Jüdische Jugend
- Journal
- Jüdische Jugend
- Volume
- 1 (1924-25) Tischri 5685
- Issue
- 6 (1924)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 101 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Heft 6 Jüdische Jugend 101 sächlich als das zu werten, was sie waren: Der erste Versuch einiger, (leider nicht aller) zionistischer Jugend verbände, eine einigende Basis für die praktische Palästinaarbeit zu schaffen. Etwas anderes, etwa gar „das befreiende Wort, die geistige Erneuerung" des Zionismus von ihr zu erhoffen, wäre grundfalsch. Denn die Jugend von heute gefällt sich, entsprechend den gegenwärtigen Verhältnissen, nicht mehr, sich in theoretischen, schöngeistigen Erörterungen ideeller Begriffe zu ergehen, sondern sie will einzig und allein diese Begriffe in Erez Israel in die Tat umgesetzt sehen. Die „Geistigkeit" ist heute nicht mehr Selbstzweck, wie vor der Balfour-Deklaration, sondern nur Helfer und Mittel beim Aufbau unseres Landes. Im Zionismus von heute gibt es nicht mehr viel neue Dinge zu erörtern, dafür aber sehr viel neue Dinge zu verwirklichen. In diesen Bahnen ergingen sich die Beratungen zu Danzig. . Aber es darf nicht vergessen werden, daß dort sich nur zionistische Verbände zusammenfanden, zumal solche, deren Mitglieder zum Teil schon in Erez Israel sind, beziehungsweise dorthin gehen wollen. Das mag mit Schuld daran sein, daß in Danzig viel zu wenig, auf spezielle Qaluthfragen eingegangen wurde. Und doch ist die übrige jüdische Jugend — und sie ist in der überwiegenden Mehrzahl — noch nicht soweit, kann auch wahrscheinlich — zumindest in absehbarer Zeit — nicht soweit kommen, wie die Danziger Verbände. Ihr obliegen andere, nicht minder wichtige Aufgaben. Sie muß das Reservoir, aus dem die Palästinapioniere reichlich schöpfen, und deren „materielles und moralisches Rückgrat" sein. Diese Jugend zu erfassen, zu organisieren, sie auf dem Wege einer gemeinsamen Aussprache zur Erkenntnis und praktischen Betätigung der eben erwähnten Aufgaben anzuleiten, ist ein ebenso schweres, wie notwendiges Werk. Der Versuch, es in die Tat umzusetzen, ist das Verdienst der „union universelle de jeunesse juive" (Weltbund der jüdischen Jugend), die ihren Sitz in Paris und Sektionen in fast allen Ländern hat. Vor kurzem weilte eigens ein Vertreter dieses Weltbundes, Herr Charles Nehama aus Paris, in Wien, um mit uns die Möglichkeiten und Aussichten eines Weltkongresses der gesamten jüdischen Jugend zu beraten. Es darf nicht vergessen werden, daß die Einberufung eines solchen Kongresses eine schwere Verantwortlichkeit beinhaltet, da ein Mißlingen sicherlich auf lange Jahre hinaus jede Möglichkeit, einen anderen einzuberufen, nehmen würde. Darum kam man nach genauer Prüfung und Erörterung der gegenwärtigen Verhältnisse überein, im Einvernehmen mit den in Betracht kommenden Faktoren zwecks Einberufung eines Weltkongresses der jüdischen Jugend eine Vorbesprechung hierüber voraussichtlich in Basel zwischen dem 31. Mai und 2. Juni 1925 abzuhalten. Im Bewußtsein, daß die Jugend selbst fühlt, wie dringend eine Zusammenfassung all ihrer Kräfte in den einzelnen Ländern not tut, um im engen Kontakt miteinader den gemeinsamen hohen Zielen zuzustreben, haben wir uns in den Dienst der Sache gestellt und uns bereit erklärt, uns zu diesem Zweck mit der jüdischen Jugend Deutschlands, der Tschechoslowakei, lugoslawiens und Ungarns ins Einvernehmen zu setzen, während von der Pariser Zentrale des Weltbundes der jüdischen Jugend alle anderen Länder geladen werden. Wir betonen: Diese Vorkonferenz hat lediglich den Charakter