehalts, den ste an den Diskussionen des Talmud zu bemerken glaubten. Hirsch aber schrieb seine neunzehn Briefe, seinen Ghorew, seinen Kommentar zur Tbora, seine Jelchurunartikel und bot darin dem neuen Gi-chlechrr das. was cs brauchte. den Geist des Gesetzes, den dieses vergeblich gesucht. Gr zeigte, daß die Gebote nicht leere formen. daß die Verbote nickt stnnlose Beschränkungen sind. Gr erweckte die Freude an der Thora, die der neuen Generation der loren geganoen!var. und von einem beispiellosen Orsolq wurde seine Tätigkeit gekrönt. Wer gäbe uns hier in Rußland einen Rabbiner Hirsch! Hier wäre es nicht, wie in Deutschland, ein kikines Häuslein, mit dem er seine Arbeit beginnen müßte. Hier gälte enicht, wie damals, da? Verlorrngegangene wieder zu gewinnen; viel leichte::! ist die Ausgabe, die bür zrr lösen ist׳ hier gilt es nur, noch Vorhandenes zu erhalten. Rabbiner Hirsch ist nickt mrhr unter den Lebenden, aber sein Werl ist lebendig, lebendiger als ic.!.-"צדיקים בבי קריין לייב. Rabbiner .Hirsch'- Geisteskraft wirkt heute noch so mächtig, ja vielleicht mächtiger, als zu seinen Zeiten. Selbst die ibn bei Lebzeiten verdammten und mit fanatischem .Haß bKämpsien, baben sich demütig vor der Größe seines Mistes beugen müssen. Wie nun, wenn wir seine Werke, die, wie selten die Werte eines Mannes, ein abgeschlagene- Ganze bilden, ein Ginbeitlickes, zu dem von Anfang an allevorge vildet war, in dem es keine Widersprüche gibt, der russischen Judenheit zugänglich machten. Vielleicht könnten die Werke den Mann erGtz^n. Sie den russischen Juden zugänglich machen, beißt, sie in's Hebräische übersehen. Hier wäre denn das ausge sprachen, was alle treuen Juden beitragen können, um die Feste der jüdischrn Gesehestrene in Rußland zu erhalten. Schaffung einer hebräischen >! ebersetz ung der gesamten Werte o e s M e: st e r S. Ich bin genötigt, in diesem Zu sammenhang von meiner eigenen Person zu sprechen. Vor einer Reihe von Jahren habe ich durch einen glücklichen Zufall, den ich preise, in den Besitz der neunzehn Briefe und des Ghorew gelangt, diese beiden Werke in's Hebräische übersetzt, und ich kann sagen, daß in weiten Kreisen der russischen Judenheit diese Nebersetzungen freudig begrüßt worden sind; auch in denen der Ghassidim, die bisher jedeneue Werk, dos in hebräischer Quadratschrift (statt in ,יש־-- Schrift) erschien, verpönten, wir in denen der sogenannten Maskilin, die an Sforim religiösen In- Halts jeden Geschmack verloren hatten, fanden sie beg-istertc Leser. Ich sage das lediglich, um zu zeigen, wklchen Wer^ die hebräischen Nebersetzungen der anderen Werle Hirsch'- für die russischen Juden haben würben. Ich bekam eine große Anzahl von Dankschreiben und habe gar manchen Fall erlebt, dotz Lcutc, die schon gänzlich vom Judentum abgefallen waren, durch die Nebersetzungen der neunzehn Briese und des Ghorew wieder auf den Weg der Gmunah geleitet wurden. Die zweite Auflage der Gkorew Nebersetzung, die ich besorgte, fand starken Absatz. Vcn manchen ist mir beiannt, daß, wenn sie eine Reise unternehmen, sic nicht versäumen, den Ghorew mit aus die Reise zu nehmen. Gin Rabbiner teilte mir mit. daß er eine Chewroh gegründet habe, in der jeden Tag ein Abschnitt aus dem Ghorew gelerm wird, und bald darauf hörte ick ein gleiches von einer ganzen Anzahl von Orten. Gin Vater mir vnß »r ifh»n Tvg mit (»Niem rmöts zeugte mich damals, daß man für einzelne Lieser ungen das Publikum nicht gewinnen werde, da die meisten warten zu wollen Vorgaben, bis sie sich ein ganzes Buch der Thora, oder das ganze Ghumcsch anschafsen könnten. Tie übrigen Sidroth von .