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Der Israelit · 1906-01-18 · 3 (18.1.1906) · p. [Seite]

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
3 (18.1.1906)
Date
1906-01-18
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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L b b nd 0NL llrbrr iif' riicr frilriit ks Po» i<binf»o. 11 Nonien»»., I. Es ist fast selbstverständlich, daß nach diesen Voraussetzungen auch die nachdiblische Geschichte des jüdischen Volkes in ihren Grundzügen dm mindern vermittelt werden muß: soll die durch die biblische Geschichte angeregte Gedankenreibe nicht ein Torso bleiben, so muß die Darstellung der nackibiblisckien Geschichte sogar vis auf die Gegenwart sich erstrecken, lieber die Notivendigkeit dieser Disziplin bedarf es also keiner weiteren Diskussion: wohl aber über den Umfang der Lehrmnsa. Hier begegnen wir weit gebenden Disserenzen. Es gibt Anschauungen, die es für wichtiger halten, daß die Schüler über Ephraim Kuh. als über Alfas: informiert werden. Andere wiederum legen den Schwerpunkt auf den blendenden Glanz der spanischen Epoche, wieder andere aus die Schilderung der Martyrien. Hierbei darf nicht ver geflen weren, daß schließlich oiesseicht für die drei jährige Periode der Feiertagsschute im Ganzen nur 3X10!! Stunde zur Verfügung stehen: es ist schwer, bei dieser Beschränkung Meister zu werden. Auf manches Licbgewordene muß verzichtet, der Per suckung, einzelne Perioden tMaikabäer, spanische Blütezeit u. a. m.» ausführlicher zu behandeln, widerstanden werden. Das folgende Pensenverzeich »is stellt nur einen Versuch dar: bei dem Unterricht u» Mittelschulen hat er sich im G'-nß,» ״nd Ganren bewährt. An Volksschulen müßte die Erfahrung eventuell korrigierend einschreiten. Gin Lehrbuch, das nach diesem System arbeitet, ist mir nich! bekannt, weil alle die allerdings fast unvermeidliche Vermischung von Geschichte und Literatur bieten. Aach alledem ergäbe sich als Pensum: 8. Schuljahr: Darstellung der rein geschichtlichen Ereignisse:!V ., Die wichtigsten Erzeugnisse der Literatur: IO. , Die gegenwärtige innere und äußere Laar der Juden. Spezifikation und eingehende Begründung mögen diese etwas leltsaiur Einieiluna rechtfertigen. «Anmerkung der R e d a k t i o n :1 In Vanern kennt man das 8. Schuljahr nicht, dagegen die sog. Sonn oder Feiertagssckiulen.) Bekanntlich ist bei der unterrichtlichen Dar bieruna die chronologische Reihenfolge nicht zu ent bebren: das Bewußtsein dersklben würde jedoch in der Seele des Kindes gestört iverden, wenn literaturge schichtlick» Momente dazwischentreten und das In׳ teresse aus ein Gebiet lenken würden, in dem der kausale Zusammenhang nicht aus den ersten Blick er sichtlich ist. Andererseits ist jedoch die Geschichte ver Literatur viel zu wichtig, als daß sih |»va«»t*»v propre r abgetan und bloß als Annex zu den Tat sacken behandelt werden dürste. Hauptsächlich aus diesen beiden Momenten ergior sich der Vorschlag der Trennung dieser beiden Oiebiete. Allerdings werden bei der folgenden Darstellung Blicke in das engere Bereich der Didaktik nicht entbehrt werden können. Im einzelnen ergibt sich im 8. Schuljahre folgendes Pensum:;1) Entstehung des Hellenismus (Ptolemäer), seleucidische Herrschaft und Maccbäer, Parteibildung, römische Herrschaft und Herodes, der jüdische Krieg. (Hier muß nach dem Höhepunkt unter Simon die übrige Maccabäerzeit ohne viel Ballast von Namen und Taten lediglich als Produkt der Zersplitterung dargestellt werden; in einem Druckwerk in geioöhnlichem Schulbuchsormat iväre das Ganze auf etwa fünf Druckseiten zusammenzufassen.) l׳> Bar Kochba, Patriarchat «Bedeutung nach der politischen Seite hin). Beginn der Ver folgungen «ohne (Einzelheiten Betonung der Motive derselben»: Erilarckai: Verfolgung unter Maydak: Erstarken der jüdischen Ge meinden auf europäischem Boden: Verhaltnis des jungen Islam zu den Juden; Entsrehung der Karäer; spanische Periode (auch hier lediglich die politischen Momente): die Martyrien von vier Jahrhunderten: die allmähliche politische Emanzipation. Im Ganzen etwa 30 Druckseiten. Für das 0. Schuljahr ist wohl eine Sveztti zierung nicht notivendig, da sich aus Mischna und Talmud als Basis sehr leicht die Fortsetzung der ha lachjschen Literatur einerseits, die religiöse Poesie an dcrerseits ergibt. Andere literaturgeschichtliche Stoffe gehören nicht in die Volksschule. Im 10. Schuljahre