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Der Israelit · 1906-01-11 · 2 (11.1.1906) · p. Seite 2

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
2 (11.1.1906)
Date
1906-01-11
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Vr. 2. 2fitf ■2. die religiöse Ueberzeugung materielle Opfer zu bringen das beste Mittel ist, sie zu beleben und dauernd zu erhalten. Es gibt vielleicht leinen zweiten Staat, der für die matexieüen Bedürfnisse seiner politischer Gemeinten ausgiebiger sorgt, als den französische». Andererseits gibt es vielleicht keinen zweiten Staat, der alles tat, um das jüdische Gemeindeleben zu verkümmern oder wenigstens sich selber zu überlassen, als den russischen. In dem letzteren feiert das Judentum seine höchsten Triumphe, im elfteren liegt es in den letzten Zügen. In Frankreich sieht die Iudenheit im ungeschmälerten Besitz aller Menschenrechte, aber ihr Judentum lieht auf dem Aussterbe Etat. In Rußland liegt die Iudenheit entrechtet zu Bode» und scheint der Vernichtung über antwortet, ihr Judentum sicht dagegen mit unge brochener, sich fortwährend neu verjüngender Gebenstiafl da. — Zwilchen beiden Staaten liegt Deutschland; welch ein Glück wäre es für die jüdischen Geineinden Deutschlands, wenn es ibncn beschieden wäre auch in diesen beiden Gegensätzen die rechte Mitte zu halten und sie harmonisch auszugleichen! Wir schlichen diese Betracht'.cngen mit einem Blick auf das heilige Land, das von Jahr zu Jahr die Augen der Menschheit immer nachdrüct licher ans sich lenkt. Es wild aber verhältnismäßig mehr von Nichkjuden bedacht und besucht als von Juden׳ wenigstens war dies bislang so, zu unserer großen Beschämung. Aeuerdings haben sich auch nidiiche Gesellschaften zusainmeiigefunden, um ge meinichaftlich das Land unsrer Vergangenheit und Zulnust in der Gegenwart kennen zu lernen. Wir begrüßen diese Reisen als ein Svmptom des rege», neu erwachten Interesses und der tätigen Tym pathien, auf ivelihe das Land und seine jüdische Bc volkerung in lo hohem Grade angewiesen iß. In B u d a p e sl hat sich im vergangenen Jahre ein neuer Verein gebildet, der schon mit seinem Namen 2 d) I a u tn Hoir tLtaatSwohl) andeutet, daß unser Intrresie für das heilige Land und für dasjenige, in dem wir geboren sind und als seine Staatsbürger leben, fid. nicht nur nicht widerspricht. (UM1K1M citumjl. cüi'tc ^ciiutUÄ ij* raus gerichtet, nur solche Maßnahmen zur Verv.'sser ung der dortigen Zustände in die Hand zu nehmen, die den Intentionen der dortigen radbinischen Be Hörden entsprechen und von ihnen gebilligt werden. ES ist dies ein Gesichtspunkt, der bei vielen bisherigen ähnlichen Wohlfahrtsbesirebungen gar nicht oder doch nicht genügend beachtet wurde. Schon mit Rücksicht darauf ist dem Verein die gedeihliche Entwickelung und Ausgestaltung zu wünschen, die man nach seinem rührigen und entschiedenen Beginnen zuversichtlich erwarten darf. Ob unter die das heilige Land betreffenden Be strebunaen auch der Zionismus gilt, ist eine Frage, die heute striltiger ist, als ,c. So sicher die prinzipielle ^trundlagc V7S Zionismus als geistiger Macht zinoeländert die gleiche geblieben ist, so hat doch _Ter Israeli!._ nach der praktischen Seite zweifellos eine Entwicklung vom Utopischen zur Erstrebung greifbarer Ziele stattgefunden. Und durch die Vertiefungen der Bestrebungen haben sich auch die Gegensätze vertieft und verschärft, welche, solange die Ziele