Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 2 (11.1.1906)
- Date
- 1906-01-11
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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'.,tr ■i. 3ei1e I Ter Israeli!. '.Heferaten schloß der Vorsitzende die Versammlung, die durch ihren würdigen Verlauf und ihren warmen Ton durchaus geeignet war, der Sache des Ver dandes freunde zu loerberr. sehnliche Versammlangen werden demnächst in verschiedenen Stadtteilen Berlins nacheinander abgehalten werden. Die neueste Nummer des Verbandsorgans ״Der S a b b a 1 h" enthält ». a. einen sehr interessanten Aufsatz von Dr. I. Unna Mannheim über den jü dischen Sabbat und den angeblichen ״Sabbat" der Babnlonier. Berlin. 4. Jan. Tic heutige Sitzung de gann mit der Neuwahl der Vorsitzenden und Schriftführer. Zum Vorsitzenden wurde Herr Louis Sache, zu deffen erstem Stellvertreter Herr Ge׳ heimrat B l u m e n t h a l, zum zweiten Stellvcrtretet Herr stommerzienrat ft r i c b I ä n '01 r gewählt. Zu Schriftführern wurden gewählt Herr Dr. Ignaz l5 o h n und Herr Willibald Löwen t h a l. zu Mitgliedern der .Kommission für die ftriedhofsangelegenheiten die Herren Bloch, Plachta, Aron, Eohn und Iujtizrat Hamburger: ferner als Mitglied des Kuratoriums der Dr. Ephraim Stift tung Herr Gerson Simon, in den Vorstand der neuen Synagoge die Herren Wachsner und Wollcnberg, :n die Fürsorge stommilsion Herr Alfred Noth. ltm 7 Uhr fand die Einführung und Verpflichtung oer wieder bezw. neugcwählten Gemeinde Aelleften und Aeltesten Stellvertreter statt. Herr Louis Sacks begrüßte dieselben mit terzlichen Worten. Er freue sich, die Herren wieder verpflichten zu können, welche jetzt eine Reite von Jahren sich dem Dienst der Ge meinde gewidmet haben. auch das neueintretende Mitglied, Herrn Gehe imrat Pimer, beiße er herzlich willkommen und danke ihm, daß er die Wahl ange nommen. Herr Iustizrat W. Lachmann sprach darauf seinen Dank im Namen der Kollegen aus. Die nächste Periode werde eine Banperiode lein. Die Gemeinde hatte über ״wei Millionen Ma.t Steuern zu verfügen, nur bei größter Sparsamkeit könnten oie Ausgaben der Zukunft gelöst werden. Gr hoffe ans,in förderliches Zusammenarbeiten von Vorstand und Nepräsentanlen. Dem Reliaionsver-.n Moabit wurde ein Ertrazuscbuß von 7<*> Mart ge währt, ftür die Bewirtung der Delegierten zur ersten Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Inden be'rugen die Ausgaben 7,'ff-e! Mart, welche genehmigt wurden. Z» den Kosten der Aufstellung eines jüdischen Betraumrs aus der lstG, in Dresden stattsrndenden .stunstaen'erbeausstkllung Kat die Ver sammlung sGX' lllsarl bewilligt. In der geheimen Sitzung wurde der Ankauf eines Grundstückes in der ftasanenstraste zur Erbauung einer Synagoge ge nebmigt.!׳- Breslau, 1. Jan. Nach den Grmriodewatile«. <B,׳n »nlerem »lorrelvondentei,) Dir letzten Wochen im Leben der Synagogen gemeinde Breslau gehören zu den bewegtesten, die seit langem zu verzeichnen waren. Wie mit einem Zauberschlage schien das Interesie für jüdische Ge meindeangelegenkeiten wach geworden zu sein, auch bei Leuten, die sich sonst allen Vorgängen in der Gemeinde gegenüber ganz gleichgültig zu verhalten pflegten. Und dies gilt hier in Breslau leider von dem iveitaus größten Teil der Gcmeindemitgliedcr. Erst die letzte Nevräsentantenwabl hat das Wunder werk, sic aus ihrer Teilnahmslosigkeit aufzurüttelr., fertig gebracht. Der .stampf zwischen dem ״Liberalen Verein", der das bestehende Gemeinde Regiment, d. b. die rücksichtslose Monopolherrschaft einer bevorzugten Tliquf unterstützt, und den xreinigten oppositionellen Wählern unter ftübrung des ״Vereins z. ftörd. d. Snnagog. Gem. Breslau" bot in der Tat manches Interesiante. wenn auch ivenig Erfreuliches. In diversen Prospekten und Wahlerversammlungen wurden die zahlreichen Sünden der bisherigen Gemeinde- Vertretung aus den verschiedensten Gebieten aufgr deckt und erörtert, als da sind: die wiederholte Briiskierung der gesetzestrcuen Minorität und gänzliche Außerachilasiung ihrer berechtigten Wünsche, die ftehler aus dem Gebiete des Armenwesens, der Ver such einer Verschlechterung des jetzt geltenden asige meinen, gleichen, direkten, geheimen Wahlrechts und der Geheimhaltung der Nepräsentankenversammlungen u. a. m. Demgemäß