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Der Israelit · 1906-01-25 · 4 (25.1.1906) · p. Seite 12

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
4 (25.1.1906)
Date
1906-01-25
Page
Seite 12 (sequence 12)
Language
German
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l>h. I, 2<il< I - nicht bti zunehmender Dent und Gefühlsreife eii.e für andere unsichtbare Kirche — wie das heute ge schiebt aus sich, sahen sich vielmehr von Kindesbeinen an in eine dogmatisch zurecht gestutzte Welt versetzt, in ivelcher am mächtigsten neben des Allvaters Himmelsgestirnen die Kuppel von St. Peter glänzte. Die Macht dieser Religion war nicht nur eine faktisch vorhandene, ich meine, eine solche, die sich die Knitbeugungen von Millionen von Buh fertigen mit unwiderstehlichem Arm zu erzwingen verstand sondern sic lebte und wirkte, war ein not .oendlges Anhängsel jedes normal?«bildeten Menschen and verstand es meisterlich, ungezählt׳ Gläubige sich dienstbar und — glücklich zu mechen. Denn daß ein blinder Gehorsam, eine wunschlose Willfährigkeit zu allen (Geboten einer beseligenden resp. einmal selig machenden Lebensabtötung den Menschen nicht glücklich und wahrhaft selig mache, diele Erkenntnis tonnte nicht eher wach werden, als bis jener Orkan über die fegte und mit einem Schlage ein ganzes Heer lebensfeindlicher Nachtgespenster mit dem Rufe verscheuchte: PS werde ßicfct. Dieser Nus hat Wunder gewirkt. Denn neugewonnen war die Grd« und neugeboren war der Mensch. Von neuem, als schiene ihm erst jetzt sein erster Tag, begann er zu leben. Das Säuglings-, Kindes, Jünglings und Mannesalter stand ׳hm noch zu leben bevor. Alt und grau dachte er im Ge suhle seiner srischentfachten Ingendkraf! nie zu wer den. Denn immer, wenn etwas neues kommt, denkt er, jetzt sei das grohe. das überschwänglich B-g!i!ctende eingetreten. wonach er sich gesehnt und dabei werde es nun in aller Gmtaletl bleiben. Die ersten Jahre Kat er in froher Sorglosigkeit verlebt, bis ein reiferes Alter ihm schwerere Ausgaben brachte, zu deren Grledigung er sich plötzlich eines Mankos an Jugendkraft enttäuscht bcwuszt wurde, ohne aber Rückschau zu halten, ob nicht vielleicht beim Zusammenbruch des Vergangenen nicht inanch unentl'ebrliches und immerdar gut verwcrtbares abhanden gekommen sei. Wie aber nun das Alltägliche, das profan Gewöhnliche, die ansreibende Werktaasleistung heiligen, mit relioiösen t^mplindungsschauern durchdringen lassen, wie aber inn die geräumige, Helle zu nutzbringender Dag-sarbest neu geschissenen Wohnung zu einem trauten, beglückenden lint beseligenden Heim gehalten, in dein wieder die himmlischen Geister ihre Stätten linden und besten Wände wieder der alte, iraiilk, erinnerungsreickir Biloerschntucs bedeckt? Der i>elanz der Sankt Peterskuppel war längst verbkaht. bah etwa ans dieser Richtung das fehlende Glement iriirn״•^?ז«£י* »י־.(11' mit einem anderen Mittel, von dessen Vorhandensein man ehedem nichts ahnte und das inan plötzlich in der Noi in seinem eigenen Innern entdeckte. Man er hob das religiöse Gefühl selbst zur Religion und bekleidete sein eigenes H i n a u s w o l I e n in lichtere Regionen mit den G in b l e m e n einer wirklichen Gottheit. Ob das ausreichen wird. U׳ir wollen warten. Mir. uns genügt das .Hausmittekchen wohl nicht. Sehr geistreich, sehr kunstvoll und empsindiingsreich. reugend von poetiscliem Können und ^emütstiese zugleich, aber es ist zu fürchten, dasi, ivenn man die Svielpupve bincnivfübrt, sie von der ersten Pferde׳ ׳'abn umgestürzt und zertreten werden wird. Das Lel'en ist gar hart und viel zu stachlig als das׳, ästhetische Sublimate eine raube Männerbrust er lüllen und besriedigen könnten. Wobl kann eine religiös,׳ Grundstimmnna manchen unaestümen Griff in seine Schranken zurii,k>ve!sen und eine Unmensch WA« Ausartung zu menschlicher Verirrung mildern. Aber von dauernde׳. Ginwirkung ist da keine Svur. Religiöse S-elenichwingungen von Dbeatcrmusik :׳er KirÄenorgclion in ein rascheres Tempo versetzt wie lange schwingen sie^ Wenn der Anstosi zu wirken nach'.