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Der Israelit · 1906-02-01 · 5 (1.2.1906) · p. Seite 15

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
5 (1.2.1906)
Date
1906-02-01
Page
Seite 15 (sequence 17)
Language
German
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l. Februar 1!hk>. Ttr Israelit Leite 1• Nr .. ihn׳ und Ahron und ihren Nachfolgern anverlraut isi. der Kenntnis und dein Studium des ihnen überanöwerteten Gesetzes! Jisroel hat es durchaus in der Hand, den aufstrebenden Lichtglanz bis zur vollen Erstrahlung zu tthalte». wenn es sich beicheinen läßt von dem Geisteslicht, das über es nun ausgegossen werden soll. Indem der Monat ihres Auszuges zugleich der erste ihres jüdischen Kalenderjahres ist, soll die Befreiung aus a-xihnen lediglich als der Anbeginn der Erfüllung ihrer Bestimmung, als Träger des göttlichen Gesetzes gegenwärtig sein, hat zumal dem jüoischen König dir Lehre in der Berechnung der Jahresanzahl seiner Regierung gegeben werden können, die Zahl seiner Regentschaftsjohre danach zu bestimmen, was er in denselben für das jüdische «besetz geleit':«. Nur seine Ergründung und seine Erfüllung bedeutet das Glück und die Hoffnung seines Volkes. Ihn hat nichts zu freuen, ihn kann nichts ehren, was immer er sonst für die Wohlfahrt seines Landes getan haben mag: Der Maßstab für sein Wirken kann, nur die Blüte der Gesctzeskenntnis und der Gesetzestreue ausmachen. Freilich mochte Moscheh nach der Bedingung fragen, die einem jeden Gedeihen .rur Grundlage dient, mochte glauben, daß doch schon ein deutlicher Lichtschein vorhanden sein müßte, um die Strahlen zu mehren und den Glanz zu erhöhen .־־ ־א־־:. Doch nur gering, winzig braucht der Reis zu sein, nur eben nicht dem Dunkel, nein dem Lichte sich entrungen zu haben, um durch die Heiligung der Volksver tretung in raschem Fortschritt zum Bollglanz zu erstrahlen. Es war eben die Sonne untergegangen, als Mojchch de! Sichel c-es Mondes ansichtig wurde. Braucht doch nur die Herrschaft des Tages der Gegenwart in fick und durch sich selbst zusammenzustürzen, braucht doch nur der augenblendende Glanz der Tagesherrschnst 1!irnschl!chec Macht und niriischlichen Hochmutes ihr schlicßliches Ende zu finden in Bestürzung de? Volkes, im Ruin der Herrscher, in Erfülluna der Zeiten ihres Geschickes, im Bankrott ihrer Moral, im Zusammenbruch ihrer Macht, im Vcr rat ihrer List: sofort isi das Auge der Welt wieder auf Jisroel gerichtet und unter dem milden Glanze seiner Gesetzesleuchte empfängt sie Trost, sieht Licht in ihrer Nacht und preist glücklich ein Volk, dessen Glanz nie völlig schwindet, das sich immer wieder durchringt zu anerkannter Größe, in der die Leuchtfrnft des göttlichen Gesetzes es erscheinen läßt. klwas von jüdlkcder (UoMtätiakeit$pllid>t. tFoeiKyLNg aue Nr. ' de? ' Jakwgsnze«׳ Wir hatten in den vorigen Artikeln die jüdische Pflichttat auf dem Gebiete der Menschenliebe zu beleuchten versucht und waren von dem Gedanken ausgegangen, daß da» Judentum die Wohltäligkeit nicht dadurch erfüllt sieht, daß das materielle Glück des Menschenbruders sicher gestellt werde. Die körperliche Erhaltung allein kann im Gegenteil den sittlichen und sozialen Untergang bedeuten, wenn