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Der Israelit · 1906-01-11 · 2 (11.1.1906) · p. Seite 16

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
2 (11.1.1906)
Date
1906-01-11
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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Rr. 2. 2nte 1 יי. Ter Israelit 11. Januar 1H»k;. wozu sind wir noch? Welche Berechtigung dürfen wir für unsere Existenz geltend machen?" Gemach. Herr Friedländer! Würde das Judentum in der Zeit feiner langen Leidensgeschichte nur der Träger und Wächter des reinen, ungetrübten Monotheismus gewesen sein, so wäre auch das eine Leistung, die uns die Existenzberechtigung sichern würde. Aber das Judentum hat bei allen religiösen Beivegungen auch aktiv mitgewirkt. Heinrich Heine, der trotz seiner Taufe mehr Verständnis für das Judentum und auch ein viel tieferes und weiteres Verständnis für die Geschickte zeigt, als Herr Friedländer, erblidt z. B. das wesentlichste Moment der Reformation in der Zurückdrängung des indisch gnostiscken und dem Hervortreten des judäisch deistischen Elements im t5hristentum, und er sagt*»: ״Man besaß zwar die Vulgata, die man verstand, sowie auch die Septua ginta, die man schon verstehen konnte. Aber die « enntnis des Hebräischen >var in der christlichen Welt ganz erloschen. Rur die Juden, die sich hie und da in einem Winkel dieser Welt verborgen hielten, bewahrten noch die Traditionen dieser Sprache. Wie ein Gespenst, das einen Schatz bewacht, der ihm einst im Leben anvertraut worden, io saß dieses gemordete Volk, dieses Voltgespenst, in seinen dunklen Ghettos und bewahrte dort die hebräische Bibel: und in diese verrufenen 3cf>lupflointrl sah man die deutschen Gelehrten heimlich kinabsteigen, um den Schatz zu heben, um die Kenntnis der bebräischen Sprache zu erwarten." Und wenn Fried länder emphatisch ausruft: ״Wenn wir nickt bester, wenn unsere Religion nicht die zwingende Macht Hai. uns edler, ethischer, selbstloser zu macken .... wo ist die Berechtigung für unseren Fortbestand . . so möge er einmal die Qpsersreudigieit. die sich in jüdischen .'treifen knndgibt, wenn irgendwoher d׳e Runde menschlichen Glends zu ihnen gelangt, mit den .tiommentaren vergleichen, welche deutsche Pastoren blärter zu den Metzeleien in Rußland schrieben: vielleickt wird er dann sein Urteil über die veredelnde Wirkung der Religionen etwas revidieren. Das Renegatentum Jriedländers, das uw. so vC 1 uu*u 1 icifvr cr*ctKin*, r* Wissemckanlickkeii bullt, wird dem Judentume eben ioivenig schaden, wie die Angriffe der miltelalterlich:n Apostaten. Aber es in notwendig, das System dieser?ln von Wissenschaft einmal etwas gründlicher zu beleuchten: darum, nickt etwa wegen der Bedeutung des Jriedländrr'schen Werkes, haben wir ihm eine eingedende Widerlegung zu teil werden lasten. Rickt recht begreiflich aber erscheint es, wenn von Seiten des Resormjudentums Friedländer so schart bekämpft wild, wie es Herr Dr. Ziegler Karlsbad in der ״Allgemeine» Zeitung des Judentums" tut. Tenn genau genommen, ist er Fleisch von ihrem Fleische, und das bciveist auch trotz aller Polemik der Schluß der Ziegler'schen Ausführungen. Ziegler weist die Unrtchngkei! vieler izrikvlänvkr'scher Be- Häuptlingen überzeugend nach. Tie Zahl der palästinenssschen Anunomisten war durchaus nickt so überwältigend