Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 47 (1906)
- Issue
- 1 (4.1.1906)
- Date
- 1906-01-04
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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4 ^ai'iiav liMH'. (fine lifbf, nltf gesprächige ,vrau ne isl Witwe 1,»d teilt die Wohnung mit zwei Töchtern madtt ״ns daraus nufmctffam, wie schön cs wäre, könnte lncr aus dein נחי -ח2ה Plav eine כקיה gebaut werden ז״.י i>e״u&uufl der Frauen der Innettstadl. wo nur c'lne iclir kleine, fiir die dichte Bevölkerung gänzlich unzuretchende set, und hier gäbe es ja genügend Platz Wir verla,tcn ungern diese liebe, alte Frau, denn ,te wem ,0 viel Interessantes zu erzählen von der Jett als noch keine .107« פחי standen und schildert die Verzweiflung ihrer seligen Eltern, als sic mit ihren Kindern vor mehr als 6« Jahren hierher kamen und nirgends Unterkunst finde» konnten. Ihre Grzählung veranlaßt uns, unsere Schritte sofort zu den zwei Pilgerivohnuiigen zu wenden — eine davon ist seit wenigen Tagen unbewohnt, in der anderen finden wir ein altes Paar, erst einen Monat hier —, der 'Mann ״lernt" in einem großen Folio^ während die Frau gerade die Sabbatlampe richtet. Aus dem Arme hält sie ein kleines rtinb, einer armen Nachbarin gehörend, die vom satten verlassen, für sich und ihr Kind sorgen muß, und noch nicht von der Tagesarbeit heimgekehrt ist. Mit Stolz wird uns die einsachc, bcaueme Einrichtung der Wohuung gezeigt — ״alles, alles haben wir jedoch so vorgcfunden." wird uns mitgeteilt — ״wir suchen jetzt eine ד~ה «Wohnung) in der Stadt, fiir Mohär ein". Und wirklich kann die Wohltat dieser Pilgerwohuungen für arme Znreisende, die sich hier niederlassen wolle» kanm begriffen werden, wenn man die eigentümlichen Miels- Verhältnisse Jerusalems nicht kennt, die cs nur ermöglichen, einmal im Jahre, zu ״Moharcm", der 7tägige ״Ziehpertode", nach tnohammedanischer Zeitrechnung jedes Jahr ll Tage früher (ho» fnnimende Mal im I-ebruar 1906,. eine Wohnung, auch nur ein Zimmer zu mieten. Noch besuchen ivir die Stmagoge, von deren Fenster» wir auf das tief darunter liegende Siloam blicken könne». Die vielen Gedenktafeln der Synagoge, einfach und gediegen ausgesührt, fesseln unsere Aufmerksamkeit. Die sich neigende, aus den gegenüderliegenden Bergen Maabs noch einmal ausleuchtende, purpurgliihcndc Sonne sagt uns: der קו־מ rer ist da, in wenigen Minuten wird sich die rasche orientalische )stacht herniedergelenkt haben. Indem wir nuS dem Tore zuwenden, sehen wir durch offene Türen die Sabbatlichter glänzen, überall Friede und Sabbatruhe! In gehobener, wahrlich ganz anderer Gemülsstimmung, als wir kamen, gehen wir fort in dem Bewußtsein, daß wir eine segenSreiche, musterhaste Institution gesehen haben, und sprechen gegcnicilig die Hoffnung aus, daß cs den edlen Stiftern im Anslande gelingen möge, Mittel zu finden, diese vortrefflichen Armennnd Pilgerwohnnitgen zu vermehren zum Segen der so großen Armenbevölkerung Jerusalems. In einem zweiten Artikel soll die Begründung und Gntwicklung der Armen- und Pilgerwohnungen in Jernsalem geschildert werden. ־fc ♦ ,?■ -'־ Atälkkn [öfr Thora in Dkutskhland. 1. Die Klaus i« Altona. Wecket die Ibora tut Volk! Os in euer einziges .Heil"! Wecket die Tbora im Pelle. 1111ter1tch:e' euere «tinder in der Tboia. gebet zutainmen, stiftet Pereine. gründet Anstalten, da» euere Jünglinge, d.iü euere Bianner ibr Nebelung in Tei Israelit. Leite 2:> Nr I der lbor.1 ,r׳>,ck,׳e». daß der «->e1׳t der!1100.1 wieder dis zu eueren ..Aiuderbilien und eueren ..Lckiutiern'ederi,״ dringe, wecket die alte» O'T Pere111 e n»d Botbr 1 k> 1,1 i ck, 101 eder 1111״ ledcndigiten 1,11(111 und die 11100,1 loird 001! neiiein ,tue Iieitende. rettende reden dringende >!0.1״ »egreicki deioudren ״ 2 .1111 f c 11 N >1 ndgel H>1 ick>' ,Z-lch»run I. S. 11!