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Der Israelit · 1906-01-25 · 4 (25.1.1906) · p. Seite 3

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
4 (25.1.1906)
Date
1906-01-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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2.V Januar l'.HXi._ scheidend für die Stelluna der czesetzcstreuen Juden kann nur die rin« Frage ffin; Auf welchem Wege kann jenen unheilvollen Bestrebungen am wirks a m st e n begegnet werden, die in den letzten Jakr zehnten gerade in Oesterreich systematisch darauf ausgehen, den Juden ihre religiöse Betätigung, die Lebensführung nach dem Gesetze, direkt oder mittelbar. unmöglich zu machen? Die Antwort auf diese Frag«, die Entscheidung darüber also, ob wir für jüdische Wählerkurien eintreten oder durch deren Ablehnung den Einfluß der jüdischen Wähler innerhalb der ausschlaggebenden nationalen Parteien verstärken sollen — kann nur aus Grund der örtlichen Verhält nissrn gegeben!vrrden. Mag es dem. Mcmnesmiit? und dem jüdischen Selbstbewußtsein verlockend er scheinen, dem größeren oder geringeren Antiseinitis mus der Polen und der Deutschen zum Trotze, alle sonstige politisch« Meinung zurückstellend, ״nichts als Jude" sein zu wollen, entscheidend darf doch nur die Rücksicht auf das Kleinod sein, das wir im Sturm der Zeit unversehrt zu bewahren haben für uns und für die Menschheit --- samt Polen und Deutschen. Uom Hamburger fangnetr. Vor einigen Wochen war uns berichtet worden, dast die Hamburger Judenmission infolge der starten Bermehrung der in Hamburg zusammenströmendru ruffischen Juden eine gesteigerte Tätioteit entfaltet. Wir haben daraufhin Veranlassung genomm-n, ge naue Erkundigungen einzuziehen und empfangen von unserem Gewährsmann folgende interessante Mit teilung: ״Ich hatte kürzlich Gelegenheit, einen Blick in die Art. wie die Mission die Bauernfängerei betreibt, zu werfen. Eines Tages bekam ich einen Jammerbrief aus Galizien, worin ich gebeten wurde, mich eines jungen Mannes -anzunehmen, der im Miffions Hause seit einem halben Jahre zurückgehalien würde, und kurz vor der Taufe stände. Mit gemischten Ge fühlen suchte ich ihn in der Anstalt auf, nachdem ich vergeblich um einen Besuch bei mir gebeten baue. Die Gesellschaft, an deren Spitze ein getaufter Jude steht. Pater Frank, besitzt in Hamburg, Eimsbüttlerstraffe, ein großes Haus, das — Ironie des Schicksals — einem sehr frommen Juden, der inzwischen ver storben ist. gehörte. Oben an dem Hause befinde! sick, ein großes Schild, das in weitbin leuchtender Schris' in hebräischer Sprache einen Spruch aus dem neuen Tcstamcnt führt. Auch die Kcivelle im Hause soll genau liner Synagoge nachgebildet sein. Es ist also olles aus den gröbsten Gimpelfang abgesehen. Im großen und ganzen brldet das Haus gewissermaßen ein Internat, in dem die Zöglinge wohnen und essen, praktisch .׳.rbeiten und Religionsunterricht genießen, und zwar, wie ich mich überzeugt habe, in sehr inrensiver Weise. Im Parterre ist ein großer Raum für eine Kosferfabrik eingerichtet, und bei meinem wieder- Handlung deftriltk» Kat. während man es ikin zugute kommen läßt. wenn er ein ״reumütige» Geständnis" ad gelegt bal. Abgesehen davon können es sich viele Richter nicht vorsiellen. daß ein Mensch sich wabrbeitsividrig selber belastet. Demgegenüber muh nachdrücklich daraus bingewiete» werden.sdaß recht bänsiq falsche Geständnisse abgegeben werden,'und zwar nicht auf psnchopathischer Grlindlage B. depressive Zustande, bm'terische Lcelenstörungeiu, sondern auch aus normale» Motiven r>erschiedenstcr Art. Wer!ich hierfür interessiert, mag sich die kürzlich erschienene,!evr lesenswerte Lchrisl »der ״Tas Geständnis in Strafsache»- von Dr. Lohsing Wie» «Verlag von Marhold in -Halle a. 3.) arischen.