groß, wie Friedländer cs darstellt. Ter Begründer des Gbristentums war kein Gesetzesseind: es heißt, die geschichtlichen Tat sacken aut den.stopf stellen, wenn man die Propheten als anrinarional und ihren Menias als univcrfalistltch bezeichnet: es 1», wie er stigt, emtach ein Verbrechen, so zu schreioen, als ob die Pharisäer von der Sitrenlcbre überhaupt nichts wißen wollten: die religiösen Walle und Zäune waren das einzige wirk same Mittel gegen die hellenistische Zuchtlosigkeit: und die jüdisch griechiscixu Schriststcller, die Fried länder als Anlinomistcn hinslcllt. waren zum über iviegenden Teil gesetzestreue Juden. Zum Schlüße ader schreibt er: ״Herr Friedländer täuschte sich nickt. Ich bin deshalb meinen Prinzipien und Idealen nickt untreu geworden. Ader unser dickleibiges Gesetzbuch leichter macken, die Bürde des Gesetzes adnehmen, die Jestein löten, das ist noch lange nickt jene radikale Gut Nationalisierung, wie sie Friedländer vorschreidt. Auch dir w i r d d e r e i n st kommen, aber ick möchte als treuer, ehrlicher Bewunderer dem Meist«» zuruten. ״Ich besckwöre euch, ihr Töchter Jerusalems, erirecket nickt die Liebe, bis sie selber Verlangen trägt!" 11 Krlbbfl'iMmn >r f >tm:»te der und:.- ' . . .ה;יי.ז!!Iss׳ I T״ - - 4* r Also die Entnationalisierung wird kommen; sie ist das letzte Ziel auch nach Herrn Dr. Ziegler. Worin besteht aber dann der Unterschied zwischen ihn, und Friedländei? Doch lediglich in dem Tempo der Ent- Wicklung: prinzipiell stehen sie auf demselben Standpunkte. Und wenn nun Herr Friedländer ein lebhafteres Temperament besitzt und die Entwicklung beschleunigen möchte, kann Herr Ziegler es ihm verdenken? Das ist eben der Fluch des Rcformjuden tums. Seit Jahrzehnten arbeitet es auf die ״Ent- Nationalisierung" und Assimilation hin; seine Wortführer haben diesem Ideal zuliebe die ״Bürde des Gesetzes" mehr und mehr erleichtert, haben die Erinnerung an Zion und Jerusalem auszumerzen ver sucht, haben durch die Untergrabung des Ansehens der alten Autoritäten den Boden unterwühlt, in dem das Judentum wurzelt. Jetzt, da ihnen in den Friedländer'schen Tendenzen deutlich die Richtung gezeigt wird, nach der ihre Wege führen, erschrecken sie selber davor. In den Ziegler'schen Ausführungen zeigt sich der klaffende Widerspruch, der die ganze Anschauung des Resormjudentums durchzieht: Erhaltung des Judentums auf der einen, Entnationalisierung und Aushebung des «Gesetzes auf der anderen Seite. Gar viele Anhänger der Reform sind sich dieses Wider spruches gar nicht bewußt. Sollte das Friedländcr'sche Werk den einen oder anderen darüber ausklären, dann würde sich der Verfasser, wenn auch wider leinen Willen, nach dieser Richtung wenigstens ein Verdienst erivorben haben. l Dik Memoiren eine; Uleltwandcrcrs. (Tic meiner Unmme. Memoiren von -! r mi n i u ■? '■!> a m b e v n in zwei Banden Unwin's Verlag, 1 '.,iiirfibrucf verdoken «Schluß.» lieber die Rene ׳elbst ickrcibl er in dickem Werk weniger, nur was besonders rurioulichcii Charakters ist, wie sei iw allmähliche llmwaiidluiig aus dem Siambiiler Esten:i in den Bcncldeiwikch wird hier ge'ckildcrt. die physikchen, ethischen und soziale» Eim stuste zu bezeichnen, denen der Vei'aster unter־ worien war. Tic unsäglichen Strapazen. die beschwerliche» Rille, die noch bcichiverlichercn Märsche im glühenden Wustemand mit dem lahmen Beine, bei ausdoirciider Hitze toft zeigte der Thermomelei st'» 7.2״ R.)