Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 10 (11.1917)
- Date
- 1917-11-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
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14 religiösen Gemeinsamkeit, das ״Gchicho hu bernizwaus“ nie vergessen werden dürfte. Diese Grundregel jüdischer Ethik wird aber leider auch von den Besten und sonst Gewissenhaftesten oft genug im Eifer des Gefechtes außer Kurs gesetzt. Allein zweierlei übersieht Herr Di׳. F. unseres Erachtens. Einmal scheint er seine Kenntnis von den Vorgängen in Polen ganz ausschließlich aus den Äußerungen der deutschen z i o - n i ft i s ch e n Presse und seiner zionistischen Parteifreunde zu schöpfen. Er würde sonst die Notwehr gerechter Würdigen, in der sich sowohl die ״Agudas Hoorthodoxim" als ihr Zeituugsorgan gegenüber einer ganzen Meute fanatisierter Gegner befinden, denen tatsächlich kein Mittel des Kampfes zu schlecht ist, und die auch gute Nerven zugrunde richten können. Wichtiger aber ist die P r i n z i P i e 11 e Stellung zum Zionismus, die ja an sich von der F o r m der Polemik unabhängig zu sein scheint. Hier geht Herr I)r. F. von der nachweislich unrichtigen Voraussetzung aus. die zionistische Organisation sei ein neu^- tralerZweckverbandzurLösungbestimmterprakt ischer Aufgaben, etwa so hat es Dr. g. einmal im ״Israelit" formuliert wie eine ״Chewra Kadischa". Wäre diese Annahme richtig, so hätte die ״Agudas-Jisroel", die ja selber das jüdische Volkstum als unverrückbaren, grundlegenden Bestandteil der religiösen Lehre des Judentums anerkennt, in der Tat keine Veranlassung, dem Zionismus kritisch gegenüberzutreten. Allein diese ganze Annahme ist falsch, ist eine Verkennung des Wesens und eine Beleidigung der Würde des Zionismus. Die zionistische Organisation will d i e Organisation des jüdischen Volkes, nicht eine Organisation im jüdischen Volke sein! Sie will das jüdische Volk ohne seine Thora, abgesehen von seiner Thora, organisieren und gibt damit die Grundbedingung preis, unter der - auch für Herrn vr. F. — das jüdische Volk vom Schöpfer in die Weltgeschichte eingeführt wurde. Demgegenüber will die ״Agudas Jisroel" das jüdische Volk in seiner h i st o r i s ch gegebenen Form, mit seiner Thora als Lebensseele, verkörpern; a u ch sie will keine Partei sein, sondern d i e Nation als solche. In dieser Grundfrage der jüdischen Volksexistenz kann es daher nur ein ״E n t w e d e r - oder" geben! Entweder z i o n i st i s ch e r Nationalismus mit absoluter Neutralität gegenüber dem Thoragesetze als der Lebensnorm der Gesamtheit oder j ü d i s ch e r d. i. A g u d a - N a t i o n a 1 i s m u s , der die mannigfaltigen nationalen Lebensäußerungen bei all ihrer vollen, allseitigen Pflege dem Willen des Sinaigesetzes unterstellt.