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Der Israelit · 1906-01-25 · 4 (25.1.1906) · p. Seite 2

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
4 (25.1.1906)
Date
1906-01-25
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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seile ')lx. 4 Xtt Israelit. xtaiiuar l!>0»i das Bedürfnis vorhandrn ist. die geistigen Bande enger zu schlingen, die unsere westeuropäischen, insbesondere unsere deutschen Äesetzestreuen mit den Jiikrern der ruflischen Judenheit verknüpfen. Vieles haben sie uns zu geben — manches können wir ihnen bringen, je besser wir uns verstehen lernen, desto rascher wird die Krise überwunden werden können, die da» russische Judentum, das grosse Reservoir jüdischen Geisteslebens, in unsren Tagen zu überstehen hat. Wenn die Brüsseler Konferenz den Ansioss gibt zu einer allgemeinen Aussprache der gesetzestreuen Führer aller L L nder über die geistige Lage des russischen Judentun:s, so wird sie dadurch allein schon zu einem Quell des Segen» für das jüdische Volk werden können ln dieser schweren Zeit. Die jammervollen Szenen, die sich während der letzten Wollen zn v'iederholten Malen an der sögenannten R e g i st r i e r st a t i o n zu!Singer■■ brück abspielten. haben die Aufmerksamkeit der Tagespress: bereits beschäftigt. Auswanderer, die nicht im Besitze einer Fahrkarte der in Deutschland tontessioniencn Dampserlinikn sind tverdrn von der!llegistriersratlon ausgehalten und zurückcze'chickt, gar!׳, vlnie Rü^ückt au» die Höbe ihrer Gelbmitlkl. ihren «^sundheiiszustand und ihre sonstigen versönlichen Verhältnisse. Die drakonische Maßregel wiro damit begründet, dass lediglich jene konzessionierten Schissabrtslinien dein preußischen Staate gegen über eine Negießpflicht fiir den Jast der -siirn-kweisuttg der Einwanderer in den Jmmi gratwn;Häsen anerkennen, während die nichtksnzessionittten, meist englischen Linien, die in Amerika Zurückgewiesenen einfach nach dem Ein schiffungsbafen zurückbringen würden, von wo sic der betreffend: Staat nach Preußen «!riirk׳,»schieben das Recht hätte. Zum Kostenersatz wäre dem preußischen Staate niemand verpflichtet. Da» 1 ch e 1 n l nach unsren Informationen die nicht ganz einfache Rechts läge zu sein, die dadurch nur kompliziert wird, daß, man ähnliche Bedeuten andertvärts, in Badern, in Hessen, nickt zu Kegen scheint, sodass die unglücklichen Flüchtling: in Passau z. B. unbehelligt die Grenze passieren, zugunsten des Eisenbaknsiskus die Rei'e über Aschassenburg Jrantfurt fortsetzen, um erst in Bingerbrück zu erfahren, dass es für sie kein Enirinucn giebt. Neben der stzrage. warum man nicht an d׳r österreichisch bakeriscden Grenze eine Kontrollstation errichtet, um die unnütze Eisenbahnfahrt mit ihren Mühen uno Kosten den Auswanderern zu ersparen, erhebt sich gegenüber dieser Sachlage vor allem das Verlangen nach einer authentischen Aufklärung über die .Gefahren", die dem preuhischen Jiskus aus der Einstellung seiner Schiffskarten-Kontrolle erwachsen könnten. So gut wie im Augenblick der Aus- Wanderung tann sich die preuh. Polizei doch auch im?falle der R!! d Wanderung der lästigen Ausländer rasch genug entledigen, und es ist nicht einzusehen, warum die Behörde den Armen, die aus Unkenntnis oder durch die Gefälligkeit ihrer Anverwandten in den Besitz von Billets der verpönten Änchor Line. Allan