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Blätter · 1917-10-01 · 9 (10.1917) · p. Seite 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Blätter
Volume
3 (1917)
Issue
9 (10.1917)
Date
1917-10-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Der Zweck der Weltschöpfung liegt im Menschen, alles übrige ist demselben untergeordnet. Dieser Zweck wird aber erst erreicht, wenn die Menschheit im Großen und Ganzen zur wahren Gotteserkenntnis sich erhebt, dann auf Grund derselben nach bester sittlicher Entfaltung strebt und die möglichste Vollendung auch erreicht. Dazu ist es aber notwendig, daß das Menschenleben nach einem bestimmten System von Satzungen und Vorschriften geregelt wird. Jedoch kann der menschliche Geist allein eine solche Aufgabe nicht lösen; das haben die verfehlten Lebensrichtungen der ältesten Generationen bewiesen- Es war also sür den wahren Zweck des Menschenlebens und somit auch für den der Weltschöpfung unerläßlich notwendig, daß Gott selber sich dem Menschen offenbarte und selbst ihm die nötigen Vorschristen und Satzungen mitteilte. Dieses Vorhaben beschäftigte deil Schöpfer gewiß schon im Momente der Weltschöpfung und darauf bezieht sich der Ausspruch: bisvlnvll Hurob scheuikreia reischis. Gottes Vorsehung erkannte aber auch die unabweisliche Not- Wendigkeit, unter den Menschen geeignete Träger zu erwählen, deren Beruf es wäre, die erzieherische Macht der zu offenbarenden Lehre in der Praxis anschaulich zu machen. Diese erhabene Bestimmung hatten zuerst einzelne, durch wahre Gotteserkenntnis und feste Tugend ausgezeichnete- Männer wie die Erzväter: Abraham, Isaak u. Jakob. Dann erwählte Gott ein ganzes Volk, nämlich unsere Nation, sür den genannten Beruf; unsere nahe Beziehung zu jenen Frommen bot nämlich die Bürgschaft für unsere Vertrauenswürdigkeit. Wir haben Wohl allen Grund, diesen Vorzug hoch anzuschlagen, und ernst dahinzustreben, desselben immer würdig zu bleiben. Die richtige Erkenntnis unseres wahren Berufes muß uns aber vor dem Wahne bewahren, als hätten andere Nationen außer uns weniger Existenzberechtigung. Vielmehr ist -ttaroel nur reiaokia, das erste unter den Völkern, das die Aufgabe hat, den wahren Menschheits- und Gottesgedanken in der von Gott geschaffenen Welt zu verbreiten. Das soll ausgedrückt werden in bischwil jisnoel schenikrn reischis. Indem die geoffenbarte Lehre uns Satzungen und Vorschriften als verläßliche Richtschnur für das Leben in allen seinen Beziehungen an die Hand gab, gelangten wir in den Besitz sicherer Mittel, um unseren Handel und Wandel in gottgefälliger Weise zu regeln. Damit ist jedoch das Wesen des wohltätigen Einflusses noch nicht erschöpft, den die Religion auf uns ausüben soll; dieser Zweck ist erst erreicht, wenn die Religion unser ganzes Seelenleben beherrscht, indem ein tiefer, inniger Glaube an ein allgütiges und gerechtes Walten Gottes und an seine Allgegenwart, und infolgedessen ein unerschütterliches Vertrauen zu ihm in allen Lagen des Lebens unser Herz und Gemüt erfüllt. Ferner ist hingebungsvolle Liebe an ihn notwendig, und wahre Sehnsucht, einen innigen Verkehr mit ihm zu unterhalten, muß unsere Seele beherrschen. Hierzu müssen aber wir selbst am meisten beitragen, indem wir eine solche Überzeugung nicht nur festhalten,

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