> ohne 341111« in den kalten Rächten, nagender Hunger, brennender Turn, Ungeziefer, das Mißlraucn der Mitrciscndeil und Eingcboriicn. die stete Lebensgeiahr, in der er dadurch schwebte und die ihm den so »öligen Schlaf raubte, zu schildern, ist hier nicht möglich. In feinen spälercn Jahren sagte der Verfasser selbst: Und iiiin am Abend meines Lebens entschivuiidcn die Glu! des Enthusiasmus, Mopf »nd Herz fast bis z!!!n lststriervuntt abaekiililt - wenn ich jetzt ans die wilde Toiheit meiner Jugend zurückblicke, kann ich nur die ganze Angelegenheit als durchaus nnveramwörtlich und jeden gesunden McnschcnveistandcS bar verurteilen." Rackdcm er den Gciahrcii bei dem gransaiiicu Emir von Bokhara ciilkommen war, feine Rei'cgcsähricii ihn einem Pilgerzug, der »ach Mekka ging, überwiese» hauen, trat er lcichlcrci! Herzens die Rück! eile »ach Europa a». Mn immer wachsender Freude und 1111־ geduld nähert er sich dem 'Westen. In der Türkei, wo mail ihn tot geglaubt baue, freudig cinpsailgen, batte er keine Ruhe mehr, cs trieb ihn mit unsäglicher Hast nach Europa, in die Heimat. Gerührt betrat er den heimischen Boden - - doch ihm wurde mir kühler Emp'ang. Tic schwersten .«äiiipse sind überwuildcil! Zwar sieht der Verfasser mluclos in der Heimat, aber sei» geistiger Rcichtlim, seine maiinigtachcil Meuntiüffe, feine literarische Gewandtheit bahnen ihm den Weg. Durch Vcrmilllnng des «aiscrs Franz Josef erhielt er in Pest eine Professur (Crkntalic), allerdings gegen den Wnilich des Rektors und der übrigen Professoren der Univcrsilät, denen der Jude mißliebig war, die weder dessen «cuimmu־, noch feine Gesinnung anerkennen wollten. Doch gleilel 'ein Lebensschist in ruhigere Bahnen, und die Aiierkcnniiiig, die ihm in der Heimat lange versagt blieb, fand er in reichlichem Maße im Auslande, besonders in England. Tcr zweiic Band bandelt auch zuineisl von diesen Reise», feinem Aufenthalt in London, seinen Vorlesnnge:׳. in verschiedene!׳. Städten Englands, seinen Reden in Meetings, feinem Verkehr in den höchsten .«reisen, in den feinften «lubs, seinen Besuchen in Sandringham beim früheren Prinz:» von Wales,"» seiner Einladung der «önigin Viktoria »ach Windsor Eastle, von seinem politischen Wirken in England als steter Warner gegen inssische Uebergriße in Zentral- Asien. Zurückgreiscnd berichtet er von höchst interessanten Unterreduilgen mit dem Sultan Abdul Hamid nnd mit Rahsredin Schah nnd Mozaßaredin Schah von Persien. Das Eiidkavitel, ״des «ampses Ende und doch kein Ende" giebt seine Aiisichicil über Religion, Raliona.itäl und Gesellschaft und schließt mit einem Rückblick. Sein geistiges Auge sieht ׳ich als armen, verspaltete», hungernden, frierenden Jungen, der, sich aut die «rücke stützend, nach der jüdischen Schule eilt, die klanimeii Finger an den heißen «arloffeln wärmend, die er zum Frühstück in der Tasche Hai. Wieder sich! er sich au fürstlichen Höfen mit Würden und Ehren übeihäuft. Roch einmal durchlebt er die Gefahren beim Emir von Bokhaua und das grauenhafie Bild des turkmenischen Sklavenhändlers tiiit vor seine Seele. Befreit atmet er auf, und er schließt: ״'Roch >kl mein Auge nnge'chwächt, mein Gedächtnis klar, und gerade wie in verflossenen Jahren steigen zwei Welten