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Der Israelit · 1906-01-25 · 4 (25.1.1906) · p. Seite 16

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
4 (25.1.1906)
Date
1906-01-25
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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9h. » «»tte 0> Xer O^roflit. ^a11uar"liXK5. btti srrmorn Reisenden gute Dienste. Bo» de!» iSraelitischen Dolmetscher in der Postagenlur zu Fas, dec auch die Berpstichtuna übenioniuien hat. hin »nd wieder an den »ach Tanger zurückgekehrten du,Ischen Postagenten zu berichten, sagt Zabel, er sei die einzige Person gewesen, bei der nian sich über die Lage der Dinge im Innern dcS Landes unterrichte» konnte. Seine Berichte seien allerdings znin Teil übertrieben, «da die Israeliten in Fas erfahrungsgemäß bei politischen Verwicklungen stets am meisten zu leiden haben und gewöhnlich einen großen Teil der Kriegskoslei! beisteuern müssen-. Damit die eingetroffenen europäisch addressierten Briese sür den marokkanischen Postboten mit arabischer Uebersetznng der Adresse versehen werden können, braucht man den jüdischen Dolmetscher. Die deutsche Postagentur in El Mfar befindet sich im Laden eines jüdischen Großhändlers. Im Hintergrund hängt stolz das Schild mit der Ausschrist «Kaiserlich deutsche Postagcntur-. Dieses Schild verleiht dem jübischen Kaufmann ein Ansehen bei den Marokkanern wie einem siemden Konsul. Trotz der Knechtschaft mögen sich die Juden von den Mauern ihrer Mellah nicht aus die Dauer trennen. Häufig kommt es zwar vor, daß einige auSwandern. Eine zeit'ong sind Fas-Judcn besonders nach de» spanischcn Kolonien in Amerika ausgewandert »nd haben dort den Grund zu grofiem Vermögen gelegt. Aber es ist bezeichnend, dafi sie in ihrer großen Mehrzahl wieder nach FaS in die Knechtscharr zurückgekehrt sind, um in der Heimat, das heißt in der ihnen so lieb gewordenen Mellah, das Ende ihrer Tage zu beschließen. Das Zusammengehörigkeilsgefühl ist bei ihnen sehr stark entwickelt. Mischungen zwischen Marokkanern und Juden, oder zwischen Inden und Ebristen kommen nicht vor. Besonders streng achten die Fas- Juden auf die Erziehung ihrer Kinder. «Die Juden besitze» ja an sich hervorragenden Familienfinn. und die absolute Unfreiheit, die sie hierzulande nach allen Seiten eincngt, dürste in erster L'ific mit der Grund sein, daß gerade die charakteristischen Eigenschaften der Israeliten sich hier besonders einseitig und iniolgedessen ausgeprägt entwickeln.- Die marokkanischen Juden heiraten außerordentlich früh. Es kommt häufig vor, daß in den Häusern llrurgroßmutter und Ururenkel noch zusammen dieselbe Lust atmen. Das Alter von ‘20 bis G» Jahren ist es. abgesehen von einem wesentlich späteren, indem die feinen Gesichtszüge, über die die hiesigen Inden nerfiinen nnt deiitliNfft-n her» vorlreten. Zwischen 30 ufid 40 Jahren fangen die Männer schon an. Runzeln zu bekommen. Sie altern daun, wenigstens äußerlich, ziemlich schnell. Aber damit find sie no,fi längst nicht an ihrem Lebensabend angekomm.n. _ Sie werden häufig sehr alt; KO bis 00 Jahre find aar keine Zeltenbeit. Die angehende» Frauen sind zum Teil von geradezu bestechender Schönheit. Der männliche FaS-Jude sieht zweiselloS im hohen Alter am schönsten ans. «Man sieht da in den Straßen von FaS wahrhaft patriarchalische Gestalten, die schönste«! Modelle für biblische Gemälde, die ich je geiehcn habe - Was das Erwerbsleben-der marokkanischcn Juden betrint, so sagt Zabel von ihnen, daß sie weit mehr al« die Araber fürs Geschäft tu». In den jüdischen LcrkausSställen ist von beut Stumpfsinn und der schwülen Untätigkeit, die in den arabischen Bazaren herrscht, nichts zu finden. Durch ihre bessere Bildung haken es die Juden trotz ihrer gedrückten Lage zu kiuem hohen Anteil an dem Handel des Landes gebracht. Das Marklgeschäst wird fast ganz von jüdischen Kautleuren besorgt. Darum kann die arabische Bevölkerung den Juden trotz aller Verachtung nicht entbehren. Das Handwerk, insbesondere das seine und das Veparntnrhandwerk!!egt in der Hauptsache in den Händen der Juden. Die Araber üben nur eine ziemlich einseitige Hansindustrik. Der Reisende will sein