Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 9 (10.1917)
- Date
- 1917-10-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 leichtere Aufgaben. Den Grundsatz nur sollten wir als Agudowcrk für die Gruppen annehmen. Neben den Spendenlisten in unseren Blättern mag dann eine neue Liste, eine Tauroh-Lernliste erstehen für den sollheften, rentabelsten ״Tauroh-Fonds". Wer kennt nicht den ergreifenden Talmudberichtcn von Nikanor! (Joma 38). Er hatte zwei kostbare Torflügel für das Heiligtum auf seiner Seefahrt von Alessandria nach Akko bei sich. Sturm auf See brachte das Schiff in Gefahr, und um es zu erleichtern, warf die Besatzung den einen Türflügel über Bord. Weiter raste das Meer, und die zweite schwere Platte sollte der ersten folgen. Doch Nikanor klammerte sich an sie und gab sein Leben für sie Preis. Da schwieg der Sturm und Platte und Fahrzeug kamen heil iit■ den Hafen. Nikanor war betrübt über den Verlust des einen Flügels, als dieser in Akko von unterhalb des Schiffbodens wieder zum Vorschein kam. Wunder sind ihm widerfahren Auch wir haben zwei Tore besessen, das der Tauroh und das der Awaudoh.*) Dieses ging uns mit dem Gottcsheiligtum im brandenden Meere unter. Das andere, das Tor der Tauro, ist in Gefahr. Setzen wir unser Alles dafür ein, um es zu retten, und .,der das Meer beschwichtigt, wenn seine Wogen ausbranden", stehe uns bei und gewähre uns als sein Wunder unser verlorenes Schaar Awando auf Moria wieder, bald, in unseren Tagen! 4. Gcsamtheitsanfgaben! Die jeweiligen Gesamtheitsaufgaben will die Agudas Jisroel lösen. Auf den Schreibtischen des Gruppen- Verbands finden sich absonderliche Schriftstücke. Hier bitten Gefangene um Lese- und Lernstoff, dort wird gefragt, ob ein Mundwasser religionsgesetzlich zulässig ist; hier bittet aus Polen eine chassidischc Schaar um Erwirkung behördlicher Erlaubnis, trotz der Polizeistunde im Belagerungszilstand den S'lichans-Gottesdienst schon um 2־ Uhr nachts zu beginnen, dort wird nach einem geeigneten Religionsbuch gefragt; hier fordert eine Gemeinde einen internierten Mazzosbäcker an, dort wird ans Eingreifen der Agudo ein gewalttätiger Beamter versetzt. Ein Mosaik von Anliegen, die gottlob schlank erfüllt werden können, weil religiöse Wünsche von den deutsehen Behörden ernst genommen werden und die Agudo ein Faktor geworden ist. Die Vertretung der orthodoxen Interessen in Deutschland vor der Regierung verbleibt selbstverständlich der Freien Vereinigung. Aber unsere Gruppen und Mitglieder könnten sich mit ihren großen und kleinen Fragen, Beschwernissen und Wünschen noch mehr als bisher an den Gruppenverband wenden; er erledigt sie mittelbar oder unmittelbar und hat selber dabei den Vorteil, sich über die Vorgänge und Zustände praktisch unterrichtet zu halten.- 5. Im Augustheft plauderte ich über Jüdischkeit in der Außen- Welt. Ein freundlicher Leser schrieb mir den Einwand: wer nicht *) Der Gedanke stammt von R. Jaaakow-Wilna und wird ihm in dem trefflichen Buche Kauheles Jizchok nachcrzählt.