Mannheim
Compact Memory

Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main · 1868-01-01 · 1868 · p. Seite 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
Volume
1868
Date
1868-01-01
Page
Seite 9 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9643684-9553995--0043-7370610
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

—«H 9 -§■ ganzes Walten, vom Eintritte des Kindes an bis zur obersten Stufe, je nach dem Grade seiner Entwickelung, die Handlungen desselben nach einem höheren Gesetze regelt. Sie war ihni, so zu sagen, eine Verkörperung des unbedingten Pflichtgebotes, gemäß den Grundsätzen der Kantischen Sittenlehre, die — wie er mit Dank gegen einen seiner ehemaligen Lehrer öfters erwähnte — in seiner Jugend den größten Einfluß auf seine eigene Charakterbildung geübt hatte. Solche und ähnliche Grundgedanken, die den Hintergrund seiner Ausführungen bildeten, machte er durch Darlegung der Einzelheiten und durch treffliche Bemerkungen über das kindliche Seelenleben anschaulich. In die Vorstellungen des Kindes, wie sie im Dämmerlichte des zarten Alters bald unbewußt, bald deutlicher in ihn: auftauchen und sich durchkreuzen, in das wunderbare Spiel der Phantasie, mit den: es anfangs in die Schule tritt und diese seine neue Welt auffaßt, wußte er sich mit poetischem Sinne zu versetzen. Wir können uns nicht enthalten, einige Worte aus seiner Abhandlung über die Erziehung zur Pflichttreue hier wiederzugeben. „Der Eintritt in die Schule," heißt es daselbst, „bildet... nicht darum einen so wichtigen Abschnitt im Leben des Kindes, weil es nun etwas zu lernen anfängt." Die Bedeutung desselben „liegt vielmehr in dem Uebergang aus den: Gebiete des unbefangenen und meist nur empfangenden Lebens in das Lebensgebiet der Pflichten... Es liegt eine Gefahr für den günstigen Erfolg der gesannnten Erziehung darin, wenn dieser Uebergang... ein zu plötzlicher und schroffer ist... Die neuen Pflichten der Schule knüpfen sich am natürlichsten an den neuen Erwerb, den sie den: Kinde darbietet. Die Freude an: Lernen und am Können, an der Erweiterung seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten muß sich ihm als Quelle seiner Pflichten für die Schule erkennbar machen... Nicht weibliche Beruf und die Erziehung für denselben. 1859. 5) Die Erziehung zur Wahrhaftigkeit. 1860. 6) Gcdenkblättcr für den verstorbenen Oberlehrer vr. Michael Heß. 1861. (Enthaltend zwei Reden Stern's und zwei Beitrüge des Unterzeichneten. Außerdem hat Stern in Dicstcrweg's pädagogischem Jahrbnche für 1862 ein Lebensbild seines Vorgängers gegeben.) 7) Die Bildungsepochen des Menschen und ihre Gränzen. 1862. 8) Was die Schule lehrt. 1863. 9) Anforderungen des Lchrcrberufs. 1864. 10) Verschiedenheit der Kindcrcharaktere und der ihnen entsprechenden Erziehung. 1865. (Abschnitt aus der Schrift: „Die häusliche Erziehung.") 11) Der Lehrplan der Anstalt. 1866. Die Aufeinanderfolge der Abhandlungen zeigt, wie Stern sich zugleich seine eigene Aufgabe immer mehr klar zu machen suchte. Auch in seinem jüngsten Programm, in dem er den Lehrplan der Anstalt darlegte, war es ihm hauptsächlich um die auf das eigentliche Ziel gerichteten Gesichtspunkte zu thun. Um so schätzbarer wird diese Schrift, die gewissermaßen seine letzte Willenserklärung enthält, stets für unsere Schule bleiben. Jsr. Ncnlsch.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.