endlich soll dem Kinde so viel an positivem Wissen gegeben tverd'N, daß es aus Eirund dessen sich später sowohl ein Urteil über die äußeren Verhältnisse des jüdischen Volkes in allen Ländern bilden kann, als auch im inneren Streit seinen Mann steht. Die momentane Lage dieser Disziplin erinnert mich immer an die seligen Zeiten, in denen der gymnasiale Geschichtsunterricht zart und behutsam mit dem Jahre 1815 abschloß. Man erwidere nur nicht, es hieße den Lärm der Gasse in die Schule tragen, wenn man die Kämpfe der sog. Reform und die Stagnation der jüngsten Jahrzehnte im Unterricht berührt. Rein, im «Gegenteil ick halte es für gewissenlos, wenn ein Kind in dieser Beziehung ivehrlos von der Schule dem Leben überantwortet wird. Gerade der Umstand, daß das Thema für dieses Jahr auf der einen Seite mit allem Aufwand pädagogischen Taktes, auf der anderen Seite freimütig und eindringlich behandelt werden muß, ließ seinen Umfang so gering umschreiben. Hier muß der Lehrer seine ganze Persönlichkeit einsetzen. I . Dasselbe gilt natürlich von der sysiematischen Religionslekre, gestehen wir es offen, dem wunden Punkt unserer Disziplintabelle. Die Zeiten liegen ja hinter uns, in denen man getrost an Stelle dieses Namens hätte ״Katechismus Unterricht" setzen können. Es würde zu >veit führen, einen historischen Excurs über die Geschichte dieser Disziplin mit all ihren Bestrebungen und Irrungen zu versuchen: genug, ihre Wiege stand am trüben Ort zur trüben Stunde und die Nachwirkungen diesgr Komplikation sind noch lange nicht überwunden. Ich setze den Wert des systematischen Religionsunterrichtes in das avologetiscbe Moment und behaupte, daß er noch nie das religiöse Leben positiv gestärkt hat. Aber die Akten sind ja geschlossen, innere Entwicklung u״t gewisse Imponderabilien äußerer Umstände haben dieses DiSziplin einen Platz angewiesen und es gilt nun, ein dem altjüdischen Schulleben heterogenes Element so zu gestalten, daß es wenigstens nicht zu disharmonisch wirkt, nicht wenigstens dem Kinde suggeriert, als hätte für das religiöse Leben kaltes Wissen allein sittlichen Wert, als wäre Note I in systematischer Neligionslehre >>01׳ se schon eine Trophäe für Schule und Schüler. Gin Vergleich mir anderen Konfessionen muß hier Platz greifen: man versteht wohl auch hier uvte׳ den sysiculatischric Stoffen Glaubens- und Sitten lehre, wie sie nach Form und Inhalt von der betr. Kirche festgesetzt sind. Gewiß ist das Judentum auch in der glücklichen Lage, ein solches Kompendium zu besitzen; ich habe es nur fast noch nie in einen! Per zeicbnis der Schulbücher gefunden. Es wäre etwa ein Kompendium nach Anlage des crr־ .-xr, das d׳e Approbation durch ~t —r zrzzv r.-r erhalten bot. Und wenn es eine Forderung des systematischen Religionsunterrichts in einer anderen Konfession ist: ״Es ist bei der Entwicklung der Reliaions lehren so viel als möglich schon auf den Wortlaut des Katechismus hinzuarbeiten, beziehungsweise Bedacht darauf zu nehmen, daß die Gruppierung des konkreten Materials. die sprachliche Fassung und inhaltliche Abgrenzung den kirchlichcn Sah ungen entspricht", warum in aller Welt ist dieser fundamentale Sah eigmtlich noch nie so recht in das Idiom der jüdischen Schule übersetzt worden? Ach ja, der Grund ist eigentlich klar, man konnte diese Anschauung nicht so recht brauckwn. wegen des so verschiedenen Materials der jüdischen — Häuser. Kat sajiienti Und gibt dem Kinde unverständliche Deduktionen übe^ die sog. Eigenschaften Gottes! Wir wiederholen mit anderen Worten: Syste niatischer Religionsunterricht ist sachlich geordnete Darstellung der Ossenbarungslehren. (cf. Kehrein Keller Seite 213.) Hierzu tritt als i n 1 e g r i e r e nder Teil praktischer Ausdruck der Religion, bezw. Einführung in die Kenntnis dieses Ausdrucks. Nun kommt aber die schlvere Frage nach dem Prinzip der Eintei'unq. Wer das Wesen des Judentums kennt, der weiß daß einerseits ein Fundament der GlaubenSlebre. אם,:־״ ילנייא. ebenso eine סצי־י ist, wie etwa irgend eine Norm der Sittenlehre, daß es ferner nickt angängig ist. diese Sittenlehre wiederum einzuteilen in Norinen der Moral und Forderungen des prak tischen Lebens. Und hierin liegt das Verwirrend: fast aller Lehrbücher der systematischen Neligionslehre. dcß sie diesen Unterschied dev Kindern suggeriere!׳ daß sic im Geiste desselben eine verschiedene Skala 397

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