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Der Israelit · 1906-01-04 · 1 (4.1.1906) · p. Seite 20

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Journal
Der Israelit
Volume
47 (1906)
Issue
1 (4.1.1906)
Date
1906-01-04
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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Nr. 1. Leite ‘20.?er Israelit. 4. Januar dadir genannten Faktoren bervorgebracht. Bon innen betau» wirken ne »nd schaffen da« Bild, da« wir selien. Gleich dem Bildhauer, der von anffe» hä»»»ert und klopft, punktiert, mriselt. modelliert, so arbeiten diese »raste von innen. Und wa» solle» unsere Mädchen lesend Nur Fingerzeige, nicht genaue Anweisungen sollen liier gegeben werden. Lasset Ne vor Allein i» ihrem Eigentum zic Haui'e werde»! Nicht jede Lchule vermag das brranwachiende Mädchen mit de» Lchäffcn unserer deilige» Lckrift, den Psalmen, den Lprüchen sLaloinon». den Propketen :c bekannt *» mache», und sremd dürfen ne ihm nicht bleibe». Unsere großen jüdisch andalusischc» Dichter bieten die erhebendsie Poesie, zeugen von solch innige» nationalen Bewußtsein, baff ei» jüdisch Herz sich daran ausrichtet im Kammer, mit ihnen jubelt i» ,dreudc Ei» stützender stab aus ihrem Lebenswege können die unvergängliche» Lchrifte» Lainso» Napbael Hirsch« werden, die Nichtschnur, die sie sicher leitet zu hehrer, selbstloser Pflichtersüllung, in ihrer ‘Ausgabe als jüdische sfra». Unser engste» «Gebiet vcrlaiscnd und uns!» den Bereich der Wellttieralur begebend, soll sogenannte Untcrlialtungs lektüre, sollen .fjoiaane. Liovellen nicht ausgeschlossen > -*rde», wir haben deren wundervolle. Den Vorzug soll ,»׳ooch außer den genannten jüdischen unseren «keineslieroen. unsere Klassiker haben. Wir lcvürkeu eines feiten szi»׳oa»1enls, aus kew. sicherer sehlcrloscr Bau ansgerichlcr werden ka.m. "׳e . Moderne»", die naturalistischen oder matnia lifftsi״«!» schritten lasse »1a» rukig für den ‘Ansang weg. Man t׳u da> rhne Lchaden Lpäteren fahren, da die Mädchen erst richtig urteilen gelernt, sei dies Vorbehalten. Es ,״ulet widerlich an, ivenn nebzeli» oder gar sechzehn jabrige Vkädchen initipreche» wollen ».:er die ctw .ge Be rechligung des Charakters der Magda in Li.dernianiis ..Heimat", die, wenn ^bsen genannt wird, himmelnd die Auge» verdrehen, über ,trau Alwine und ihren Lohn philosophieren, Bergleichc ziehe» zwischen Hedda «Gabler und ,>rau v-tviledl, sich gar an Llrindderg vergreisen. We»>׳ auch unser» M״d>hen nichts sremd bleiben soll, diese Lektüre, die sie uuvcrmillelt ans ociu Paradiese der Kindheit in eine Welt der Lunde sülirl, in gewis? am wenigste» geeignet, eine gesunde, richtige Erkenntnis anzu bahnen, «kedel Borbilder, an denen die tilgend sich aus richte» kan», nicht -Zerrbilder, die ne beirre»! Welche Wonne, welch ei» «kenuß die junge» «deiner in diese Wunderwelt rinzusühren. Wir lassen iic nur ge nießen. ׳ich ainüneren. wie ne ineinen, und »nversrkens bat das Lesen sei» Erzirliungswerk begonnen, bebt die iNmüler hinweg aus dem «Gebiete der Alltäglichkeit, öffne! sie dem Ideale», den höchsten Benrebungen, dein absolut tNiten. Wie roten nch die Wangen, wie nrahlen die Augen! > einer schonen tkegend gehn ivir spazieren, scheinbar nur zum Bergnügen. doch cs krä'iigl sich der «törper, weilen nch die Lungen,!ravten s!w o!e Nerven. Wir er Neigen eine Anbobe. unier Blick erweitert nch. unter Horizont wird klarer, ׳'ernere K reffe erwecken unser Interesse, unser leiblich Auge öffnet «ich dem Leben, dem Wirke» der Natur, unier geistiges, dem unverkennbare» nille». gütigen Wallen und Lenke» einer ködern Hand. L»ckel io die klingende Laile in der Madchenbrust anzuschlage». laffel die Vergangenheit n»l lebendiger -Zunge zu ihnen rede». a»s da« ne deranrcisen ׳ur die ,lorderungen der i'tegenwarl' Zugenüzchrilten. Unier vorstrbendei» Tue, werden wir!» sorllausender Aetlensolge eine Beipreckung s»r die!