Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 6 (8.2.1906)
- Date
- 1906-02-08
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Der o*rq«Ut *. Februar ItHKi_ bischen Freisinn" in tUiiur Druckschrift ein Artikel enthalten, von dem ich gewünscht hatte, er wäre am hervorragendsten Teile des Blattes und in recht fetter Druckschrift erschienen. Die Wahrheit muh deutlich vor Augen geführt werden, wie vor das geistige, so auch vor das physische Auge, um Beherzigung zu ge winnen und weitere Berpslanzung zu erwarten. In der Tat ist es keine Wortklauberei, wenn in diesem Artikel über die ganz verfehlte Bezeichnung von Orthodoxen und Freisinnigen (vulgo Liberalen) auf jüdisch religiösem Gebirte geklagt wird. Was von Herrn L. hierbei vorgebracdl worden ist, unter schreibe ich gern und willig, nur einige Ergänzungen mögen Aejes Thema noch enoeitern. Im engerru Kreise meiner Schüler und Freunde ist e« bekannt, wie ich schon seit langer Leit gegen jenen sprachlichen Mißbrauch eifere, der uns auf vielen Wegen offen ■bare Schäden verursacht hat und sortdauernd Böse» ׳rzeugt. Der E r st e, der den gläubigen )»den unglücklicherweise als ״orthodox" bezeichnet, ist Furtado, der in seiner Schlußrede des sogen. San hedrin unter Napoleon i. I 1X07 wörtlich sagt״ ׳Ob gleich also der orthodoxe Israelit glauben kann, alle Anordnungen, woraus das mosaische Gesetzbuch besteht, rühren auf gleiche Weise von Offenbarung her. so ist er doch nicht gehalten zu glauben, daß alle aut gleickie Weise v e r v f I i ch - t e n d jind." Was hier nur so gelegentlich und vielleicht nicht einmal mit besonderer Absicht betont worden iss. hat jeb<nsalls den bekannten, bald daraus folgenden Aposteln der Reform die willkon'.mene ׳Gelegenheit geboten, von orthodoxen Juden im oerächtückien S'nne dis zilin Superlativ der Verhöhnung zu schreiben »nd zu sprechen, wozu zahlreiche Parallelen aiK den christlichen Sekten und politischen Parteien die hast ItlVflflt iCUÜi.imt ucjtiu iisiiMiiii. Die ׳ine Begriffssälschung aber führte zugleich zu einer zweiten, nämlich alle diejenigen, in׳l<f)c das NeligionSgesetz ganz oder teilweise über Bord ge morsen, als ״trciiinnig" zu bezeichnen, was Herr L. mit einem Ausspruch Spinoia'L am treffendsten zu charakterisieren beabsichtigt. Ich kann aber einen höheren Gewährsmann hierfür nennen. Diese Be^ ׳eichnung hat nämlich zu einer Begriffsverwirrung geführt, die auch in unseren eigenen Kreisen Verderblich wirkt. Im Munde eines srommen Iehudi hat mir von jeher das Attribut ״frei oder liberal" für die Nebertretung oder den Abfall (dieser oder jener ist sehr frei etc.) ganz absonderlich geklungen, Ist der etwa frei, der. um der Leidenschaft zu fröhnen und der Nimmersatten Gier zu folgen, Gesetz und Tradition von sich stößt? Mancher wähnt sich frei und siehi Ilichi dir Bande, die ihn schnüren (Rückert). Es sind nicht alle ז r e i, die ihrer Ketten spotten (Lessing). Wer sicl, nicht gebieten lässt - ist Sklave. Wer sich von sich gebieten lässt, ist frei (Schefer). Aber mehr und höher als solche klastische Ansprüche gilt uns als höchster Satz jene talmudische Sentenz pr-xe- -c שא,; לך בן דיי־ין אי*א בתלסד־ ת־רי, daß keiner so frei ist. als derjenige, der des Studiums der Gotteslehre sich befleißigt, natür lich um die wahre Lehre in der wahren Tat zu ver wirklichen. Somit sollten diese Begrisse geklärt und hiernach die Bezeichnungen 'sicher sestgestellt werden: der ge setzeötreue Jude sollte mit besonderer Besriedigung sich als f re i fühlen und so offen vor aller Well sich nennen, nicht