Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 3 (18.1.1906)
- Date
- 1906-01-18
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. Leit« 12. Ter Israelit. I». Januar lrKHl. viele der in der Denkschrift des Herrn Dr. Gutrncmn den jungen Lehrern zur Fortbildung empfohlenen 'Werke das jüdische (Gefühl verletzen und den freudigen Glauben gefährden: >veil sie, um eine Bereinigung der verschiedenen Richtungen doch noch zu ermöglichen, einen gangbaren oder doch leicht gangbar zu machenden Weg zeigten und dafür mit Spott und Hohn überhäuft wurden. WaS haben jene Emdener nicht doch zustande gebracht! Erst Feuer und Flamme für die Denkschrift bei der Verbandsleitung, hernach bescheidenes Bedauern: erst Verhöhnung der Klausel der Nordwestdeutschen und jetzt die Suche nach einer anderen! Also trotz der Berechtigung ihrer jetzt nach und nach siegreich durchdringenden Forverungen sollten die Emden—Oldenburger sich von Herren gängeln und überstimmen lasten, die. was ההפיב p ודדד betrifft, vielfach einen dem ihrigen entgegengesetzten Standpunkt einnahnren. Darum wurden sie dem Verbände abtrünnig, nicht aber ihrer ehrlichen Ueberzeugung, ihrer Lehreraufgabe. ihrer altjüdischen Religion, ihrem sinaiitischrn Gott. Sie waren wahrhaftig und konsequent. Wie sieht es mit der Wahrhaftigkeit anderer Lehrer aus? Korvsaeist: Nr. 1. Wahrhaftigkeit:? Es gibt, ich bin fest davon überzeugt, im Derdandc viele, viele »vackere Jehudtm, aber sie hatten bis jetzt nicht den Mut ihrer Ueberzeugung. Wo waren sie, als Herrn Feiner's Neujahrsbetrachtung im Berbandsorgan erschien, die mich, obwohl ich unbeteiligt war, mit Ekel erfüllt hat? Wo bleiben sie, seitdem der Korpsgeist Artikel sie aufrütteln mußte? Wo blieben sie, als Herr Dr. Gutmann, ein offener, aufrichtiger Ekarakter, eine Richtigstellung des Protokolls über den Kastrier Berbandstag einsandte, und gleichzeitig das klipp und klar lussprach, was offiziell bestritten wurde: als er festsiellle, daß für ihn die meisten Resultate der Wellhausen'schen Bibeltritik gesicherte seien. Was taten sie. als Herrn Hantfs Ansicht über das Schreiben am Sabbat durch das Berbandsorgan bekannt wurde? Wer erhob sich gegen die eigenartige Behandlung des Kollegen Wolfs in Kaste! und nachher im BerbandSblatte? Wer schafft« Klarheit über die wahren Borgänae in Kastel? Ich könnte noch mebr sollt» Gewistenssragen stellen,!־•־־ ’‘:ע״. Nein, solchen Korpsgeist besitzen wir nicht, und wir sind sogar stolz darauf. Was hat er denn dis jetzt erreicht? Eine Zerspaltung der jüdischen Lehrerschaft und einen Berg von Groll und Aerger. Ader Murern Ruf: Korpsgeist erwache' setzen wir einen anderen entgegen: Gr wache, Geist der Wahrhaftigleit, erwache! und durchleuchte die Herzen und Nieren der jüdischen Lihrer, damit sie sich des Weges bewußt werden, den sie zu geben baden zum Zwecke der Aufrechterhaltung des!