- Man muß sich vergegenwärtigen, welche 3umme vo» ,abrbundertclanger Erfahrung, kritischer Prüfung und wissen schaftlichen Rachdenkens aufzüwenden war, bis die Wissen schas, zu der hier angedcntcrcn Erkenntnis von der Wert losigkeit des Geständnisses als eine» entscheidenden Beweis mittels gelangt ist Dann wird man die Bedeutsamkeit der lat sache würdigen, daß die jüdische Gesetzeslebre, allein den immanenten ««itMit ihres eigenen wunderbar gefügte» Organismus folgend, das Resultat einer tausendjährigen Entwicklung auch in diesem Falle vorwegaenommen hat. Der Bedeutung dieser Talsache tut die Erwckgung natürlich keinen Eintrag, daß die modernen Etrasgesetzrefvrmer das Lelbftgeftändnis als Beweismittel nicht ganz beseitigen, seine Würdigung vielmehr dem vorsichtigen Ermessen d«S Richters anheimstellen wollen Daß da» TboraGesetz diesen Weg nicht einschlägt, ist in dem Wesensunlerschied zwischen indischem und modernem Recht begründet, dessen Erörterung hier zu weit führen würde __Der Israelit.__ holten Dortsein Hab« ich nur jüdische junge Leute beswafugt gesehen. Mein Schutzbefohlener ließ sich schließlich auf mein wiederholtes Drängen bewege», die Anstalt zu verlassen und eine von mir ihm ver schasste Stellung anzutreten. Ich hatte die Absicht, ihn mit jüdischem Schrifttum vertraut zu machen, da er ein durchaus ernster Mensch ist und sich nun einmal mit itligiösen Problemen beschäftigt, abe^mir wurde die Absicht vermeidet, da mir von seinem Bruder der Wunsch geäußert wurde, ihn nicht dem anderen ״Extrem" zuzuführen. Sie sehen, daß die Zöglinge nicht, wie man gewöhnlich aniiimiiit, zwangsweise in einer solchen Anstalt gehalten werden, sondern sie lidrrzeit oerlassrn tonnen, falls man -in moralisches Gegengewicht zu schaffen vermag und sie selvstänvig macht. Andererseits iverben die Be Ziehungen zur Mission meines Erachtens doch da durch schon lebhaft unterhalten, daß ein Anschluß an andere jüdische Kreise kehr erschwert ist. Auch in meinem Falle befürchte ich in nicht allzuferner Zeit einen Rückfall. Also ein Zwang seitens der An sialt besieht nicht und wird nie versucht. Tonst würde die Ansialt nach der offen ausgesprochenen An sicht des früheren Poliwimeisters von Hamburg, Bürgermeister Hachmann. sofort aufgehoben. Man sucht jenen Bestrebungen natürlich von jüdischer Seite auf jede mögliche Weise zu begegnen, und als ein Beweis dieser jüdisch christlichen Feindeslicbr mag die fest verbürgte Tatsi-chc gelten, daß inan allsonntäglich betete, Gott möge namentlich zwei Hamburger Juden, die als er bittcrte Widersacher der Mission betannt waren, ״erleuchten, damit sie ihr nicht so viele Belehrte tvieder absvenstig machten." Im großen und ganzen ist man hier zu der Ueberzeugunq getommen, daß cs feinen großen Gewinn für das Judentum bedeute, derartige Elemente zu retten. Ader die Pflicht ob liegt unS doch, aber meines Erachtens mebr in der Richtung der Verhütung des Uebels. Es läßt sich teineswegS leugnen, daß die brutale Rot manche der Mission in die Arme treibt. Der Verein »iir Obdach lose in Hamburg, der Großes