üdiiche Engend ge eignerer Lchri'le» bringe». Maßgebend sür die Beurteil ung w.rd >ur nns ielbsivernändlich vor allem unier Lland Punkt als geieizeslrene ,luden sein, obne da» dabei die anbellichen n»d crzicklichcn «keiichtspunktc irgendwie außer ackt zu lane» waren. Wir glauben da»׳il (.M'.crit und Lehrer», die bei der Auswahl von 'beschenke!‘, sndie Barinizwob und bei der Errichtung von Lchnibi'׳li-.->beken i» der Negel au» die Einpseblungeii von Buchhändlern atto von ,Inlerciienlcn angewie'c» »>>», einen ׳veicnt lichcn Tiensi zn leinen. Wir werden zniiack׳-. die indische ,uigendlilcralu, ins Auge fasse», denn s>:r d'.e n.-uliiidische fehlt es keineswegs an zuverlässige» Wegweisern. Lebhafte Mitarbeit unsrer pädagogisch gebildeten Leier an dieser Nubrik in uns besonders erwünscht. I Bkiba, lnnorischc Erzählung ans der -seit der lernen Kamps« der ,luden gegen die römische Weltmacht, nach taluiudi'chrn »nd römischen LlneUcn bearbeitet von Rabbiner Tr M. Lehman»-. Koinn-.linonsvertag von ,V .kaussniann, slranksurt a. M. Lelimanns Erzählungen sind Bolksbücker »1 des Wortes schönster Bedenlniig -. sie werden von jung und alt mit wahrem Heiffbunger verschlungen, von der Engend vielleicht noch mehr als von den Erivächscnen Lie machen das!übliche Lk'epublikum nicht nur nm der «keschichte des indische» Volkes bekannt, sondern ne wirke» auch!« hoben! Maß, religiös erzielirri'ch Wen» aber ei» Buch geeignet ist. die jugendliche» Herze» sur de» vilerlicken «klauben zu entflammen und ne »nt der talmudäche» ikedankenwclt vertrau, zn machen, so fft es Akiba. ,ln der glucklichiien Weiie n»d hier die schönste» talmudischAgada der Lebens grschichte des große» tkeseneslebrcr» zu einem harmonischen ikanze» verwoben. Wen» die Erzählung auch nicht sireng kuiettlernche» Aniordernnge» envpricht, ko ent'chadigt ne au» der ander» Leite durch eine Fülle von LteUe» von hoher, poetischer Lchönheit. Ta» Buch ist vergriffen und wird demnächst i» neuer Auslage er,cheincn. Ta »lochten wir den» schon Keule den dringende» Wunsch ausspreche». daN künftig die äußere Ausstattung, besonders aber Truck und Papier denjenigen Anforderungen entspreche» möge, die wir an ,lugcndichriflen stellen müsse». «Gerade ans diese», «"e biete wird aber bei »ns am meisten gesündigt. U Mendel htibbor, von A. B e r n sl e i n Berlin. Freund,leckcl Preis geb. Mk. I. . An künsilerische», Werte steht M <k hoch über Akiba: seizle ihn doch ein so feinsinniger Beurteiler, wie der verstorbene Tr. Heine »,ann ־צל» i» seiner Art dem Ekkehard von Lckeffel gleich. ,h> feiner Beliebtheit bei der reiferen ,zugend aber bleibt er weil hinter Akiba zurück, lind das darf »ns nicht wunder nehme». Tort.Handlung, romantisch ausgeschniückle Handlung, das Ringen eines kleinen Volkes mit dem ge wattige״ Nom, liier meifterbafte realistische Milieuschilderung , dieses Milieu aber, das Leben und Treiben in einer .Klei» »ladt i!» L iten Deutschlands mit san ausschließlich jüdischer Bevölkerung, in unserer ,lugend fremd geworden, io kominl es, dag das, was sür nns ein reiner Kunstgenuß war. unsere .Kinder kalt läßt- Lollcn wir aber ein Werk, ans dem uns io echt jüdischer «kein eiilgegenivehl, das io reich isl, an prächtigen jildischen »nd nichljüdischen Charakteren man denke nur an de» Wachlineisler und den braven, preußischen Landrat für unsere ,Zwecke ganz »nbeachlet lassen'k keineswegs. Wir hoffe» es noch zn erlebe״, an dieser Ltelle einen ״Mendel tk,bbor. für die ,Ingend be