üdifchen Hanfes und der Synagoge: zur Erhaltung des ererbten Bätergutrs. Achtung vor jeder ehrlichtn Ueberzeugung, vo״ jedem imidrbaften Ehar.ikter! Aber Verachtung der ab sichtlichen Verdunkelung, der heimlichen Vcrichievung, -er Heuchelt- und der Unwahrheit! Nicht durch Korp-rgeist, nicht durch die große Zahl der Mitglieder, sondern im Geiste der Wahr heit. u!1 Geiste Gottes. Am», d. Redaktion: Wir haben einem der An gegriffenen das Wort zur Entgegnung gegeben, aber wir bitten unsere freunde, Anrempelungen wie die gekennzeichneten nicht allzu tragisch zu nehmen. Herrn Vrandeis möchten wir nur hcincrkcn, kasi wir in einem Jahrbuch, das die Achalva s. v. herausgab. einem ganz grund losen Angriff aus einen ■ל ב־ש־אי—:, den gelehrten S. B. Vamderger, Würzdurg, begegnet sind, der manche Gtgnersth.ai't erklärlich macht. Wenn man, wie e» dorr geschehen, eine anerkannte Autorität der unqkiwvst und ihr totale llnwistenheit vorwirft, so bars u.an sich nicht wundern, ivenn die Freunde des G-ZchniäkKn - 11־ nicht scknveigen. Man war eben u< ׳en.'e •!eif noch nicht so ״lolercmt" wie heute, wo e n Manu wie ^em׳nardirektor Hotmann im Per bandsorgan in de׳ ungerechtesten Weise angegriffen wurde, ohne dost sich eine Feder für ihn regte,?eit- >m der Sitz der Actxtwa in Frankfurt a. M. ist und sie sich einer aiiertennensinerten Ddjeltivität de steik״a׳, er'rent si׳ sich des Beifalls aller Parteien. Correfpoitdenzen u. Nachrichten. Frankfurt, a. M., 12. Jan. Wie den Lesern dieses Blattes bekannt, hatte der Bund der gesetzestreuen Lehrer Deutschlands einen Ferienkursus für daS kantorat per» anstalket, der während der Weihnachtsferien dahier tattfand. Zu demselben hatten sich sieben Teilnehmer gemeldet. Trotzdem er leidend war. ließ es sich Herr Oberrantor Friesländer nicht nehmen, den Kursus zu eröffnen, den Herr Sbercantor Pestachowitsch denn weiter und zu End« führte. Trotz der kurz bemestenen Zeit waren olle Teilnehmer hoch befriedigt von dem Erfolg. da Herr Pestachowitsch mit großer Liebe und mit hohem Geschick seiner schwierigen Aufgäbe nachkam. Es besteht nicht nur die begründete Aussicht, daß diese Ferienkurse zu einer ständigen Einrichtung werden, sondern auch, daß sie sich zu einer Eantorenschule entwickeln. Daß die Gründung einer solchen Anstalt — wenigstens für Süddeutschland ein dringendes Bedürfnis ist, kann niemand leugnen, der mit den Verhältnissen vertraut ist. Freilich gehören nicht unbedeutend« Mittel dazu, aber auch diese werden sich finden, wenn man erst allgemein von der Noiivendigleit dieser Einrichtung überzeugt ist. Wir werden später noch einmal aussührlich darauf zurückkommcn. Berlin, 13. Jan. Wir erhalten folgende Zuschrift: Erklärung. Die pädagogische Beilage zu Nr. 100 Ihres geschätzten Blattes vom 14. v. M. enthält in deren Bericht über die jüngste Generalversammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen eine Aeußerung des Herrn Lehrers Steinhardt zu Magdeburg, wonacn ein jetzt in Berlin amtierender, früher in Baden tätig gewesener Rabbiner ihm im Laufe eines Gespräches gesagt Hab«, ״daß die jungen Herren (Rabbiner) manchmal sehr schrotf gegen die Lehrer seien." Herr Steinhardt irrt sich. Eine solche Aeußerung habe ich - denn die angegebenen Bezeichnungen passen nur auf mich - nie getan. Vielmehr Habe ich ihm im Zusammenhänge seiner Klagen über die Inspektion der Rabbiner und deren Berhältnis zu den Lehrern erzählt, in welcher Weise glaubwürdigen Meldungen nach nicht selten staatliche und städtische Schulinspcktoren den ihnen unterstellten Lehrern gegenüber sich verhalten. Diesen Hinweis hat Herr Steinhardt in der Lebhaftigkeit des Gesprächs miß verständlich aufgefaßt und ist so bei der Wiedergabe einer vo: etwa zwei Jahren stattgehabten Diskussion zu einem in jeder Beziehung bedauerlichen Irrtum gelangt. Selbstverständlich liegt eZ mir fern, den guten Glauben des Herrn Steinhardt in dieser Same irgendwie in Zweifel ziehen zu wollen. Er selbst hat freimütig erklärt, dc!