fanden sich Wähler aller Schattierungen, religiös wie sozial Unzufriedene zusammen und stellten eine Gegenliste auf. die aller׳ dings *> von 18 standidaten enthielt, welch« gleichzeitig vom ..Liberalen Verein" aufgestellt waren. Diese Gegenliste wurde von den ״Liberalen", obgleich sie höchstens 1- 2 konservative standidaten enthielt, als ״schwarze" Liste bezeichnet, um sie so den Wählern der Gegenpartei, die nicht gerade konservativ denlen — und das waren die meisten als Schreckgespenst h'nzustcllen. - Da die ״Liberalen" es abgelebnt hatten, auch nur einen einzigen der von der Gegen- Partei neu aufgestellten standidaten in ihre Liste aufzunehmen, wurde der stampf auf beiden Seiten mit aller Macht ausgenommen, und durch lebhafte Agitation wurden G» Prozent aller Wahlberechtigten zur Ausübung ihres Stimmrechts gebracht — gegen eine sonstige Beteiligung von 12—lo Prozent. Der Erfolg war oorauszusehen; G» Prozent der abgegebeneu Stimmen fielen auf die Liste des ״Liberalen Vereins", 40 Prozent auf die gegnerische, ftür die nächsten drei Jahre bleibt also wahrscheinlich alles beim alten. Oder sollie doch der Umstand, daß 40 Prozent der Wähler ihre Unzufriedenheit mit den bestehenden Verhältnissen kundgegeben haben, die Gemeindevertretung zum Nachdenken anregen und sie zu einiger Rücksichtnahme auf berechtigte Forde» ungen der Minorität veranlasien? In diesem ftalle darf man mit dem Erfolg relativ zufrieden sein, and ivenn das einmal wachgerufene Interesse unter den Gemeindemitgliedern durch iveitere Agitation von der Opposition wachgehaltcn und gestärkt wird, so ist ein größerer Erfolg bei den nächsten Wahlen in drei Jahren siclier. Selbst dann allerdings wird der Weg bis zum Wiedererwachen eines kraftvollen, n׳ckt nach Zahl und Macht und Rang fragenden, altjiidi'chrn Gemeindkbewußtseins in Breslau noch ein unendlich weiter sein. Dazu hat oie gesctzestreue Minorität schon allzu lange in der Umklammerung einer scheinbar parteilosen, >tv krrelo ncologen Gemeindcpolitik ein bescheidenes Dasein gefristet. Was man dieser Minderyeii wünschen muß, ist Selbstvertrauen und kühnen Wagemut, dann wird's auch heute noch nicht zu spät sein, aus den Trümmern der alten Breslauer stehilla neues Leben zu erwecken. Der Anfang und die ftolgen der statastropbe. von welcher unsere Brüder in Rußland betroffen worden sind, werden uns Bewohnern Ostdeutschland!.- jetzt täglich vor die Augen geführt. Breslau ist voll von russischen Flüchtlingen aller Art, und immer strömen neue hinzu, besonders >n den letzten Tagen. Schrecklich sind die Schilderungen der rusiischen Zu stände, welche diese Bedauernslverten entwerten. Unter diesen befinden sich neben blutarmen kleinen Hand Werkern und Gewerbetreibenden, welch« die Not zur Auswanderung zwingt. Hunderte von wohlhabenden jüdischen ftamilien.!velche mit ihrer ganzen bewegliehen Habe hierherkommen, um vor dem entsetzlichen Terrorismus in ihrer Heimat hier Zuflucht zu suchen. Merkwürdiger Weise bilden letztere jetzt die Mehr zahl, was wohl darin seine Begründung findet, daß das Entkommen aus Rußland bei den unsicheren VerkekrsverhäUnisien und erhöhten Paßschwicrig keilen nur unter größeren pekuniären Opfern mög lich ist. Hamburg, 25,. Dez. Der vor etwa Jahressrisi ins Leben gerufene Verein zur Förderung jüdi scher Interessen in Hamburg hat es sich zu seiner desonderen Aufgabe gemacht, aus die Wahlen zu den Gemeinde Kollegien maßgebenden Einfluß zu ge winnen, was ihm bei der soeben stattgehobten Delegicrkenwahl zum Synagogenverband denn auch gelungen ist. Es wurden die vom Verein im Einver׳ nehmen mit einem aus dem Delegiertenkollegium selbst tervorgrgangenen Wahlkomitee ausgestellten standidaten: Jakob Alexander, Leopold Durlacher, Dr. ined. Fink, Moritz Heimann, Ludwig Mathison, fast ohne Gegnerschaft gewählt. In einer vorher adgehaltenen Wählerveriammlung ging es recht lebhaft her. da es sich die übrigens nicht erschienenen Kandidaten gefallen lasten mußten, dasman betreffs ihres Standpunktes gegenüber den verschiedenen Fragen des Gemeindelebens Kritik übte. I I. Januar!!»