vor mir mit, mit all ihren verschicdcnell Ländern, Völkern, Städten, um ihrer Moral, ihren Sillen. Ter Biene gleich, die von Blume zu Blume stiegt, wandern meine Gedanken von Europa nach Asien und wieder zniiick: überall kühle ich »!ich zu Hause: bekannte Züge lächeln mir allcrscus ein Willkommen entgegen, Völker aller Auen sprechen um mir in ihrer ultersprache. ״So die ganze Well zu umfaffen, das Auge an ihren verschiedensten Secnerien ergötzen, ist in der Tai ein Hochgenuß, dein Wanderer allein anfgespatt: denn aller Genüsse größter und edelster ist doch das Reisen. «?1 ״lind so habe ich kein Recht, über mein L s zu klagen. War mein Leben auch hart, sein Lohn war ein reicher. lind jetzt am Ende desselben kann ich vollauf befriedig! sein vom Erfolg meiner .stampfe." Tie religiösen Erknrse sind die unerauicklichsle Seile des Buches, weil sie die ganze Selbstgefälligkeit des Tiloltaiiten verrotem oh>,.> üum bisrct) kieben-?-- würdige Raivilä! zu erfreuen. Vambery sagt im ersten Bande von sich: ״Besonders durch die Hast, den Eifer, vorwäits zu kommen, habe ich bei meinen späteren Studien immer ein breites Feld d e r? a l der größeren Tiefe vorgczogen und war mehr auf Erweiterung als Vcrinncrlichniig bedacht." lind diesen Vorwurf, an der Qberstäche geblieben zu sein, können wir seinen Betrachlunge» über Religion nicht ersparen. Richi nach inneren ״Mampfen" war er selbst den Trad!!!o׳:en seiner Väler uiumi geworden, schon frühe warf er die lästigen Fesseln ab, die dem unrnhigen Waiideismann unerträgliches .Hindernis düuklen. - In reiferen Jahre» nennt er!ich einen ״Freigeist". Freigeist! Ist das auch immer ein freier Geist'?! Ter die Bande, die ihn beenge», bricht, ist der auch immer geistig sie!?! «eine Achliiug ist Vamben, ansgegangen von der Würde und Höhe eines jüdischen Lebens,!einen Widerklang fanden die heiligen Wahrheilen, ohne Reiz waren >ic seinem Gemme. Ten Reichtum, der in der Ticte ruht, zu erforschen, ließ ihm kein vielfach dewegtes Leben keine Muße. Tie Anklänge, die er im fernen Ciic» fand, blieben ihm «nriosum, Wissenschail. Religion war ihm das geirngc oder seelische Gewand, das die Menschen von einander unierscheidet, nicht die Quintessenz des Daseins, Lebensprinzip. Vainbern ist gerade in 'einer Stellung;!! den religiösen Probleme» ein Typus, dem »vir im modernen Leben häufiger begegnen und der am besten durch den bekannten Dialog charakteriiicrt wird: ״Sic leugnen die Möglichkeit einer wirkenden Gotihcil — haben Sie je in ernster, stiller Prüfung Revue passieren lassen, was die Großen Ihres Volkes, die Großien aller Zeilen darüber gedacht?" ״Rein, aber ich habe «onslant novel gesehen und von Rew-Pork bis San Franzisko die neue Well dnrchaueri."-— *1 Zu Ehre» der «onigin Pikioria wurde eines abends in Landringham ein Walabnu'v gegeben. Ich (io ichreibl V > feilte Prinzessin Lonne zu Tiich iüliren. Ter Prinz v- Wales, jeyiger «o»ig Eduard VII. üderdlickle die ver iaininclle» Gaue, »alierie nch mir nnd sagte: ״Vauibsrv. warm» zogen Lie keine L rken an?״ «Gerade war ich im Be grist. mich zu entschuldigen, als Prinzessin Lonstc ,jeizige Herzogin von Fite, denierkle: ..Ei Papa, Professor Paiii ddrv teilte eiiuge ieuiei Bumer au feine» Rock getieilel baden. >ie weilen d>e geeigneine Tekoraiion ״

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