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Der Israelit · 1906-01-11 · 2 (11.1.1906) · p. Seite 3

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
2 (11.1.1906)
Date
1906-01-11
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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11. Januar 1!xh;. 7tX 2f1te 1 I Matze leidet, das ist das Thora 2 t u d i u in auf den großen russischen Ieschiw a u t h. Alle Mittel fehlen, diese Pflanzstätten jüdischen Geistes zu erhalten. Es ist klar, daß es gegenwärtig für die Jeschiwauth unmöglich ist, auch nur einen irgendwie beträchtlichen Teil der Sud sistenzmittel in der Mitte der ruffischen Juden auf zudringen. Por allem können die sonst von den Jeschiwauth Verwaltungen mit der Sammlung von Geldern in Rußland beauftragten Sendboten unter den jetzigen Umständen nich: ihres Amtes walten. Dem Thora Studium, das unter unseren Glau bensgenossen in Rußland bisher in hoher Blüte stand, droht unberechenbarer Schaden. Und doch war die Beschäftigung mit der Thora allezeit das einzige Mittel, das das jüd. Volk allem Leid und Schmerz und allen feindlichen Mächten zum Trotz ausrecht erhalten hat. Bor der Zerstörung des zweiten Tempels gründete R. Jochanan ben Sakkai das Lehr- Haus zu Jabneh, und mochic nun alle äußere Herr lichkeit und aller Glanz der Ration in Trümmer sinken, mochte selbst das Tempclheiligtum in Flammen aufgel-en, die Thora, unser Höchstes, war gerettet und damit dem Judentum der Fortbestand gesichert. Bedenken wir, daß die großen Jeschiwauth Ruß lands, wenn wir sie nicht alsbald tatkräftig unter stützen, dem Untergang preisgcgcben sind, und dies zu einer Zeit, wo es dringend notwendig ist, daß durch die Erhaltung des Thora Studiums der Bruch, der in unserer Mitte entstanden ist, seine Heilung finde. Spenden wir schnell und reichlich, stützen wir die sinkenden Arme unserer ruffischen Brüder und tragen wir dadurch bei zum großen Werk der Rettung und Bewahrung unseres Thoraheiligtums. Wir werden ersucht mitzuteilen, daß man Geld sendungen an Rabbiner Eh. O. Grodsenski in Wilna rillsten möge. *!- * Die sechsmonatliche Gefängnisstrafe, die dem «strafen Pülller wegen Aufreizung verschiedener Be bölkerungsklaffen zudiktiert wurde, ׳st im Gnaden Wege in Festungshaft umgewandelt worden. Wir sind der Meinung, daß das Begnadigungsrecht des Monarchen den Sinn hat, den sich in Einzelsällen ergebenden Widerspruch zwischen dem Ausspruch des strengen Rechtes und der moralischen Beurteilung einer Handlung auszngleichen. Bon diesem Stand vunkte aus erklären wir uns die Begnadigung des sür ganz ausnehmende Rohheiten bestraften Dreschgrafen mit der Annahme, daß die für den Akt der «kröne verantwortliche Regierungsstelle im Gegensatz 1.״ den! Gericht zu der lleberzengung von der Ilnzu׳ rechnungsfähiqkeit Pülllers gekommen ist. Aller dinqs geschieht dem Mann dann auch durch die Festungshaft noch zu viel. tv Comspemideirogetö) ÜMÄ Nadmd>t«11a. Deutsches Reich. Frankfurt o. M., 2. Jan. Die Jsrae litische Stcllenvermittlungs - Zent r a l e (Gemeinsame Stellenvermittlung der r r Vereine Frankfurt. Berlin und Breslau) konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr hundert Stellen besehen. Es ist das die höchste bisher erzielte Zister, unverkennbar ein erstes Ergebnis des vor einigen Monaten erfolgten Zusammenschlusses der rzv ־־er Bereine. der hoffentlich auch weiter segensreiche Früchte zeitigen wird. Mit dem Hamburger Verein, der ffch der Zentrale bekanntlich nicht angeschloffen hat, findet ein regelmäßiger Austausch der Be- Werbungen statt. Berlin, 2. Jan. Nachdem die Hilfsaktion zur Linderung der unmittelbaren Rot unserer hart betroffenen Giaubensgenoffen in Rußland sich ihrem Abschluß langsam naht, tritt nunmehr an die großen tvestcurovaischen Organisationen die Ausgabe heran, vor Allem für jene unglülllichen .