Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 2 (11.1.1906)
- Date
- 1906-01-11
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2446951-9543451-9886648--0035-7374551- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
L«U« 'ו Nr י il. parnuu H*n;._ gcde» Wir zweifeln nicht, dun uniere geieyeslreuen Bruder viele Veröffentlichung derucküchiigeii und die vKlegenkeil de »uyen werde», sich אסריגים כ'2־־-ם f» t׳erjcha׳sen und gleich zeitig die Intereste» der 1üd Bewvkner des bl. Bundes zu fordern. Wir habe» »1 Jaffa et» Bureau eronnel, das dereuwillig!«gliche Anskunn erleill. Bill Hochachtung und Zionsgruf; ' T!e Bi 1 lgIieder de r \יי e i<c11 idt!ז i t. Adresse: "'׳esellschai'l Pri Ez Hadar in der ofterreich Po» in ^affa." Wir veröffentlichen dieses Rundschreiben, um den Interessenten Gelegenheit zu» Aeufzerung über die darin behaupteten Tatsachen zu geben. :)iusilanv. K 1 e w 2. Jan. Einer unserer Mitarbeiter berichtet: Um einer Dchändung der 3ifre Thora vor zubeugen. bildete sich in Kiew eine aus 9׳׳ jiidischen jungen Leuten zusammengesetzte Wache, worunter sich auch ein 2S Iahcc aller Tajan, ein hochgeschätzter Gaon befand. Die 3ifre Thora wurden nach einen: entlegenen Veth Hamidrasch iibecsührt, welches aber ebenfalls nicht verschont blieb. 4" Mitglieder der Wache starben im Kampf der Verteidigung der Disr- Thora, die inan dann zerrissen a»f׳and und den Märtyrern mit ins Grab gab. — Der Denator Turau, der die Untersagung über die Tätigkeit der Behörden während der Juden krawalle führte, hat den Polizeimeister Zichot-kn uno drei Polizeiosfiziere wegen Untätigkeit in den Anklagezustant versetzt. Auch die schuldigen Militär behörden sollen bestraft werden. Das Verhallen des Dtadthauptmanns Kleigel, der die Polizeisunktiown den Militärbehörden übergeben hatte und deshalb entlassen wurde, soll ausserdem auch noch gerichtliche Ahndung finden. £ c ft c r r t i d): II« ß a r :1 Okslkrrklchlschc ^iturttiüiiöütlöpr. <Bou unserem slorreivoiideiiieul. Wien, ril. Dezember. 3dt ivenigen Wochen verspün man in der trägen stagnierenden Masse des österreichischen Judentums etwas Leben. Jüdische fragen stehen auf einmal auf der Tagesordnung und wer als Uneingeweihter beobachten würde, wie die Gemüter bis zur Diedehihe sich dabei erwärmen, der wäre zu glauben versucht: Da haben wir die reinsien Vrachteremplare von Juden vor uns. Und dock N'äre es rin Irrtum zu meinen, dass es sich um ein Wiedcrerwachen des allen jüdischen Geistes handle. Nicht ein plötzlich wieder geborenes Interesse an den ewigen Gütern des jüdischen Volles iss di? Ursache der geschilderten Erscheinung. Die Zaubern:?«׳. die auf einen Dchlag die Dinge in unsrer Mitte in eine?׳ solch jähen Wandel gebracht hat sic heisst Wahl recht! Ich bin der festen Ueberzeugung. dass wir hier vor einer Dnuation stehe», die nicht bloss fiit die heimische Iudenheit von der grössten Tragweite, son dern für die Juden in aller Herren Länder lehr reich und interessant ist, lehrreich, denn noch nie traten die Iolgen einer verkehrten jüdischen Voliiik so handgreiflich in die Erscheinung, und interessant zugleich, denn sie belveisen, dass über Rächt Wendungen eintreten können, die es unmög-!ich machen, sich den Iolgen einer verkehrten Politik zu entziehen, daru!:: verdienen diese Ereignisse eine eingehende Darlegung. $!! diesem Zwecke muss ich etwas weiter ausholen und zunächst die eigenartige Lage des österreichischen Judentums zu schildern versuchen, die ihrerseits aber erst im Zusammenhänge mit den allgemeinen politischen und sozialen Ver hältnisse verstanden werden kann. Destel reich will als ein Kultiirstaat gelten, ob mit Recht, bleibe zunächst einmal dahingestellt. Unter allen Ländern der Welt, die zu einem Vergleich etwa herangezogen werden könnten, gibt es keine Gegensätze von so scharfer Zuspitzung als Amerika und Oesterreich. Wollt? einer den Versuch machen, die einzelnen Länder nach kulturellem Gesichtspunkte auf der Erdk'igel zu verteilen, dann müsste Oesterreich und Amerika genau auf entgegengesetzte Pole zu liegen kommen. Ohne Würdigung diestc Tatsache, kennen _I er ,Israeli!