Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 3 (18.1.1906)
- Date
- 1906-01-18
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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1H. Januar l:*n;.?er Jsraelil keile '׳ 'Hr . konfessionellen Wochenblattes״E—g" Hab«. Dieses Blatl hat z. B. erst neulich in einem Leitartikel dem ungarischen Publikum mitgeleilt. das! die orthodoxe Leitung dem verfassungswidrigen. nichtparlamenta rischen Ministerium politische Dienste angeboten. Unter dem Präsidium Schweigers hat die isr. Landeskanzlei mit beispiellosem Eifer und eiserner Ausdauer ihres Amtes gewaltet. Und doch hat der nunmehr verblichene Monn nicht die Richtung ge geben. Der Spiritusrector war Josef Simon, freilich, wo es galt, offiziell zu repräsentieren, be merkte man stets nur den Präsidenten Martin Schweiger. Auch die Kritik ließ den verborgenen Sekretär in den meisten Fällen ungeschoren. In den Jahresversammlungen der Landeskanzlei hingegen taten der Präsident ebenso bescheiden wie der Sclre tär, indem sie die erfolgreiche Lösung ihrer großen Aufgaben nur der hingebungsvollen Tätigkeit der Distriktspräsidenten zuschrieben. Wer ober in die einschlägigen Verhältnisse eingeweihi war, wußte es, daß dies alles nur Humbug und Spiegelfechterei war. Dr. Josef Simon allein ist seit 38 Jahren die Seele der ganzen Kongreß- Partei. Seiner raffinierten Methode sind tatsächlich die großen Erfolge der Landcskanzlei zuzuschrcibrn. Die Fäden jeder Aktion in jüdischen Angelegen heilen führen bis zu Dr. Simon. Die jüdische Dinge stressenden Äinisterialerlaffe hat er selbst inauguriert, ja wörtlich verfaßt. Und all dies geschah nur zur Unterdrückung der Orthodoxie, zum Zwecke der Erreichung einer einheitlichen jüdischen Organisation. Schweiger hat zu dieser Lebensarbeit Simons in der Hauptsache bloß seinen Namen ge liehen. Im vorigen Jahre hat er sein Ehrenamt niedergelegt. Sein Jugendfreund und Waffenbruder Moritz M e z e i wurde sein Nachfolger. Wird es ...... ^..4. ...» ... ...c ... r> O-JV-w f X..r -> s W.. -fi» iiüu tHlLR'ti* iüvCvCii 'c •ciiuvl iU)tiH4 v5, VüT> V4» ul;S Kurs unerschütterlich feststeht. Das Organ der Neologen hört nicht auf, die Orthodoxen zu verhöhnen und in de: öffentlichen Meinung setzen, und auch der neue Präsident bat zu wiederholten Malen erklärt, daß er auf Basts der ersten Kongreßbeschlüsse die Einberufung eines neuen einc .! t r : x , » f«-״- —*rr.» _ *Tnov ijdi iiüiui Hv.vv. neue Präsident hat sich nämlich in der Zwischenzeit mit jüdischen Angelegenheiten wenig besaßt und begreift darum »och immer nicht, warum die Bekenner der jüdischen Religion nicht der Errichtung einer eindeitlicken Autonomie zustimmen können, ohne daß oas Religionsgesetz tangiert wird. Auch der kränlliche und altersschwache Simon hat schon seinen Substituten. Es ist dies der Sekretär der Chewro-Kadischah, Tr. Franz M e z e i. Dieser, sonst ein sehr tüchtiger Mann und bedeutendcr Schriftsteller, ist gerade so wie sein Ehes ein leidenschaftlicher Feind der Orthodoxen. Schon als jugendlicher Rechtshörer arbeitete er mehrere Jahre hindurch an der Seite seines Herrn, und schon heute sprechen alle Zeichen dafür, daß er denselben dereinst noch überflügeln wirb. Martin Schweiger hat auch im finanziellen Leben eine hervorraginde Rolle gespielt und als Direktor verschiedener Institute und Jnduttrie-Unierrehmungen segensreich gewirkt. Ueberdies war er Ehrenmitglied und Mitglied zahlreicher humanitärer Vereine. Sein außerordentlich umfassendes Wirken ivurde auch von allerhöchster Seite vielfach gewürdigt. Der erlle Landesvrässdent der Kongreßge .neinden Ungarns iss gessorben, die Traditionen des unglückseligen Kongresses sind aber am Leben geblieben. Enheitlicher Kongreß! ist beständig die Losung der Reologen. Sie vergießen Krokodilstränen .< v. •••r.;*♦» uocr 1?1e rrn^y)c c־׳vu״m.ih ״״..