arbeitet", besprechen zn können. Wir Hallen eine solche Bearbeilniig aber schon aus dem reni äußerlichen ikrunde sür nötig, weil er jelzl nur mit ״Vögele, der Maggid . zuiamnien in rineni Bande zu haben in. ^b man aber de» Leizlere» den Lchülern anstandslos in die Hand geben darf, darüber gebe» die Meinunge» auseinander. Doch darüber ui der nächsten Nuinmer. Correrpondenzen u. Nachrichten. Bremen. Ä>. Dez. Am 28. d. M. fand hierselosk eine Bersammlunc;. bestehend aus den Herren Landrabbiner der Provinz Hannover, Vertretern der Gemeinden und Lehrern statt, in welcher 3 t < 11 u n g z u der V o l k S s ch u l g e s e tz-P o r l a g c cieuommen und beschlossen wurde, eine Petition im Anschluß an einen Entwurf des Perbandes der deutschen Juden unter besonderer Berücksichtigung der durch Gesetze geordneten Schulverhältniffe der Probinz Hannover an das Abgeordnetenhau-- zu richten, tln! diesem 3chr:tte den größtmöglichsten Ncickidriui zu verleilsen, sollen alle jüdischen Gemeinden der Provinz Hannover anfangs Januar 1906 eine Petition, deren Wortlaut in Hannover gegenwärtig festgolegr wird, an den Landtag absenden. S. Jrankfurl a. M., 29. Dez. Vergangenen Mittwoch fand eine Vorstandssitzung des Bundes geetzestreuer Lehrer statt. Als Gäste waren Herrn Rabbiner Dr. Auerbach- Halberstadt und Herr Provinzialrabbiner Dr. Gähn- Julda anwesend. Auf der Tagesordnung stand als einziger Punkt das »reußische Schulunterhaltungsgesetz. Nachdem der Vorsitzende, Herr Direktor Dr. Lange, die Anwesenden begrüßt hatte, referierte Herr Kollege Wolf- Aurich über eine Versammlung, die an> Tage vorher in Bremen stattgefunden und über dieselbe s^rage beraten hatte. Es wurde beschlosien. gemeinsam mit einigen dem Bunde nahestehenden Kor porationen eine eigene Petition an den vreußischen Landlag zu richten; zu deren Ausarbeitung wurde eine besondere Kommission gewählt. Es soll darin entschieden betont lverden, daß wir aus religiösen Gründen für die Konfcssionsschule eintreten. Es sollen ferner alle Mittel versucht werden, um eine Aenderung der für uns Juden so äußerst ungünstigen Bestimmungen hcrbrizuführen. Bamberg, 91. Dez. Ein frischer, fröhlicher Zuz gcht jetzt durch die jüdische Lehrerwelt; allenthalben zeigt sich ernstes, ideales Streben: überall ist man eifrig bemüht, die Lücken einer zum Teil Mangelhasten Vorbildung durch strenge Selbstarbeit auszufüllen, die allegemeinen und Berufs-Kenntnisse zu vervollkommn« n. und insbesondere das, was uns allen so not tut, das religiöse Wissen zu mehren und zu vertiefen. Nicht in dem Studium der Bibellritik allerdings, nach dem Rezepte des Verbands-Expos«'׳s, suchen wir unser ausschließliches Heil, sondern wir wollen schöpfen an der ältesten, zuverlässigsten Duellen, wir gehen zurück zur ־ רב נ־r: ‘1-.-77 •טקב•־ vsם:— י׳•*־״• der Lehre, die Mosche am Sinai empfangen und sse dem Josua überliefert," ivelche die zerftrenten Glieder unseres Volkes in der Diaspora mit einem gemeinsamen, unsichtbaren Bande um schließt. Ueberall sehen wir Fortbildungsvereine sich bilden, in denen man nicht neue Methoden sucht, sontern in welchen man die alten Pfade wandelt, die unsere Altvordcren schon seit den ältesten Zeiten ge gangen, und die ohne langes Experimentieren sicher zum Ziele führen. Unter Leitung Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Tr. Mannes aus Schwabach ivurde am heutigen Tage auch hier ein solcher Verein gegründet. War auch die Zahl der Teilnehmer noch gering — verschiedene Kollegen waren am Erscheinen verhindert — so herrschte doch einmütige Begeisterung. Nach den üblichen Vorbesprechungen und der Fest sehung des Prograinmes wurde sogleich mit dem Lernen aus rrz'z rzze begonnen. Schon