>. Wir möchten diesem Nus zur Widerbclcbttttg der Jerusalem vom Crlbrrg. alten Bothe-Midrasch, Klausen und Slistungen verwandter Art dadurch entsprechen, daß wir uitscreu Lesern diejenigen Stätten der Thora vor Augen führen, welche der weitausschaucnde. sürsorgende Sinn einer früheren Zeit gegründet uno damit bei Tt,vr״ uuu! in unserer ihr vielfach entfremdeten Gegenwart einen Zufluchtsort gesichert hat. Dicte Institution, die sonst in keiner jüdischen Gemeinde fehlte, ist heule so spärlich Jerusalem vo» Norde». selten geworden, daß vielen das Bes Hemtdrasch sogar dem bloßen Namen nach ein ganz unbekannter Begriff isl. Ihr נח הפגהח, ihre Synagoge hat jede Geineinde, aber das Bes Hemidrasch fehlt und wird nicht einmal vermißt, weil vielfach aus den jüdischen Kreisen das Bewußtsein von den Segnungen entschwunden ist, die sich in so reicher, mannigsachcr Fülle an diese Stätte der gemeinsamen, öffentlichen Belehrung knüpfen. Welch ein Segen, welch ein Glück wäre eS für unsere schwere, ernste Zeit, wenn in den jüdischen Gemrtitden wieder die allen Boihc Midrasch erstündeti! Wenn das Persläudnis, wenn das Bedürfnis fiir sie wieder erwachte, weint unsere כע" בידם wen» unsere Jünglinge wieder die Sehnsucht nach dem höheren, Gdlen und Wahren ergriffe, und' sie sich der leeren, schalen und blasierten Weise zu schämen anfinge», mit welcher sic ihre Mußestunden vergeuden. Welch ein Glück, welch ein Segen wäre c«. wenn jede jüdische Gemeinde eine Stätte gründete, die Tag und Nacht für alle offen stünde, welche Sinn und Verständnis für die Notwendigkeit haben, ihre freie Zeit mit der Aneignung unseres LebensgrstveS, unsere« einzig lierrlichen Schrifttum«. unserer «beschichte und alle« dessen, was Inden und Judentum betrifft, 1 tuchlbringend auszusüllen. Wen» sie da« Geist und Gemüt tötende Äirtltshausleben. da« Spiel, das Trinken, die sogenannten Zerstrruuugen aller Art in ihrer ganzen Fadheit begriffen unv sich wieder in dem alten jüdischen rebensvorsatz zusammensänden: -מנה׳ דרכי ואמינה רגלי א־* עו׳־ידך ״Ich denke über meine Lebenswege nach und lenke meine Tritte wieder deinen Zeugnissen zu!" tPs. 119. 'G.t Wie viele junge Leute geraten in jene« Lotterleben nur deshalb, weil ihnen Anregung und Gelegenheit zu Besserem und Höherem fehlt! Wie viele führt die Langeweile dazu, in diesen Plattheiten. Kurzweil zu suchen und zu ffnden, und wie viele Seelen wären aus diese Weise zu retten, die tonst rettungslos verloren find! Welch eine Wohltat wäre es für das ganze Familienleben, wenn daS BcSHamidrasch wieder seinen Mittelpunkt bildete! Welche Wohltat wäre es für die durchreisenden Armen, wenn sie, statt zum Wirtshaus und za schlechter Gesellschaft verurteilt zu sein, wieder eine solche Stätte hätten, die sie liebevoll aufnimmt mit der Gesinnung jener Gleichheit und Brüderlichkeit, die draußen nur in der Phrase lebt, hier aber die schönste Verwirklichung feiert! Man muß dieses Ideal kennen, wie es einst in allen jüdischen Gemeinden seine schönste Verwirklichung fand und Gottlob noch heule da findet, wo der Geist der Bothe-Midrasch noch seinen Segen — ־־-1 über das ganze Gcmeindewescn ver- I breitet. 'Wir wollen daher unseren ' Lesern solche Stätten der Thora in! Deutschland vorsiihren. damit sie zur! Erhaltung der bestehenden und zur > Gründung neuer derartiger Iustitutionen! anregen, und schildern als eine der l ältesten und ehrwürdigsten die Klaus 1 zu Altona. Die älteste.Klau« in Norddeutschland ist die Altonaer Odacham Zwi Klaus. Der Zweck eines Klaus- Institutes war ׳» früheren Zeiten, einigen jüdischen Prtvatgelehrten Gelrgenheit zu geben, ohne Nahrungssorgen sich ungestört dem Talmudstudinm widmen zu können. Ferne von dem Getriebe des lärmenden Geschäftslebens — worauf vielleicht auch der Name ״Klause" hindeutet sollten sie Tag und Nacht in der Thora forschen. Zumeist basieren diese Lehr- Häuser ״Klausen" aus den Grundgedanken de« ממני מביית-. Der Gtwerbende. der Reiche sorgte für den Hausstand und alles Nötige d«S Lernenden, wofür er einst Anteil an dessen göttlichen Lohn für das Limud Hathoro. erhoffte, wie dies unsere Weisen im Talmud Sota 21. mit mehreren Betspielen lehren מדעת •אח• עזריה. Im Lause der Zeiten erlangten aber diese Klausen noch eine andere wichtige Bedeutung. Früher stellte jede Gemeinde Melamdim, Talmudlehrer an, welche in den sogenanlen Ghadorim die Heranwachsende Jugend im Talmud unterrichteten und sie zu selbstständigem ״Lernen" herandildeten. Als jedoch im vorigen Jahrhunderte diese Ohadorim in Deutschland schwanden, die IeschiwauS, die Talmudschulen sich auf- 'ölten, ging das Talmudstndtum sehr zurück. Selbst in den jüdischen Schulen werden dem jüdischen linker-