«linder, deren Ettern l-ei den Pogromen erschlagen worden sind, zu sorgen. Das in llebereiilstimmung mit den Komitees in London und Ncwvork eingesetzte Zentral Berichts bureau in Berlin (Hilssverein der deutschen Juden. Lützowstr. *ר־ bat an die Bertraueiismäiiner in Ruß land das nachstehende Anschreiben gerichtet: ״ZwellS Bersorgung der Waisen, die bei den Pogromen in Rußland ihre Ernährer verloren haben, bitten wir, beifolgende Tabellen mit größter Sorg satt und mit größter Beschleunigung ausfiillen zu wollen. Der Weg, den diese Listen zu nehmen haben, ist der, daß zunächst die lokalen Komitees die Rubriken ausfüllen, daß die Listen hierauf an die besonderen Zentral.Komitees, die für die einzelnen Gebiete in Rußland eingesetzt sind, gesandt werden: diese geben die Listen mit ihren Bemerkungen an Herrn Baron Horace von Günzburg in St. Petersburg weiter, der sie nach Berlin sendet." Der beigegebene Fragebogen (in deutscher und russischer Sprachel umfaßt folgende Fragen: l) Raine der Kinder, 2) Geschlecht, 2) Alter, 4) Sind beide Eltern beim Pogrom getötet, oder ist ein Elterntcil getötet, der andere früher gestorben? 6) Ist nur der Bater oder nur die Mutter getötet worden? ,;) Sind sonstige Ernährer getötet worden? 7) Sind Bater, Mutter, oder sonstige Ernährer, alle oder einzelne, durch Verwundung dauernd erwerbs unfähig geworden? 8) Haben die Kinder eine Schule besucht? Welcher Art war diese Schule? st) Besondere Wünsche betreffs religio!er Erziehung, Ist) Sind die -Kinder trank? An welllzen .Krankheiten leiden sie? 1l) Besteht die Mög lichkeit. die .Kinder in Rußland unter,«bringen' Bei Verwandten, in Waisenhäusern, oder wo sonst? 12! Kann zu den Erziehungskosten ein Zuschuß ge leistet werden? Von wem? In!velcher Höbe iährlich? 13) Vorschlag der Gemeinde Uber die Unter- [1י/י«ו1ו.ןן1־ן Sjr Cit«V»*r־ ittiS Xjj Wr QntfPtl. Gleichzeitig hat der ״Hilfsverein der deutschen Juden" gemeinsam mit der Großloge des B'nei Brith- Ordens für Deutschland, zum Zwecke der Feststellung, wie viele Waisen in unserem Vaterlande unterae bracht werden können, an die größeren jüdischen Gemeinden, Logen. Vereine eic. in Deutschland folgendes Schreiben zur Versendung gebracht: ״In allerkürzester Zeit werden wir ein? Ausstellung bekommen, die Angaben enthält, wie viele Vollwaisen und wie viele Halbwaisen durch die Po grome in Rußland zurüllgelaffen sind. Einen Teil dieser Waisen wird man in Rußland unterzubringen in der Lage sein, vor allem jene, die der Obbut zu verlässiger, naber Verwandter anvertraut werden können. Andere Kinder werden in russischen jüdischen Waisenhäusern untergebracht werden. Jene aber, die auf diese Weise nicht versorgt werden können, werden in den einzelnen westeuropäischen Ländern und in den Vereinigten Staaten von Amerika guter Obbut und guter Erziehung anzuvertrauen sein. Es ergibt sich damit für uns die Pflicht, einen Teil dieser un qlülllickcn Kinder auch in Deutschland erziehen zu lasten. Wir bitten daher ganz ergebenst, daß Sie in der dortigen Stadt gütigst feststellen wollen, ob da selbst und unter welchen Bedingungen rustisch« Wai senkinder unterzubringen sind." In einem beigefügten Schema wird Auskunft er beten über: 1) Die Zahl der Kinder, die unterqebracht werden können: 2) ob Knaben od-r Mädchen?: 3) in welchem Alter?: 4) ob Kinder mit bisheriger orthodorer oder freisinniger «Erziehung erwünscht sind: 5) ob ein Zuschuß erforderlich ist und in welcher Höbe jäbr lich? — Es darf zuversichtlich gehofft werden, daß die Hilfsbereitschaft unserer Glaubensgenossen auch in diesem Falle nicht versagen wird, und daß das Zen tral Berichtsbureau möglichst schnell zu überblicken vermag, was von Deutschland für die Versorgung der Waisenkinder geschehen kann. Im übrigen er scheint es uns als ein trauriges Zeichen der Zeit, daß im Angesicht des großen Unglücks Israel nicht einig dasteht, daß, wo es sich um die Unter bringung armer Waisen handelt. dic Frage a» stellt werden muß: ob Kinder mit bisber ortbc״er oder ״freisinniger" Erziehung erwünscht sind. B e c l i n , 2t». Tez. Gestern abend fand in der Aula der!