diese erste Konferenz überzeugte uns, daß die Leitung in be währten Händen ruht, und daß uns bei den nunmehr regelmäßig staitsindenden Zusammenkünften genuß lind lehrreiche Stunden in Aussicht stehcn F. Aus der Provinz Hannover,!. Jan. Hat die Schulvorlage in den Kreisen der christlichen Lehrerwelt eine allgemeine Enttäuschung und Er bitterung hervorgerufen, so hat sie bei den jüdischen Lehrern und Gemeinden geradezu niederschmetternd gewirkt. Was unsere Gemeinden unter großen Dpfern erkämpft, was unsere Lehrer sich durch Hin gäbe und Fleiß errungen haben, das soll ihnen genommen werden zu einer Zeit, welcher die Aufgeklärtheit und der Fortschritt ihren Stempel aufgedrllckl haben. Daß das Judentum sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat, das verdankt es seiner Schule, insbesondere rst es gerade die Provinz Hannover, in welcher eine umfangreiche wohlwollende Gesetzgebung die Verhältnisse der jüdlschen Schulen und Gemeinden bis ins kleinste hinein ordnete. Diese Gesetze, ent standen zu althannover'schen Zeiten, sollen jetzt aus gehoben werden und wir unserer altverbrieften Rechte verlustig gehen. Vor mir hängt das Patent, das König Wilhelm I. bei Besitznahme des vormaligen Königreichs Hannover am 9. Oktober 1866 an seine neuen Untertanen erließ, in welchem es heißt: ״Wir wollen die Gesetze und Einrichtungen der bisherigen hannoverschen Lande erhalten, so weit sie der Ausdruck berechtigter Eigentümlich leiten sind und in Kraft bleiben tonnen, ohne den durch die Einheit des Staates und seiner Interessen bedingten Anforderungen Eintrag zu tun." Das sind goldene Worte und wir dürfen das Verirauen in unsere Abgeordneten sehen daß sie das Versprechen, das einst der hochselige Kaiser Wilhelm nach der Annektierung Hannovers seinen neuen Untertanen gab, respektieren werden. Die Ge setze des ehemaligen Königreichs Hannover, welche mit in die preußische Provinz übernommen wurden, haben sich nach jeder Richtung hin bewährt und nie ist ein Verlangen nach Veränderung der Dinge laut geworden. Diese Gesetze nun. gemeint sind die vom 5.0. Septenibcr 18-12. vom 19. Januar 1844 und vom 5. Februar 1854, sollen aufgehoben und nur die durch das Gesetz vom 7. März 1868 vom Staate übernommene Verpflichtung, aus den Staatshalts Haltseinnahmen den bedürftigen jüdischen Schulen Hannovers eine Beihülfe zu oeivähren, soll beibebalten werden. Will man diese Bestimmung auch in Zukunft bestel-en lassen, man gehorcht hier der Not und nicht dem eigenen Triebe, so muß es auch bei den vor stehend genannten Gesehen, die als eine berechtigte Eigentümlichkeit des ehemaligen Königreichs Hannover zu betrachten sind und deren trrhaltung König Wilhelm l. für sein Land übernommen hat. geschehen. Der? 24. der den zu bildenden kommu nalen Verbänden das Recht einräumt, jüdische Volks schulen zu erhalten oder ihre Auflösung zu bean tragen, also bei zukünftiger, straffer Handhabung den größten Teil unserer Schulen vernichten wird, ist von den Landtagsabgeordnetcn vielfach dabin ver standen worden, daß die Volksschnlunterhaltungsgesetzesvorlage als Gesetz für Hannover keine Geltung haben soll. Diese Interpretierung ist jedoch eine falsche — leider eine falsch«, denn der Absatz 5 des 3 24 handelt nur von den bereits besprochenen Zu Wendungen in Gemäßheit des Gesetzes vom 7. März 1868. deren alljährliche Hohe 16,800 Mark beträgt. Die Lage unserer Lehrer und Schulen ist eine kritische wie noch nie zuvor. .Hoffen wir. daß es den vereinten Anstrengungen aller beteiligten Kreise gelingen »i'öge, die drohend? Gefahr von unserem Judentum abzuwenden. ולא ״שן ש־ם־ ישיאל e•;דנה לא ׳ S. P.

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