Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 14 (sequence 16)
- Language
- German
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14 *tzubildendm jüdischen Lehrer eine engere Beziehung zu unserer Schule voraussetzte. Er entzog sich niemals der Mitwirkung zu einem gemeinnützigen oder wohlthätigen Zwecke. Neben seiner sonstigen angestrengten Thätigkcit innerhalb und außerhalb seines Berufskreises, bei der er seiner starken Arbeitskraft nur zu viel zumuthen mochte, fand er immer noch Zeit und fehlte es ihm nie an freudiger Bereitwilligkeit, sich eines Hilfsbedürftigen anzunehmen. Seiner einflußreichen Verwendung gelang es, mancher von Noth bedrängten Familie den ersehnten Beistand zu verschaffen und besonders auch manchem strebenden jungen Manne, der mit schwierigen Verhältnissen zu kämpfen hatte, den Weg zu seinem Fortkommen zu bahnen und das Lebensglück desselben zu begründen. Nach dem Tode Jost's (20. Nov. 1860) übernahm Stern die Leitung des von demselben gestifteten hiesigen israelitischen Frauenvereins und widmete sich, so lange ihm selbst noch zu wirken vergönnt war, mit voller Hingebung dem segensreichen Werke der Erziehung armer Waisen. Obgleich er schon seit längerer Zeit seine Gesundheit angegriffen fühlte und heftige körperliche Schmerzen zu überwinden hatte, war er doch bis zum 9. Januar v. I. unausgesetzt in seinem Berufe thätig. Von diesem Tage an, wo er die Schule verlassen mußte, die er nicht wieder betreten hat, glich er bereits einem Abgeschiedenen. Als sollte er noch einige Zeit in verklärter Gestalt unter uns weilen, sahen wir ihn während seiner viermonatlichen Krankheit zwar in seinen Fähigkeiten gehemmt, aber ungeschwächt in seiner Sorge für unsere Anstalt. Sein Anblick mußte uiit desto größerer Wehmuth erfüllen, je wärmer er seine Gefühle äußerte. Ihm selbst wurden während dieser Zeit der schwersten Leiden, die er mit Ruhe und stiller Ergebung ertrug, reichliche Beweise der Liebe und Verehrung, besonders auch von seinen Schülern und Schülerinnen gegeben. Pie — freilich nur ganz schwache — Hoffnung auf seine Wiederherstellung, der wir uns so gerne Hingaben und die wir noch in der vorjährigen Einladimgsschrift, die in seinem Namen erschien, ausgesprochen haben, sollte nicht in Erfüllung gehen. Noch im kräftigen Mannesalter, in seinem fünfundfünfzigsten Lebensjahre hat ihn der Tod ereilt. Wenn wir aber seinen frühen Hintritt betrauern, so mag uns wieder der Gedanke erheben, daß er die Kraft, deren Wirksanrkeit in unserer Mitte wir jetzt so schmerzlich vermissen, überall ganz eingesetzt, daß er stets auf der Höhe seiner selbst und der ihm gewordenen Aufgabe gestanden und so sein Leben wohl vollbracht hat.