Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 3 (18.1.1906)
- Date
- 1906-01-18
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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.«•?0»?—•זדיזזל Der I«ra«lit 18. Januar 1906. noch viel tother arixn, als das im Gesetzentwurf« für dir christlichen Volksschulen Vorgesehene. Daß^die Volksschule jedoch wie anderen Aon» fessioneu. so auch der jüdischen bewahrt bleibe. baS liegt dem Verbände wenig am Herzen, formelle (Aeichderechtigung ist seine Parole, Die Begründung zu dem Anträge des. Verbandes betr. die Auflösung der jüdischen Volksschulen j׳u* sammen mit dem Wortlaut desselben betrachtet, er» weckt unwillkürlich den Gedanken, als ob der Verband den gesetzgebenden Stellen sagen wollte! Man löse unseretwegen die jüdischen Volksschulen aus. wenn nur im Gesetze kein Unterschied zwischen den Konseffio׳ nen gemacht und für den Religionvunterricht gesorgt wird. Der Gesetzentwurf stellte lediglich die (Erhaltung der jüdischen Schulen in das Ermessen der Kommune. Der Verband der deutschen Juden will in seinem Streben nach Gleichstellung der Juden nuu Nicht etwa die Tendenz de» Entwurfes auf E r -- Haltung der christlich-konfessionellen Volksschulen auch aus die jüdischen auscteoehnt haben, sondern er sagt sich: Eine gleiche Behandlung kann ja auch da-- durch herbeigeführt werden, das; den Kommunen die Auflösung nicht nur der jüdischen, sondern auch der christlichen Konsessionsschulen ermöglicht wird. Fiat iustitiH, |1e1eat —jüdisch« Votlsschule! Ter verband erkennt es richtig als eine Jolge der zu befürchlenden Auflösung der ineistcn jüdischen Volksschulen, daß wegen Mangels einer jüdischen Lehrkraft und des Unvermögens der jüdischen Gcmeinde einen besonderen Religionslehrer anzusiellen. an vielen Trten die jüdische Jugend ohne Religions unterricht auswachsen würde. Warum stell!?, so fragen wir, der Verband zur Verhütung solchcr traurigen Zustände nicht den positiven Antrag, dic jüdische Volksschule zu erhalten? Schon die Beachrung dieses Gesichtspunkres, der ihm telbst nicht gleichgültig ist. hätte ihn zu einem warmen Befiirworter der Ertwltung der jüdischen Volksschule machen müssen. Statt denen schlägt er eine Be stimmung vor. daß der Schulverdand verptlickssel I»,n Ing kür Nsn jüdischen R e! i g i o n s »ntkiricht, >in,n Sckulr.ru1n, nebst Heizung und Beleuchtung, kostenfrei bereit zu stellen. Tamit ist gar nichts getan. Ueberhaup: ist die 24 Seiten umfassende Denk schrifl des Verbandes mit ihrem ganzen Aufwand an fleißigster Arbeit dadurch, das; sie an der Rot- Wendigkeit der jüdischen Volksschule wortlos vorübergeht und eine heimliche Sehnsucht »ach der Simultanschule venät. neben der für den jüdifchen Religionsunterricht Sorge getragen wird, völlig wertlos gemacht. Dadurch, das; man den Ton aus die Rarität legt, wird man die maßgebenden Stellen nicht zur Gleichtteilung der jüdischen Volksschulen mit denen der christlichen veranlassen können. Jür jene Stellen wird die Erwägung massgebend sein, das; der Grundtatz der Gleichberechtiguna nur bei gleichen Wiesbadener Plauderei. "... ״״!:VW. r?o7r»Ci׳onbent«»z. As icsdade », ■V Aamiar. tl'fv f'uli das Wtesdade» der ׳echziger Satire des tongen Jahrlmnberts >» Erinnerung ruft und die heutige Bader stadi in Vergleich mit idm zieht, der wird sich eines titucit Vad'dn*!»gleich aber audi eines t^eiubL# der Bewundern»., und des Liaunens n-.cht erwebrcn können. Tainals ein Lladlchc» von »och man zwanzigtauiend Einwohner», kleinlich, »ndedeulcnd >» ieuiei» Gehaben und Vertebr, einstöckige Hänschen, schlechlgepstasterte Gässchen und l>rutc!