Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Journal
- Einladungsschrift zu der am ... stattfindenden öffentlichen Prüfung der Real- und Volksschule der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt am Main
- Volume
- 1868
- Date
- 1868-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 8)
- Language
- German
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■?- 6 -£■ der Reform des Judenthums, die man von verschiedenen Seiten schon seit Jahren erstrebte, mit einem entschiedneren Schritte voranzugehen und vor Allein einen ihrem religiösen Bedürfnisse entsprechenden Cultns zu schassen. Ihr Aufruf hatte eine überraschend große Wirkung, und so wurde die „Genossenschaft für Reform im Judenthum" gegründet, die zwar nicht die anfangs erwartete Ausdehnung und Bedeutung erlangte, aber noch heute unter dem Namen „jüdische Reformgemcinde in Berlin" besteht und zur Belebung des religiösen Sinnes beiträgt. Sie bildet ein wichtiges Moment in der neueren Geschichte der jüdischen Religion und ist, wie jetzt wohl allgemein anerkannt wird, „nicht ohne wvhlthätige Rückwirkung" aus die jüdische Gcsannutgemeinde der Stadt geblieben, in der Mendelssohn gelebt und die völlige Umgestaltung der Verhältnisse seiner Glaubensgenossen angebahnt hat. Stern widmete sich ganz den Angelegenheiten der Reformgemcinde, war Präsident ihres Vorstandes und wirkte in ihrer Religionsschule und bei ihrem Cultus bis zu seinem Abgänge von Berlin. Seine Erziehungsanstalt gab er schon 1845 auf. Als in: Juli desselben Jahres die zweite Versammlung deutscher Rabbiner in Frankfurt a. M. tagte, suchte die Reformgenosseuschaft eine Verbindung nrit ihr anzuknüpfen und sandte zu diesem Zwecke eine Deputation, zu der Stern gehörte. Er richtete im Namen derselben das Wort an die Versammlung, die im Andachts- und Prüfungssaale unserer Schule 'ihre öffentlichen Berathungen hielt, und verlas eine den Zweck seiner Sendung darlegende Denkschrift. Das Bild seiner damals noch jugendlichen Erscheinung schwebt uns in diesem Augenblicke vor. Die eigenthümliche Mischung von gewinnender Freundlichkeit und benressenenr Ernste, mit der er auftrat, wie überhaupt die ganze Persönlichkeit des Mannes, der aus Liebe zur Religion den entschiedenen Fortschritt in derselben erstrebte, konnte des Eindrucks nicht verfehlen. Als es sich darum handelte, die bisher von Heß bekleidete Stelle neu zu besetzen, lag es nahe, daß nian den Blick auf Stern richtete. Da die „Genossenschaft für Reform im Judenthume" sich die Gränzen einer „Reformgemcinde" gezogen hatte, so war Stern's Wirksamkeit m derselben zwar immer noch sehr erfolgreich, aber doch von der Art, daß er sie gegen eine andere aufgeben konnte. Er folgte dem an ihn ergangenen Rufe und trat am 2. Juli 1855 an die Spitze unserer Schule. Dieser seiner Stellung gemäß, hielt er sich von nun an von allen Kämpfen und Parteibestrebungen in religiösen Angelegenheiten ferne, widmete sich aber mit Eifer der Pflege des religiösen Sinnes bei der Jugend.