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Jüdische Jugend · 1924-01-01 · 6 (1924) · p. Seite 105

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Journal
Jüdische Jugend
Volume
1 (1924-25) Tischri 5685
Issue
6 (1924)
Date
1924-01-01
Page
Seite 105 (sequence 14)
Language
German
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Heft 6 Jüdische.Jugend 105 BEITRAG ZUR GESCHICHTE DER JÜDISCHEN JUGENDBEWEGUNG IN ÖSTERREICH Von RUDOLF SEIDEN (Mödling bei Wien) (Schluß.) Bernfelds Zeitschrift „Jerubaal« hat versagt; auch wenn Dr. Rudolf Glanz, Sekretär des (selig entschlummerten) Zentral v erb and exs der jüdischen J u gen d g r up p e n in Wien, also gewissermaßen der Adjutant Bernfelds, in einem Aufsatz im „Jerubbaal" über diese Zeitschrift sagte (es klingt fast wie eine Entschuldigung auf eine Selbstanzeige): „...Jeder Leser, der die Schwierigkeit eines neuen Gedankenganges noch nicht abzuschätzen vermag, ist geneigt, die Schreibart „schwer" zu finden und sich von daher eine Erleichterung zu erwarten. Oft mit großem Unrecht. Es gibt eben leichte und schwere Gedankengänge . . . Wo ein neuer Stil entsteht, sind es immer die Ganzen, völlig Runden, ganz hingegebenen Menschen, die den Lebensformen der Gemeinschaft ihr Gepräge geben. Die jüdische Jugend braucht freie Mannigfaltigkeit in allen ihren Lebenskreisen, damit die Formbegabten, in der Gemeinschaft schöpferischer Individuen, sich entfalten können. Dazu ist der „Stil" im „Jerubaal" nur ein Anfang, aber ein wichtiger und guter.." Zum Motto für diese Abhandlung wählte sich Dr. Glanz Schopenhauers Ausspruch: „Der Stil ist die Physiognomie des Geistes", aber leider Jn ganz verdrehtem Sinn! Denn Schopenhauer sagt im gleichen Werke (über Schriftstellerei und Stil", Kap. 13) fortfahrendj: „Sie ist untrüglicher als die des Leibes. Fremden -Stil nachahmen heißt eine Maske tragen." Nun, der] „Jerubaal" wollte der „Jude") sein; stilistisch könnten sich beide vielleicht die Wagschale halten; die Schreiber des „Jerubaal" wollten eben Buber spielen: Sie ahmten seinen und Bernfelds komplizierten, daher nicht deutschen und nicht schönen Stil nach — aber es gab doch eine Unterscheidung; Im „Juden" gibt es Inhalt, im „Jerubaal" gab es den nur selten! Es blieb da meist bei einer leeren Maske. Wenig Jugend kam in dieser Jugendzeitschrift zu Wort: Gewöhnlich nur die Bernfeld gleichgesinnte, die auch mitschuldig ist am Niederbruch unserer Jugendbewegung in Wien. Jugendlicher und zionistischer (so tief sind wir gefallen, daß wir von diesem Adjektiv sogar einen Superlativ schon bilden können; zur Zeit Herzls wäre dies unmöglich gewesen) waren die leider bald eingegangenen „Jüdischen Jugendblätter" von Heiniich M a r g u 1 i e s. Sie konnten sich nicht halten, weil zwei oder mehrere derartige Zeitschriften nebeneinander im kleinen Österreich unmöglich bestehen können.

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