leistet, versagt doch wohl in vielen Fällen, das liegt in der Natur der Sache. Man hat die große Gefahr schon längere Zeit erkannt'und har auf Anregung der Log» eben falls eine ssofferfabrik gegründet, die sich jedoch nicht halten konnte Neuerdings ist wieder eine Kotierfabrik in'S Leben gerufen worden und zwar durch die Initiative des Herrn Dr. Rieaer. Prediger am Hamburger Tempel, die aber voraussichtlich wohl auch nicht bestehen kann. Uebrigcns ist es für uns bei den radikalen Anschauungen des Herrn Dr. Riegcr kein.׳ Beruhigung, diesen an der Spitze eines solchen Unter nehmens zu sehen. Ich halte eine eingehende Erörterunq der Angelegenheit für dringend erwünscht. Ge rade die Hafenstadt Hamburg, die so vielen unserer verzweifelten, unglücklichen Brüder schon mit ihrem Namen Erlösung winkt, sollte es sich angelegen sein lassen, ein solches Heim zu schassen. Es gibt ja einen Arbeitsnachweis, den die Loge eingerichtet hat: in 3m» I 'Hx 1 wiefern er segensreich wirkt, kann ich nicht beurteilen. Keinenfalls jedoch sorgt er auch für die ״metaphy sischen Bedürfnisse", es ist ihm wohl ziemlich gl»jch qiltig, ob der Schabbvs beobachtet wird, ob die Leute koscher essen. Die zionistische Ortsgruppe bot kürzlich eine wöchentliche Zusammenkunft aller fremde» jungen Leuten eingerichtet, in der man iknen doch jedenfalls einen gewissen Zusammenhalt schasst. Bon seiten weiterer Kreise müßte eine solche Anstalt ins Leben gerufen »׳erden, man müßte sich etwa nach Art des ״Blauen Kreuzes" oder der Schutzvereine für allein reisende junge Mädchen organisieren. Wer schützt unS jedoch vor der ״Fahnenflucht" der Reichen und Zufriedenen hier in Hamburg selber.' Erschreckend groß soll die Zahl derer sein, die ihre Kindedem Negativ des FY2 dem Zaufdecken. zu führen. Nichts illustriert besser die niedrige Stufe, auf der diese unsre Volksgenossen stehen, als die Tatsache, daß man aus rein grobmateriellen Rück sichten nur die Knaben taufen läßt, während man die Mädchen vielfach zu ״Jüdinnen" erzieht, damit sic dereinst sich leichter verheiraten lassen. ל־עב־' לגלד — סייעז '״א =ל ז*ל frr ״■="?־ יא Wir fügen diesen Ausführungen unsres Ge ivährsmann-s den Ausdruck der Hoffnung hinzu, daß es der Hamburger Gemeinde, die, wo es galt, nie Opfer gescheut hat. gelingen werde, eine Einrichtung zu schaffen, durch die der Seelenfänaerei der Mission in wirksamer Weise begegnet würde. Ätectergebm und Nurbau der ungarischen ortl׳od. ß'andesorganisation. B!! d a p e st . Mitte Januar. Noch ist kein Jahr verstrichen, seitdem die reli giösen und weltlichen Vertreter der hierländiscben ortbodoren lKemeinden zu einem Landeskongresse in der Haupt und Residenzstadt sich versammelten. Dieser Kongreß hat Adolf Frankl zum Landespräsi denken gewählt und ihn autorisiert, die im Prinz,pe sestgesiellte Ergänzung der vom Könige sanktionierten Verfassung der oithodoxen israelitischen Konfession durch die .Kultusregierung bestätigen zu lassen. Wir haben über diesen denkwürdigen Kongreß und über die Persönlichkeit des neucn orthodoxen Führers seinerzeit in diesen Blättern ausführlich berichtet und die Ueberzeugung ausgesprochen, daß diese im posante Landesversammlung, die zu ihren Mit gliedern 300 Rabbinen zählte ein segensoendendes Andenken gestiftet hat für die Wiedergeburt der ortbo doren Autonomie, eine Manifestation für die Ge sundung oes jüdisch religiösen Lebens in Ungarn. Nur ein Streben beherrschte alle