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Jahresbericht · 1931-01-01 · 1931 · p. Seite 15

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahresbericht
Volume
1931
Date
1931-01-01
Page
Seite 15 (sequence 22)
Language
German
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IRI
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Gemeindebudgets die Positionen für kulturelle Zwecke zu streichen, ging parallel mit der Tendenz, aus städtischen Budgets die Beihilfen wesentlich einzuschränken, die früher für jüdische Schulen bestimmt zu werden pflegten. Für die Zwecke des jüdischen Kultus wurden im Jahre 1931 aus dem Staatsbudget im ganzen 242432 Zloty bewilligt! Im November 1931 fanden schwere Exzesse seitens antisemitischer Studenten gegen ihre jüdischen Kollegen in Krakau, Warschau, Wilna, Lemberg und Posen statt, die sich auf andere höhere Lehranstalten übertrugen, und die bezwecken sollten, den numerus clausus für jüdische Hörer zu erzwingen. An die Exzesse gegen die Studenten schlössen sich Angriffe auf jüdische Viertel, Überfälle auf Juden in den Straßen, in Cafes, Theatern, Plünderungen jüdischer Läden an. Auch eine Anzahl kleinerer Städte wurde zum Schauplatz von Ausschreitungen. Auf einem Kongreß der nationaldemokratischen Partei, die hinter den Exzessen stand, wurden die maßgebenden Stellen aufgefordert, den polnischen Handel und die polnische Industrie durch Boykottierung der Juden auf wirtschaftlichen Gebieten zu unterstützen und einen energischen Kampf gegen ihren Einfluß auf das intellektuelle Leben durch Festsetzung eines numerus clausus in Gymnasien und Hochschulen zu führen. Die Exzesse fanden dank den Maßnahmen der Regierung, dem Widerstand der jüdischen Studenten und der Haltung der polnischen Bevölkerung bald ihr Ende. In Wilna wurde ein christlicher Student getötet. Das Kreisgericht erhob im Zusammenhang damit Anklage gegen eine Gruppe von Juden und einzelne Christen, Dieses Mißverhältnis kann nur den Eindruck hervorrufen, als ob in Wilna nicht antijüdische, sondern antipolnische Exzesse stattgefunden hätten. Die Wilnaer Polizei hat sich namentlich zu Beginn der Ausschreitungen nicht nur passiv verhalten, sondern die sich zur Wehr setzenden Juden geschlagen und verhaftet. Dies hatte zur Folge, daß der Kreishauptmann von Wilna auf Anordnung der Zentralbehörden seinen Abschied nahm. Nichtsdestoweniger wurde die Gerichtsverhandlung auf Grund von Polizeiprotokollen geführt, wobei weder der Untersuchungsrichter noch die Prokuratur (Staatsanwaltschaft) eingegriffen hat. In Polen galt unsere Fürsorge, wie in anderen Ländern des Ostens, der Jugend. Von den fünf Sommerferienkolonien, zu deren Errichtung wir im Jahre 1930 30 000 M. und im Jahre 1931 20 000 M. beigesteuert haben, sind im Sommer 1931 drei in Betrieb genommen worden. Eine Kolonie befindet sich in dem Kurort Druskieniki auf einem Grundstück von 1000 qm, in unmittelbarer Nähe eines Fichtenwaldes. Sie umfaßt vier Gebäude; das Hauptgebäude hat zehn große Zimmer,, von denen neun als Schlafzimmer für die Kinder eingerichtet sind. i5 i

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