ästt. wenn die Reibung auf schmaler oder '.׳relter floss׳« stärker und starker wird, erschlafft der Pende' und hält sckliestlich unbewealich an. Soll die Seele warten, bis die Schwingung wieder anbebt, an" wirn die Reibuna im Wiederbolnnassalle etwa fchivächer iverden? In der Gesamtheit aller Ginzeltaten walte ein Hauch des Ganzen, wirke die Beseel »na des All?. Gine arvste Forderung, die aerne ׳»der erfüllen möchte. Aber leicht ist auch d׳«fe LebenSansaabe nicht. Man must wie für die P'-z^c, ״^d da? _Der Israel»_ Spezereigeschäft, auch für d i e Religion er« zogen und gebildet werden. Religiös denken, religiös empfinden, in I-eiertagsstimmung sich religiös angeregt fühlen, auf der Spitze eines Berges in überströmendem Andachksgefühl dem All und der ste beseelenden Gottheit sich wie eine liebende Braut vermählen — nach dem Bergesabstieg schon sind die Ilitter.vochen verrauscht. Auch von der reli« giösen Grundstimmung, dieser heute so viel gebrauchten Wendung, gilt das sentimentale Schauspielerwort׳ Nach neune ist alles aus. MdMimdto. Der Jude in den deutschen Dichtungen des I.»., ><»., nnd 17. Jahrhunderte. Ml 2'. H«'V Schiller in seinen Beziehungen zu den Juden und zum Judentum. f ranket. Lskar. 2 <«׳. Iw'׳. Verlag von R. Papaii'chek. '.bl. '2 st ran und Rot׳. Hot sm an». Leipzig. 'R'ichl nur »uv die t'iegenwarl mii ihrein alle Lchichle» des Pottes umfassende» Leserkreis gilt der Latz, das! die l'ueralnv das Lpiegelbild ihrer Gesiiimmg. ihrer geistigen Ltrömnngen und Bestrebungen tu.!1! ähnlichem, iveiui auch mclit gleichem Matze gilt er auch für die allere;{eil. iiaiiieni!ich für die .seil des spätere» dculschcu Mittelalters. 20 wird u! diese»! Ieilraui» gar oft das Vileraturwerk das Gcho jener drulaleu Ausdniche der aufgewühlten und ausgehetzte» Polkswnl. die uns das Mittelalter 10 düster und er׳chre,le»d erickeinen laste», wie es uns freilich auch die plchlstrahieii des «׳leistes und ctzemülsleben zeigt. die wie zu allen ,Zeiten. >0 auch in dieser dem deulichen Volke i» seinen edelsten Vertretern eigen gewesen sind. Tie Betrachtung der üileratnr dieser alleren Periode wird daher nichl nur den iliteraturhistoriker heichäslige», sondern auch dem «'äeschichissorscher. wie üherhanpl jedem, der de» «'lein dieser -Zeit kenne» lernen will, eine fülle des lehrreichen und Iiilcrestainc» hieten. Bla» wird es daher auch dankhar begrünen, dass frankel die Lichtung der allere» deuliche» literainr »»!er dem c^enchtspniikle des für die Getünchte der deuliche» Juden Rutzbare» und Interessanten vorgenomme» nnd all das i» der ersten der obengenannten Lchrisien znsaminengesteilt hac. iw״ die Llellimg der deurschcn T lchlcr des >>.. l׳>. und 17. Jahrhunderts z» Juden nnd .zudeiil»», zu charakterisieren und zu heleuchle» imstande in. Ws in ei» düneres Bild, das der Bersaster vor uns emri'üi. nioei» er nns oce T ichler!euer ,Zen. >vre Werte und die von ihnen geschilderte» Gestalten vor Auge» führt. Teint trotz der man,machen neuen Idee» von Menschentum, Well und Glaubens Anschauung, der leilweise weltnmge!lallenden «tzedanken. die diese -Zeit in ihrem Lchosse getragen nnd vielfach auch dnrchg netzt und verwirkllichl hat, stak ne doch inbezng aus Humanität und Toleranz »och in der Barbarei des Mmelaliers und selbst die stärkste», geistig ilberiegensten Männer jener ,Zeit koniilen sich von Unduld iamkeil ober gar Hatz gegenüber den Juden nicht sreimache». frankel hat die besprochene» Werke nach ihrem Inhalt gruppiert nnd dabei folgende vier Kapitel unterschieben: l Tiskns'ion »der das Iubenlum und