׳ ,ine der eleganteste» Weltstädte des Hontuicnts mir ausgedchntem Verkehr, dreire» Boulevards und doch ins Gebirge!ich ausdebnenden unabsehbare» Villenvierteln Auch ,»diicher Beziebung und die Jortsckiriüc gott tob crireutich. Tantals einige wenige Männer, bcc dem überlieferte» Judemuine ircu geblieben, und die eine» aus üchisio» scheinende» Hampf gegen die Reforwgenieinde und deren geistliche Aniokralrn südrirn. und dcuie eine aroste, kraill., bindende .altcsraelitifche Hullusgemeinde". deren;iet bewusste! Andrer und Gründer es verstand, seine Mebita auf l>« Hohe iudiicher Laie und Lanuna zu lenen I" »"׳ein Punkte indes! in di« ehemalige Residenz der Herwo.e von -R'af'au sich gleich .,»blieben, und da» >it der Bedürfnissen eine gleiche Versorgung erfordert. Ist über, so wird man sich sagen. w«e ja di, Denkschrift des Verbandes zeigt, die jüdische Volksschule an sich kein Bedürfnis, so kann auch nicht aus reih pari« tä tischen Grün de n die Erhaltung derselben zugcstanden werden. Sonach ist die Art, wie der Verband der deutschen Juden zu dem Gesetzentwurf :Stellung nimmt, für uns außerordentlich bedenklich. Sein Beistand envrist sich, nüchtern betrachtet, als ein Danaergeschenk. Es verhält sich damit ähnlich wie mit seiner Petition an den Handelsminister, worin er für das Schächten eintritt, weil das Verbot dessell>«n für die religiösen Juden einen Gewissenszwang bedcutev würde. Der Standpunkt, von dem aus der Verband der deutschen Juden für die Interessen des Judentums eintritt, ist Unglückseligerweise immer so gewählt, daß seine Tätigkeit gerade das Gegenteil des Gewollten zu erreichen ge eignet ist. Dir leitenden Kreise des Verbandes Itehen eben mit dem wahren jüdischen Leben in keinerlei innerem Zusammenhang und entbehren jeglichen Verstandnisses für dessen geiskigcs Wohl und Wehe. Wir haben deshalb immer wieder die Pflicht, darauf hinzirioeiskii. daß jedenfalls das gesehestreue Judkntimi den Verband nicht als seine!Sett r e t 11 n g a n e r k en n e n kann, noch anerkennt. Durch die offene Betonung dieser Tatsache wird freilich der Schaden, den der Verband mit seiner Denkschrift angerichtet, nicht ganz weltge-!nacht. Es ist und bleibt tief bedauerlich, daß der Verband der deutschen Juden dem gesetzestreuen Judentum bei der Verteidigung der jüdischen Volksschule durch die im Prinzip entgegengesetzte Tenden; seiner Kundgebung gleichsam in den Arm fällt. Umsoinebr iehcn wir uns veranlaßt, die Leiter der Gemeinden, an eie der Verbünd der deuischen Juden sein׳ Eingabe mit der Aufforderung gesendet hat, ihr Einverständnis damit zn erklären, ein dringlich zu mahnen, daß, falls sie wirklich ihre jüdischen Volksschulen erhalten wissen wollen, sie die ihnen vom Verbände vorgeschlagene Erklär u n g nicht unterzeichnen dürs e n. W׳r buben nachgewiesen, daß sic damit der Verwirklichung ihres Wunsches selbst die größten Hindernisse i» den Weg legen würden. Wir brauchen wohl nicht zu versichern, daß uns in einem Augenblick, da so Großes auf dem Spiel steht, ein Kampf nach dieser Seite keine Jreude bereitet. Wir