שבור die ich sertiggestellt, mußte ich bisher zu meinem größlcn Schmerze unveröffentlicht lassen, desgleichen die Uebcrsehungen, die ich von im Jeschurun eschienenen Artikeln Hirsch's angefertigt habe. Ick litt sehr unter dem Gedanken, daß zum Schaden des gesetzestreuen Judentums mein sehnlichster Wunsch nichi in Grfüllung gehen sollte. Runmehr jedoch ist mit einem Male das Werk skiner Verwirklichung um ein gutes Stück näher gerückt worden. Gin d?r Pflege jüdischer Lebensanschauung sich widmender Verein in Frankfurt a. M. hat sich bereit erklärt, die zur Verössentlichung des Sefe-r Bereschit m׳! ckebräischer Uebersetzung des Kommrntars von Hirsch notwendigen Mitte! aufzubringen. Möchte dies:-- Beispiel Nachahmung finden und man in weiterer׳ Kreisen des gesetzestreuen Judentums in Deutsch land bemüht sein, dafür zu sorgen, daß die Werke des Meisters baldmöglichst auch der Judenheit Ruß lands das werden, was sie in Deutschland schon lange sind, ein: Stärkung d:r Treuen, Stab und Stütze denen, deren Festigkeit schon zu schwinden beginnt. והיה זכר צדיק לברכה Wiedergeburt und Ausbau der ungarischen orchod. Ivandesorganisation. 11. B u d p e st, im Februar. jährigen Sobne ein Stück audem Ghorew durch nimmt, dies für die beste Art hält, sein Kind zu der Treue zum Gesetz zu erziehen. Ich könnte so noch vieles erzählen zum Beleg für die Behauptung, daß die hebräiicke Uebersetzung von außerordentlichem Werte für die Grhaltung des wahren Judentums unter den Juden Rußlands gewesen ist, ick glaube ledocb, daß. wer Hirsch lennt, schon ohnedies hierüber keinen Zweikel b.egt. Von welch heilsamer Wirkung wäre cs nun aber, die gesamten Werke des Großen in Israel der jüdischen Bevölkerung Rußlands in hebräischer Uebersetzung zugänglich zu macken. Vor allem den Kommentar zur Tbora. Ich möchte nur ein besonders lehrreiches Beispiel hierzu ansiihrrn. Gin Rabbiner aus einem kleinen Städtchen wendete sich, als er sich an meinem Wohn orte aushielt, an mich mit der Bitte, ihm doch mitzuteilen, was Rabbiner Hirsch von dem Sinne und der Bedeutung des גרב שגי של גליית er sage. Eines seiner Gemeindemitglieder habe ihn schon wiederholt mit der Frage gequält, wozu wir, die wir dock בקיים בקביעי דירדזי sind, noch außer dein von der Thora bt stimmten Tag noch einen zweiten feiern müssen, wozu man den Juden, der schon w genug zu leiden Hai. noch mit einem zweiten Tag belästige, an dein er nichts eriverben kann, für den er noch obendrein die Mittel aufbringen muß. ihn in der Weise eines Jom Tom zu begehen. Die Antworten, sagte der Rabbiner, die er dem Frager gegeben habe, halte er rotbet selbst für genügende nocv hörten sie diesen auch nur einigermaßen befriedigi. Gern erfüllte ich die Bitte; ich nahm den Kommentar Hirsch's zu Schemoth zur Hand und las dem Rabbiner alls vor, was dort zu dem Der- החדש