Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 2 (1835)
- Issue
- 12 (12.1835)
- Date
- 1835-12-01
- Page
- Seite 435 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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435 die Dächer mit Reif bedeckt, und am Ende des HstnmelS steigen graue Rauchwolken auf, die den Schnee des Herrn bringen — da heißt es: der Winter ist da! er ist einem f a st in s HauS ge f a l len! Und welch' große Veränderung Dringt der Winter. Verschwunden ist^das erquickende Grün, das unser Auge labte, und der Winker leAte dafür sein blendendes Schnee- und Leichentuch über die Erde. Verschwunden sind die bunten und duftenden Blumen, und der Winter malet dafür seine eigenen Scheinblumen an daL Fenster, ein schlechter Ersatz. Verschwunden sind die goldenen Früchte im dunke^ Laube der Bäume, und der Winter streifte diese dafür ab, daß sie nackt und bloß stehen, und unS wehe thur/. Verschwunden ist der Sang und Klang der Vögel una Thiire aller Art, und der Winter machte dafür die gabze Natur zu einer Einsamkeit und Oede, in der jeder Laar erstorben ist. So, meine Lieben, deutet vornehmlich der Winter auf den Wechsel der irdischem Dinge, die nicht bestehen. Er rufet unS zu mit lauter Stimme^/Woran ihr euch freutet, daS wird euch genommen, nämlich, wenn'ö bloß irdisch Ding gewesen — und wie/Vas Laub von den Bäumen, das Grün von der Flur, die Blumen von dem Garten, die Vögel von dem Felde Weichen und abfallen: so scheuchet auch euer Winter einst die Kraft der Jugend und das wolle heiße Leben aus eurer Brust, und euer Haar wird grau, ^nd eure Glstder zu Baumreisern, und das irdische Alles wird zu einem großen Schneetuche, daß die Augen drüber geblendet werden. Und möget ihr euch das auch lange verbergen und verheimlichen — in Einer Nacht überfällt es euch, daß ihr fühlet: derW i nter ist.da! er ist mir in Brust und Glieder gefallen! Darum, wahrlich l wie der Baum nicht stolz sein darf auf seine Frucht, denn der Winter nimmt sie ihm, die .Flur uicht auf ihr Grün, die Blumen nicht auf ihre Farben und Püfte, denn der Winter nimmt sie ihnen: so sollte der Mensch nicht Fdlz sein auf seine irdischen Blumen und Früchte, Künste und Güter, sich nicht überheben seiner irdi.