ß -r e!t,ü eigener Anscbauuna nichts von einem schroffen Verhalten der jüngeren Rabbiner gegen Lehrer wisse. Und ich freue mich, diesen seinen Worten vollinhaltlich zustimmen und die gleiche Erklärung auch meinerseits abgeben zu können. Berlin, den 13. Januar 1006. Dr. Jos Eschelbacher, Rabbiner der jüdischen Gemeinde. Bedra, 4. Jan. Der Verband israelitischer Lebrer des Regierungsbezirtes Kassel hielt hie: eine außerordentlich: Jahresversammlung ab, in der der B o I k s ch u l Gesetzentwurf besprochen wurde. Das irrgebuis der Beratung war die Wahl c׳ncr Kommistion, die in Petitionen an die in Be tracht tommenden Stellen die Forderungen der!üdischen Lehre: geltend machen soll. B r o m d e r g . 4. Jan. Porgesiern trat eine Anzahl jüdischer Lehrer des Regierungsdezirks Bron - bcrg zur Gründung e':.׳-:- Vereins jüd l-!>r Lebrer d:s Regierungsbezi.ls Bromberg zusammen. Nach kur ze7 Debatte wurde die -Gründung de׳ Vereins leschlossen. Dieser wird den Namen ״Freie Dereiniauug jüdischer Lelirer des Regicrnng-rdezirkS Bromderg" führen und soll eine Zweigvereinigung des ,Dr:׳rinzialvere114 südischrr Lehre: der Ost pror inzen" bilden, (un Vorsitzenden werde Lehrer I. Helberg, hier, zu Besitzern die Leh.rr Roßkamm Fordon und Peczkowsii Rakel gewählt. D a r m st a d t. 6. Jan. Die Prüfung für israelitische Religionslehrer findet Montag, den 10. März, von 8 Uor vormittags an. im Amislokale des Gr. Ministeriums zu Darmstadt, Luisen platz Nr. 2, statt. Die Anmeldungen sind bis spätestens 10. Februar bei der betreffenden Kreisschulkommission einzureichen. Essen, 11. Jan. Die heutige Hauptversammlung des Verbandes israelitischer Lehre: der Rhcinprodrnz und Westfalens befaßte sich mit dem Bolksschulgesetz und nahm eine Resolution an, in der die Gleichstellung der jüdischen Volksschule mit denen der anderen Konfessionen gefordert wird. Am 17 Januar wird in Dortmund eine Lehrerversamm lung stattfinden, für lvelche Wolgast-Kiel das Referat zum Schulgesetz übernommen hat. Aus der Prov. Hannover. 15. Jan. Den jüdischen Lehrern und Gemeinden der Provinz Hannover ist in ihrem Besireben. die ernsten Gefahren, welche die neue Schulunterhaltungsgesetzes- Vorlage für die jüdischen Schulen enthält, abzu lvcnden, in dein Hannoverschen Städtetag ein warmer und aufrichtiger Freund erstanden. In einer seitens des Städtetages an den Landtag gerichteten Eingabe heißt es unter Punkt 8 zu? 24 des Gesetzentwurfes: ״Das jüdische Schulwesen ist näher durch Gesetz zu regeln, tunlichst im Anschluß an die Vorschriften für das christliche Voltsschulwesen." Zugesdlckriften Bügele der Maggid. Novelle» von A. T. Bernstein, Verlag von Freund Jcckel, Berlin. Auch diese Novelle ist reich an intimen ■Schönheiten und zeig! Bernsteins