aber in unrichtiger Weise dieses Epitheton einem Juden beilege», der va» dem Be!igi ׳nsaeseize nichts wisse» will. Zamlsn Raphael lsirlcb und das gelevertrene ludentum in Rußland. ^iadi Mitteilungen 10u M. 2. cktrensvhn!!! K o w n o Die Stürme, die das Judentum in Deutschland feit dem Ende des lx. Jahrhunderts zu bestehen ge׳ Hab! hat, sind, wie die Borgäi'ge im letzten Teile des vergangenen und it» gegenwärtigen Jahrhundert zeigen, auch dem russischen Iudenlulii nicht erszarl geblieben. Da« riissische Iiidenlum, bas. die große Mebrben des gesamten jüdischen Polles umfassenv, als die Hochburg der Getetzeslreue galt und noch gilt, hat derselbe Kamps ergriffen, der vorder aus oeiiiickeiii Boden sich abgeipiell iwl. der Kamps dec von den Vätern überkommenen Traditionen mir den scheinbar nach der entgegengesetzten Richlung streben den Ideen einer neuen Leit, der Kamps mil der Ans klärung. Wir wissen heute, daß Bildung und Wissenschaft keineswegs in Widersvrnch stellen mit d׳n Lebren und Forderungen der Thora. AVer vor 150 Jahren wußte man das in Deutschland und heute weiß man es in weilen Kreisen der russischen Iuvenheit noch nicht. Als mit Mendelsiohii die Bildung der Aufklärungsevoche ansing, allmäblich in die Ghettos einzuziehen, da stieß sie dort aus den heftigsten Widerstand. Wir verstehen Vas beut׳ nicht mehr, aber wenn wir uns in die damalige Lag׳ der deutschen Rabbiner versetzen, so iverden »ns die Gründe klar werden. Bon allem Lichle de! Wisse»- fchaft und Bildung abgeschlossen, waren die uno da einige Jünglinge hinausgetreten aus dem Ghetto, um an der Errungenschaft der modernen Erkenntnis teilzunehmen, und geblendet von den Strahlen der Sonne der Wissenschaft vergaßen sie. was Großes und Erhabenes in den Lehren der Thora lebte: sie waren auch nicht so darin unterrichtet worden, daß ihnen dieses Große und Erhabene darin ganz deutlich ge worden wäre. Sie hatten bloß die Schale, nicht aber den Kern kennen gelernt, nur die äußere Form, aber _*tut 1 tWr ׳> nicht den Geist, und diese Form erschien ihnen im grellen Widerspruch mit den Resultaten Wissenschaftlicher Erkenntnis. Hier hieß es für sse: wählen! Und sie trugen kein Bedenken, die alte Mutter, die ihnen so runzelig und vertrocknet vortam, zu verstoßen. So war denn in den meisten Fällen der ge bildete Jude der abgesallene Jude,!lein Wunder, daß :nan in de» gesetzestreue» Kreisen einen inner lickten ,׳susanlmenhüng zwischen beidew verinuiete. um nun über jegliche Aufklärung und vrosane Bildung den Stab zu dle-hen. Dieser Gebautengang sollte, so wobl er auch von seinen Bertretern ge!׳״int war. dein gesetzeskrenenIuvenIum die schwersten Wunlen schlagen. Es war klar, daß das Beispiel ^er wenigen, die sich den Wissenschaften gewidinet, Rach ahiiiung finden mußte. 3X1» große llnbetannte, das die modern.׳ Bildung für den Gttertojuden wa״. hakte eine magisch Anziehungskrasl. Dazu kam der Reiz der verbotenen Frucht. So zog einer nack dem anderen hinaus, um sich die Bilduna der ,-Zeil anzu eignen. Das aber bedachte fast keiner von iknen. daß im Grunde vielleicht gar kein Wiversvruch ve stehe zwische!׳ dieser Bilduna und len! Glauven der 'Väter, War doch eben von den Andängern des letzieten oieser Widerspriich proklamiert tvorden. (?