die Unterstützung und Förderung des Menschenbruders nicht auch darauf gerichtet isi. seinem sittlichen Dasein Genüge zu verschaffen. Es wäre auch vom Standpunkte jeder Wirtschaftslehre ein nicht berechenbares Unglück, dem .Proletariat" die einzige Richtung auf Erlangung von Glücksgütcrn zu geben und dieses Verlangen durch keine höheren Ziele auf das richtige Maß zu de« schränken. Beispiele waren beigebrach» worden für den herzzerreißenden Seelenschmerz. den das ver ständnislose ״Wirken" von Verwaltungen jüdischer Wohltätigkeitsanstalten dadurch verursacht, daß es jede religiöse Ader unterbindet und den frischen Blutumlaus des besseren Selbst des Menschen gewaltsam hemmt. Beispiele auch dafür, daß die Verhältnjsse. d. h. unsere Beziehungen zu dem Staat, in dem wir leben, und zu den Mtbllrgern, auf deren Hilfe wir Anspruch machen, uns keineswegs dazu zwingen, non der Forderung der Heilighaltung des Schabbos bei Stellenvermittlungen abzusehen, daß vielmehr die leilenden Kreise unserer Wohltätigkeitsanstalten kein Verständnis für die ethische Kraft der Sabbat- Heiligung besitzen oder aber — ein andere Erklärung ist unmöglich — sich ihres Judentums schämen und deshalb von den Besonderheiten des jüdischen Lebensgesetzes und seiner Forderungen schweigen zu müssen wähnen. Jedenfalls sahen wir, wie unsere dem Gesetze untreu gewordenen Brüder es uns beim besten Willen säst unmöglich machen, die viclgcrühmte Gemeinsamkeit des Wirkens auf humanem Geb'ete in die Tat umzusetzen, wo die Verwaltung der Einrichtungen in nicht gesetzestreuen Händen liegt, oder nicyl wenigstens nacy solchen tsrunv>atzen geführt wird, die die Billigung des jüdischen Reügionsgesetzes finden können. Aus solchen Fällen aber, in denen die Stellensuchenden selbst so gefestigt dastehen in den alten jüdischen Ueberlieferungen, daß sie zu allen materiellen Opfern jedweder Art eher bereii sind, als zum Abwerfen des sie zierenden Joches der jüdischen' Pflicht, könnten die Verwaltungen der jü bischen Wohltötigkeitsanstaltcn lernen und allmählich beginnen, sich auf ihre Pflichten zu besinnen. Die Gesetzestreucn wären die ersten, die rückhaltlos jeder Verbesserung der gedrückten Lage unserer Bruder, wo immer sie leben, zujubelten, die es freudig begrüßten, wenn aus dem Hausierer ein tüchtiger Handwerker, aus dein Knochen- und Lumpensammler ein kunstgeübter Techniker würde. Aber jüdische Handwerker und jüdische Techniker sollen sie wer Otn. ais? ,*}ui uuu j.'imcipuuii uav ..uvyuuy! Strebens muß unverrückbar das jüdische Gesetz da׳ stehen. Dabei darf unser Augenmerk nicht nur auf das männliche Geschlecht gerichtet sein. Die Wirtsehastliche Lage hat auch die jüdische Jungfrau aus ihrer Zurückgezogenheit mit rauher Hand herausgerissen und auch sie in den Kampf um» tägliche Brot mit hineingezogen. Die erwachsene Tochter kann heute vielfach der Mutter nicht mehr die Last der Arbeit abnehmen. Tagsüber ist sie von ihr getrennt, muß in fremder Umgebung mit Darangabe der Sehkraft und der AlmungSorgane einen Hungerlohn ver« dienen. Und wen» sie nun gar den Schabbos heiligen will! Es wird ihr zunächst schiver, eine Stelle zu finden. Auch die Kleidermacherinnen geben nicht frei. Und »nenn