->. Man oerlangre, die Herren sollten sich demnächst den Wählern vorstellen, um über Anfragen Auskunft zu erteilen und ihr Programm zu entwickeln. In der zu diesem Zwecke einberufenen Versammlung wurde von einer Seite das gewiß berechtigte Verlangen laut, daß man nur solchen Männern die Pflege des gesamten stultuswesens in der Gemeinde anvertrauen solle, die auch in ihrem privaten Leben auk einem streng konservativen Standpunkt stehen. Ein Delegiertet des Tynagogenverbandes, der in christlichen Restaurationen speise und r:e« שהלל sei, verkenne seine Pflichten als "irr und damit als Vertreter einer Gemeinschaft, die, wie der Synagogenverband, aus der Grundlage des ־pp ישדחן aufgebaut sei. Derjenige von den Kandidaten, den das zunächst anging, hielt daraufhin eine diplomatisch vorsichtige Ansprache und betonte, daß er einen rituellen Haushalt führe, daß er im amtlichen Verkehr stets kür die konservativen Intcreffen, die bei dem Oberrabbinate in guten Händen lägen, ausgetreten sei und versprach, dementsprechend weiter wirten zu wollen; insbeson dere werde er für eine Verständigung bezw. Vereinigung mit der neuen Dammtorsynagoge (Beneckcstr.) wirken, wöbe: man allerdings vor kleinen stonzestionen (?) nicht zurückschrecten dürfe. Was die finanziellen Verbältniste des Synagogenverbandes beträfe, so könnten diese keineswegs als glänzend bezeichnet Hielten. Der Synagogenneubau, der im Herbst eingeweiht werden solle, toste wie jeder derartige Bau. mehr als man angenommen habe. Man müsse Wen die Mitglieder aneisern, ihre freiwilligen Beiträge zu erhöhen. Zwei dem Delegiertenkollegium ingehörende Herren tadelten den Interpellanten und meinten, das private Leben eines standidaten ginge die Wähler gar nichts an, ein Prinzip, welches vielfachem Widerspruche begegnete. Ein Herr verlangte vom Telegiertenkollegium, daß es für die Entscheidung des Oberrabbiners in Sachen der Aschenbestattung eintrete und d׳e in dieser Frage aus aller Herren Länder gegen ihn gerichteten Angriffe abwehre. Die Antwort lautete, der Obeirabbiner sei selbst kompetent, die gegnerischen Anschauungen zu bekämpfen. Von anderer Seite wurde dem Herrn vorgehalten, daß er als Mitglied der דוק, iwldie die Ascheilbeliatkung abge lehnt habe, doch eigentlich nicht Wohl für die gegenieiligc Ansicht auftreten könne. — Es entspricht ganz der Oberflächlichkeit, der man in religiösen Dingen so vielfach begegnet, ivenn man jenem ungeberdigen Protestler mir der Phrase begegnete, das private Leven eines standidaten ginge die Wähler nichts an. Heißt es denn nicht gerade den Bock zum Gärtner machen, ivenn eine jüdische Gemeinde einen Mann in ihre Verwaltung wählt, der r:r שחלל ist und in christliehen Wirtschaften speist? Zum Mitglied des Aussichtsrats einer Bank kann solch ein Mann noch ganz geeignet sein, nicht aber zur Vertretung der religiösen Interesten einer jüdischen nbnp, die ibm doch ganz und gar nickt am Herzen liegen. Köstlich mutet es an, wie dieser Herr seine Eignung zum Delegierten gleichsam mit dem Hinweis daraus dartut. daß die konservativen Interesten beim Oberrabbinat in guten Händen liegen. P a l ä st i n a. Jaffa. Die seit einiger Zeit bestehende Ge sellschaft palästinensischer Esrogiiii-Händler im heil. Lande ״ עין הי־רc veröffentlicht eine Mitteilung, der wir Nachstehendes entnehmen: ״Wir wende» uns an untere Brüder in der ganze» Well, um ihnen eindringlichst vorzuhalten, daß koschere Esrogim. bei denen jeder השיט הרכה ausgeschlossen ist «es ist ja dekannl, daß ein gepropstes Esrog ungeeignet ist und inan nicht B'rocho darüber machen darf», nur bei unserer (Gesellschaft zu haben und. Tenn unsere Esrogim steben non der Pflanzung bis zu der Ernte und dem Verkam' stets unter der Aussicht der Rabbiner des Betb Tin in Jerusalem und in slaffa. wie aus nachstehenden Zeugnisse» bernorgebl: (folgt ei» Brief des Betb Tin in Jerusalem, daß die Aussicht des überrabbiners von Jaffa durchaus verläßlich ist, und eine Erklärung des letzteren, daß die Esrogini ans den »Ninen non Naftali Hillel, Isaak 3el» Tatorowskl. Benjamin ftevn. Abron Mordechai ftriman und Iekuda Idet Zlalichin in jeder Hinsicht den Anforder ungen des staschruth entsprechen. Ui» Irrtnmern vorz» beugen, teilen wir ausdrücklich mit. daß die von einzelnen Händlern verkauften Esrogim sämtlich gepfropft und. Bei Beginn des Esrogim Handels werden wir, um das Publikum vor Täuschung zu bewahren, die Namen der Gesellschaften und Händler, dir von uns kauten, in den -Zeitungen bekannt