Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 4 (25.1.1906)
- Date
- 1906-01-25
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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2.Y Januar 1 ‘יי H> Xtt Israelit «tu« 7 Nr I Kischinrw, 17. Jan. Der rumänische Konsul hat auf Anweisung seiner Regierung hin aufgehört, die Pässe für die nach Rumänien auswandernden Juden zu bestätigen. Riga, 15. Jan. Tie hiesigen jüdischen tfin« wohner sind durch eine Verfügung des Gouverneurs großen Unannehmlichteiten ausgesetzt. Der Gouverneur hat der Polizei eine alte Gesetzesbestimmung zu strengster Durchführung eingeschärft, wonach jede in Riga eintreffende Person binnen 24 Stunden der Polizei gemeldet sein mutz. Die Hausbesitzer haben außerdem vollständige Listen ihrer Einwohner einzureichen. Run gehört Riga zu den Stätten Rußlands, in denen Juden sich nur auf Grund eines besonderen E.laubnlLscheiucL aufhalten dürfen. Es leben hicr aber viele Juden, die ehrlich ihrem Beruf nachgehen, ohne den Aufenthaltsschein zu besitzen. Meist sind das kleine Leute, kaufmännische Angestellte usw. Dieser Umstand, der der Polizei wohl bekannt ist, bildet eine ständige Einnahmequelle für unredliche Polizeibeamte, die von den nicht aufenthaltsberechligten Juden ihre Sporteln erheben: Ein Pristaw, der sich Geld verschaffen will, veranstaltet einfach eine ״Haussuchung" in Wohnungen, wo — wie er genau iveiß -- nicht angemeldetc Juden z» finden sind. Wenn diese jüdischen Einwohner ihren Tribut an den Polizeipristaw oder Revieraufseher entrichten, so verläuft die Haussuchung ״ergebnislos", d. h. die betreffenden jüdischen Einwohner können unanaefochten in der Stadt bleiben - bis zur nächsten Haussuchung. Zahlen sie nicht, so werden sie in den jüdischen Ansiedlunqsrayon abgeschoben. Die obenerwähnte Verfügung des Gouverneurs ist theoretisch gegen die den revolutionären Berbänorn angehörenden Juden gerichtet, praktisch trifft sie eine große Anzahl völlig unschuldiger Juden, die dadurch unter Umständen empfindlich materielle Verluste erleiden können. Der Gouverneur hat zwar erklärt, alte Leute werde man nicht ausweisen, trotzdem ist natür-!ich jeder Willkür das Tor geöffnet. Die wirklich an revolutionären Umtrieben und Handlungen beteiligten Juden aber werden durch dieses verschärfte Vorgehen nur in den seltensten Fällen getroffen wer den, da sie sich meist Aufenthaltsscheine zu verschaffen gewußt haben. Schweiz. Basel, 16. Jan. Die ״Baseler Nachrichten" schreiben: Tie freunde eines unabhängigen Judensiaates lenken jetzt, wie man uns aus England schreibt, ihre Aufmerksamkeit auf ein in Amerika gelegenes Gebiet. Dieses Gebiet wurde vor sechzehn Jahren als Sitz für eine unabhängige irisch Republik erwählt; doch schiterte der Plan damals an dem Mangel an Geld- Mitteln. Diese Gegend ist du schmale Halbinsel, in welche Kalifornien im Süden ausläust. Diese Halbinsel ist nicht ganz tausend Kilometer lang und be sitzt eine Landgrenze von weniger als 206 Meilen, stellt also geographisch ein ziemlich selbständiges Gebiet vor. Baja Kalnornia, dies der Name des Gr bietes, gehört aber nicht den Vereinigten Staaten, sondern Mexiko, mit dem es aber nur in einem ganz losen Zusammenhang siebt. Das Land ist nur ganz dünn bevölkert, da aus hundert englisch Quadratmcilen kaum 80 Menschen kommen und diese sind zumeist Mischlinge von einem sehr niedrigen Typus. Daber war auch die mexikanische Regierung 1889 gern bereit, in Verhandlungen über den Verkauf des Gebietes einzutreten und diese Bereitwilligkeit dürste auch heute noch vorhanden sein. Das Land ist von der Natur sebr begünstigt, namentlich Obst und Gartenkultur gedeihen dort, aber auch Mais und Zucker, und im Norden des Gebietes gibt es gutes Weideland, ferner sind Silber- und Schwefelvorkommen nachgewiesen und zum Teil sogar schon aufgeschloffen worden. Das Land besitzt mehrere gute Häfen und hat überall leichten Zugang zur See. Italien. Rom. 14. Jan. Der Papst erklärte in einer Unterredung, er billige die Absicht Italiens, auf