sie schließlich eine Stelle findet und die Lrkrherrin wird durch gutes Betragen, erhöhten Fleiß, verstärkte Aufmerksamkeit für den Ausfall eines Arbeitstages auch reichlich entschädigt, so muß sie sich auch noch nach der Lehrzeit mit geringfügigem Lohn begnügen. Aber der Schabbos steht ihr höher. Wäre es nicht gerade auf diesem Zweig des Erwerbs« lebens möglich. Wandel zu schaffen? Gesetzestreue Damen, die bei einer Kleidermacherin arbeiten lassen, vermögen diese zu dewtgen, talentierte und auf Heilighaluing des Schabbos achtende Lehrmädchen anzustellen. Und >ven» sie ausgebildet sind und selbständige Arbeiterinnen tverden können, werden sie selbst frommen Lehrinädchen Gelegenheit geben zur Arbeit, die um so freudiger und besser geleistet werden wird, als der freie Tag bei der Bezahlung nicht ins Gewicht fallen darf. So kann auch die Toilettenfrage zu einem Mizwoh Beitrag in hervorragendem Sinne werden. An den gesetzestreue» Kreisen, die dabei in Betracht kommen, ist es, mit der Wohltätigfeit das Judentum zu mehren. Ekessed mit dem Emerh zu vermählen. tFortsktziing folgt.) Lur Uorbereitung auf das PelTadtfeft. Und braut der Winter »och io iebr Es muß doch Frühling werben Es herrscht noch tiefer Winter. Draußen liegt Schnee und Eis, und wir sind glücklich, wenn wir im warmen Zimmer vor der Kälte Schutz finden. Noch wagt kein Schneeglöckchen schüchtern das Köpfchen aus den: festgefrorenen Boden hervorzurecken. Und doch fühlen wir schon das Nahen des Frühlings! Die Natur liegt noch tief im Winterschlaf, aber e i n Frühlingsbote hat schon den Weg zu uns gefunden. Noch lange Wochen müssen wir ivarten, bis das Fest des Aehrenmonats sich uns naht, aber es meldet sich schon durch einen edlen Vorläufer. Varschaß ,Ban" kündet uns schon das kommend« Frühlingsfest. So fern scheint es noch zu sein, aber die Wochen iveroe» — mit Gottes Hilfe zum Guten — schnell vergehen. Gründe habe Aber er kannte Kiese Gründe nicht, er zermarterte erfolglos seinen sogenannten eisernen Kopf-, er fand nichts und nahm sich deshalb vor, für seine Person das Brot jedenfalls nicht zu essen. Plötzlich sieht der Rabbi, als alle mit ihren Portionen bereits zu Ende waren, daß diejenige Hirschels unberührt war. ״Warum issest Du nicht, Hirschel?" fragte der Meister ganz erstaunt. ״Ter Arzt hat nrirS verboten," erwiderte Hirschel. ' ״Der Arzt?" entgegnete der Rabbi. ״Ich habe gar nichts gewußt, daß Du unter ärztlicher Bebandlung stehst. Hätte ick dos gewußt, so hätte ick Dich die anstrengende Reise nicht mitmachen lassen." VrfrtS1(i4t 1*יי fi h/>4» VirfäCl fuju?sCv4• iüüiv iiüüj ivviii^vü (SrfiMirhmtirt lihfr h*n Wnhhi und er fragte: f! ״Nicht wahr, der Rambam war auch ein Arzt?" " ״Ja." erwiderte Hirsche!, und den meinte ich. I״!