Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Journal
- Jahresbericht der Landes-Rabbinerschule in Budapest
- Volume
- 38. für das Schlujahr 1914-1915 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 8)
- Language
- German
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Einleitung. 3 Harun al-Ra§id (786—809), der angeblich1) den berühmten syrischen Arzt, Abu Zakarija Jahja ben Masaweih (Mesue) an seinen Hof gezogen hat, beginnt schon die Übersetzertätigkeit, welche sich durch Honein ben Ishak (geb. 809) zu hoher Blüte entfaltete. Aber die Übersetzungen ins Syrische haben weit früher begonnen. Seit Alexander dem Großen kamen viele Griechen nach Syrien, wo Antiochia, Apamea, Damaskus und Berytos griechische Kulturzentren waren, welche das hellenische Wissen nach Persien vermittelten. Berühmt war die medizinische Hochschule in Gondi§abur, in der persischen Provinz Khuzistan, welche der König Sabur I. (24 \—271) erbaut haben soll, zu welcher Zeit im persischen Babylonien jüdische Hochschulen das regste geistige Leben führten und mit Nisibis, der Hauptstadt des römischen Mesopotamiens, wie auch mit Edessa, in deren hervorragenden Christenschulen viel Griechisches ins Syrische übersetzt wurde, ununterbrochene Beziehungen hatten. Waren da die Wissensdurstigen Juden nur auf den syrischen Hippokrates und Galen angewiesen, war ihnen die Möglichkeit genommen» den Dioskurides auch im Original zu studieren? Die Möglichkeit war dazu gewiß vorhanden♦ Sowohl in Syrien und Mesopotamien, wie auch in Palästina selbst» welches Land seit dem römischen und byzantinischen Joch aus aller wissenschaftlichen Tätigkeit ausgeschaltet zu sein schien, konnten sie des Griechischen mächtig sein und auch über den gewöhnlichen Verkehr hinaus in den Quellen wissenschaftlicher Forschung Bescheid suchen; wie denn auch die Möglichkeit nicht von der Hand zu weisen ist, daß in den jüdischen Kulturzentren Mesopotamiens nach dem Muster der persischen und christlichen medizinischen Hochschulen solche auch unter jüdischer Verwaltung vorhanden waren, oder daß an den vorbenannten Hochschulen auch in hebräischer Sprache vorgetragen wurde. Es soll ja selbst an der berühmten salernitanischen medizinischen Hochschule Rabbr Helinus (Elias) die Medizin in hebräischer Sprache gelehrt J) Mayer, Geschichte der Botanik, DI, Königsberg 1856, p. U4.