die Indeiitragen, Berivollung und Lchmähung der Juden nnd des Judenliiins. :׳. Ter Jude als Wucherer, l. Ter Jude als Hostien itl,ander und Kcnpermörder. Iudenverlreibung und inner halb dieser Gruppen leibst eine strenge chronologische 2rd n»»g eingehallen. Ws kann dem Bersaster da-׳ Berdienst nicht abgesprochen werde», da!; er die lehr mühselige und schwierige Arbeit dank gründlicher und ausgedehnter liieraturkeniilnis, und 1»H׳t ohne Geichiil ״ן der Tarstelimig. geleistet habe Tie Lchrill n'l trotz der vielfach ׳ich wiederholende» gleichen oder doch ähnlichen Iiihaltsanaabe» vor ernnidender Gmlonig keil!wahrt gedlieben nnd wird jedem, der für dre'en Teil indischer Getchichle Interest',׳ bat. eme genustrelche Lektüre vielen. Indessen ist dieses Buch auch von ,fehler» nicht frei, von fehler», die in des Berlasters ganz mangelhatler Kenntnis der indischen «beschichte ihren cärnnd haben. Lo scheint er kann! etwas vom Talmud, seiner Lprache und seinem Inhalt zu wisse», wenn er Rabnia und Rah Aichi ,.Hebramen״ nennt »nd von ..kabbalistischen Teutnngen״ des Talmuds spricht. Gr scheint aber auch das ,״dnche Volk »nd die indische Religio» recht wenig und nur sehr ensteUt zu kennen, wenn er es an11:1 2 ׳ nur .dahingestellt" tun lasst. ob die Juden durch Verübung eines Mordes Rache an ihren Peiniger» genommen hätten. Ader nicht genug dam». T er Pertaster hat eme Rachprm'ung nicht ,üblicher Quellenangaben auch da »»terlaste», wo ne schon durch blossen Ginblick m ein besseres Handbuch möglich gewesen wäre, und nct! damit eine» Mangel» an wissen ichastlicher Genauigkeit ,'chuidtg gemacht 20 ist dem Per sauer ein arges Perieben nnierlanken. indem er ans 2 Ist _■!■־>. Januar l;HJt> ״sämtliche Juden" infolge der Religionsdispuiufion von Torlosa im Iadre Ul i sich lauten lasst, während in Wahrheit der »in io grossen, Grwariungen in Lzene gesetzte Disput mit einem geradezu jämmerlich geringe» Grt'olg ge endet bat. Dass dieser nun von de» zeitgenössischen Kirche» kchriltstellern arg übertrieben und z» einen! grossen Grfolg aufgebauschl worbe» ist. ist sreilisch ^selbstverständlich. Doch sollte auch ber pileralurhistoriker ivisse», was er von einem von vorherei» verdächtigen Berichte dieser Art zu hallen hat. Ueherhanpi scheint es. als oh ber Verfasser einen gereisten historische» Blick, eine tiefer bringende Geichjchts belrachlnng da und dort vermissen lässt. Gr hätte sich sonst au4 .2 ׳\! nicht entgehen lassen, den tiefften Grund für die verminderte Bekämpfung des Judentums in der deutschen üiteralur nach Iluther zu nennen, der darin besteht, dass der niaterieUe und wirtschaftliche '?!iedergang der Juden gerade uni diese Ieil vollendet war. Tenn »un war das Jude» tum aus dem Wetthewerh, den es seit dem II. und IT. Iahrhunderl mit dem neu erstehenden Bürgerstand, oeu anshlühenden Llädten, gelsthrt halle, ansgeschaliet und hiuausgedrängi worben. Das sehr verringerte Interesse, das ne dem Hass noct> boten, verlor sich neben den geräusch vollere» »nd höheren Tagesinleressen satt vollständig. Wir stehen aber trotz der gemachte» 'Ausstellungen nicht an. das Gute und Perdienstlichc an dem Buche anzu erkennen, ilnd dieies zur p'eklüre besten» zu empfehlen.!>! der Hoffnung, dass der Persasser hei einer »e»en Anflage die gerügten fehler ansmerzen nnd seine Arbeit zu einer in jr'der Hinsicht lobenswerten machen wirb. T ie׳es Prädikat verdient die zweite schritt des Per fafser». die uns den T ichlerheros des deuticheii Polkes in seinem Perhallnis zu Juten und Judentum vor Augen führt und Mts nicht nur als Tenttchen, sondern auch als Juden »äberbringt. Wir lerne» hier alle die nichl zahl reichen jüdischen Persönlichkeiten, zu denen Lchiller in Be ziehungen trat, so ausführlich kenne», als sie ehe» aus seine» oder seiner Ieilgeuossen Briefen