Blätter
- Journal
- Blätter
- Volume
- 3 (1917)
- Issue
- 8 (9.1917)
- Date
- 1917-09-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Religiöse in Heine. Von stud. iur. Heinrich Cohen, Cöln. (Schluß.) Um diese Zeit geht eine große Veränderung der äußeren Verhältnisse und im Innern Heines vor sich. Er, in dem die Liebe zum schwarzrot-güldenen Bande mit dem glühendsten Hasse gegen die bestehenden Verhältnisse in seinem Vaterlande gepaart war, verläßt Preußen und findet in Paris, der Sonnenstadt, im klassischen Lande der Freiheit eine neue Heimat. Dort glaubt er von keinen engherzigen, kleinlichen Beschränkungen mehr gehemmt zu sein. Im Hauch dieser Freiheit lebt er neu auf, er, dem die Freiheit das höchste, menschliche Gut schien. Diese Freiheit dehnte er nach der Weise der neueren Philosophen auf alle Gebiete, politische, wie wirtschaftliche, wie religiöse aus. Gewiß, die Freiheit ist ein hohes, erstrebenswertes, ja unveräußerliches Gut, doch ins Ungeinesscne gesteigert ergeht es ihr wie dem an und für sich wohllöblichcn Ehrgeize. Ehrgeiz in unmäßiger Steigerung ergibt Ehrsucht, die häßlichste der menschlichen Eigenschaften. Ebenso ist die auf die Spitze getriebene Freiheitssucht ein Unding. Normen müssen sein; Gesetze müssen sein. In der Schranken- und Zügellosigkeit wird kein Mensch auf die Dauer sein Glück finden. Die Geschichte und Literatur kennt die Namen von zahlreichen, deren letzte Worte eine Bitte an Gott waren, ihnen ihre Lästerungen zu verzeihen. Wir wissen von Mördern, die förmlich im Blute ihrer Mitmenschen, ja ihrer Angehörigen wateten, daß sie auf das Schaffot geführt herzzerreißend „Mutter!" riefen. Wenn den Menschen die Todesschatten schon umgeben und er sein baldiges Dahinscheiden wahrnimmt, dann fühlt er die Nähe des göttlichen, unbegreiflichen Wesens, und Gewissensqualcn bemächtigen sich seiner Seele. — Heine hatte sich auch von seinem Gotte getrennt, und mit seinen neuen Landsleuten erhob er die Schönheit als Göttin der Vernunft auf den Altar Gottes. Er wandelte in den Bahnen Hegels und gelangte so zu einer Art Pantheismus. Heine sagt später selbst: „Ich kann nicht umhin, zu bemerken, daß der Gott der Pantheisten gar kein Gott ist, sowie überhaupt die Pantheisten eigentlich nur verschämte Atheisten sind." Immerhin erstarb in ihm nie das Gottesbcwußtscin. Hören wir folgende Stelle aus dem dritten Buche seiner Schrift „Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland". Er sagt vorher, jede Diskussion über das Dasein Gottes sei verwerflich, dagegen ist cs die heilige Aufgabe des Denkers, die Natur Gottes zu erforschen. Erlfährt dann fort: „Ganz