Mannheim
Compact Memory

Blätter · 1917-11-01 · 10 (11.1917) · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
3 (1917)
Issue
10 (11.1917)
Date
1917-11-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/6467833-9641082-9641093--0419-6468450
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

10 satz, der theoretisch Wohl allgemein anerkannt ist, und der sich vielleicht so fassen läßt: bei der Lösung von Ausgaben außerhalb Deutschlands müssen ivir stets allein dieBedürsnisse und Wünsche der betreffenden Teile der In den heit berücksichtigen, diese selbst zu recht intensiver, eigener unbeeinflußter Mitarbeit veranlassen, im übrigen möglichst ausschließlich Männer und Frauen, die mit den betreffenden Verhältnissen und Bedürfnissen wohlvertraut sind, zur Betätigung heranziehen und es ernstlich vermeiden, bewußt oder unbewußt Gedankengänge, Methoden und SittendesdeutschenthoratreuenJudentumsanderen aufzudrängen. Zweifellos ist während des Krieges in allen Lagern des deutschen Judentums, von ״neutraler", nationaler und thoratreuer Seite aus gegenüber dem Ostjudentum, schwer gegen diesen Grundsatz verstoßen worden. Für diese Verstöße, die teilweise auch vom politischen Standpunkt aus zu kritisieren wären, hat das Ostjudentum nicht nur in äußerer Beziehung hart büßen müssen, sondern dieses Verhalten hat auch ins Innere der polnischen Judenheit weit tiefere und verhängnisvollere Gegensätze getragen, als sie der Natur der Sache nach bestehen müßten und auch vor dem Krieg Wohl vielfach bestanden haben. Zu leicht verfallen wir deutsche Orthodoxen in den für unsere innere Politik verhältnismäßig gleichgültigen, für die äußere um so verhängnisvolleren Fehler, zu glauben, wir seien ״gute Juden" kat' exochen, wir stellten ein Musterbeispiel für die über- Windung derAssimilation durch fcstbegründetes und gesichertes Judentum dar, und an unserem Wesen könnten und müßten andere, von der Gefahr der Assimilation bedrohte Teile der Judenheit genesen. Nein - ich sage hier nichts Neues, betone nur, wie sehr wir uns dessen bei der äußeren Arbeit stets bewußt sein müssen — wir sind ganz und gar keine vorbildlichen Juden, sind selber in hohem Maße der Assimilation verfallen und haben uns nur einen stillen Hafen gerettet, in den wir uns aus unserem, nur mehr in geringem Matze jüdischen Leben immer wieder für Stunden oder auch für Tage zu vollem jüdischen Fühlen. Denken und Handeln flüchten. Und wenn der auf dem Wege der Assimilation bereits sehr weit vorgeschrittenen deutschen Judenheit dieser Hafen erhalten blieb und befestigt wurde durch die Lebensarbeit eines S. 21. Hirsch ״ כ! eines Esriel Hildesheimer, eines H. B. Auerbach oder!ehawdil eines $. Hoffmann, so niüssen wir in Dankbarkeit und Ehrfurcht vor solchen Männern bekennen, daß sie Ungeheures vollbracht haben, aber uns gleichzeitig bewußt sein, daß auch sie nicht das Unmögliche'leisten konnten, die Entwicklung vergangener Jahrzehnte auszulöschen, und daß der von ihnen errichtete, bewundernswerte und unentbehrliche Bau danach auf einem schmalen und schwachen Fundament ruht, mit deni w i r uns mangels eines besseren begnügen müssen und können, der aber vielfach geradezu gefährlich wäre

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.