der Marokko-Konferenz für die Religionsfreiheit der Juden in Marokko einzutreten. Er erinnerte dabei an seinen Protest gegen die Judenmetzrleien in Rußland und sagte, die Menschheit sei eine Bruder schalt; er achte die Juden hoch, wegen ihres Fest Haltens an ihrem alten Glauben. Belgien Brüssel. Dir Liste der e r st e n Samm lung für die verunglückten ruffiscken Juden ist so eben erschienen. Abgesehen von der stattlichen Summe von 200,000 Frs. für unsere von Juden nur schwach bewohnte Stadt, ist schon die Zusammensetzung des Komitees charakteristisch und für Deutschland sehr lehrreich: Baron von Lambert. Präsident; ferner die Herren: A. Beernarrt, Staatsminister. Landes rabbiner A. Bloch, I. Cassel, Banquier, E. dc Mol. Bürgermeister, Hektor Denis, Abgeordneter; Pros. Dr. P. Errara; Staatsminister I. Lej-une; Konsul Fr. Philivpson und H. Stern. Auch in Antwerpen ist das Resultat e«n günstiges Dort haben die Sammlungen über eine halbe Million Frs. ergeben. A m t x i f a. N e w y o r l. 14. Jan. Der soeben veröfsent lichte Bericht derUnitcdHedrewEharities teilt zunächst mit, daß durch die Zeichnung einmaliger Beiträge ein Garantiefonds von 97,000 Doll, zur Deckung der Jahresdefizits aufgebracht wurde. An Barunkerstützungen sind im abgelaufenen Jahr 188,000 Doll, ausgegeben worden, davon 28 Proz. an Mit׳»«» und Kinder, 17 Proz. an Lungeulranke, 21 Proz. an sonstige Kranke. Der Bericht beklagt die Häufigkeit der Fälle, in denen die Männer ihre Familien im Stiche lasten und diese dadurch der Unterstühungskaffe überantworten. Die Qualität der Einwanderer sei im allgemeinen sehr gut zu nennen, und die russischen Unruhen hätten den Bereinigten Staaten manchen guten Bürger zugeführt. Vom 1. Oktober 19tM bis 30. Seplember 190:1 sind 100,388 Juden eingewandert, von denen 72,321 in Newyork blieben. Ter Nationalität nach waren es 77,5.64 Russen, 17.162 Qesterreicher. 3862 Rumänen. — In Chicago fand am 1. Januar eine Versammlung der amerikanischen Rabbi nerkonf e r e n z statt, die sich mit dem Projekt einer G.׳- samtorganisation der a merikaniscben Judenheit be faßt haben soll. _ Ararrkretch. Paris, 21. Jan. Mit Ihren wenigen Beinerkungcr. in der Wochenschau der vorigen Nummer des ״Israelit" über die Marokkokonferenz haben Sie die Beziehungen der Judenheit zu diesem Lande be reits kurz beleuchtet. Es gebührt sich aber, daß wir die Scheinwerfer auf diese uns so sehr interessierende Sache etwas länger gerichtet sein lassen und deshalb sei es uns gestartet, in Nachfolgendem der Frage einiae Zeilen zu widmen. Schon die von Ihnen erwähnte Tatsache, daß auch die Katholiten in Marokko nicht frei sind, gibt zu oenten, vlso sind wir wenigstens nicht «,stein, ein schlechter Trost, aber immerhin ein Trost. Konnten doch die mächtigen katholischen Länder in dem Maurenstaate für ihre Glaubensgenossen auch nichts erreichen, was könnten wir da tun. die wir keine Kreuzer, sondern höchstens Gulden und Mart zur Verfügung stellen können. Selbst das starte Deutsch land muß sich in Bezug auf seine Neichsangehörigcn im Osten darauf beschränken, ihnen Geldmittel zu spenden und ist ebenfalls außer Stande, ihnen mit bewaffneter Macht beizuspringen. Es besteht aber ein kleiner Unterschied zwischen den in unzivilisierten Ländern verfolgten Christen und den ihrer Rechte be raubten und gehetzten Juden. Der Kern und Stamm der christlichen Völker ist frei und herrscht in den von ihnen bewohnten Ländern. Ein in Marokko verfolgter Katholik, ein in Esthland gebrandschatzter Lutheraner kann jederzeit in die Länder zurückkehren, in denen seine Glaubensgenossen dominieren und er kann da, wenn ihm das Glück hold ist, die höchsten Stufen menschlicher Ehren und Macht erreichen. Wohin wendet sich aber ein armer verfolgter ״Jehud" aus Fez, oder ein jüdischer Ladenbesitzer aus Hömel? Immer mehr schließen sich die Grenzen gegen die jüdische ״Invasion" und der einzige Hoffnungsstrahl ist noch der, saß in l-en Ländern selbst, in denen unsere Brüder sich niedergelassen, bessere LedenSbedinqungen