Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 10 (sequence 12)
- Language
- German
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minder anregend ist für das kindliche Genrüth in dieser' ersten Schulzeit das Bild eines geregelten Organismus, das die Schule bietet und in dem es sich eines gewissen Antheils bewusst wird. Das Lauten der Glocke, das mehrere hundert Kinder an ihre Plätze ruft, imponirt ihm nicht nur, sondern gewährt ihm auch ein Gefühl der Genreinschaft mit denselben, von dem es sichgehoben fühlt, indem ja das Alles auch für es und zur Regelrnrg seiner Thätigkeit geschieht. Der Gang der Schulordnung ist ihm im ersten Augenblick ein großartiges Spiel, an dem seine Phantasie arbeitet; und das Kind will mitspielen an seinem Platze und reihet sich willig in die Ordnung ein, die ihm dasselbe anweist. Der Stolz, mit dem das Kind in die Schule geht und von den Wundern der Schule erzählt, hat in diesen Vorstellungen seine Quelle; und die Pflicht, sich dm Gesetzen dieses Organismus zu fügen, ist ihm eine natürliche Folge und Bedingung seines Antheils cur demselben." Es ist zu bedauern, daß Stern die allgemeinen pädagogischen Fragen mehr gelegentlich und nicht im umfassenden Zusammenhänge behandelt hat, wozu er vermöge seiner Richtung und Auffassungsweise berufen gewesen wäre. Dieselben sind bekanntlich nur Abzweigungen der einen und untheilbaren Frage der Volkserziehung, wie sie fest Pestalozzi irr wechselrrden Formen auf der Tagesordnung steht. Die principiellerr Gegensätze beruhen, wie auf anderen Gebieten, auch hier in der Schwierigkeit der Aufgabe, die so mannigfaltig verschiedene Seiten darbietet und so große Arbeit erfordert. Wie Stern's ganzes Leben im Dienste der fortschreitenden Bildung stand, so würde insbesondere auch eine eingehende Behandlung wichtiger pädagogischer Zeitfragen, die er hin und wieder berührt hat,*) seiner sonstigen publicistischen Thätigkeit entsprochen haben. Wir sind mit dieser Bemerkung aus den Punkt gekommen, der für Stern's pädagogisches Wirken bezeichnend ist. Obgleich er sich frühzeitig und beinahe ununterbrochen mit der Erziehung und dem Unterrichte beschäftigte, so ist er doch nicht etwa vom eigentlichen Schulfache ausgegangen und hat von diesem aus seine vielseitige Thätigkeit entfaltet. Er lebte vielmehr im Großen und Ganzen, war von den allgemein menschlichen und vaterländischen Interessen bewegt und betrachtete die Erziehung als den wichtigsten Factor zur Förderung derselben. Immerhin aber wird sich ein Unter- *) So z. B. hat er in der Abhandlung: „Elemente der sittlichen Erziehung" die Frage besprochen. ob und in wiefern die allgemein menschliche Bildung der besonderen confessionellen und vaterländischen vorangehen solle?