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Jüdische Jugend · 1924-01-01 · 6 (1924) · p. Seite 108

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Journal
Jüdische Jugend
Volume
1 (1924-25) Tischri 5685
Issue
6 (1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 108 (sequence 17)
Language
German
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108 Jüdische Jugend Heft 6 abgewiesen worden wäre, wenn nur die Voraussetzung: Bewusstes Judentum und Palästinainteressement gegeben war. Allerdings schliesst die klare und einfache Art des Verbindungswesens, sowie der Zwang für seine Worte auch mit Taten einstehen zu müssen, es aus, dass sich Rethorik und Phrasengedresche als moderne geistige Einstellung gebärden und essentielle Fragen der Bewegung vom Geleise der Arbeit auf das der Diskussion verschoben werden. Interessant ist auch festzustellen, dass die neueste Strömung des Zionismus, der Aktivismus Jabotinskys seine ersten Anhänger in Wien und Deutschland gerade unter den jeder modernen Richtung angeblich verschlossenen „Verbindungsstudenten" fand. Der Umstand, daß die Verbindung ihrem Inhalte nach stets zeitgemäss gewesen, haben sie es zu danken, dass sie die Schäden der Kriegs- und Nachkriegszeit so rasch überwunden und die Lücken aufgefüllt haben. Heute stehen sie gefestigter denn je da und werden bei der Lösung der Krise im Qaluth und durch ihre Mitglieder in Erez Israel sicherlfch ein gewaltiges Wort mitzureden haben. Damit aber die Jugend als solche ihren alten Einfluss zurückgewinnt und die Lethargie des Wiener Zionismus erfolgreich bekämpfen kann, ist es notwendig, dass die verschiedenen Jugendvereinigungen statt einander anzufeinden einander verstehen lernen und sich endlich bewusst werden, dass die Zionbewegung heute viel zu gross und vielfältig ist, um nur aus einem Punkte bekrittelt zu werden. Wenn sich aber die einzelnen Gruppen — unter völliger Wahrung ihrer Eigenart — zusammenschliessen, um einander im Kampfe für ihre gemeinsamen Ideale beizustehen, dann wird die Krise bald überwunden sein und die Antwort auf die Frage, wo die Jugend sei, wird lauten: „Die Jugend marschiert und ihr Ziel ist Erez Israel." AUS UNSEREM LESERKREIS DIE VIELSEITIGKEIT DES MODERNEN JUDEN ei allen grossen Geschehnissen unserer Zeit, die formend und wesenbestimmend auf die Menschheit wirken, ebenso wie bei all - den kleinen, ach so lächeilich kleinen Dingen des Alltags, all- -1 überall ist der Jude dabei, der junge Jude vor allem, überall jst er zu sehen, zu hören, zu fühlen und das in ausgiebigstem Masse. Das klingt beinahe wie eine Anklage? Ja, es soll auch eine sein. Denn überall ist er dabei, auf allen Sport- und Turfplätzen, in den Bars, Vergnügungslokalen und Tanzpalästen, engagiert bei allen Geschäften und Transaktionen, grosser Wortführer und anmassender Kritiker auf allen Gebieten der Literatur, tonangebend in Modefragen, bewandert in jeder Eintagsdummheit, in jeder Frivolität und Unnatur der Gegenwart. Nur bei einer Sache ist er nicht zu finden, da ist er nicht mit Herz und Gefühl, mit seiner ererbten Intelligenz dabei, das ist ihm zu langweilig, uninteressant, zu fern, zu unmodern, zu ernst, zu unbekannt:

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