für sie erzielt werden. Was nun sj'eziell Marokko betriff«, so weiß man. daß die Hauptquelle des tlebel«, unter dem unsere «Glaubensgenossen leiden. der Fanatismus der Marottaner ist. Sie halten fast alle ihre Stadt, für zu deilig, als daß der Fuß eines E h r i st e n sie detreten dürste und man kann danach ermessen, wie die in denselben gedulveten Juden behandelt werden. Aus ihrem Mrllah (Judenvierlelj dürfen sie nur unter den erniedrigendsten Bedingungen heraus und tre Brdrüktungen und Verfolgungen, denen sie ausge srtzt sind, bilden eine ständige Rubrik in den jüdischen Zeitschriften. Da aber heute schon viele marokkanische Juden mit den Konsulaten europäischer Lander in engen Be,Ziehungen stehen, jo ist anzuneymen, daß diese die gute «Gelegenheit, die sich ihnen in AlgeOras bietet. nicht ungenützt vorübergehen ließen. Die Wurzel deü Hebels wird allerdings damit nicht er saßt. Die liegt ganz wo anders. Während «Europa seit Jahrhunderten fortschreitend sich ent wickelt, ist der bervortretende Charakterzug der un zahliqen Völterschaste». die mit ihren gelten und .Heerden diweiten »nd trockenen Wüsten Arabiens sowohl, wie Nordailikas, durchstreifen, die Nnver onderlichkeit. Was sie beute sind, das ivaren sie gestern, das tverde» sie morgen sein: nichts ändert sich bei ihnen, nichts rundet sich ab. Die Verberstämme unserer Tage haben sich noch in völliger Reinbeit den Geist bewahrt, welcher in ihren Vorfahren zur Zeit Mohanimeds lebte. Wenn sie trotz aller Bemühungen europäischer Mächte nicht iveiter kommen, wenn sie der Idee des Fortschritts fremd bleiben, so ist der Grund darin zu suchen, daß sie in ihrer Gleichgültig teit gegen den Wohlstand und die materiellen Ge niisie, die uns die Zivilisation verschafft, ihr Schicksal nicht gegen ein anderes austauschen wollen. In seiner Urwüchsigkeit, in seinem Stolze, in seinem Fanatismus betrachtet der Marokkaner sich als den Tnpiis der vollkommeiisten Schöpfung, veracht-t die anderen Bulker, weil sie ihm nicht gleichen und dünkt sich selber unendlich viel glücklicher, als der zivilisierte Mensch. Ist erst diese Auffassung durch das Vordringen der Europäer beseitigt, dann können auch für unsere Brüder in den Tälern des Atlas aebirges bessere Zeiten kommen. Wie an allen Llrllru der becügrn;.י ,,, au* roolil tu der dieswöchtge» 216ra der Wechsel der Wolle» »amen השס und א־ר\ס, der liebevollen סדק היחסים und der strengen ם!־ח הרץ. von grober Bedeutung Xa« Eimrrffru der!" Plagru g.-!ch!edr durch השל. denn bicr wallet Wo» inchi als der strenge, strafende Herr, der die Aegut'ler heiminchen. sondern als der barmherzige וד, der ,Israel betrete» will und die <Zest.at.iug der Ae.zvlUer »nr «um iiolwendigen Mittel nininu. Nu, ui den Augen der ägvpuiche» חיטס־ס ist es אצבע אדהים. Xat- ר. I ׳. wo gegen ne Moses c.ui die wnnderbare Beichuizung ,Israels aufmerksam macht *סע; חיע כ־ אגי ה" V >"> Erst als Wo» de, der .Hagelplage de» Aegnt'lern selbst Welegenbett giedi. stch durch Vachluruienelniieii ihres Llchstaudes dem göttlichen 2tr!״ger׳chi leilweiie zu entliehen, hören wir selbst aus dem Mimkv Vdarao» die Worte ״ ה' הצדיעWo» m ver iS,rechte". >tav 27. Vielleicht mag auch dieier Wedauke dem Ausivruch« des Midraich zu Wruiide liege», der die Aehnlichke» der 2djrtft stellt» יהי נתז קירית stag. v. 2:1 und יהי פקד אח שרה Wen 21, 1 erklär! m» den Worte» כר סקיס שנאסר יהי היא יבית דעו. ,lebe» Ereignis, das mit deat Worte ״Und יד ' tl» eleitet wird, geschah nach Beratung mit dem gesamten immliichen Werichlskose. Auch d,e Llimnie der strafende,! Werechtigkeit wurde hier bei Verschonung der Woliesiurchlige» unter den Aegvxlern. die Won als den Herrn anerkennend. Maßnahmen zum 2chu>z gegen das konimende Unwetter traten, als die סדק הרחס־ס anerkannt, dir schon vor Beginn des נ\*ית die für ,Israel bestimmte Zeit de» Aufenthalte« in Aeqvplt» fast um die Halite dadurch verniiuderle. daß die in Ausüchl genommenen t«»« Jabre von dem in jenem Verse יהי פקד erzählten Ereignisse. der Wedurl Isaak s au gezählt wurden.