üdifchen Mädchenschule, dic von dem Bor stände der jüdischen Gemeinde bereitwilligst zur Per fügung gestellt war. die erste öffentliche Becsainm lung des B e r b a n d e s der Sabbatfre״nde «Ortsgruppe Berlin» statt. Herr Rabb. Dr. Rinnt hielt ein Referat. Was soll und w i l l der Verband der S a b b a I f r e u n d e? In großen Zügen entwarf der Redner ei» Bild von dem Stande der Sabbai Heiligung in unserer Zeit. «Gesetzgebung und äußere Verhältnisse, der Wandel außen und der Wandel innen haben es bewirit, daß der Sabbat der Thora, den unsere Altvordern als köstliche- Besitztum sich wahrten, u»serer Zeit abhanden gekommen ist. In erster Linie haben dic kaufmännischen und industri eilen Betriebe, außerdem aber auch der Arzt «vtc der Jurist, der Philologe wie der Staatsbeamte mit dem Mangel an Rüctsichtnahnie oder direkten Feind seligkeiten gegen ihr Streben, den Sabbat zu heiligen, schiver zu kämpfen. Diesen Kampf auszufechten, tst des Einzelnen Kraft zu gering; hat doch schon das unmündige Kind in der Schule mit Schioierig leiten wegen seines Richtschrribens am Schavb.es viel und oft zu ringen. Tie Kraft des Ein zelncn zu stählen durch den Rückhalt, dcn er bei Gleichgesinnten finbct, das soll und muß, Aufgabe des Perbandes der Tabdatfreundc sein. Wie will er aber diesen Ziveck erreichen? Allgemein, indem er der nichtverständlichen Auffassung drs Sabbats als einr. Ruhetags im modernen Sinne des Wortes ent gegenwirkt, der Erkenntnis vom wahren Wesen de- Sabbats in weiteren Kreisen «Geltung verschafft und so seiner an der Spitze des Statuts stehenden Zweck bestimmung «Aufklärung über die Bedeutsam:«!! des Sabbats zu verbreiten" gerecht zu werden sucht Im orsviioccru sodann durch ideelle und ivirischasi'iche Unterstützungen solclter tlnternehmungen, die der Förderung der Sabbatruhc im Erwerbsleben dienen sowie durch zweckmäßige Bekämpfung der da und dort hervortrctenden Bestrebungen, sei es in der Ge setzgebung, se׳ eS in der Vcrwaltungsvraris, sei es in einer antisemitisch angehauchten Tendenzwissen schaft, welche die Beobachtung und die lleberzeuguna von der Verbindlichleit der Sabbatkeiligung z׳: er schüttern drohen. Alle diejenigen, denen es ernst in mit dem Wunsche, sich und ihre Kinder und ihre Rächsten für den Sabbat zu retten, zu einer festen Phalanr zu sammeln, das ist das Ziel des Verbandes der Sabbalsrennde. Rach kurzer Pause, in der sehr viele An- Meldungen zuin Beitritt erfolgten, nahm der zweite Referent, Herr Eli Lazarus, das Wort über bas Thema: ״Was hat der Verband bisher erreicht. W2S kann er erreichen?" 19? wies darauf bin daß der Verband trotz der Kürze seines Bestehens dost, be reits auf allen Gebieten, die er für seine Tätigkeit, und f ii r die man seine Tätigkeit in Ansvrust, ge notnmen. bereits erfolgreich gearbeitet hatte Der bcutige Tag sei der erste Geburtstag des Verbandes, und schon, habe derselbe über!)00 Mitglieder und de stehen in allen Teilen Deutschlands, von Jranl fnrt a M. bis .Kempen, von Stuttgart bis Königs berg. Lokal Komitees, deren rühriger Tätigkeit die Reichshauptstadt nicht nachstehen dürfe. Die Stellen Vermittlung sei in rationeller Wette zentralisier, worden und habe du׳!ch den Verband neue Impuls« erhalten und gegeben: auf oem Gebiet der Assoziation seien, wenn auch zunächst, blos tastende Versuche ge macht worben. Aus dem Gebiete der Gcsetzgebun 1 habe der Verband namentlich hinsichtlich der Sonn tagsruhe gemeinsam mit dem Verband der deutschen Juden die Abwchraktion der drohenden Gefahr unter nommen: ebenso habe er auf dem Gebiete der Schul gesetzgebunq und Schulenverwaltung bereits ^rwlge zu verzeichnen. Das Organ des Verbandes ״Der Sabbath" wird sämtlichen Mitgliedern allmonatlist: unentgeltlich zugestellt und trägt Anregungen und Aufklärung weit in die Lande hinaus. — Rach dieien

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