Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 3 (18.1.1906)
- Date
- 1906-01-18
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Scuillcton ־ i^cilaac ui icr. ׳/ 7) Njs יי Israelit ww XXXXXXXXXXXXXXXXX ^XXXXXXX >^־X XXX X X X X X X ׳X X־ X X XX k X X X X X1־r t ~ J1 ' V Jnniüii,,. Phinlins in der ^uDrnaanr Äc-n ilrilntr Mahn. ■i :1ia* turnt 1'orl'oion. Ihm, tun wohlbestallten Schubmachermeister, war cs natürlich gestattet. der jungen Dame den andern S'iefel vom Fuß zu ziehen. Diese saß, rn einen kostbaren türkischen Shawei gehüllr, in eine n niederen Kessel. Bcrez bückte sich, auf ein Kn.e ae stützt, nieder, und zog ebenso behend wie behutsam den Stiefel aus, ohne den Blut, in die Höhe zu blicken. Doch schob er den Fußpelz bis an die Füße des Mädchens heran, und entfernte sich unter vielen Bücklingen aus dem Extrazimmer. Er rannte, die kleinen Stirfelchen wie einen kostbaren Schatz fest an sich presiend, die Judengasse hinab in seine Werlslättr. Als Lprinz die mit sechstem Pelz besetzten Stiefelchen sab. sverrte sie. starr vor Staunen, den Mund weit auf. Mein Pcnncs, ja nicht einmal derKreisrat hät!e so etwas für seine Töchter machen lasten können: und nun arbeite ihr Mann an einem Meisterwerk Einer Zunft, das sicherlich nur am Hof getragen wurde. Berez aber arbeitete mit einer Sorgfalt, als gälre es die Zufriedenheit einer Königstochter zu ertverben. Und wie die Arbeit bald fertig war. hatte Sprinz Berez' schönstes Hemd und besten Staat zurcchtgelegt. Und während sich der Schuster au der Pumpe wusch und sich mit einer Sorgfalt ankleidete, als ginge er zu einer Hochzeit, hatte Sprinz das Meisterwerk der Schusterzunft aus den Tisch gestellt und den HauSinsassen stolz gezeigt. Goldchen Lob, welches alle Borkommniste beinahe roch, reckte den Hals weit vor, um den Grund der ungewöhnlichen Bewegung bei Berez Storch ausfindig zu machen, Rach wenigen Minuten wußte sie alles und befand sich bei den bewundernden grauen: unb 0nrfmr£ denen Sprinz die kostbaren Stiefelchen zeigte, welche ibr Gatte Berez auszubessern die Ehre gehabt batte. Inzwischen hatte sich Berez an der Pumpe im Hose gründlich gewaschen, seinen besten Staat angelegt, seiner eben vollendeten Handearbeit noch einen zärtlichen Blick zugeworfen und sie dann in ein sauberes Papier sorgfältig ringeschlugen. Gravitätisch, mit selbstbewußter Miene schritt der Riese in's Postgebäude und verwundert blickten ihm die Leute nach. Es war doch nicht Sitte, daß man bereits am Freitag Vormittag schon die Sabbatkleider anlegte und durch di: Gassen wanderte. Jetzt hätte niemand mehr den, jüdischen Schuster die Wut anmerken können, die vor kaum mehr als einer Stunde noch sein Gesicht 2er zerrt hatte, als er. seiner großen Armut eingedenk und gegen dieselbe anzukämpfen sich so ohnmächtig fühlend, vor Schmerz und Berzweiflung den Suppentopf an di; Erde geschmettert hatte. Ein Zug von kindlicher Freude "und stolzer Zuversicht zugleich, überstrahlten förmlich Berez' grobe Züge und die grauen großen Fischaugen glänzten vor Freude. In dem großen Posthof spannte soeben der Postillon die Pferde vor den Extra-Postwagen, eine, nach heutigen Begriffen allerdings sehr plumpe, aber doch auch wieder bequemen und solide gebauten Kutsch«. Unter einer sehr tiefen und linkischen Perbeugung 2c, r Berez in's Extrazimmer getreten. Er verlor einen Augenblick ganz die Fassung, als die junge Dame ihn mit freundlichen verwunderten Augen ansah. In seinem Festtagsgewanv mochte der Riese dem jungen Mädchen vielleicht noch größer Vorkommen und diele wabre Goliatbgkstali ihr Siaunen wachrusen. Berez. welcher