hätten es herzlich vearüßt, de» Verbünd der deutschen Juden in dcr Scb.ulsraae denselben Weg einschlagen z» seh->n. den w i r als den rechten erkennen. Wir haben ׳alle Achtung vor den Bemühungen des Verbandes um die öffentliche Stellung der jüdischen Bevölkerung. Aber wir köiriien, wie die Dinge liegen, nicht umbin bedauernd zu sagen, daß er auf einem von dem unseren prinzipiell verschiedenen Standpunkt siebt, und angesichts der Gefahr, die wir in der Vertretung dieses Standpunktes des Perbandes für die von un? verfochtene Sache erblicten, auch vor aller Leffentlichkrit nachdrüctlickft auf diese Sachlage hinzuweisrn. Zeigen wir unsererseits, daß es uns nicht um ein Aeußrrlrches, nicht um die Gleichberechtigung, die von anderer Seite in den Vordergrund gestellt wird. Z» tun ist, sondern um die Bewahrung einer für uns als gesetzestreue Juden höchste Bedeutung beanspruchende Institution, um die Erhaltung und?Fortentwickelung der den anderen Bekenntnissen teueren konfessionellen Schule auch für uns: dann, so hoffen wir zuversichtlich, wird unser Ruf um Unterstützung und wohlwollende Behandlung unserer Wünsche nicht nngehört verhallen. Jede jüdische Gemeinde in Preußen hat die Pflicht, im Anschluß an die Tätigkeit der gesetzestreuen Vereinigungen sich mit Landtagsabgeordneten und anderen geeigneten Persönlichkeiten in Verbindung zu sehen, ihnen unsere Anschauungen und unsere Ptünsche vorzutragen und alles zu tun. um sie zum Eintreten für die Erhaltung der jüdischen Volksschule zu veranlassen. W Soll man sie preisen oder beklagen, die be :nertensw-rte T itsache, daß auf dem großen Weltkheoter feine Szene nnd kein Zwischenspiel über die Bretter gel^n kann, mit dem nicht jüdische Interessen innig verknüpft sind? Mit tausend Jaden ist unser Wohl und Wehe in das geschichfliche Gescheben ein gewebr, das sich vor unteren Augen vielseitiger und rascher als je zuvor abrollt, und wachen Blickes muß der denkende Jude olle Geschehnisse seine- Gegenwart verfolgen und geistig verarbeiten. Gestern sind unter dem lachenden Himmel Spaniens die Delegierten der Ma r o k k o - K o n f e r e n z in Algecieras zu sammengetreten, um die Grundlagen für eine politische und wirtschaftliche Wcitercntwickelung Morottos;!! schaffen. Hundesifjinsziatausend jürische Seelen atmen die dumpfe Luft der marok tanischen Ghettos noch heute, wie im finsteren Mittelalter, sind sie. trobdem viele auf kommerziellem Gebiete eine gewisse Rolle spielen, selbst in ihrer Kleidung den schmählichsten Demütigungen unterworsen. Schon im Jahre 1K80 hat die dauialige internationale Marokko-Konserenz die Gleichstellung der Nichtmohcimmedaner!.Katholiken und Juden» ge׳ internationale t'baraftcv ihrer Galle, Wie verblenvet und kurzsichtig die Menschen oil sind, wie ne bäung bas lautere »Vlb achtlos liege» lassen, um wertlosen Liaub zu liegen und zu bewahren, das zeigl sich erst an den Hohen punkten der oHübicbt«. Hlagt doch schon der Prophet in Bezug aut die Geieizesübertreter, dass üe den Quell lautere» Wassers verlasse» »in die unsaubre Aniainmlung Mangel- Km veipichter -;»'lernen zn geniesten. Auch die Wiesbadener haben ihre ״Maine Kssei'chnho", ihre Heilguellc» »ich! ge nügaid zu würdige» gewusst uiid glaubten ihr Wltttf in einer 7p>e"-״׳t inchen >״ ״liisseu die zwar ei» internationales, aber nteill sehr zweuethaites Publitnm