Zelt, er will feinen Sattel reparieren lassen: man geht z» den jüdischen Handwerkern. Besonders befasse» sie sich mit der Revaranir von imponierten europäischen Artikeln. Will man irgend eine bessere Reparatur gemacht erkalten, zu der einige Intelligenz gehört, lo utuß man den Gegen- Ein jüdisches Kinderehepaar in Fas. stand nach der Mellah bringen lassen. Hier ist auch der einzige Ort. wo inan ans europäische Art seine Jüdische Lchuhniachrr in Fas el Djedid. Stiefel gesohlt bekommt. — von Menschen, die unter so so Vortreffliches leistet, erst bei einer Besserung ihrer traurigen Lage zustände bringen? Läge es darum, wenn es selbst keine Forderung der Humanität wäre, nicht schon im ureigensten Interesse der fremden Möchte, für die es von Bedeutung ist, ivelche Verhältnisse in Marokko herrschen, dem elenden Zustand der marokkanischen Inden ein Ende zu machen? Ein Uebeswerk, Rechenschaftsbericht des Vorstandes des Allg. Jüv. Krankenhauses ״Lchaare Zedek" in Jerusalem über de« Zeit raunt vom 27. Januar >002 bis 20. Januar Das an der Jaffastraße in Jerusalem belegene ans einem Hauptgebäude und zwei Jsolierpavillons nebst Nebengebäuden bestehende Hospital ..S ch a a r e Z e d e k", wurde am 27. Januar 1902 (20. Schewalh '>062), dem Geburtslage des demscheu Kaisers, unter Anwesenheit der hohen türkischen Behörde», des Gouverneurs, der Konsuln aller Nationaliläien, sowie zablreicherVeitrcker der Gesanitbevölkerung Jerusalenis, seiner hehren segensreichen Bestimmung übergeben. Der Posten eines Direktors war de»! schon durch seine mehrjährige ärztliche Tätigkeit in Jerusalem wohlbckannten und anerkannten Herrn Dr med. Moritz Wallach aus Eöln a. Nh. übertragen worden. Mit dein Amte eines Verwalters ward Herr Jonas M a rr ans Oberdorf-Bopfingen (Würit.), der sich sechs Jahre zuvor in Jerusalem angesiedelt hatte, betraut. Beide Herren habe» iin Spitale ständige Wohnung. Waren schon bei Errichtung der Gebäude 1-.0 jüdische Arbeiter beschäftigt gewesen, die auf diese Weise den gewünschten Erwerb zur Unter- Haltung ihrer Familien fanden, so wurden auch fdei Inbetriebsetzung des Hospitals zu allen übrigen vorkommenden Neben-Funktionen nach Möglichkeit dort wohnhafte ehrbar, jüdische geeignete Personen verwandt. Die Eröffnung des Hospitals erfolgte mit vorerst nur 20 K ra n k e n- Was ivürde eine Klasse!betten, da entgegen den ursprünglichen Erwartungen erschwerten Bedingungen, der Betriebsfonds die beabsichtigte Höhe noch bei weitem nicht erreicht hatte, um die projektierten 60—10 .Krankenbette», für die der Raum vorhanden, zu belegen. Denigeinän konnten nur die a l l e r s ch w e r st e n Fälle zur Spitalbehandlung gelangen und diese erstreckte sich anfänglich auf schwierige operative Fälle, auf Behändlang von Infektionskrankheiten in den Isolier- Pavillons — den einzigen unter allen jüdischen Spitälern Jerusalems — sowie auch auf Entbindung von Patientinnen, deren häuslicher Aufenthalt mit Lebensgefahr verbunden gewesen wäre. Bei der sehr langsamen Vcrntehrung der Betriebsmittel ergab sich »rst im Oktober 190:1 die Möglichkeit, die Beleg- Ziffer »1» 10 Betten zu erhöhen, so daß bei Ende der Berichtsperiode ständig mindestens 30 Betten belegt gehalten wurden. Als Ausnahmefälle find die Zeiten epidemischen Auftretens von Jnfekrionskranrbeiten anzuführen, die eine beträchtliche Erhöhung der Belegziffer brachten, so die im Oktober 1904 cinsetzende Scharlachevidemie, welche, da alle Erkrankte, um weiterer Ausbreitung der Krankheit nach Kräften zu steuern, weitmöglichst ausgenommen werden mußte», neben im Hauplbau behandelten schweren, allgemeinen Fällen, eine Aufnahme von bis 2* Scharlachkranken gleichzeitig in den Jsolierpavillons erforderte. Für die Aufnahme war regelmäßig, wenn mangels freier Betten eine Auswahl getroffen werden mußte, die Schwere der Erkrankung, bkzw. der Grad 6 er Sit in u t maßgebend, unbekümmert um die Gemeindezugehörigkeit. — einerlei, ob Sephardi, H nt) )TDnvnM/tn««• sll l««eres etues Hauses i» der Mellah vo« Fas. Aschkenasi, ob Perser, Marokkaner, Russe, Deutscher, Oeslcrieicher, Ungar, Pole re. — wie um die private

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