nur platonischer Art waren, auch einen nur akademischen Charakter hatten. Von unserem Standpunkte aus sind nach dieser Richtung die unter dem Namen des T e r r i t o r i a l i s m u s zusammenzufasienden Bestrebungen am bedeutungsvollsten. Wenn die Territorialisten, ohne zu irgendioelchem programmatischen ״Bekenntnis" zu verpflichten, alle jüdischen Kreise zur Mitarbeit an der Schöpfung einer Zufluchtsstätte für unsere gehetzten Brüder auf autonomer Grundläge aufrusen. so hat auch die geschestreue Iudenheit alle Beranlallung. ihre Stellungnahme zu diesem Unternehmen aufs ernsteste zu erwägen. Wir richten diesen der Vergangenheit zuge wandten Blick zum Schluß zu Ihm, der für die in den Schoß der Zeiten gestreuten guten Saatkörner des vergangenen Jahres allein Sonnenschein und Regen. Gedeihen und Wachstum zu gewähren und sie ihrer Reife zuzuführcn vermag. Möge es auch unS vergönnt sein, unser Scherflein, wie winzig auch immer, auf den Altar unseres Volkes für die Hochziele niederzulegen, für welche der ״Israelit" ge gründet wurde und für die er mit neuer Krakt und sicherer Zuversicht im Vertrauen auf Gott seinen neuen Jahrgang antritt! Die Trenn un gvonStaat und Kirche in Frankreich, über deren Wirkungen auc jübische Verhältnisie wir an anderer Stelle berichten, bildet natürlich in den Pariser jüdischen Blättern gegenwärtig eine siebende Rubrik. Es ist interessant, bei dieser Gelegenheit zu erfahren, wie die seit einem Jahrhundert mit den Segnungen einer auSgewachsenen ״Gesamtoraanisation" Beglückten über den Einfluß einer religiösen Verfasiung denken, die uns in Preußen heute als Allheilmittel für alle Schäden der Zeit angcpriesen wird. Die ״Archivcs Jsraelites" äußern sich darüber etwa wie folgt: ״Tas französische Judentum, als religiöse Organisation, bat gewissenhaft sei» schlummerdasein geführt, während es, um seine Bestimmung zu erfüllen, ein tätiges, intensives Leben hervortreiben und den Strebungen und Bedürfnissen, bic ui ifinrm rannen* f*d) V<!1!f bfittf sollen. Ader die st ne chl schall ist so süß, wenn sie an der Oberfläche mit Gold geschmückt ist und diejenigen. 11. Januar 1!HK>. ans denen sie von Jahrhundert zu Jahrhundert wie ein ehernes (besetz gelastet hat. iiierkien gar nicht ,»ehr. daß das französische Judentum, das staatlich, Halfter am Halse de l׳Etat>, slaginerle, während draußen in der Welt das Judentuni sich entfaltete und befestigte in lebendigen Betätigungen religiöfer straft." Man soll dieses unparteiische Zeugnis eines der Hyperorthodoxie nicht verdächtigen Beobachter so ein dringlich wie möglich all denen vor Augen führen, die auch uns in die Fesieln einer mit liberalen Scheinkonzeffionen ausgeschmiicktcn Konsistorialverfassung schmieden möchten, vor allem aber ihren gesehestreuen Helfern. * * * Die mit Spannung erwartete Frankfurter Konferenz ist vorübergegangen, ohne daß bis' jetzt der lebhafte Wunsch der jüdischen Oeffentlichkeit, Eingehenderes über die Beratungen und Beschlüsse zu erfahren, Befriedigung gefunden hätte. Der jüdischen Fachpresse war die Beteiligung versagt und die sparliehen Notizen, die im gleiclzen Wortlaut in die Tagesblätter hinauSgegeben wurden, besagen im Grunde nichts mehr, als was man schon vorher aus der Tagesordnung erfahren konnte. Lügenhaften Nach r'chten. wie die der ״Köln. Ztg." aus Odessa tele graphierte Ente von der Subventionierung des ״Bund" durch die jüdischen Wohltätigkeitsiomitees, würde