_ tie öjterrc.chischen Zustände im allegemeinen nie richtig erkannt und in ihrer Rückivirkung auf dre rigenariige Verfassung des Judentums hier zu Lande begristen ivcrden. Obwohl Oestet :ich älter ist als irgend ein -tagt Mitteleuropas, gibt es für es bis auf den heutigen Tag keine andere und. was da, Ve denklichstc iss, keine tressendere Umschreibung, als ״die im Reichrrake vertretenen Königreiche und Länder." Das ist eben der wunde Punkt. Amerika neist gewiss eine noch bnnlere Zusammensetzung aus den ver schredcnartigsien Vcvölkcrungselemcnten aus, nichts destoweniger hat dort eine überlegene Dtaatskunsi es ׳.׳crjiondeu, einen einheitlichen Zug in diese Wirrnis hii'.cinzubringen, einen t>estimmte11 amerikanischen Typus herauszuarbeiien. Wie könnte es auch im Zeitalter des Verkehres, in dem wir nun einmal leben, anders sein? Wie könnten solche Erfolge aus b'erben in einer Zeit, wo der Dlaat sich nicht wehr wie früher auf die primitivsten Funktionen beschränkt, Leben und Eigentum seiner Angehörigen in Dchntz zu nehmen sondern mit seinem weitläufigen Apparat lultureller und sozialer Einrichtungen tief in das Ge viet der berufliche», gesellschaftlichen Betätigung. ja bis mitten hinein in das innere Iamilienleben ein greift. Auch europäische Staaten, ivie beispielsiveise die Dchwei;, weisen bei aller bunter Mannigfaltig keil in de׳ Bevölkerung infolge dieser Ilmstände einen einheitlichen Zug in ihrem Eharaktcr aus, obwohl sich dort das Leben nicht in jener rasenden Hast »׳׳> in Amerika bewegt. Oesterreich hat bis auf den tintigen Tag es noch immer nicht dazu gebracht. Jedes Land stellt ein Gebilde eigener Art dar, daher komm? es auch, dass man von einem österreichischen Juden tum, als einem einheitlichen Ganzen, nicht reden kann, es müssen vielmehr die einzelnen Länder der Reihe nach in Betracht gezogen lverdcn. Die Markgraf schasl Mähren dürste sich nach aussen bin bis aus den heutigen Tag am meisten eines gewissen Rufes er freuen. Hier finden sich die Gemeinden Eibenschütz, aus der ein Mann von der ilaunenerregendtn Gelehr samleit eines R. Ionatan Eibenschiitz bervorgeaangen, Kor'ovitz, l^rübmt durch den ״1 ־. ־;י,־: und dessen 20f<n R. Wolk Boskowitz. Holleschau. als Rabbinatsätz des R. Dibbatai Eoben, Verfasser des ־r. Ri kolsburg, bis auf die Milte des vorigen Iahrhun derts Ditz der grössten Leuchten Israels, unter denen hier nur erwähnt werden mögen Rabbi Dchmelie Horvitz, Bruder des ־s־c־ s. Zt. Rabbiner in Irank surr a. M., R. Mordechai Bane» und zuletzt R. D. R. Hirsch, mit dem eigentlich der Glanz de, mährischen Landesrabbinats erlosch. Als bemerkens wert erscheinen fernerhin die Gemeinde Triesch, als Ditz des Rabbi Elieser Dchemcn Rvkeach und Dtrapnih, ivoselbst R. Moses Doser. der später wellte rühmte Oberrabbiner zu Press bürg, in seinen iunaen Jahren den Rabbinatsstulu zierte, und Leipnik, Ditz des scharsssnnigen und dem Ehassidismns >>7׳e wendeten R. Varnch Iränkel. Die Gemeinde Dtrassnid ist dem mäbriichen Landesrabbinate zugeiEIt. Daher tam es auch, dass R. Misses Dohr vor liebe׳- nähme seines Postens in einer besonderen Prüfung vor dem damaligen Landesrabbinet, dem bereits er wähnten R. Mordechtti Banet, sich über s-ine Vs sähigung ausweisen musste. Der Wortlaut des au׳ tstrund der voraenommenen Prüfung ausgestellten Zeugnisses wird in der Viograpbie des Rabbi Moses Doser mirgeteilt. Das mag wohl eine Dzene vsn ganz eigenartigem Reize getvrsen sein, als z'vci solcher Geistesheroen sich in der Rolle von Eraminatcr und Eraminand einander gegenüber standen. Ihr Wiederschein ist an dem Inhalt des erwähnten Zeug nisses noch zn erkennen. Der sonst so veinlich vor sichtige, jedes Wort auf der Goldwage abwägende R. Mordechai Benet droht da fast über die Dtränge zu schlagen, so tveit lässt er sich von dem Ileberschwang seiner Gefühle fortreissen. Wer jedoch mit den Er Wartungen, die solche Bilder erwecken, die heutigen Gemeinden Mährens betrachten wollte. — welcbe Er- Nüchterung müsste ihm da widerfahren. Zunächst hat hier der unerbittliche Gang der Zeit einen vollständigen Wandel in dem äusseren Bild« 'ver öhnieinden herbeiaesührt. Tie ehedem gegen 2 1<0י>י jüdische Deelen zählenden Gemeinden sind heute aus den *1.