־,־ suchen ihr Ziel dadurch zu erreichen, daß sie di-: Orthodoxen als die Männer der Zwietracht Nvgmatisseren und als ihre Absicht lediglich die Herstellung von ^inbeit und Frieden erklären. Wozu der Lärm k <Bon unserem Korresponkenrenv Krakau, den 10. Januar. Die hebräische Zeitung ...Hamizpah" verösfent licht in ihrer vorletzten Nummer einen Alarmruf. Gleichzeitig mit den grauenhaften Verfolgungen in Rußland bobe die aalizisch« Statthalterri einen Stoß — in's — Herz des Judentums geführt. Unblutig und ohne Grruelszenrn soll die Vernichtung in's Werk gesetzt werben, durch einen Statthalterei erlaß, der die Erteilung des Religionsunterricht» an den Gymnasien für jüdische Studenten auf den Vortrag in polnischer Sprache beschränkt, das Hebräische als nicht obligatorisch fortan strengstens verbietet. Die Konseauenzen dieses Beschlusses be drohen nicht nur das Gymnasium, sondern auch das Eheder und alle jüdischen Institutionen. Es wird daher zu einem Petitionssturm anfqefordert, dem sich alle jüdischen Kreise anzuschließen hätten, mit Ausnahme der Assimilationsjuden, deren Häupter in Lemberg der Regierung diesen Beschluß soufslierr haben sollen. Wenn unsere diesigen Gesehestreuen diesem Aufruf bisher keinerlei Beachtung geschenkt haben, so ist das keineswegs aus ״Indolenz" zu erklären. Vielmehr ist man hier darüber ini Klaren, daß es sich bei der ganzen Sache vorläufig nur um eine Auskinanders.'tzung im Kampfe zwischen den atheistischen Assimilationsjuden und den nationalistischen Irrreligiösen bandelt. Wir sind nach der Entwickelung, welche die Dinge genommen haben. leider ge zwungen, uns beide Parteien vom Halse zu halten. In der nüchternen Wirklichkeit gesehen, ist der so genannte Neligionsunlerricht an den Gymnasien, wie er bisher mit dem Hebräischen erteilt wurde, nichts als eine Farce. Er beschränkt sich aus höchstens eine Stunde wöchentlich und die Geheimmittel, die gegen den Durchfall der Studenten beim Examen ange wendet werden, bleiben natürlich Xr< des Besitzers. Ein Katechismus der jüdischen Religion ist von einem Lehrer verfaßt worden, der!vegen ge wisser Umstände aus der Schule entfernt wurde und sich mit Kind und Kegel taufen ließ. Der Statt- Halterei-Erlaß ist allerdings ein Akt der Willkür. ül ii * iit MiuCii viv itüÜTiUv” der i.Oi; istischen Propaganda in den Kreisen der neologen Jugend gerichtet, für deren religiöse Erziehung wir »4י>׳יי Vii* gerinnst» 3t> iibernedmen;וזז Stande sind. Aber ob Willkür oder (Gesetzmäßigkeit — die Themis bat eine wächserne Nase, und es ist seit 23 Jahren kaum ein einziges Gesetz im Reichs «-.X,-. t.fxt.fr.- w•» sUnnitr tuu x/v 14/1 ן v/1 ן v •1 ivvi t/vu, vuv!«10^4 »»)»•4v ...." ^.kllllv gegen dir Juden gehabt hätte. Als nach den schreck lichen Exzessen gegen die Juden in Rußland der waschechte Liberale Schmerling im Jahre 1883 die Delegationen eröffneie und auf jene Ereignisse hinwies, da erteilte er die Weisung, daß man bc> un-Z dem von diesen Ereignissen betroffenen, von ihm nicht ausdrücklich genannten Dolksstamme. nicht mit roher Gewalt, sondern ״auf dem Wege der Gesetzgebung" beizukommen trachten müsse. Das ist die Parole des Liberalismus, welcher bei uns zu Lande das berühmte Wort des Landsmannsminifter Pientak an läßlich des Mädchenraubes Araten gegenübersteht: ״An den Mauern des Klosters hört die Macht des Gesetzes auf." Wir Alten sind mit diesen Verbältnissen seit fast zwei Jahrtausenden so vertraut, daß wir uns dadurch nicht im Lernen stören lassen. Und wenn der Warner aleich'.eitig Resormvorschläge für unser Eheder und unseren Reliaronsunterrichi in einem bealeitenden Artikel an uns richtet, so niüssen wir auch hier zu kaltem Blute mahnen. Eheder und Religionsunterricht sind rkformbedürftig. Zweifel los, aber die Gesundung kann nur von innen heraus erfolgen und nur wenn Männer von anerkannter altjüdischer Ges'hestreuk und Gelehrsamkeit die Führer sind in's neue Land. R u fz l a r» V. Lodz. 12. Jan. Die sogenannten Polen jüdischen Glaubens haben im allgemeinen sehr wenig Sinn für ihren jüdischen Glauben: sie besuchen rast niemals di: Synagoge, aber sie agitieren mit oroßem Eifer für die Einführung der polnischen Predigt. Sie behaupten sogar, sie täten es im Interesse der Religion. Wenn sie so gute Juden sein wollen, so verstehen wir nur nicht, daß ihre Namen in den Svendrnverzeichnissen für unsere unglücklichen Vrü der in Odessa. Rostow. Kiew etc. fehlen. Bei einer Mientiewicz-Feier fehlten die Herren nicht, und dort w.rrrn sie doch nur geduldet. Ilnd erst bei den Sammluiige» für den Sienkjewicz Fonv. da »io»rier!