von vornherein die Spitze abqe brochen worden sein, >venn die Verhandlungen so weit nicht Details in Betracht kamen öffentlich stattgefundcn hätten. Wir hoffen, daß ein genauer Berhandlungsbericht von seiten der Geschäftsleitung nachträglich doch noch veröffentlicht und damit dem berechtigten Wunsche des Publikums Rechnung getragen werden wird. * * * Die Zusammenkunft in Brüssel scheint,!oie man in der ״Welt" zwischen den Zeilen lesen kann, an vielen Stellen nicht die erwartete Sympathie ge funden zu hoben. Das scheint uns im Interesse der Sache tief bedauerlich. Wir wissen uns frei von itr. ...fj.vj - -- m *r. -—s ....״l.... -s jlUll VU xHlUUUUV, IUi'UIIUUI^V' und Kongreß-Manie und bk!v-׳rten da? Geklapper parlamentarischer Redemühlen gewiß nicht zu hoch — allein eine Aussprache ernster und mit Sachkenntnis ausgerüsteter Männer aus Rußland, Westeuropa und Amerika ist in solchem Augenblicke ein Gebot der Notwendigkeit, einerlei, ob sie u n - mittelbare Ergebnisse zeitigt oder nicht. * * * Angesichts des furchtbaren Unglücks, das unsere Brüder in Rußland betroffen, hat sich die Opfer- Willigkeit der nichtrussischen Iudenheit glänzend be währt. Dennoch aber konnte das Elend der vom Geschick so hart Betroffenen nur zu einem kleinen!Teil einigermaßen gelindert werden. Was aber bessonders unter den gegenwärtigen Zuständen in Holzem einzuzlchen Tie zwei Ehinescn. die man ansgeiandl balle, erreicblen nacb 25 tägiger anstrengender Reist׳ u> Wasser und zu Land endlich die sladl. fanden jedoch nnr »och einige jütische Jamilien »nne» nnd zwiiche» de» Muham!nedanern nnd Heiden Tiests war der Rest von lausenden von Inden, die beharrlich, ivenn a»ch vergeblich. Iahrbundere bin durch gegen den Einfluß ibrer heidnische» Umgebung an gctainvil ballen' Alle beianbe»!ich in äußerster ״.'Irmitt, trotzdem schlossen sie sich »och iininer von den Ungläubigen ab. Hebräisch verstanden ste nickil mehr Ter letzte ihrer Rabbiner war vor ungesabr 51t Jahren gestorben Ihre Hoffnung aus den Messias haue» ste langst auigegcbr». Ihre sunagogc ivar cm!riinnncrhanicn. Urivrüngllch haue die letzte Ecnerano» aus siebzig I-a»1>l>e» bestanden, nun waren dieie aus stcdcn;l1san»»e»gc>׳l»nolzcn. »n ganzen 2»*» Seelen. Was ibre Beichäsiigung andelras. so gad cs nnler ibncn Händler »nid Ackerbauer. wahrend die Acrinstcn »»!er ihnen uvu'chc» de» lenivrtrunien hausten, ohne gelingende >ile»du»gs ׳nicke oder cm »!huizendes?ach «der ihren Häuptern Wohl haue» ne stch an de» .»,aiicr geivandl und ihn um Hilie nnd Wicdcransba» ihres!empels gebelcn. jedoch >var diese Pclinon ersolglos gedNrbe». Einzelne!eile des zer'allcnen Baues gehörten brrens durch st ans de» Heiden. Wie die?inge lagen, konnle »ichls mehr zur Erhaltung dieie»!:cinstcn Zweiges des Jude»»»״» getan werden In nicht allzu langer Zen werde» daher auch dieie Wenigen von der ",ach! der Verhall»,,» und ihrer Umgebung iibcrwallig! iein: die leizie jüd>ick׳e ',*cmcittbc in Ebina n׳,rd außzeborl tiaben. ״-׳ eristiereu!Die Jude« iu PreußenI. ״.','ach statistischen Jeff neUuugen »st d!r Zahl der preußischen Inden seil 25 Jahre» »» Rückgang begriffe» Au» 10 «m«1 Einwobner kamen Ihsii tu Preußen I:U, >>»!»»» ״ur 124 und 1 ,.*אי► mir »och 114 Jude». Berlin bat »ach der letzte» Volkszählung!