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Der Israelit · 1906-01-25 · 4 (25.1.1906) · p. Seite 18

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
4 (25.1.1906)
Date
1906-01-25
Page
Seite 18 (sequence 18)
Language
German
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Nr 4. Seite 18. I«r Israelit. 25. Januar 190» bestand und Effektenbestand per 1. April 1905 »nd mit den Belegen stimmend gefunden. Frankfurt a. M-, 27. September 1905. gez. InliuS Goldschmidt, Lazarus Klau, Eduard Fei st. Schrei de« de» Kaiser!. Deutschen Konsul» i« Jerusalem: ״DaS neue deutsche jüdische Kranken- Haus wird bei der unter ^er jüdischen Bevölkerung Jerusalems herrschenden Bedürftigkeit einem fühlbaren Mangel abhelfen. Die Mitgliedrr der Koniitees und dessen hiesiger Vertreter haben sich durch ihre unablässigen Bemühungen für das Zustandekommen dieses Menschenfreundlichen Werkes rin bleibendeS Verdienst erworben. Ich habe öfters Gelegenheit gehabt, mich von der sachgemäßen, allen Anforderungen entsprechenden Einrichtung desselben zu überzeugen und wünsche, da seine Eröffnung nunmehr nahe bevorsteht, dem Krankenhause GotteS Segen zu seiner Wirksamkeit." Jerusalem. 20. Dezemder 1901. gez.: Schmidt, Kaiser!, deutscher Konsul. .,Mit besonderer Genugtuung habe i«b bemerkt, welche segensreiche Wirksamkeit das Krankenhaus ״Schaare Zedek" jetzt bei der seit einigen Monaten herrschenden Scharlach- Epidemie entfaltet, da es in einem Umfange wie meines Wissens keines der übrigen jüdischen Kranken- Häuser die Möglichkeit bietet. Kranke in Jsolierräume anfzunehmen und so der Weiterverbreitung der Epiqemie nach Möglichkeit vorzubeugen. Ich möchte daher auch bei diesem Anlaß meiner Ueberzeugung Ausdruck geben, daß ״Schaare Zedek" von großem Nutzen für das Wohl der zahlreichen, aber meist in ärmlichen Verhältnissen lebenden israelitischen Bevölkening ist und daß ich daher das KrankenhauS der Unter st ützung und dem Inleresse weiterer Kreise warm empfehlen kann." Jerusalem. 14. Januar 1905. Der ttaljeri. Deutiche Ko»>ui. gez.: D r. Schmidt. Briessendungen sind zu adressieren: Herrn Dr. Israel N o o S, Schöne Aussicht 5, Frankfurt a. M. Geldsendungen an die Adresse de» Herrn E m a n u e l Ettinghausen, Zeil 95, Frankfurt a. Ni. auch beschränkter. Einblick in die Männerabreilung möglicht ist, und wohin auch einzelne Töne des VorbeterS dringen, sodaß man dem Gottesdienste folgen kann.j Als ich am Vorabend des Versöhnungstages von der Weihe deS Ortes und der Stunde erfüllt, tiefbewegt meinen Platz aufsuchte, bemerkte ich neben mir, an de» Ständer (Gcbetpult, wie er in der Altneusynagoge »och vorhanden ist) gelehnt, eine Frau, die an dem Neujahrsfeste nicht hier gewesen. Dieses, sowie ihr Anzug, der von dem hier gebräuchlichen sich wesent¬ Pliek in et« Krankenzimmer. lich unterschied, und ihr ganzes Benehmen ließ mich vermuten, daß es eine Fremde sei, und zwar eine Russin, Polin oder Rumänin. Es war eine Frau in de» vierziger Jahren, von großer und schlanker merksamkeit anspannen mußte, um dem Bortrage der VorbeterS folgen zu können, weil eine fast meterdicke Wand die Frauenabteilung von der eigentlichen Synagoge trennte, und nur durch eine schmale längliche Oeffnung einzelne Töne gedämpft hereindringen, selbst dann ließ ich die Fremde nicht aus den Augen Ich war überrascht, daß sie, mit halblauter Stimnie betend, aus dem Gedächtnis fehlerfrei rezitierte. Nach Schluß deS Gottesdienstes sprach ich die Fremde an und frug ste, wo sie logiere. Sst nannte mir ein kleines, billiges Restaurant. Zu fällig lag meine Wohnung in derselben Richtung, und ich scheute den kleinen Umweg nicht, die Fremd bis zu ihrem Quartier zu begleiten, da sie bemerkte, daß sie sich deS abends in der fremden Stadt nich auskenne und die tschechischen Straßentafeln nich lesen könne. Unterwegs erzählte sie mir, daß si, Rumänierin und vor einigen Tagen mit ihrem Manne und ihren beiden Kindern nach England ausgewandert sei, nun aber zurückberufen wurde um in der Heimat eine neugegründete Mädchen schule zu leiten. Trotzdem ihre deutsche Sprache, was