Mannheim
Compact Memory

Blätter · 1917-11-01 · 10 (11.1917) · p. Seite 11

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
3 (1917)
Issue
10 (11.1917)
Date
1917-11-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/6467833-9641082-9641093--0420-6468451
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

11 für Teile der Judcnheit, denen der volljüdische Kulturbesitz bisher ganz oder fast ungeschmälert erhalten blieb. Bei uns mögen Fragen der Einzelheiten des synagogalen Ritus, der religiösen Apologetik usw. im Vordergunde des Interesses stehen, im Osten sicherlich nicht; und tausendfach wichtiger für die Zukunft der Ostjudenheit ist die Erreichung der kleinsten Konzession in Richtung der unabhängigen und selbständigen Ordnung und Umgestaltung des jüdischen Schulwesens auf der Basis autonomer Steuerverhältnisse*) als der schönsten Vorschriften über Shnagogenbesuch und Predigten der Rabbiner. Wie sehr anders als wir eine noch in wesentlichen Teilen durch unddurch jüdische Gemeinschaft im Moment ihrer inneren Gefährdung vorgeht, w o sie die Hauptgefahr und wo die wirksamsten Mittel zu deren Bekämstfung erblickt״ das ersehen wir aus den gegenwärtigen gewaltigen Vorgängen innerhalb der russischen Judenheit.**) E i n Gebiet freilich gibt cs, wo jeder Zweig der jüdischen Gemeinschast außerhalb seines geographischen Bereichs vorläufig bis zu einem gewissen Grad seine besonderen Methoden und Wege einschlagen und das ihm gewohnte Milieu in wesentlichen Teilen erhalten wird und darf, auf dem uns allen gemeinsamen Palästinenfischen Boden, lind gerade dort, wo wir ja auch mit nicht thoratreuen Vereinigungen so manches gemeinsame Ziel verfolgen, sind Unstimmigkeiten und ernstere Differenzen am leichtesten möglich, am verhängnisvollsten und -- wie die Tatsachen beweisen - leider auch wirklich häufig. Da möge uns und anderen die Katastrophe, die über jahrzehntelange jüdische Arbeit auf heiligem Boden jetzt hereingekrochen ist, eine ernste Mahnung dazu sein: einmal mit möglichst vereinten, reibungslosen und brüderlichen Kräften von allen Lagern her gemeinsam Zusammenarbeiten an den großen allgemeinen Zielen, der Sicherung der Niederlassung, der Ermöglichung des Grunderwerbs, der Förderung der Einwanderung namentlich für die landwirtschaftlich, industriell und technisch tätigen Elemente, der quantitativen und qualitativen Vermehrung des Anbaus usw. —, zweitens aber seitens der thoratreuen Gemeinschaften und vor allem seitens der Agudoh und ihrer Landesorganisationeu dafür zu sorgen, daß auf den jüdischen Boden und in das körperlich gekräftigte, in der heiligen Sprache redende, seines Judentums froh und stolz bewußte neue Geschlecht auch der unverfälschte, volljüdische Geist vergangener Generationen cinziehe, jener Geist, der in der *) Dieser Punkt ist, teilweise Wohl unter dem Zwang der Verhältnisse, ganz nngeniigend berücksichtigt in der ״Verordnung, die Organisation der jüdischen Neligionsgesellschaft im Generalgouvernement Warschau betreffend", die sichtlich von dem religiösen und rechtsgcschichtlichcn Geist des deutschen Judentums und der deutschen Indengesetzgebung durchtränkt ist. r **) Charakteristisck ist das bei der westlichen Orthodorie in so geringem Maß vorhandene Verständnis für die ungeheure Wichtigkeit der nationalen Autonomie lauf Grund des Pcrsonalprinzips) für die' verschiedenen Teile der Ostjudenheit. *»TN■•

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.