דוד. ייבם יאש דיישיש ausgeführt ist. Der Mann strahlte vor Frsude, als er die wunder oourn Gcdanlengänge vernahm und wußte sich vor Bewunderung gar nicht zu fassen, und als ich zu Gnde war. sprach er: ״Jetzt bin ick sicher, daß ich meinem Baal Habait eine genügend« Antwort werde geben können." Dieser Fall steht nicht dereinzclt da. solches und ähnliches ist mir viclfach vorgekommen. Man stekt. was uns fehlt: man steht, daß gerade Rabbiner Hirsch, in seiner Grläuterung zum היבש besonders, ׳n großartiger Weise das geleistet bat. was uns dringend not tut. Ich trug mied seinrrzcit mit dem Gedanken, diesem Bedürfnis durch die Uebersetzung des Thora Kommentars in's Hebräische abzuiwlsen. Aber aus Mangel an den nötigen Mitteln war es mir nicht möglich, mebr als die -vx-2'evon dem Werke herauszugeben. Ich über- Durch die ministerielle Sanktion des neuen orthodoxen Organisationsstatuts ist für die Ungar ländische gesehestlcue Judenschaft eine neue Laue entstunden. Die Kultusregierung hat die ״ L a n d e soertretung der ungarländischen aut. ortk. isr. Konfession" als legale Körperschast, als autoritative jüdische Behörde deklariert. Dem Un eingeweihten muß es aber als unvecständlnd er scheinen, warum der Minister in seinem Grlasie mit großem Nachdruck betont, daß ״unsere Gesetze nur eine israelitische Konfession kennen und infolge dessen auch das gegemvärtige Statut für keine ent gegengesetzte Interpretation als Grundlage dienen kann'." Das Gesetz kennt nur eine israelitische Konfession und doch spricht der Regierungserlaß deui- Ilch von der offiziellen Landesvertretung der ״a u t o nomen o r t y. , s r. K o n s e j t l o n." J't dies kein Widerspruch? Zur Aufklärung dieses scheinburen Wid-er svruches sei hervorgrhobrn, daß dieser Vorbehalt im Ginvernehmen mit der orthodoxen Leitung im In tereffe des neuen Organisationsstatutes fessgestellt wurde. üm IS. März 1870 hat nämlich der ungarische Reichstag üler eine Petition von 805 orthodoxen Gemeinden folgenden Beschluß gefaßt: In Anbe tracht dessen, daß es gegen die Glaubens- und Ge Wissensfreiheit verstößt, wenn die Mitglieder, welcher Religionsgenossenschast immer, gezwungen werden zu einer durch Majoritätsbeschlüsse geschaffenen Organisation, die mit den fundamentalen Glaubensgesetzen im Widerspruche siebt; in Anbetracht dessen ferner, daß die Petenten die Beschlüsse des Kongresses als mit den Grund Prinzipien der israelitischen Glaubensgesetze im Widerspruch stehend erklären: demzufolge daher die auf Grund der Kongreßstatuten sich organisierende Glaubenstirche eine von der bisher in Ungarn aus Grund bn israelitischen dogmatischen Glaubens gesetzt bestandenen Glaubenstirchr wesentlich verschiedene Korporation bildet, welcher sich zwar jeder aus freicm Willen, aber nickt Mitteln Zwang anschließen, respektive unterordnen dürfe: infolge dessen wird die Bitte der Gesuchsteller empfeblenswert und deren Klage der Abhilfe bedürftig gefunden." Kein Geringerer als Franz Deal hat in einer kernigen Ansprache die Annahme dieses Gutachtens wärmstens empfohlen. ״Ich finde es nickt nur für inkorrekt" — sagte der Weise der Nation — ״und schädlich, sondern auch für un

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