Line. Dominion Line gelangt sind, den Austritt aus dem preußischen Staatsgebiet versagen muss. Die treibende Kraft in der ganzen Angelegenheit scheinen übrigens weniger die Behörden, als die deutschen Schiffahrtslinien zu sein, deren Wirtschaft liche Interessen von Richtung und Intensität der Auswanderniig sehr stark berührt werden. Um so dringender scheint es uns geboten, daß, nach den trovsenweisen ״Aufklärungen" und ״Berichtigungen", an denen sich auch das Pressbureau des Norddeutschen Lloyd beteiligt, endlich eine erschöpfende Darstellung der ganzen Sachlage, vor allem der M o t i v e des ganzen Vorgebens von amtlicher Seite gegeben toird. Die Answanderungsvorschriften selbst haben folgenden Wortlaut: l. Auswanderer, die Schissskartcn einer in Deul'chtand konzessionierten Dampscrünic'l baden und dazu I1H> Mf. für ,cdc erwactiicne Pcrio» und 1<ייי Mk für >edes Kind nnicr I" Jahre» und eine» Pah «bei Nichlrusse» iss ei» Pan nictU notwendig» dcsincn, können ungehindert an iedeni Punkte die deutsche »Grenze überschreiten und ssch völlig frei von der Grenze nach den Haienpläfte» begeben und in Deutschland ׳ich auiballen >vo sse wollen, sie ssnd keiner lei Beschränkungen und keinerlei bligieniichcu Vornchisnuin regeln »iiierworien. ■: Anstvanderer. die im Benize einer Jahrkarte von einer der dcutichen t^eieUichatici! >Norddeutscher Llond. Hamburg Amerika Linie oder der Holland Amerika Linie« sind, oder die Mittet bade», «iä> eine solche zu kauten, ferner diejenige», die vorausbczahlte J-ahrkarlen «Prepaids« einer anderen in Denlickiland konzessionierten Linie baden, aber auch nur einer solchen Linie. können auch ohne Pas? und ohne die öden angegebenen «Geldmittel durch Tentichland rciien. sie »verdcn aber zur Weirerrciie von der «Grenze nach den Hatcnvtälze» nur zugclassen. »venn ne. falls sie Annen find, eine Koinroltstalion"« ausgesucht baden, falls sse Nichlruffen find, eine Negistrierstalio» tMusloivi«, :liali dor. ».'einzig. Bingerbrück«. ,Zn diesen Stationen »vcrden die Auswanderer aus ihre Geiundbeil und Aeiscsädigkcit geprüft lAuffe» werden noch obendrein in den Kontrollslationen ge *1 Das find austcr der Hamburg Amerika Linie und dem Norddeutschen Llond die folgenden: I. 0ו11ע»יןוו1<ו« Cöuöaale Transatlantiqne in Paris nml Havre, Soeiöis Anonyme de Navigation Beige Am6ricaine (Red Star Line« Antwerpen, :1 Holhnil-Amerika-Ii'nie, Rotterdam, I Ismav Imri & Co. «White Star Line« Liverpool, :> Cnnnrd St«*am<d1ip Company Limite«! in Liverpool «!. International Navigation Company (American Lines in Philadelphia. ", Dajohren. Berlin «Anhieben«. Tilnt. Evdlkuhncn. Insterburg, Profiten, JUoivo, Ottlotschin, Pose» u. Ostrowo. badet und. ifar Gepäck desinsizierlt und daun müsse» sie, ohne Aufenthalt aus Zwischenstationrn nehmen zu dürfen, nach den Seehäfen Weiterreisen. :t. Auswanderer, welche den obigen Erfordernisse» nicht entsprechen und solche Auswanderer, die schissskarten oder voransdezablte Schisssscheine (Prepaids» von firnen habe», die in Deutschland nicht konzefiioniert sind, wie z. B. der Anchor Line, Allan Line & Dominion l'inc. werden an der Reise durch Deutschland gehindert, sobald sie als Auswanderer erkannt »verden, auch wenn sie im Besitze der oben unter Nr. I angegebene» (ייtibmi11f( sich ve finden und Pässe haben, solche Auswanderer müsse» Deutschland unter alle» Umständen melde». Wir möchten