gl>inzen0es Erzähtertalenl, aber für die Jtigenv ist sie nicht geeignet. In, wir möchten behaupten, auch Erwachsene haben den Geschmack daran verloren. Im Mittel Punkt der ganzen Erzählung steht ein zerrissener Eruv. Aber erst vor einigen Tagen sagte mir ein Rabbiner, der weit hinter Posen zu Hause in er erzählt übrigens biete Tatsache ctncni!eden. der es Horen will uitd schämt sich dessen nicht einmal also ein Rabbiner, der aus eben jener Gegend stammt, wo unsere Geschichte spielt, sagte mir: ״Wollen Sie mir glauben, daß ich noch nie einen Ernv ge sehen bähe!" Wir Habens ihm geglaubt, auch ungeschworen. denn in jenen posenschen Städtchen und sagen wir ganz ruhig: leider auch anderwärts, hat sich unterdessen recht viel verändert. Nickt nur der Eruv, sondern noch viel mehr ist gefallen. Auch schärfere Cbreit, als die Weiser Schlapps hören nichts mehr von der Melodie, in der der Talmud ge lesen wird, denn die letzten Zranteraden von Fempelbnrger und von Kosmitterchen. genannt das Ebarifche. haben der «legend schon lange den Rücken gekehrt und lind auch im übrigen Teutschlaad nur noch in einigen ganz seltenen Eremplaren zu finden: der Markt ist vom Freilag aus den Samstag verlegt und wird von Ebristen und Juden besucht. tc»m Wunder, wenn man sich selbst dort keine rechte Bor ftellnng davon macken kann, welche Verwirrung etn zerrissener Ernv am Sabbat bei unseren lsrosteltern bervorries. Freilich, dast sich die Feiten und Verhältnisse geändert haben, ist nicht die Schuld Bernsteins. Aber den Bor wurf kann man ihm nicht ersparen, dast er sich für seinen Humor ein ganz verkehrtes Cbieft berausgesuchl hat. In unseren kleinen und grasten Gemeinden kann und kommt noch beute so viel Verkehrtes und Lächerliches vor. dast es einem so talentvollen Schriftsteller, wie dem sei. Bernstein, nicht schwer hätte sallen können, daran seinen Witz zu üben, statt wie er es getan an religiösen Tingen. Er deutet es ja selbst an. dast die Eruvstangen überraschende Aehnlichkeit mit den Telegravbenstangen haben, dast int Jttdentiim Einengendes und Weltumipannendes dickt neben einander liegt. Und wenn selbst die Bauern ans den Eruv Rücksicht nahmen und lieber ihre Peitschen daran hängen kiesten, wenn sie fick zufällig mit dem Trabte verwickelt batten, als ihn vurch heftiges -sieben zu zerrrtsteu, so hätte auch der jüdische Autor respektvoll davor Halt mache» Pimett. Tas, es auch unter denen, die das Taschentuch am sadbal als Gürtel tragen. Vt-ttte gibt, die Weltbürger im besten sinn des Wortes genannt werde» können, fei hier noch nebenbei erwähnt. so ballen wir es denn keinessall» für einen Vorzug, dast ״Vögele, der Maggid" und ״Blende! Gjbbor" in einen Band vereinigt sind. Am liebsten würden wir es, wie schon trüber bemerkt, sehen, wenn die Verlag»bnchbat>dl״,,g den letztern zu einer wirklichen Jttgendtchrin uniarbetten liege. Ist da» al>er nicht angängig, dann gebe man ihn bei einer Renaiisiage allein heraus. Für die einzige Scene, in der Salme Mennist seinem jungen Freunde von dem Betuch seines Paters aut dem Friedbose und von seinem Heldentod erzählt, gede ich ״Vögele, der Maggid" und noch manches andere recht beliebte Werk unierer .schölten" Literatur