•; handelte sich also nur darum, sich für da? eine o de 1 das andere ׳u ׳ntscheide». Diese Entscheidung wai 111111 natürlich von vonilierein mit der feststelluni des Tatbestandes schon getroffen. So arb'sseten die ZisesetzeSfeindlichkeit der Pkodetnen und die Blldiinasseindlichkeit der Alten einander in die. Hände, ׳.um Sst>>1den des geietzestreuen Iuven!u״>s Der vollkommene Abtal! und seine 'Vorfrucht. °-ie R-'form. setzte ein. l^in stürmischer Angriff atE das gesetzestrene Judentum begann und warf es vor lä'.issa zu Voden. Ganz dieselben 'Vorgänge sind es. die sich 01 Rvstland im lebten Teil des l'st. Iabrhnnderts ab geilielt baden. Der Gesedeshaß der Ra«kili׳n au» der einen Seite, die Bildungsseindlichkeit der R.ad biner »nd der Anbänaer des Alt llebetlieterten a»s dei anderen Seite So entgeaenaesetzt auch die sticl׳ sind, die beide Parteien verfolgen, so war oock, das Resultat ihrer Tätigkeit dasselbe. Man kann vielleicht fragen loarum denn die russischen Rabvinen nicht von der Geschichte der deutschen Juden gelernt hüben. Mül, muß jedoch bedenken, düs. die Ber hältnisse, w!׳ sie dort lagen und liegen. de>n russischen Rabbinentum so fremd sind, wie den deutsche» Juden vielfach die Verhältnisse der russischen Juden. Auch war es die. wie die Entwicklung in Deutschland ge zeigt hat. durchaus begründete Befürchtung. die Be schäftigung der Juden mit den modernen Wissen schEten werde zumindest eine so intensive Pflege des Limud Thora, wie sie in Rustland heimisch war und ist. unmöglich mache», die die russischen Rabbrnen das Odium der Kulturseindlicbkeit aus ssch nehmen staben gedruckt, vom Dezember 1771 bis kurze Zeit des toi genden Wahres. 8ie enthielt Rachrichten aus fremden Ländern, wie aus Warschau und Konstanlinopel. rbensowobl jmjIj?tc ^*?d?!,;,?2^ ז^ reld der *tato Dvhernsurl gemalt. Tie letzte der .Zeit schritten von dieser Arl und aus dieser ,Zen war eine volilische Wochenschrift, welche ein Kalbes Jahr im Elsaß erschien »nd einsach ״,Zeitung" betitelt war. «Metz IT*‘•1 סייס! Forttev,i!!!g folgi.» >Da«< Urteil 2alomo«>.I schau,pwl 1» » Aklen von E liiade 1 k Mcnzel Erste Aussüdrnng in ,Franks uri a. M Jan. Wer eiwa mit dem Inball die!es neueste» Dramas undekanni, gtaudic. beim Heden des Vorhangs ein Bild ans der salomonische» Glanzperiode des jud. Reiches erdiilkru zu fi״,itea. hätte sich gewaltig getäuscht <*־> ist ein modernes Schauspiel, das Elisabeth Menzel »ns vonubrt. lieber den künstlerischen Werl des stt'ckes ist in den Tages blättern berichtet worden. Hier nur ein Wort über drn Titel und seine Berechtigung Tie Dichtung zeigt uns das Ruigrn zweier.trauen um den Besih «ine? erwachsenen sobnes Beide behaupten. Muccre zu ieiu. die eine, weil ne!du geboren die andere, weil ne id» erzogen. Sbwobl die leidliche Mutier das »tind aus materiellen und anderen Gründen an eine wohl habende .>1m>lie zur Adoption weggegeden und sich damit also ihrer MuNerrechte eniaußeri Hane, läßt ihr dies« Tat keine Rub« Mid nach cmem wechirloollen trüben Schicksal kedrl üc an den Crt zurück, wo ihr nunmehr 2« Adriger Lohn im Hause seiner Adoptiveltern eine hochgeachtete «trl lunq emnimml. Völlig mittellos, nimmt üe einen unter geordneten Posten an, um in der Näh« ihre» Sohnes, von dirieiu unerkannt, ihr Dasein zu triste». Allein ste^ stndet kein, Rnbe. ne dürstet,ebnsüchtig nach der Liebe de« -ohne- Und sie dtgiedl stch zur Pstcgemuller. »in die Herausgabe des jnngen Mannes zu verlangen. ׳Ru» deginnl der xamvt Hier di« Macht des Narurgeietzes. dort das durch die Er Ziehung ertvordeue Recht. Im 0.1 ule der bettiaen Anseinanderör.unq deichwörl die Pstegemulter ihre Rivalin, von ihre» Ansprüche» doch adznsteben. da das ganze Lebensglnck des *oknes gefährdet sei, wen» der innere ,Zwist ihn ergreife, ne möge doch eingedenk iei». ivie in *alomo» ,Zeilen >ene vldliiche Mutter. n»r um das Leben des 1!indes nicht aufs *viel zu senen. lälcc aus ihre Reckte verzichtete!!nd den *auzling der Irernden überließ. Tie vorlaunge Einwilligung der Müller und die weiiere!»