Jüdische Jugend
- Journal
- Jüdische Jugend
- Volume
- 1 (1924-25) Tischri 5685
- Issue
- 6 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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106 Jüdische Jugend Heft 6 So besaßen wir denn in Österreich seit Jahren kein Jugendblatt mehr; dem ist durch die Jugendbeilage der Wiener Morgenzeitung (Jüdische Jugend") für einige Zeit abgeholfen worden. Hoffentlich wird deren Nachfolgerin, die vorliegende neue Zeitschrift endlich bestehen bleiben. * Aber wir hatten bisher auch keine richtige Jugendbewegung in Österreich und das ist doch das Primäre. Der am Jugendtag im Mai 1918 von Bernfeld konstituierte Zentral verband der jüdischen Jugendgruppen Österreichs ist schmählich zugrunde gegangen. Er sollte — in Bernfelds eigenen Worten — der Jugend den äußeren Ausdruck ihrer gefühlten Einheit geben; er sollte sie .zur Arbeit zusammenschließen. Er sollte nicht nur Organisation bleiben, sondern das Gefäß einer Bewegung werden. Es sollte kein Gezänke, kein Streit, kein „politisches Getue" sein, sondern Arbeit, Überzeugung, Entwicklung . . . Es ist aber umgekehrt gekommen. Das Befürchtete wurde Wirklichkeit, das Gewollte blieb Phrase. Alle Schuld muß ich dem verantwortlichen Leiter des verstorbenen Zentralverbandes, dem gewesenen Jugendreferenten des zionistischen Landeskomitees iür Österreich zuschreiben: Bernfeld. (Seine einzige Entschuldigung ist, daß das Jugendreferat in Wien in den letzten Jahren stets stiefmütterlich behandelt wurde. Alle jüdische Jugendbünde und -vereine und alle Verbindungen, kurz: Die jüdische Jugend Österreichs hatte sich im Frühling des Jahres 1918 zusammengeschlossen. Hinter der neugeschaffenen Zentralstelle standen viele hunderte organisierte, begeisterte Jugendliche. Nach wenigen Monaten schon löste sich der Zentralverband auf. B e r n f e 1 d schied gleichzeitig aus dem Landeskomitee. Sein Nachfolger wurde Heinrich Margulies; doch nur für einige Wochen, dann ging er nach Berlin, ohne die Jugendbewegung neu orientiert zu haben. Auch sein Amtsnachfolger, Professor Dr. Wilhelm Stein, konnte nichts ausrichten, trotz guten Willens ... Bis gestern (könnte man sagen) lag die Sache so, daß die Jugend in Österreich dezentralisiert, verirrt un]d verwirrt, ohne Führer und ohne Berater war, der „Parteileitung" feindlich gegenüberstehend. Heute scheint es endlich etwas besser zu werden. Aber noch sind viele Aufgaben zu lösen, ehe die Krisis als überwunden angesehen werden kann. Es wird Pflicht des zionistischen Landesverbandes und insbesonders des wieder zu besetzenden Jugendreferates sein% die Jugend nochmals — hoffentlich zum letzten Male — zu organisieren : es darf aber nicht mehr vorkommen, daß Männer,