vvr allem der jüdischen Presse in Rußland, Rumänien und Amerika die wiederholte Veröffentlichung dieser Bestimmungen ans Herz legen, deren Beachtung, solange sie nun einmal -zn Recht bestehen, die Auswanderer vor un nutzem Schaden und vor bitterer Enttäuschung bewahren wird. Namentlich möge man aus Amerika und England keine Prevaids der nickitlonzessionierten Linien nack׳ dem Osten schicken. * * * In Oesterreich beherrscht die Wahlrechtsfrage und insbesondere die Einrichtung der nationalen W a h l k u r i e n alle Gemüter. Mit dem Vorschlag, die Wäblermassen von vornherein aufgrund sorg faltig aufzustellendcr Wahllisten national zu scheiden und so dasjenige Moment zum offiziellen Kennzeichen der Wählergruppen und der Parteien zu machen, das ja im Grunde doch ausschlaggebend für ihr politisches Verhalten ist: das nationale, faßt die Regierung den Stier bei den Hörnern und wird so vielleicht eine Klärung der parlamentarischen Verhältnisse herbeiführcn. Was soll nun bei der Neuregelung der Dinge aus den Juden toerden, die ja — namentlich in Galizien — ein nicht zu verachtendes Kontingent von Wählern stellen? Zwei Ströinungen stehen sich ein ander gegenüber. Mit demselben Eifer, mit dem die jüdischen Politiker des Polenklubs und die Wiener Assiinilationsschwärmer das bloße Vorhandensein eines indischen Volkstums negieren und den Gedanken einer jüdischen Wahlturie förmlich als ״Vaterlands verrat" brandmarken, jubilieren die zionistiscken Kreise über die gute Gelegenheit, endlich einmal die Tatsache der jüdischen Nationalität ״öffentlich recht-!ich" festgestellt zu sehen. Wahrscheinlich wird die Aufregung beider Parteien sich als unnütz erweisen, denn es erscheint mehr als zweifelhaft, ob die Negierung überhaupt daran denkt, den Juden eine eigene Wählerkurie zuzugestehen. Von unserem Standpunkte aus betrachtet, trägt die?frage keinen prinzipiellen, sondern einen rein praktisch-volitischen Eharakter. Wir - - und mit uns gewiß unsere gesetzestreuen Brüder in Oesterreich — sind uns der Tatsache sowohl wie der u n v e r g l e i ch l i ch c n Eigenart des jüdischen Volkstums so sicher und unbeirrbar bewusst, daß. wii — prinzipiell — einer jüdischen Wablkurie weder be dürfen noch auch von ihr irgendwelche Konflikte mit! dein staatsbürgerlichen Bewusstsein befürchten. Ent- Tirmrs •fewütktora. Milche feuermhrleuie. Bo» Ignaz *6nun »» München Tcv von acaiicniehcr Seile t> gern ansgestreule Bor »vnrs, dast der Jude sich von Bernsen, die An'prüche 0» den versviiiiche» Mul iiellei׳. ferne boit. wird »reuend widerlegt durch die latiache. dos! eine ganz belrachltlchr -Zahl Jsrae liien akuve?yeuei Wehrdienste teilten. Interessant sind in dieier Hnisichl kie Berhältmsie i» Bayer», wo das neuerlöjchwc'eii weitaus am meisten verbreitet iss. Gleiche» schritt mit ber aUgenieinen Ansdehnnng der Jeuerwebre» tn Bavern dält die aktive Beteiligung der Juden an! ,Jener leichweie». Eine genaue Statistik hierüber ist um dessenl willen inchl möglich, weil konfessionell geführte Mitglieder listen nicht verbanden sind, aber aut Grund ziemlich genauer Kenntm» der daverischen Jeuerwehr Berbältinsse kann ich sagen, das; kie Beteiligung der Juden am ,fcurrwedrdienst eine außer» rege ist. Nainentlich in de» kleineren Gemetnben. die Berus» seuerwedreu eder stehend« Jeurrwedren nicht besitzen, sind die Juden in ganz!