Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
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■b 13 * Selbstanregung zu einem höheren und edleren Streben, als zur Verwerthung ihres Thuns für ihre Person vermißt; wenn geistige und sittliche, religiöse und vaterländische Interessen ihnen fremd und glcichgiltig bleiben; beklagt euch nicht, wenn sie in selbstgcnügender Beschränktheit nicht nur den edleren Regungen des Gemüthes selbst unzugänglich sind, sondern Aufopferung für Thorheit, Begeisterung für Schwärmerei, Selbstverläugnnng für llnklugheit erklären." *) Auf den Zweck der Bildung in dem angegebenen Sinne war Stern's Lchrthätigkeit hauptsächlich gerichtet, sowohl beim Unterrichte in der Geschichte, als bei der Lcctüre und Erklärung der deutschen Klassiker und bei der Anleitung zum schriftlichen Gcdankenausdrucke, welche Fächer er in den obersten Klassen übernommen hatte. Für die stilistischen Hebungen wählte er vorherrschend solche Stoffe, die geeignet sind, das sittliche Urtheil zu schärfen. Bei der Kritik der gelieferten Arbeiten, der er die größte Sorgfalt widmete, berücksichtigte er die sich in ihnen kundgebende Eigenart der einzelnen Zöglinge. Die ansprechende Form der Mittheilung mußte für seinen llnterricht, bei dem er von einem vorzüglichen Gedächtnisse unterstützt wurde, die Aufmerksamkeit und das Interesse im Voraus erregen und fortwährend wach erhalten. Stern kannte die Individualität alter seiner Schüler und Schülerinnen, und wenn sein Auge auf dem Kinde ruhte, so war es, als ob er alle Geheimnisse seiner Seele erforscht hätte. Lob und Tadel, Ermunterung und Warnung wußte er nach dem Naturell desselben zu bemessen. Er sah in dem Zöglinge stets den zur Selbstständigkeit heranreifendcn Menschen, ging — so streng er auch in den nothwendigen Anforderungen war — liebevoll in den Sinn desselben ein und achtete sein Recht, das auch in bester Absicht nicht verletzt werden darf. So entschieden auch Stern's Neigung für die Wissenschaft war, so trieb ihn doch sein humaner Sinn zur unmittelbaren Wirksamkeit, für die er vermöge seiner Persönlichkeit besonders berufen war. Wie er in früheren Jahren mit Begeisterung den Gedanken erfaßt hatte, eine das ganze Judenthum umgestaltende Genossenschaft zu stiften, so hegte er auch in späterer Zeit noch manchen Plan, der auf eine zwar nicht so sehr in's Große gehende, aber doch erweiterte Thätigkeit gerichtet war. Namentlich war es ein Lieblingsgedanke, den er mehrmals aussprach, daß ein jüdisches oder ein allgenwines Lehrerseminar in hiesiger Stadt gegründet werden solle, wobei er für die heran- *) Die Elemente der sittlichen Erziehung, S. 26 f.