Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Journal
- Israelitisches Predigt- und Schul-Magazin
- Volume
- 2 (1835)
- Issue
- 1 (1.1835)
- Date
- 1835-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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MW« WV»««»^^V^^WWMWW ' - . > Ll °; , 18 WWW v , -». lieber die Anwendung der sogenannten Midraschim in den deutschen Borträgen. . - ' ' '. t Fragment eiyeS Schreibens an einen Rabbiner.) „Was die von Ihnen zu ^rkenne^ gegebene Ansicht über die Deutung der Midraschim betrifft,! so Lebe ich gern zu, daß der buä)stäbliche Sinn zuweilen mit meiner Auslegung^) nicht übereinstimMt. Ich gehe hierbei von folgendem Principe aus. Eine Auslegung hat ^entweder scienkifische oder" moralische Bedeutung. Im ersteren Falle dars nie gegen die Regeln der Hermeneutik und Kritik verstoßen werden; alleS Gesuchte ist zu vermeiden. ES ist unS ja nicht um Darstellung eines gewissen, mehr oder minder einleuchtenden, mehr ober minder erbauenden Satzes zu lhun; wir wollen nur die Wahrheit auffinden. Anders verhält es sich aber, wenn wir der zweiten Tendinz zu genügen haben. Hier ist vor Allem erforderlich, daß man die/Modalität berücksichtigt, wonach wir das Buch oder die /Stelle, die zu erläutern ist, betrachten. Ist eS z. B. ein Werk, das in früherer Zeit unter Verhältnissen, die lischt mehr vorwalren, abgefaßt wurde, und daher das Geprägt feinet Zeit nochwendig an sich Irägt, dennoch aber als Richtschnur unseres DenkenS und Handelns für alle Zeiten dienen soll, so geben wir zu ernennen, indem wir dessen Autorität forlbrstehen lassendaß sein Inhalt, außer dem für seine Zeit gegebnen ÄWortverstande, auch noch einen andern, den Ideen und Bedürfnissen aller Zelten entsprechenden Sinn haben müsse. Dieses begriffen die Talmudiften und^ Urheber der Mdraschim sehr wohl, indem sie viele Stellen der heiligen Schrift, deren buchstäblichen Sinn sie nicht mehr ausreichend fänden, zur ErbaNUng und Belehrung ihrer Zeitgenossen, auf eine Weise interpretirren, die, obgleich allen Regeln der Kritik entgegen, dennoch den Bedürfnissen der Zeit, die hyperbolische Sagen, Tröstungen und *) Bezieht sich auf. das Merkchen Fmre joscher; religiösmoralische Reden von Ä. Keer. Leipzig, Fest, 18S3.