—10. Teil ihrer Bevölkerung zusammen-,? schriimvsi. Tie grossen, meist von einer gähneiidrn Leere starrenden Dhnogogen machen den Eindruck, wie die Kleider eines dicken baierischen Bierbrauers aus beiii Leibe eines abgezehrten hageren Dchneiders oder Leinenwebers. Dafür aber sind in anderen Dtädtrn. in welchen bis znm Jahre 4^ gar keine, oder doch nur wenige Juden wohnten — den sogenantcn r׳rpc rc*־u des Volksmundrs — stattliche Ge mein den herangewachscn. Obenan steht Brünn, gegenwärtig etwa ’-»<nא> jüdisch« Deelen zählend, dann folgen Mähr. Ostrau. Olmütz, Iglau, Prossnitz. Ung. Hradisch, Znaim. Die radikale Richtung hat in all den Geineindrn die krassesten formen angenominen. Ganze Gemeinden, in welchen auch nicht ein Geschäft am Dabb.1l geschlossen ist! Es ist, als ob den meisten ihr Judentum schon während ves Umzuges abhanden gekommen iväre. Leider aber ist das Bild,!vic cs sich in den zurüllgelassenen und nunmehr ein sam dastehenden Heimalsgemcinden darbietct, auch nicht viel trostreicher. Man s»cht noch das Dekorum z» wahren, das ist aber auch alles. Offiziell wird der?abbat noch gehalten, ja man verspeist auch wohl noch Kugel und Dchaht, io will es einmal die gute alte Ditte, ermangelt jedoch nicht, unmittelbar daraus sich eine feine Zigarre anzuzünden, denn das fördert die Verdauung. Dtndiert nun gai der junge Mann, und wer lviirde Mähren, mit seinen mehr als .'»> Mi:telsch:1!״n denn nicht studieren hier zu Lande beginnt das .,Dtudium" schon, sobald fr Junge die Hallen des Gnninastuiits oder der Realschule betritt io ist er ja ohnebiu bau allen .״wr befreit. Diese Anschauung kann man selbst von Leuten vertreten bören. die sonst für die eigene Person und im Hause sich streng noch an das Neberkominene halten. Do ist denn das Judentum zu einer Art abgestandener s?orm obnc inneren «bebakt verflacht. Der ZiEall führte mich vor Jahren in eine altberiihmtc mährische Gr mcinde am ersten Delichothtage. Die Gemeinde war zu einem qrossen Teile zwar nicht vertreten, wie man es batte erwarten sollen. Richtsdestoweniger stand oer Vorbeter da, das Tallis tief bis über die Dtirn gezogen und trug aus echt altväterliche Wei'e ״nter Dchluchzen und Weinen die Gebete vor. Ich ׳iihle mich von den altertümlichen Weisen tief ergriffe». Doch welche Ernüchterung folgte unmittelbar daraus, als der Herr Kanor beim Verlassen des Bültes sein glattrasseries Gesscht aus der tiefen Umhüllung her׳ vorblitzen liess. In dem Masse als die Juden Mährens sich von der Thora und ihren Geboten ab gewendet haben, in demselben Messe haben sie sich dafür dem politischen Treiben angeschlossen. Eine Zeit lang schien t?, als sollten ihnen aus diesem Gebiete bedeutendc Erfolge »rblühen. Doll׳ di? Er nüchterung b'ieb n׳ll׳t aus. Darüber das nächste mal. Vudavest, it’■■ Tie Vern׳and1c11 des vor eiucgcn ,Vilneit ter'ioi lene» Prl׳׳e׳ic>rs Tr Tarif »aniinan» tiafe» denen >,rc׳׳;e. an werirrlten allen Eanf'chri'le» und ׳elleiieii Werken reiche Biblirltiek der un.zari'che» ״Akademie ׳iiv W1״'e11׳cha׳le» ge'cheiikr. B u o a v e st, 29. Dez. In der Budaprster ״Allgemeinen jüdischen Zeitung" lesen wir folgendes Tchreiben: ״Rachdem uns der Allmächtige den 5tinde׳segen entzogen hat, sind wir tich und meine ^rani e״tschlonen, ein Waisenmädchen im Alter von 2 4 Jahren zu uns zu nehmen und liebevoll zu erziehen. Wir meinen ein Kind, welches seine Ellern bei den russischen Iudenmetzeleien verloren hat. Achtungsvoll Digmund Grünbanm. Puszta Ezokas." Das Beispiel verdient Beachtung und Rachahmung. T a r n o w. Wegen Entführung der 11jährigen Hanna Rass von Wola-Wilka standen unlängst zehn Bauern und eine Gutsbesitzerin vor dem hiesigen Dchwnrgerichr. Der Anklage lag der folgende Tatbrftanb zu Grunde: Hanna Rast verschwand plötzlich, ״:er Monate suchten ihre Eltern sie vergeblich, bis endlich einer der Angeklagten erzählte, Hanna sei in einem Krakauer Kloster und werde bald getauft. Der Bauer erzählt«, dass man das Kind vom Hause nach dem Dorfe gelockt habe, wo sie bei mehreren!Bauern einige Zeit verstellt gehalten wurde, bis Vie