״imiäeluiig der Handlung braucht uns liier mebt weiter zu denhaitigcü D er Vergleich ist uiveres Erachlen» unglücklich gewählt Während dort einer liebende» Riutler der Säugling srevenllich grstokien worden war. den ne nur auf ,hr gute- Recht pochend, zurück verlangi. dennden nur mls liier einer Iran gegenüber, die aut ihre Mntterrechte ׳rivoler Weiie verzichlei. die ihre Mnlier pstichlen ans das gröblichste pernachlamgl Hai. und der e» nun »ach einem Meiifchenalrei plötzlich getalli, die Aulorilal der Mutter geltend .zii mack>en »nd von dem Sohn, dem ne dis dahin völlig fremd war. kindliche Veiedrung ru verlangen. Lb auch in dieiem ,falle der ic׳ei>« König zu Gunsten der leidlichen Mutter enlschieken hätte. w»r vermag das zu er messend Ist nicht mn dem ו*£ auzerrrennlich das ׳בי' ver dunden mit der b׳b« toe Erziedunq, mit 0e> Gedun me Pflege ' Das Menschenkind gehr unbedingt verloren so schreibt «am׳»n Raph. Hirsch . so e» nicht mil der Geburt sofort von der Eltern Pst ege ausgenommen wird, und nicht die ihm zugrwendete Elternpstrge sein« körperliche Erkaltung und Entwicklung bewirkt nnd fördert. Nicht dir Gebun, dir Psteqr ist der eigentlich« Faktor der Menschenvermebrunq. Erst durch di« Uebrrnabme des רבי erhält da« פ־ו sein« bohr sittlich« Meuichhetl bauend« Bedeutung. Aus unseren Fall binqeschaui, soll etwa brr Mutter der sieg zusalleu. die in veispielloirr Vernachlässigung ihrer goltgeqedenen Mntterpsticht lbr Kind dem Lbngeiadr des Iutall» preis giedt. den, Kind dl« Wartung, toe Pstege. toe Liede veriagt. die ieldst dem Jungen de» Tieres von der Tiermuiier zuteil wird? solllr nicht vielmehr die Mutter die «*»׳ Mutier sei», die von trübestem Aller an den Lebensweg de» tktndes t-ewachl.!eine Kräfte weckt, ieine Fabigkeilen eniwickrli. seine Anlage» zur Entt'allung dnngl und überall ihr Benes 1,1 des Kinde» Geist. >n sein -Herz, sein '^emnl bineingepstanzl' Wir sind geneigt, dirie .trage zu beiaben. IB-r1»f«>psy«ch»teUj. Ter Veriafirr de» verdreiieie» Buches ..tVervosiiät und Kulinr." Dr. Willn Hellpach. verössentlichl rille siudie über iieurorathliche En'cheinungen. die er dem Einstuß de» Berule» aut die Pivckre zuichreiden will Tadei memk .Hellpach. es iei ducchau« unrichtig, die starke Beteiligung der Iuorn a» gewissen i'Seistckraakhciten an׳ Inzucht. Knechtung oder Rassesakioren zu schieden Vielmehr bilde die jabrhunderlelange Konzentration am ׳7!!׳ B1׳-»i»gt1«״ve den Handel, da« wichiiaste stuck in der Aetioloaie der lüdsschen bKisteslrankbeiien Di« Eristrnz Unsicherheit des indischen Händlers. >'«״, Wetten und Wagen habe itln B«r»t»leden aufreibend gestaliet und damit dir Pivche unstreitig deeuistußt Da» ZSran von vornehm ..wissenichattlichem״ AnliiemittSmus, da« -Hellpach de, seinen weiteren Ausführungen niileinstleßrn laßt, wollen wir hier ןןן|♦ ^irth *!bfr ff!•!» 1^1«. odachtunger! richtig, so sollten sie un» vor allem den Gedanken nahesührr». Wa« wuie ohne den sadbat aus uns gewordens Wenn .alle mein« Usedeine iudel» Gott wer gleicht Dir." io sind die seineu Fäden, die da» meusch ilche Geistr»lcdrn tragen, und die nuiit Nerven nennt, vor allem dem sadbat z» Tank« vcrpstichlei- Er dal den Kern de» jüdischen Volke» trog aller Grgeneinstüsse gesund erhallen nnd er würde heute, recht ersaßt und gebeitlgt. sein« heilend« Krass gegen alle Berusspsvchoien nicht minder bewähren