-n s׳e mit ganz (»edtlitenden Summen. Au der Hilfsaktion für die russischen Jude» beteiligten sich auch viele Ebristen, namentlich solche druische: Zur.ge. England. L o Ii d o » , 14. Jan. Nachdem cif Veru'ungs klagen der auf Grund der Alien Bill rurück gewiesenen Einwanderer erledigt sind, ergibt sich, daß im Ganzen Iß Personen der Eintritt in da» Land der Freiheit entgültig versagt wurde. Obgleich die Ziffer an und für sich nicht l>ed«1ltend ist, berri'chr doch große Mißstimmung gegen das Gesetz, das der Willkür der Hafenbcamten immerbin beträchtlichen Spielraum läßt und in seinem ganzen Geiste gegen in England bisher als heilig und unverehlich de trachtete Anschauungen verstößt. Der Versuch, eine Abänderung herbei zuführen. dürste nach dem Zu sammentriit des neuen Parlaments daher keineswegs aussichtslos sein. Das große P r o t e st m c e t i n g in Queens hall ist so rindruckvvoll verlausen, wie zu erwarten war. Praktische Ergebnisse sind allerdings jetzt davon kaum mehr zu erboffen. Die Jto macht in ihrer Organisation bemerkenswerte Fortschritte. Ei» neuer Zweigverein ist Samstag vor acht Tagen in London Nordwest gebildet worden. Bei dieser Gelegenheit teilte der Vorsitzende mit. daß die Jto in England bereits 10. außerhalb Englands mehr als IM Ortsgruppen besitze. Die Einladung zur Brüsseler Kon seren z hat die Jto mit dem Bemerken angenommen, daß sie selbstverständlich irgendwelche Marschroute, die gegen ihr eigene» Programm verstoße, von der Konferenz nicht werde annehmen v;a « ז י׳ fv . V«; U W f { * ״ 44/ltllllt» 44441»/ Vl<4 44 •» vj * 4׳ V IV 1 j i| v« ( ( v ciation wird aus ver Brüsseler Konferenz ver irrten sein. Prof. Biichler Wien hat eine Berufung an das hiesige Jeivisy Eollrge angenominri!. Schweiz. Basel, 8. Jan. Zum Präsidenten der jüdischen Genicindr wurde mit einer an Einstimmigfeit grenzenden Majorität Herr Jules D r e r> s u s- Brodski gewählt, der Sohn unseres langjährigen ״Parues", drs Herrn Drensus Nrumann s. Ä. Herr Dreyfus Brodski Hai die Wahl angenommen, um einem im Testamente seines verstorbenen Vater» ausgesprochenen Wunsche nachzukommen und wird sicherlich im Sinne und Geiste des Heimgegangenen die von ihn: zu Glanz und Blüte gebrachte Gemeinde führen. In der vorjährigen Gemeinde Versammlung hatte die bi'stge Gemeinde, gestützt auf ein Gutachten unseres Herrn Rabbiners, beschlossen, die Reste von im prfmnrnrtiim h»rhrnnnf*n Leichen aus dem jüdischen Friedhöfe nicht zu bestatten. Der hiesige Verein ״freisinniger Israeliten" hatte hiergegen beim Reaierungsrat Beschwerde eingelegt und der Vor steber des Sanitätv-Departements. dem die Fried- Höfe unterstehen, Herr Regierungsrat Dr. Zutt. richtete an die Gemeinde das Ersuchen, noch einmal aus ibren Beschluß zuriickzritoinmen. da er eine völlige Ausschließung der Aschen nicht billigen tonne. Die diesjährge Gemeindeversammlung hat nun, um dieser Weisung der Regierung nachrukommen. die Ausnahme der Aschenreste, jedoch mit der Maßgabe beschlossen sie. nach dem Beispiel der Genieinden Hamburg und Fürth. aus einen׳ von den übrigen Gräbern gesonderten Vlatze de,zusetzen. A m e r i f a. Orthodoxe» Judentum i« Bmeriku. (®att imfcn-m Oorrfipont'fKtfn). Baltimore. 2. Jan. Trotzdem men den amerikanischen Seist im allgemeinen gern als materiol'stijch und allrm Idealen abgeneigt bezeichnet, ist es ganz unleuabar, daß die jüdisch« Orrhodorre hierzulande im letzten Jahrzehnt bemerkenswerte Fortschritte gemacht bat. Dazu hat einerseits dre