sich, während cr noch an dem Absatz arbeitete, bereits seine Anrede an die hoben Herrschaften auSgedacht batte, faßte sich :ajch uno begann merlich: ״Ick! habe die Ehre, Ihrer Hoheit die Stiesel rllcrgnädigst zurück:,,bringen, Wollen Ihre Hochzeit licken Gnaden!1׳ir untertänigst gestatten, daß ist Ihne» d׳e Stiesel huldvoll anziehe," Triumpbierrnd Wi^tf Berez bei diesen Worten bald den alten Herrn und bald das junge Mädchen an. Letzteres versuchte nur schwach ein Helles Lachen zu unterdrücken, wobei sie tief errötete. Der Alte!??!‘ft»! in?in ftob»i***,?׳^ üad)?n. ,< >1<׳ UN >l!stiv״. hüstcttcte cr dabei zu seiner Tochtei hinüber. Berez, den Lacb-wsoia seiner Anrede für ein Meisterstück rl e!.״-iiawr Hossprache haltend, hatte sich be. eits angrschickt, die Skiefe! ihrer Besitzerin (in;1! ziehen. Ermutigt durch das herablanerGe Wewn öicjer vornehme» Leute fuh׳ Berez fort: ״Ich hoffe, das; Ihre juncifriiulirf* Hoheit diese Stiesel in Gcsnndheit zerreißen mögen. Wie er jetzt angenagelt ist. weiden Sie den Absatz nie mehr ver lie-en." ,Er lwt seine Scvh« gut gemacht. Meister, auch hat cr prompt Wort gehalten. Handwerker sollen ebenso wie auch höhere Stände ihr Wort halten, sonst taugt auch ihre Arbeit nichts." Dabei zog der Alte aus einer seideiigest'ckten. mit zwei schweren goldenen Ringen geschlossenen Börse ein Goldstück hervor und überreichte cS dem Schuster. ״Ich kann nicht herausgeben, Herr majestätische Hochwoblgeboren, aber wenn Sic mir das Geldstück unlenänigsi anvertrauen, werde ick umweckseln gcbe!!. Ich kriege nur vicrundzwanzig Kreuzer und dcntc, daß das Ihrer Holreit nicht zuviel ist." ״Bebakt' er nur das Geld und lea' er es nützlich an." erwiderte der alte Mann mit einer abwehrenden Handbewegung. Berez stand wie erstarrt da und hielt noch immer das Goldstück in der offenen Handslache. Er versuchte vergebens zu sprechen: er fand kein Wort, cs würgte ihm in der Kehle. Wie hilfesuchend blickte er auf die junge Dame im Sessel, die ihm mil ei,um gütigen Lächeln zunickte. In diesem Augenblick klopfte es an der Türe und ein Mann in schwarzem Frack trat mir einer tirfen Verbeugung einen Schritt vor und näselte: ״Melde untertänigst, daß Wagen bereit stehen." Da kam Berez erst zu sich und eben wollte er darlegen, daß man für dieses Geld die feinsten neuen Stiefel bei ihm bestellen könnte. Da sagte der alte Herr: ״Ade, Meister, leb' er wohl." winkte mit der Hand und würdigte den Schuster keines Blickes mehr. Wie im Traum schritt Berez über den Posthof. Er wußte immer noch nicht. welchen Wert das Goldstück eigentlich hatte, denn es flimmerte ihm vor den Augen. Endlich erkannte er, daß er einen preußischen Friedrichd'or, volle sechs Taler und zwanzig Silbergroschen, in der Hand kielt; in Ortsmünze, zwölf Gulden! Ein kleines Vermögen für den Armen. Der lieb« Gott hatte hier wieder einmal ein Wunder an seinem Liebling Berez Storch getan. Sollte er nach Hause eilen und Sprinz das blinkende Gold zeigen? Nein, er ging eiligen Schrittes zu Schlome Lorch, dem Metzger, und kaufte Fleisch, Knochen und sonstiges kleineres Zubehör. Mit einem erstaunten Blick aus den herausgeputzien Berez wechselte Schlome daS Gold. Und kaum hatte Berez den Laden verlassen, als Schlome seine Tfrau rief und ihr das Goldstück zeigte. ״Von Berez!" Die Frau schüttelte verwundert den Kops. ״Hm. hm. hm. von Berez," wiederholte sie gedankenvoll. 1) 2u4 ist ein drolliger Mem'L. ״Und geputzt war er. wir an Jomtof." ״Hm, bin, hm," wiederholte die Frau, Und weiier ging» vom Metzger zum Spe;!