z» ermütel» waren. In teressam >st es zu erfahre», dass Lchiller vor Poren, genomn'eiiheil und Misstrauen gegen Juden, die er übrigens persönlich niemals näher kenne!! gelernt ha:, frei gewesen ist. Gr tritt mit einem jüdischen Buch händler i» Perhindung, liest Mendelssohn, nnierhält einen wissenschaftliche!! Briefwechsel mit 2al. Maimon nnd B1״ David, zahlt jenen zu den .,besten hnmanistischen Lchrittstellern" und nininit jli» als Mitarbeiter bei Begründung ber ״Horen" ans. Gr empstehlt seine!» freunde c^oelhe den Roman ״florenlin" von Dorothea Lchlegel. geb. Mendelssohn, aller dings ״der Kuriosität wegen" und. als er nach Berlin kommt, unterlässt er es nichl. der damals gefeierten Henriette Herz einen Betuch zu machen. '.sticht so besriedigen kann uns jedoch die LleUung Lchillers znm Judentum, ivie sehr er auch diesen! gerecht zu werde»!'ich bemüht. Wohl spricht er in seine, ״Lendung Mons" von der jüdischen Ration als dem ״untveri'alhlstorischen Volke", ohne das es niemals weder ein Ghristenln!» noch einen Koran gegeben hätte und gegen das man daher gerecht sein müsse, trotz der Bemühungen mancher witziger Köpfe, es zu verkleinern. Indessen zeigt bald der an diese Betrachtung!ich anschliessende Latz, dass dieses üoh mit nichleu dem israelilischen Volke gelten soll, den» hier heisst es: ״Tie Unwurdigtett und Äerwvrsrnheil der Ration kann das erbahcne Verdienst ihres ctzefetzgehers nicht vertilgen und ebensowenig de» grossen Ginstuss vernichte», dev diese Ration mit Recht in der Weitaeschlchle hehauvlet" , womit er nns mehr niinnil, als er im vorhergehenden ge zehen hat. Dass diesem llrreil die Berechtigung gänzlich fehlt, und es üch auch logisch nach dem Vorhergehenden nicht aufrecht erhallen lässt, braucht nicht erst gesagt zu werde» Gs bestätigt uns nur. was wir bereits wissen, dass selbst der Beste den fesseln seiner -Zeit und Umgehung stch nicht ganz entwinden kann. Ghensotvenig werde» wir »ns mit der -Zetchnuiig Lpiegelhergs, des einzigen Jude» in Lchillers Dramen zu frieden gehen können. Lpiegelherg ist, trotzdem er vom Dichter als Jude zweifellos gedacht ist und jüdische Redens arten im ׳Tstunde sühne, keineswegs ei» Jude weder in historischem noch im pbvchologischen Linne. Lpiegelherg ist eine groteske phantastische figur. wie ne nur ein Dichter schassen koniile. der einen Jude» noch nicht näher kennen gelernt halle. Ter Verfasser hegnugl sich aber nicht mit der Lchilderuiig der Ltellung Lchillers zu Juden und Iudeiiinm. sonder» knüpt'r in einem letzten vierten Kapitel auch eine Tarstcllimg des Verhällnisses der Juden zu Lchiller an. die die Lchrsst z» einer völlig abgerundeten und erschöpfenden macht. Inn! Lchlusse mag.auch »och die vor nehme Ausstattung der beide» Lchrisien rühmend beevor gehoben werden. . Im Tale Larou. "ledichle jiidisch religiösen Inhalts in freier poetischer Ueberlragung von Mar Herschcl. Berlin I M. PoppeIauer. Tie Ramen deutscher Juden nnd in der jüdischen Poesie und Proia nie so spärlich vertreten gewesen, wie in der «Gegenwart. Ware die jüdische schöngeistige üitteratur deutscher Lprache am Teutt'chland angewiesen, so stände» wir in allerletzter Reihe. Seil Jahren ernähren ssch jüdssche Blatter und Bücher von den Produkten der aus dem russischen Jargon und aus der englischen Lprache entnommenen Prosa und Ttchlung. Tie tvenigen Rehenprodukte, auf die man in der jüdischen Preise stössl, können von einem ern» sten Krinkrr unmöglich mitgezäblt werden. Immerhin ist die jüdische Vorik neucdings doch wieder auch von denh'khen Juden mit cislück autgen ׳ :׳men worben. Im letzten Jahr zehnt sind eine ganze Anzahl vortrefsticher Gedichte, von deutschen Juden versaßt, allerdings meist nur sporadisch und verstreut er'chicnen. die wert gewesen wären, in ciutw

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