Gemüter kdi: Scheinorthodoren bildeten in dieser Bersirmwlung kaum ein Prozent der anivesenden Delegierten»: Die Erhaltung des unverfälschten Judentums. Ado!» Frankl hat unter äußerst schwierigen Verhältnissen!Tie Jude« in Amerika. | I» einem Artikel ״Tie Jude» in Amerika1 ״» der Januarnunnner von "Mun l'en's Magazinespricht He r h e r t ',l (.» affen uch folge» dermaßen über die jüdische Bielseitigkeit ans- ״Die jüdische Rasse gleicht einer großen Vorratskammer. Was ihr begehrt, kann ne euch geben Wünscht ihr einen Arzt, so giebi sie euch Abraham Jacobi in New Port, oder Jacob 3olis Eolie» in Philadelphia, einen Maler. Hev.rv Mosler, eine» Bildhauer. Ephraim Kevser, einen Muükrr, Rubin Goldmark, einen Dichter, so habe» 3ie die Wahl zwischen 3ulzberger in Phila delvkia und Lcvenrill oder Hirschderg vom obersten Gerichts sbos in New Port.- ״Es ist sehr unrecht, die Juden Ein drinqlinge z» nenne». Wie ich zu meiner große» lieber raschung fand, haben sie das beste Recht »1 Amerika zu wohnen. 3ie waren nämlich zuerst hier Die evochemachende Reise des Eolumdns wäre ohne die Hütie des Juden Lm« de Tantangel. König Ferdinands obersten sleuerdeamle». nicht möglich gewesen. Er schoß au» eigenen Mitteln dem König und der Königin das für die Erpedckion nötige i»Ktd, l«ss»,s>oo Dollar, vor. 3antangel war nicht der einzige Jude, der an der Erpedilion des Kolumbus Anteil hatte. Die Karte des großen 3eesabrer» war gezeichnet von Ribes, dem sogenannten Kartemuden. seine astronomischen Tafeln waren von dem Juden Abraham Zacuto ^usammengesiellt. 3ein Schisssarzl war der Jude Bernal. «ein Oberaus,eher war der Jude Rodrigo sanchez. Der erste Matrose, der Land sah. war der Jude Rodrigo de Triana, und der erste Europäer, der den Fuß auf amerikanischen Boden setzte, war der jüdische Dolmetscher Luis de Torres״ lTie Sekte der i» R»sil«,dl zahlte nach der Volkszählung vom 2K. Januar t8K7 12 KU c«ltn und zwar >!N72 Männer n»d >;.'22׳ Frane» 12 2'.»2 wokule» int curovaische» Rußland, 21 > ״, Polen. 2t• l nn Kaukasus. 12m 3cbir1e» und l> in Zentralasien. 3ie teilen mit de» Jude» d,r Vorliebe für das Wuhnen in 3iadten. in denen I>>!>77, d. I,. -1.0°״ von ihnen!«dien Unter den ejnzelne» Gouvernements Hai weitaus di» meiste» Karaiten das Go»ver»eme»l Tannen mit *> I •'>•;: in weitem Abstande folgt das Gouvernement Ekerson mit 2 00- ,darunter die «ladt Odessa mit HU!'» und das Gouvernement Wilna mit .">71;. Tie Karanen haben alio di» benle die Halbinsel Krim id. 1. das Gouvernement Taurirn». 1» die sie vor Jahr Kundert«» emwanderten, als ihre» Miilelpaiikt bewahrt. 7<>.'׳unter ihren Männern und •»,0°״׳ unter ihren ,Iraner! sind des Lesens kundig Alr llnigangsiprache de dienen sie sich in der Mehrzahl de« Turko talarische», da» lni'ü; von ihnen spreche»: daneben hat da» Russische unter ihnen 2 >122 und das Jüdische Anhänger.!Arischer Typus.! Folgende« merkwürdige In seratin drr Frankfurter Zeitung wird unsere Leier interessieren. Israelitische Heirat. 3uch« s»r meine Ressen, 2 Brüder, der Aellere '20 Jahr«. Arzt. Dr mtxl., der Jüngere 27 Jahre. Rechtsanwalt, Dr jnr . in einer Großstadt, mit guter Pran», beide gedient, große, gesund«, stattliche Erscheinung, arischer Tvvu«. isr., hübsche, junge, reiche LrbenSgesabrtinnrn. Arischer Tvpu» l L welche« Gtuck sur di« beiden jüvllchen Herrn und ibr« zukünsrigen indischen Lebensgesahrlinnrn

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