״Lu issest sofort Dein Brot auf!" befahl der Rabbi. ״Die Rezepte dieses Arnes kenne ich so gut T'1» ״ Hirschel gehorchte, keiner, auch der anwesende Hausbochur nicht, hatte außer den beiden den Sinn dieser Worte verstanden. Sie waren in der lebhaften Unterhaltung bald vergessen. Nach einer Stunde kam Jankel Süßkind ermüde! und triefend von Schweiß nach Hause, ohne Geld, ohne Brot, ohne Spiritus. Aber als er seinen Lehrer erblickte, vergaß er Mudrgkeit. vinnaer und Armut. Er glaubte rin Enge! Gottes sei ihm in seiner ärmlichen Hütte erschienen, und so saßen sie wohl länger als zwei Stunden in traulicher Zwiesprache vertieft, die sie der traurigen Wirklichkeit vollkommen entrückte. Mit dem neu»- jährigen Sohne hatte der Pater längst die fünf Bücher der Tho»r diirchgeleriit, hatte ihn schon in Mischna nnd Talmud eingcsührt und war nun glücklich, als der Meister den Knaben verhörte, dieser das Verhör glänzend bestand. .Das ist eine Ueberraschiing in der Pußta," sagte der Rabbi freudig, ״das batte ich hier nicht zu hören erwartet." ״Der Rabbi hat doch wohl nicht geglaubt, daß ich meine Kinder ohne?Hora auswachien lasse?" fragte Jankel. .Nein, das nicht: ob« ich wußte nicht, daß Dein .« .* («V. ttiuiijjuijiiMVi I MM S ts Mt. . *1״״! merzekniäkriaer; Jankel D» und Deine Frau, ihr leid reiche Leute" Jankcls Blicke Icuchkklc» vor Enizückeii, aber seiner Frau enlschlüpsle ein leiser Scnszer bei diesen Worten. Sie wußte nur allzugut, daß sie noch recht weil davon entfernt waren, reiche Leute z» sein. Sic hatte zuviel Lebensart, um sich an der Unterhaltung der Männer auch nur dnrcb ein Wort zu beteiligen: aber sie dachte bei sich, wem! lyr Mann nur die Gelegenheit benützen möchte, um bei» gefeierten Manne ihre große Armut nahe zu legen. Jankel machte jedoch gar keine Anstalten dazu, er glänzte in einem Glücke, um das ihn ein Millionär hätte beneidku können. ,Jankel," sagte nach einiger Zeit der Rabbi, ,ich bin lediglich drerder gekommen, um Dich zu besuchen, aber da ich einmal da hin, könntest Du mir einen großen Gefallen tun. Ich muß notwendig zwölf Gulden baden: gib mir das Geld. Sobald ich wieder zu Hause sein werde und sich eine geeignete Gelegenheit bittet, will ich DirS gern znrückschicken." ״Der Angeredtte erblaßte, denn da« war eine Bitte, die er seinem Lehrer nicht erfüllen konnte. Wenn tr einen Kreuzer von ihm hätte entleihen wollen, wäre es ihm auch nicht möglich gewesen, biefent Wunsche zu entsprechen. ״Der Rabbi hat da etwa« Schweres, ja etwas Unmögliches verlangt." entgegnete Jgnkel. ״Ich wollte den Rabbi nichl mit einer Schilderung meiner gedrückten Lage betrüben, aber nach solchem Berlangen ni,iß ich« gestehen, daß ich nicht einen Heller besitze. Ich erinnere mich der Zeit nicht, wo ich eine Summe von zwölf Gulden driiümmrn gesehen kätic. Me!» HauS und iein ganzer Inhalt steht den! Rabbi zur Verfügung: aber Geld werdet ihr darin nicht stndcn." ״Ist da« Drin Ernst, Jankel?" fragte der Rabbi. ״Wenn der Rabbi an meiner Armut zweifelt, so ist r» ihm unbenommen meine ganze Hütte zu durchsuchen, alles Geld und jeder Geldrswert gehört Euch:" entgegnete Jankel Süßkind. ״An Drine, gediücklrti Lage zweistk ich nicht" erwiderte der Rabbi .meine Frage bezog sich nur darauf, ob Dn wirklich bereit bist, mir alles zur Versügung zu stellen, was sich in Deinem Hause findet7' Al« Jankel's Blick diese Frage bejabte, fuhr der Rabbi fort: ,Ihr habt danach ganz gute Betten ftcben: führt sie mit meinem Wagen in's nächste Dorf und versetzk oder verkauft sie. dann schlagt ihr gewiß so viel beran», daß ich die zwölf Gulden haben kann." sForki. folgt.)

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