«erverragendem Maste an der Jener wehr detkiligt und es enstieren in Bavern rin« aa»c« Neide von .yenerwedrkorps. d׳.e bei einem Man>sscha»r»bestandk von cirka I«««« Man» 2°, jüdische Mitgiiedcr darunter zähle». Als typisch dürien die Berkältiiisse in meiner Heimat geinenide Butte»wiese» angci'ehen werde». Bnitenwicien zählt Einwohner, die freiwillige ,yeucrwebr zahlt eirk«t Mitglieder, worunter sich 22 Jude» befinden Dast deren Leistungen aus dem »Gebiete des Jenerlötchweirn» and« von de» christlichen Kameraden anerkannt wird, gebt daraus bervor. dast bei der'letzten Wahl Herr Israel Lammfromm zum Zeug wart «der Gewählte bat diele Ebärge feit 1׳ Jabrcn iimci. Herr Leo Neiter zum Schriftführer gewählt wurde. Jernrr und zwei Glaubensgenotten. nämlich die Herren Alar Lamm »nd Jakob Lammfromm, durch Bcrtcikungdes durch königliche Berordnung vom 24 ,Zun» l*st genisteten Ehrenzeichen fiir Jeuerwebren ausgezeichnet worden Bei der vor etwa 4>« Jahren ersotglc» Gründung der J-euerwehr Bultenwiesen waren es haupisächlich Juden, die sich dieser schwierigen Ardrit unterzogen so wie hier geschildert liegen die Berhällnisse in vielen bäuerischen Gemeinden und die opferwillige Bereitschaft der Juden trägt zweifellos viel dazu bei. dass wir in unserem lieben Baterlanbe mit den christlichen Burgern in gutem Einvernehmen leben. In d׳n baverüchen. kleineren Gemeinden ball es der jüdische junge Mann für ganz tetbstverständlich, gemeinsam mit dem christlichen Kameraden das entfesselte Element zu bekämpfen. ״Einer für Alle Alle sur Einen" ist di» Devise der Jcuerwehrleuie aller Konsefsionen und bast die menschenfreundliche Einrichtung ber Feuerwehren sich von Nassen und Klassenhast frei zn halten gewusst hat,!»«weist wohl am beste» das humorvolle!yeuerwedriprüchlein: Lb Heide, Jude oder Ehrist. L'b arm oder reich man ist. Ob Sozialist, ob Liberal, Das ist uns Alles ganz egal: Die J-enerwebr löscht überall. It^eftänduisse im Ltrakprozesi.! Zn den aus fallendsten und aus de» ersten Blick unerklärlichen Bcstim mungen des jüdischen slrasrechls gehört die völlige Irretevanz de» selbstgeständnisses. Wenn der Angeklagte ntit »och so grosser Klarheit und Nüchiernbeil seine schuld ein gesteh!, ohne vorder durch vcllgüiligen Zcugenbeweis über sübrt zu sein, so ist er nicht zn verurteilen! Die Bestimmung ergib» sich im jüdischen Neckt ganz formal auS dem zwingenden Erfordernis de» ^zeugeiibcweiseS. und Zweck mässigkeits oder gar psnchologischo Erwägungen spielen bei ihrer Begründung keine Nolle. Umso interessanter ist die im Anschluss an den Bückeburger Meineidsprozess in juristischen Kreisen stark bervorlretende Strömung, den im modernen Strafrecht bisher sehr hoch bewerteien satz: conf-ssio regina prohat ionum zu widerlegen und sein Geltungsbereich cinzuschränken. So schreibt ein Jurist in einer jüngst erschiene»«» Abhandlung zur strafprozessreforin: ״Zu einer richtige» Beurteilung des Geständnisses gehört natürlich pjvchstogische Schulung, vor allem auch BerilandniS für pfvchopathologische Probleme, und dass es hiermit bei den Berussrichlern nicht selten schlecht bestellt ist. braucht nicht erst hervorgebobrn zu werde». Das beweist u. a. die geradezu lächerliche Praris vieler «Berichte, es dem Auge- Nagten bei der Strafzumessung übelzunehmen. wenn er verstockt geblieben ist und di« ihm zur Last gelegt« strafbare

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