von Abenteurern nnb Hochstaplern herbeitockte, Tie Lchliessnng der Lpiel holle, in oeren Parkanlagen die Reichen der Lelbllinördcr!eine all,» reltene Erscheinung gewesen, liest dir Ltadi lieh erst aus sich selbst beünnen und z» der Erkenntnis gelangen, ein wie unendlich wei wolle!!! Lchay ihr in ihren heilwirkende!! Therme» von einer gütigen Vorsehung geschenkt wurde, als es der künstlich geichassene gewesen, von dein ne alles Wohl er wanetk »I,d der nur itnglüel und Laster schuf, Temgemäss ill das internationalc Publikum auch heute ein ganz anderes. Ein ruinscher Jude war »nt die!",'tue des vorigen Jahr Hunderts in Wiesdadc» eine seltene Erscheinung. Hain ein mal ein berühmter Rabbiner, ein grosser Fabrikant aus dem Vordon»». io erzählte man sich» in allen Vachdarstadcen. ״Wissels 3ke schon, Rabbi «chmajo Jucksrman» aus Mobilem, Rabbt Lchmnl Mohitewer aus H owno, Rabbi Israel Brodskn au» Htm׳ sind in Wiesbaden, und »tan beeilte nch, die de rühmten Rtanner auszu'uchen nnd ihnen alle Ehren zn er wessen. Heute in der russische Jude in Wiesbaden keine Seltenheit mehr. >a man konnte nachgerade von einer russisch jüdische» .Invasionsprechen, Ueberall hört man die be kannten russisch jüdischen Laute, Tic ersten -Rainen sind vertreten: Lurte. Laizew, Weinstein. Gunzburg. Tulfchinslv, Eppstein >c, sind einige von denen, mit welchen wir zufällig vetannt wurden und i» deren avenditcheu Eerele wie zu verkehren Gelegenheit hatten,;Natürlich dreht sich auch hier das Hauplgefprach um die ״Pogrome", »nd diejenigen, die sie schaudernd miterlehte», lülneit das Wort, Eine vor nehme indische Tante ans Hirn׳ flüchtete während des Po groms nach Warschau, 3ie verrat in ihrem Aeusteren in keiner Wesse die Jüdin, sehr gross und schlank, hellblond, blauäugig und mit griechischem Pronl, konnte sie ihre Ab llamnuing in der Jrenide leidst verbergen. Aber in Hiew ist ne mir atlzuvelannt und io musste sie hei!Rächt und -R'ebel mit Htnbern, tüouvernaute» nnd zutammengerassten Wertsacheu fort. Sie weist ihre Eriebmsse sehr anschaulich z» schildern. J-ür drei Rudel tarnte sie sich einen Polizisten, der mit blanker W isse ihr de» Weg zur Bah» ebnete. Tem Pserde eines Hoiaken griss!!r c!!!!!׳.a! in die stügel und stellte dessen Reiter zur Rede- ,.Seid ihr denn tatsächlich solche wilde Gefeiie,,. solche Bestien, dass Ihr mir Lust am -"!orden habt " -י .;Rein, Madame", war die Antwort, das ist durchaus »iibt der JaU, Auch ich habe etn menschliches Herz in der Brust, Ich habe ein Weib und fünf Hindercheu zu Haufe. Wenn aber ein Mensch feil drei Tagen nichts gegessen hat und nur immer «cknaps und Schnaps bekommt, dann weist er zuletzt nicht mehr, was er tut. nnd wir schiesten draus los, nur um zu einem Ende zu kommen. Alles andere »t uns egal." — Ein Herr erzählt 1 Er säst in Hiew in seinem Bureau und arbeitete, Ta erscheint ein Hotigan mit einer gedruckten Liste, aus der ersichtlich war, dass er mit 800 Rudeln Hon- Intuition eiiigeschätzt war. Er geht biuunter, um mtt den ״Herren" zu verhandeln, Viellctcht gebt es etwa? billiger, ״Wir bedauer t sehr" war die Antwort, ״wir haben teste Presse", Bemerkenswert ist das klassische Rufsisch, in dem die Unterhaltung gerührt wird: überhaupt könnte man an diefen echt indischen Eharakteren Betrachtungen über den Wert der Dissimilation anitellen, Ader davon «in andermal.