Reinheit der Aussprache und Verständlichkeit betrifft, viel zu wünschen übrig ließ, und ich mich fast anstrengen mußte, ste recht zu verstehen, so erkannte ich doch bald, daß ich keine ungebildete Frau vor mir habe, sonder:׳ daß sich diese Fremde durch hervorragende geistige Eigenschaften auszeichne. Ich hütete mich, durch vieles Fragen den Schein zudringlicher Neugierde au» mich zu laden, jedoch konnte ich die Bemerkung nicht unterdrücken, wie auffallend es sei, daß sie die nur einmal im Jahre vorkommenden Kolnidrc-Gebete io korrekt auswendig kenne. Mit einem milden Lächeln, das ihre gerade nicht regelmäßigen Züge auf wunderbare Weise verschönte, antwortete sie mir: ״Daran ist nichts besonderes. Ich war ja viele Jahre Fürsagerin, da übt man sich schon." ״Fürsagerin? Was ist denn das?" so frug ich verwundert. ״Dieses Wort habe ich niemals vorher gehört, sein Sinn ist mir vollständig fremd Bitte, erklären Sie cs mir." Frau Blumberg, so nannte sich die Fremde, lächelte abermals, dann erwiederte sie: ״ Das ist ganz natürlich. daß man hierzulande die Funktion eine. Vorsagerin nicht kennt Hier kann ja jede Frau hebräisch lesen, betend Nicht wahr?" .in. tuäiv v*׳ — — traurig, wenn dem nicht so wäre. Doch soll cs in der Jetztzeit hie und da leider unrühmliche Ausnahmen geben." ״Nun also! Was tun diese, wenn sie dem Gottesdienste folgen wollen?" - •* »Kir ־מ3יד- , » Die kürsagerin. (*in Jiitltiivbilb aus Rumänien von <rabe»te Fried. Seit kurzer Zeit erst war ich in Prag. Mit einer Hast, wie sie den meisten Landbewohnern eigen ist. wollte ich alles Sehenswerte der Großstadt ans einmal kennen lernen, wurde aber bald müde, und beschloß nun, die Reihe der Prager SekenSwürdiaketten langsam uno systematisch zu absolvieren. Den durch Geschichte und Sage weltberühmt gewordenen alten Indenfriedhos besuchte ich _ am Gedächtnistage der Zerstörung Jerusalems, um dielen Tag mit seinen wehmütigen Erinnerungen a» der Stätte zu verleben, wo so.viele Großen Israels ihre Ruhestätte gesunden haben. An den Jomim Neroim, den ersten Festtagen, begab ich mich zum Gottesdienst in die altehrwürdige Altneusnnagogc, und es wurde mir sreundlichst einer der wenigen Sitze angeboten, von welchen aus ein, wenn Kindersaal im Allgemeine» jüdische« Krankenhaus. Statur. Sie trug ein ganz glattes, aber sehr rein licheS Kattunkleid, darüber ein schneeweißes Spitzentuch geschlungen. Den Kopf bedeckte ein schwarzes Seidentuch, das bis tief in die Stirne gezogen Die beiden Isolierpavillons des Infektionshauses verduude« mit Waschküche. war: unter diesem verbarg ein schwarzes Band daö ganze Haar. Das war kein in Prag gebräuchlicher Anzug. Mich fesselte diese Frau. Mein rege gewordenes Interesse machte immer neue Beovachrungen an der seltsamen Frauengeftalt. Selbst als das Gebet begonnen, nnd ich all meine Auf- Ich antwortete :״Bei denjenigen, deren religiöse Erziehung so sehr vernachlässigt wurde, daß sie keinen hebräischen Leseunterricht empfingen, ist das Bedürfnis nach innigem Gebete kaum vor- Händen. Sie beten entweder garnicht, oder es geschieht in Ötscher, hie und da in tschechischer Sprache." Mißbt'lligend schüttelte Rachel Blumenberg den Kopf, daß ihr seidenes Kopftuch von der raschen Bewegung rauschte und knisterte. ״Las soll nicht sein," sagte sie. ״Da sind bei uns die Verhältnisse ganz andere. Wenn Frauen nicht in der heiligen Sprache beten können, so ist keine sträftiche Indolenz schuld, sondern der traurige Umstand, daß ihnen keine Gelegenheit geboten wurde, eS zu lernen. Und doch ist in diesen armen vernachlässigten Geschöpfen ver Drang rege, in Gemeinschaft mit den anderen den Gott Israels anzurusen in der heiligen Sprache, in welcher unsere Psalmen gedichtet nnd unsere Gebete abgefaßt sind. Und da ist ein Ausweg geschaffen worden. Mehrere solcher Frauen nehmen sich zusammen eine Fürsprecherin, die alle Gebete halblaut, aber mit größtmöglicher Deutlichkeit vorspricht, und diese Frauen beten andächtig jedes Wort deutlich nach. Eine solche Fürsagerin war ich." (Fortsetzung folgt.)

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