׳r-1 Händler und endlich nach Hause. Breitspurig uni kraftvoll legte Berez feine Einkäufe aus den Küchen Iitch, ohne ein Wort der Erklärung für dir Gruchlos dreinblickende Sprinz, und dann verschwand .־c wieder. Er hörte gar nicht daraus, daß Sprin׳, ih!׳! nachries, er möge doch seinen guten Rock ausziehn. Mit weitausbolenden Schritten eilte Berez durcb's «Kätzchen, swivenkte links ab und verschwand vatt darauf in einem Haust in der Iudengaffe, Di« Stiege erdröhnte unter seinem Tritt und ebenso sep trat er in dein lan«zen, finsteren Korridor aus, der zur Werktlättc seines Ureundrs Jechiel Tnedb-ez führte Ans einem langen Tisch, je an einem der beiden Fenster, saßen.Peter, der christliche, und Herzchen, de! jüdische Gestlle, mit sflickarbeit an ausbesserunqsbe dürftigen Kleidern beschäftigt. Feierlich winkte Berez dem mit dein Gesicht dem Licht zugewandten Irckii-I. Dieser hatte bereits erfahren. Daß sein szreund Bcrez fein geputzt in die Post gegangen sei. So ekn1<״ konnte an einem Freitag Vormittag, an dem die Leute so vielerlei zu besorgen hatten, ja nicht lange verborgen bleiben. Nun erzählte Berez. daß er für eine Fräulein Gräfin, wenn nicht gar für eine Frau lein Fürstin die Stiefelchen ausgearbeitet Hab-., ״Königlich bin ick dafür belohn! worden," schloß Berez seinen Bericht, den er so laut mitleilte, saß Herzchen, ivelcher sich sofort von seinem Sitz herunter geschwungen und sein Okr an s Schlüsselloch legend, gelauscht halte, jedes Wort hören konnte. Dem sich lange sträubenden Jechiel drückte Bercz zwei Taler in die Hand. Dem weichherzigen Schneider schossen die Tränen in die Augen. ״Berez, Du kannst hin Geld verwalten: ein Tater tät mir's schon. Bin ich Dir nicht noch veci Kopfstück ) schuldig.'" Ein flammender Blick aus Berez' Augen schloß Jechiel den Mund. Seine richte Hand schwer aus die Schulter seines Freundes legend, svdaß dieser säst zusammenknicktc. erwiderte der Schuster: .Wenn reiche Leute sich Freund bleiben, so will das nichts, gar nichts bedeuten. Sie brauchen ein ander nickt, und wenn schon mal. dann ist nickt ibr Herz dabei, weil ihr Geld für sie garantiert. Wenns aber bei einem zum Krachen kommt, da stürr! die ganze Freundschaft zusammen, wie 'ne Mauer ohne srundamem. Sie laben sich nander ein. bewirten sich gegenseitig, um ihren Reichtum zu zeigen. War es nicht so beim reichen Stolzenfels? Sonntags war er noch mit Frau und Kinder zur silbernen Hochzeit brr B2!;iier Silbermann. Donnerstags drauf hat ihn Silbermann aus seinem Eomptoir gegeworfen, weil er für zehntausend Gulden Bürg schaft verlangte, gegen Wechsel. Mit dem reichen Goloschmidt, mit Rosenberg, stand er auf du. bis das Unglück über ihn kam. Nun, was haben dein verdalfenden ) Stolzenfels seine reichen Freunde ge nützt? Hat ihn einer seiner sauberen Freunde, die früher in seiner Ehaise mit ihm herumgefahren sind, mehr anges:l>en' Wer von den Reichen hat seine Fra» und Töchter au.h nur mehr angequckt? Nur bei uns armen Leuten kann von Freundschaft die Rede sein, wo einer dem andern nur mit Groschen Hessen kann »nd sich selber weh tut, um dem anderen aut 'n Tag oder eine Woche zu helfen Bei unsereins wiegt ein Taler oft soviel auf. als bei diesen K'zinimh zehntausend Gulden, welche die Dutzend Freunde des Stolzenfels nicht zusammenbringen konnten, um ihn vor dem Bankerott zu retten. Wir helfen uns einander wie bisher, Jechiel, dafür sind wir Ekawerim min uroE). Nun steh' ich da und schmus') mit Dir, als wenn es gar kein Freitag war', und ich Hab' doch auch noch ein Wörtchen mit meiner Sprinz zu reden." 2) Sin ftopfftüä twn (1:1 ®ritlritnier. 3) Txrormt 4) Writbrtv öl 3ug(;1Mt(U11bt 6) plauStrf