«2 20»! Inden. Ilodesiirsackie« der Jude« und Ehrisien iu Budapest im Jahre ltiNLs. Unter den wenigen slädlc», welche eine slalisttk der Todesursachen der Ge slorbene». getrcnnl »ach stonsesnoncn liefern, bietet Budapest wegen der großen Zahl der dort wohnende,» Inden sür dieie» sialistische» Zweck da» größte Interesse. 2lus den Feslslellungen bezüglich der im Jahre l!*<>2 gestordencn Per io ne 11 ergehen sich, wie wir der Zeitschrift für Demographie und slaliffik der Juden enlnehmen. ziemlich erhebliche Unter schiede in den Todesursachen de» Inden und Ehristen. 2ln> luarkanicslen ist der Unterschied bei den strankheilen der Almungsorganr, die bei den Juden nnr 25,7!״,יי י, bei den Eoriffe» dagegen :14,41»"״ aller slerhesälle die Todes Ursache dildetcn. Tic schon durch viele andere Statistiken bekannte große Widerstandskraft der Inden gegen st rank beiten der Alinnnqsorgane wird lnerdurch anss neue bc ffaligl. Tagcge» nnd bei den Juden die strankheilen des fft'ervcnivsicms. der Urogenitalorgane und die sto»stilu,ions krankheilen häufiger Todesursachen als bei den Christen. Tic strankheilen von denen die Juden wcn'ger befallen werde» als die Ehristen sind in erster Linie Lungenschwind such! und Tarmkatarrh. sodann Lungenenlzündung. Bron chienenuilndung c.nd angcdorenc Ledensichwachc. starker brsallrn als die Ehristen werden die Juden dagegen ins besondere von Gcbirnkrankhciten. Bezüglich der Lungen *chivindinchl wird die Erklärung, daß die Jude,! infolge bei'ercr Lebenshaltung de» zur Lungenschwindsucht führenden schädigenden Einflüssen weniger ausgesclzl seien, dadurch hin sallig. daß die Juden in Budapest zu einem erheblichen I!eile der armen Bevölkerung zugehören und daß die über all bei jüdischen Proletariern zu beobachtende Erscheinung, daß ne noch enger und ungesunder wohnen als christliche Proletarier, auch für Budapest keine Ausnahme erleidet. Da gegen mag d e Erscheinung mil der geringeren Hinneigung der Inden zrr alkoholischen Getränke!! teilweise znsanimenhängen.!Deutsche Juden iu Amerika.! Wie außerordent lich ltark der Anteil der nach Amerika eingewandertcn deutschen Juden an dem dortigen Geschäftsleben der Wer Jahre des vorigen IahrhundcrlS war, ist aus einer 1888 erschienenen Darstellung zu ersehen. Fast der gesamte Groß und Importhandcl sowie die stteidersahrikalion ^icwyorks waren in jüdischen Händen. Unter t!5 Zigarrensabrikanten derselbe» sladl waren 45, Juden. Das gleiche gilt vom Handel mit Blätter Tabak, mil Uhren und Juwelen, mit Jeder», Häuten, Pelzen und Wein. Auf einem große Teile der Hauptstraße, dem Broad Wau, gad cs fast nur jüdische Geschäfte. >Der Judenbekehrer.I Ein alter Bösewicht, der im Angesicht des Todes zum letztenmale beichtete, erzählte dem Priester so viele Verbrechen, die er begangen, daß dieser ibn fragte, ob er denn niemals i» seinem Leben etwas Gute» getan habe. ״Ich bckehrle einen Juden", amwortele der Brave. ״Wie machlest du das?" sragre der Priester. ״Run. ich fuhr mil ihm in einem Boot, und fragte ihn, ob er Ehrist werden wollte! er sagte nein. Da beugte ich ihn etwas über den Rand des Bootes und hielt seinen stopf ein wenig unter Wasser, Nachher fragte ich ihn zum zweiten Mal. und als er die gleiche Antwort gab, verfuhr ich wie zuvor. Und als ich dann wieder fragte, sagte er, er wolle Ehrist werden: so dckebrle ich ihn." ״Aber woher," fragte der Priester, ״weißt du. daß er Ehrist geblieben ist?" ״Run, ich hielt seinen .stopf zum drille» Mai 1»uer Wasier, bis er im Glaube» gestorben war." >.1. T.)

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