Jahresbericht
- Journal
- Jahresbericht
- Volume
- 1931
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 29)
- Language
- German
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Hilfswerk in Rumänien. Die jüdische Bevölkerung Rumäniens, die ein städtisches, in Handel und Gewerbe tätiges Element ist, wurde durch die Schrumpfung des inneren Marktes, der Produktion und des Exporthandels, die Zusammenbrüche der Banken und die Kreditkrise furchtbar getroffen. Die Not der Juden in Bessarabien, Transsylvanien und insbesondere in der Bukowina ist noch größer als in Altrumänien. Die Wiederaufnahme persönlicher Beziehungen zwischen dem Ministerpräsidenten Jorga und dem Antisemitenführer Professor Cuza gab der antisemitischen Bewegung einen neuen Aufschwung. Die antisemitische Agitation war noch niemals so intensiv wie gegenwärtig. Sie erfuhr eine Verschärfung, seitdem der fanatische Führer der Terroristenorganisation „Eiserne Garde", Codreanu, in das Parlament gewählt wurde. Die Antisemiten verlangen die Revision der Friedensverträge, die Änderung der Verfassung und die Wiedereinführung einer Ausnahmegesetzgebung gegen die Juden. Die Tätigkeit der antisemitischen Abgeordneten wird durch die Regierung und die parlamentarische Mehrheit ermutigt. Die Behörden, insbesondere in Bessarabien.. der Bukowina und der Moldau, leihen den cuzistischen Agitatoren vielfach Unterstützung. Infolge der Bestimmungen des Bürgerschaftsgesetzes von 1924, das einen Bruch der Friedensverträge und der von Rumänien übernommenen Verpflichtungen gegen die Minoritäten darstellt, sind zahlreiche Juden in Rumänien noch immer keine Bürger und werden von der Fremdenpolizei' drangsaliert. Wir haben auch im Jahre 1931 jüdische Schulen in Rumänien gefördert. Wir unterstützten in Bukarest: die Berufsberatungsstelle, die jüdische Volksuniversität, die Handwerkerschule „Ciocanul", die Mädchengewerbeschule „Fraternitatea Zion", ein Mädchenheim; in Jassy die Mädchengewerbeschule „Steaua" und die Mädchenelementarschule „Reuniunea"; in Galatz die Haushaltungsschule „Lumina", die Mädchenschule Schmierer und das Mädchen- und Knabenwaisenhaus; in Kischinew die jiddische Volksschule. Die Jugend hat in Rumänien unter der entsetzlichen Not der Zeit zu leiden. „Das bißchen Sonne, das sie im Leben haben, haben sie in der Schule." „Nach dem Unterricht nach Hause zu gehen — die Kinder wissen nicht, wozu sie es tun. Sie bitten, daß man ihnen erlaubt, in der Schule zu bleiben." „Die Kinder in zerrissenen Kleidern und hungrig; die Lehrer gepeinigt von Hunger, Kälte und materiellen Nöten; eine Verwaltung und ein tüchtiges Elternkomitee voll Sorgen, Mittel ausfindig zu machen, wie man durchhalten soll — das ist ein Bild der mühsamen und leidensvollen Arbeit im Verlauf des ganzen vorigen Berichtsjahres." Diese Stellen aus Berichten, die wir nachstehend im Auszug bringen, zeigen, daß die Schulen, abgesehen von ihrer kulturellen Mission, gerade in der Zeit der Wirtschaftskrise von 18